Filmhandlung und Hintergrund

Oliver Stones atemloses Brot-und-Spiele-Drama über eine amerikanische Religion: Professional Football.

Nach fetten Jahren wird das Football-Team der Miami Sharks von einem Misserfolg nach dem anderen gejagt. Dann muss der erfahrene Trainer Tony D’Amato wegen einer Verletzung auch noch auf seinen langjährigen Quarterback Cap verzichten. Sein Ersatz, der junge Schwarze Willie Beamen, erweist sich zwar als Naturtalent, aber als wenig mannschaftsdienlicher Spieler.

Zweimal hintereinander haben die Miami Sharks unter Teamchef Tony D’Amato den Football-Superbowl gewonnen. Jetzt hat der Meistertrainer mit seinem Team jedoch dreimal in Folge verloren. Die Zuschauer bleiben weg, zwei seiner Stammspieler fallen für längere Zeit aus und die skrupellose neue Eignerin der Mannschaft sitzt Tony ebenso im Nacken wie rücksichtslose Nachwuchsspieler. Teamgeist existiert nicht mehr, D’Amatos Tage scheinen gezählt – doch Football ist sein Leben und aufgeben gibt’s für den alten Haudegen nicht…

Trainer Tony D’Amato versucht sein Team, die Miami Sharks, wieder nach oben zu bringen, ausgerechnet mit Hilfe eines eigensinnigen Newcomers. Oliver Stones atemloses Brot-und-Spiele-Drama über eine amerikanische Religion: Professional Football.

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Kritikerrezensionen

    1. Wer dachte, dass Oliver Stone mit "Natural Born Killers" den härtesten Overkill für die Augen inszeniert hätte, der liegt falsch. "An jedem verdammten Sonntag" hat wohl die schnellsten Schnitte in der Filmgeschichte, die Rasanz der Footballszenen ist unglaublich, aber auch genauso anstrengend und kopfschmerzfördernd für den Zuschauer.

      Gleich zum Auftakt gibt es ein hammerhartes Spiel zu sehen. Erst nach 20 Minuten gibt es endlich eine Ruhepause, wenn die Spieler im Umkleideraum sind.
      Einige der Charaktere werden schön gezeichnet, sowohl der von Trainer Tony wie der von Biest Christina und die von etlichen Spielern. Kleine Nebenstränge werden aufgebaut, so z.B. die Ehe von Quarterback Rooney mit der dominanten Cindy (Lauren Holly), die ihren Mann unerbittlich unterdrückt. Bei all diesen wunderbaren Charakteren vergisst Stone jedoch seine eigentliche Absicht: die Kritik am amerikanischen Nationalheiligtum Football.

      Stone hat schon viele nationale Heiligtümer eingerissen, diesmal gelingt es ihm jedoch kaum eines anzukratzen. Anfangs noch zeigt er auf härteste Art wie brutal dieser Sport ist und wie hemmungslos die Leute hinter den Kulissen handeln. Geld ist alles. Die Spieler sind nur noch Beträge auf Schecks und beliebig austauschbar. Menschenleben werden skrupellos riskiert, der Sieg ist alles, koste es was es wolle. Doch mit der Zeit verliert der Film seine Schärfe, das Football-Geschäft steht bald nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr rückt der alternde Trainer Tony dahin. Ihm wird nicht das zugebilligt, was ihm eigentlich zu steht, nämlich Anerkennung.

      Und dort fängt der Film an nicht mehr das zu liefern, was man als Zuschauer von einem Oliver Stone-Film erwartet, denn dann ist er weder politisch, noch sonderlich gesellschaftskritisch. Ab hier funktioniert er nur noch innerhalb seiner eigenen Konventionen. Am Ende wird der Film dann versöhnlich.

      Das absolute Aus für einen Film von dem Mann, der grundsätzlich provoziert. Und auch die kleine Überraschung am Ende reicht nicht aus um den Zuschauer, der sich den Film anschaut weil da "Oliver Stone" draufsteht, zu überzeugen. Was bleibt ist dieses Mal keine Aussage, sondern nur dieser perfekte Bildersturm, der den Zuschauer fast aus dem Sessel haut. Man kann nur hoffen, dass sich das wieder ändert, denn noch mal kann Oliver Stone mit der Schnelligkeit seiner Bilder nicht beeindrucken.

      Das Team der Miami Sharks ist fiktiv. Der Film kostete rund 60 Millionen Dollar, in Amerika spielte er etwa 75 Millionen Dollar ein. In den meisten europäischen Fassungen sind 12 Minuten aus dem Film herausgeschnitten, weil diese, angeblich, nur für Football-Kundige zu verstehen sind und damit für den normalen europäischen Zuschauer unwichtig. In Deutschland bleibt uns dieses Schicksal glücklicherweise erspart.

      Fazit: Oliver Stone Fans bekommen nicht was sie erwarten. Persönliche Konflikte zwischen den Figuren lassen Stones Vorhaben, einen kritischen Film über das knallharte Footballgeschäft zu machen, verblassen.
    2. An jedem verdammten Sonntag: Oliver Stones atemloses Brot-und-Spiele-Drama über eine amerikanische Religion: Professional Football.

