Filmhandlung und Hintergrund

TV-Drama im Milieu der DDR-Grenztruppen.

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Kritikerrezensionen

  • An die Grenze: TV-Drama im Milieu der DDR-Grenztruppen.

    Wenn „TV-Movies“ länger als neunzig Minuten dauern, ist das im formatierten Fernsehen durchaus etwas Besonderes. „An die Grenze“ dauert 105 Minuten, ist keinen Moment zu lang und nicht nur deshalb ein ungewöhnlicher Film.

    Die Geschichte (Buch: Stefan Kolditz, der hier eigene Erfahrungen verarbeitet) reicht gewissermaßen nach, was die jüngsten Großproduktionen („Prager Botschaft“, „Die Frau vom Checkpoint Charlie“) ausgespart haben. Im Zentrum stehen keine strahlenden Helden, die furchtlos das Regime kritisieren oder abenteuerliche Fluchten planen, sondern junge Männer, die 1974 just während der WM durch allerlei falsche Versprechungen an die Grenze gelockt wurden, um die DDR gegen den Imperialismus zu schützen. Allerdings zeigt sich rasch, dass sich der Kapitalismus auf akustische Indoktrination beschränkt („Sympathy for the Devil“ von den Stones tönt aus den Lautsprechern der Grenzschützer im Westen). Der „heimtückische Gegner“, vor dem der Politoffizier (Jürgen Heinrich) die Neuankömmlinge warnt, lauert woanders: Ihren Posten müssen die jungen Männer mit dem Rücken zur Grenze beziehen.

    Sie absolvieren ihren Dienst mit jener Mischung aus Zynismus und fatalistischer Ergebenheit, wie sie wohl allen Wehrpflichtigen zu eigen ist. Erst die hübsche Traktoristin Christine (Bernadette Heerwagen) vermittelt dem jungen Grenzer Alexander (Jacob Matschenz) ein kritisches politisches Bewusstsein. „Wenn man keine Wahl hat: Woher weiß man dann, dass man auf der richtigen Seite steht?“, gibt sie ihm mit auf den Lebensweg. Der lernt die Lektion und auch, sich zu emanzipieren: vom Vater, einem funktionierenden Funktionär (Burghart Klaußner), vor allem von einem Staat, der die eigenen Kinder längst gefressen hat, und leider am Ende auch von seiner ersten großen Liebe.

    Urs Egger inszeniert den Film unaufgeregt und nicht als politisches Lehrstück, sondern vor allem als Porträt eines jungen Mannes auf der Suche nach Orientierung. Emotionen wecken weniger der Schießbefehl als vielmehr die brutalen Schikanen, denen die jungen Soldaten ausgesetzt sind: nicht durch Vorgesetzte, sondern durch Dienstältere, die sich ihre Zeit mit Mobbing und Psychoterror vertreiben. So gesehen ist „An die Grenze“, ohnehin über weite Strecken eine Liebesgeschichte, dann doch das Lob eines Helden: weil sich Alexander nicht unterkriegen lässt. Eggers Leistung besteht vor allem in der Führung gerade der jungen Darsteller, denn die Prominenz (neben den Genannten noch Corinna Harfouch) spielt bloß Nebenfiguren. Die Hauptrolle hat ohnehin die Grenze. Ihr gehören als Klammer das erste wie auch das letzte Bild: Aus unberührter Natur wird der „antifaschistische Schutzwall“, der sich am Ende zur Musik von David Bowies Mauerlied „Heroes“ wie von selbst wieder renaturiert. tpg.

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