      Auf eine „amerikanische Religion“ hat es Overkill-Spezialist Oliver Stone in seinem neuen Film abgesehen, und so verwundert es nicht, dass er seinen zweieinhalbstündigen Blick auf die Welt des Professional Football wie einen Gottesdienst auf Steroiden zelebriert: Ohne eine Sekunde Verschnaufpause jagt der Filmemacher den Zuschauer durch ein höllisches Sperrfeuer martialischer Bilder, die den brachialen Machosport auf der Leinwand zum körperlich spürbaren Erlebnis machen. Doch die Geschichte hinter dem Spektakel kann es nicht mit der innovativen Präsentation aufnehmen. Anstatt den Mythos Football zu sezieren, analysieren oder gar zu demontieren, sitzt Stone nahezu allen sattsam bekannten Sportklischees auf.

      Das soll nicht heissen, dass „Any Given Sunday“ nicht auch höllisch aufregende Unterhaltung bietet, die selbst ein Football-ungeschultes Publikum mitreissen kann. Gerade die schier endlose Eingangssequenz, in der man das von dem in die Jahre gekommenen Coach Tony D’Amato trainierte Team der Miami Sharks erstmals in Aktion erlebt, ist elektrisierend. Ohne Vorwarnung schleudert Stone den Zuschauer mitten hinein in ein Footballspiel. Mit seinem seit „JFK“ patentierten Cutup-Stil, in dem sich unentwegte Schnitte, verschiedene Filmgeschwindigkeiten und -materialien und dröhnende Metalmusik assoziativ zu einem wild pulsierenden Ganzen formen, erlebt man hautnah mit, wie sich der Sport für die Beteiligten anfühlt – ein modernes Entertainment-Äquivalent von Krieg, ein von Macho-Ritualen, ständigen Konfrontationen und blitzschnellen Entscheidungen bestimmtes „Platoon“, Spektakel und Kampfhandlung zugleich. Während der ohrenbetäubende Soundtrack bei dem beängstigenden Aufeinanderprall der gegnerischen Mannschaften immer wieder das Fauchen und Knurren von Löwen einstreut, sieht man D’Amato am Rand des Spielfelds auf- und abhetzen wie eine eingesperrte Raubkatze – und seine Truppen immer wieder aufs Neue in die Schlacht treiben. Weil gleich zwei Quarterbacks verletzt ausfallen, erhält das Nachwuchstalent Will Beaman eine Chance. Aufstieg und Zähmung des unkonventionellen Sportlers, der sich Traditionen wie Teamgeist und Trainer-Anweisungen verschließt und ganz auf seinen Instinkt vertraut, verfolgt das aus drei Büchern destillierte Brot-und-Spiele-Drama ebenso wie das Ringen des Trainers um den Fortbestand seiner Mannschaft, der von den ewigen Verlockungen des Medienzirkus und der nur auf die Finanzen bedachte Teampräsidentin Christina Pagniacci bedroht ist. Deutlich ist D’Amato die Identifikationsfigur für Stone, der sich selbst mit einer Rolle als Spielkommentator bedachte: ein Relikt der Sixties, das versucht, sich seine Ideale in einer Zeit zu bewahren, in der einzig Erfolg und Geld von Bedeutung sind. Dazu wirft Stone skizzenhafte, aber insgesamt doch sehr versöhnliche Betrachtungen zu Rassismus, Medienausbeutung, Sex, Drogen und Sponsoren in den Mix. Aber auch wenn „Any Given Sunday“ sich alle erdenkliche Mühe gibt, den Zuschauer pausenlos gleichzeitig von mehreren Seiten zu tacklen (wie es zwei Abwehrspieler in einer atemberaubenden Szene des Films mit einem Angreifer machen), kann das ständige Bombardement von Informationen nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier nur wenig mehr erzählt wird als in all den anderen Sportfilmen, die den phoenixartigen Aufstieg eines Underdogs zum Inhalt haben – eine Art „Die Indianer von Cleveland“ mit Tourette-Syndrom, der sich vom aufgeblasenen Kasperletheater großer Wrestling-Veranstaltungen inspirieren lässt. Berauscht vom eigenen Bildersturm, hämmert der Regisseur allzu einfältig seine Theorie unters Volk, Footballspieler seien die Gladiatoren unserer Zeit. Und dass Subtilität Eintrittsverbot in Stones Bildersturm-Arena hat, beweist er nirgends mehr als in seiner Zeichnung der Frauenfiguren. Von Cameron Diaz als manipulative Göre über Ann-Margret als ihre daueralkoholisierte Mutter bis Lauren Holly als unnachgiebige Spielergattin-Furie ist das weibliche Geschlecht bestenfalls ein Klotz am Bein in der Männerwelt von Stone, in der vor allem Al Pacino als weltmüder Trainer im „Heat“-Overdrive und Jamie Foxx als aufstrebender Superstar eine starke Figur machen. Dem amerikanischen Publikum jedenfalls gefällt das Spektakel über seinen Lieblingssport. Inwiefern Kinogänger ausserhalb der Staaten auf diesen nicht immer überzeugenden aber kurzweiligen Brocken Film reagieren werden, bleibt abzuwarten. ts.

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