American Hardcore

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   2006
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American Hardcore Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

American Hardcore: Musikdokumentation über die kompromisslose Punkszene der frühen 80er Jahre.

Ende der 70er ist Punk bereits ein alter Hut, und aus den Trümmern der Bewegung formiert sich Hardcore. Damit reagiert sich die Jugend amerikanischer Großstädte ab, um bei hartem, unmelodischem Krach der konservativen Herrschaft von Ronald Reagan zu entfliehen und eine anti-kommerzielle Alternative zu finden. Innerhalb kurzer Zeit erscheinen Bands, die sich Dead Kennedys, Bad Brains, Minor Threat, Black Flag, SS Decontrol oder Circle Jerks nennen. Ihre kompromisslose Haltung bildet die Ausgangsbasis für Grunge und Independent.

Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Steven Blush entstand eine mit Interviews und seltenen Liveaufnahmen aufwartende Musikdoku über die unübersichtliche Szene des Punk-Undergrounds zwischen 1980 und 1986.

Ende der 70er Jahre entsteht auf den Trümmern der ersten Punk-Generation in den US-Metropolen Hardcore: Harte, knappe, unmelodische Musik für Jugendliche, die im konservativen Reagan-Amerika nach einer Alternative suchen. Bands wie Dead Kennedys, Minor Threat, Bad Brains, Black Flag, Circle Jerks und viele mehr legen mit ihrer kompromisslosen Haltung und Ethik die Grundlage für Grunge und die Ära der Independentmusik.

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Kritikerrezensionen

  • Hardcore-Punk bedeutete: Junge Männer, viele von ihnen noch Teenager, schreien ihre Wut zu rasenden Rhythmen ins Mikrofon. Sie werfen sich ins Publikum, werden von der tumultartigen Menge zurück auf die Bühne katapultiert. In ihren atemlosen Texten äußert sich Hass auf das Establishment. Paul Rachman hatte vor seiner Karriere als Musikvideo-Regisseur selbst Kontakt zur Hardcore-Szene, indem er Videos für einige der Bands drehte. Autor Steven Blush, auf dessen Buch „American Hardcore: A Tribal History“ der Film beruht, veranstaltete in den 80-er Jahren Hardcore-Punk-Auftritte.

    In den vielen Interviews mit ehemaligen Mitgliedern der Szene, jetzt Männer in ihren Vierzigern, geht es zunächst um die Frage, aus welchem Geist die Bewegung entstand. Der neue Konservatismus der Reagan-Ära, die allgemeine Bereitschaft zur Anpassung, die Disco- und Softrockmusik sowie die Ablösung des Punk durch New Wave führten dazu, so die Erinnerungen der Ex-Mitglieder, dass eine zornige Subkultur entstand. Diese männlichen Jugendlichen entdeckten in energiereicher, schneller Musik ohne melodiösen Charme ihre neue Ausdrucksform.

    Keiner der unausgebildeten neuen Musiker wollte mit seinen Songs ins Radio, die Bands, die innerhalb weniger Jahre überall in Amerika wie aus dem Nichts entstanden, bildeten eine öffentlich weitgehend ignorierte Subkultur. So unprofessionell wie ihre Auftritte in kleinen Häusern machten sie alles selbst: Plakate, Platten, die gesamte Organisation. Von „Blag Flag“, einer Band aus Los Angeles, über „Bad Brains“ in Washington, „SS Decontrol“ in Boston bis zu „Zero Boys“ in Indianapolis reicht das Spektrum der Konzert-Mitschnitte und retrospektiven Interviews. Hardcore-Punk bedeutete, so erzählen es die ehemaligen Mitglieder, auch Ablehnung von Alkohol und Drogen, in Abgrenzung von der Rock´n Roll- und Hippie-Ära. Das einzige Laster, dem die amerikanischen Punker frönten, war Gewalttätigkeit. Politisch jedoch links angesiedelt, wollten die meisten von ihnen mit der aufkommenden Skinhead-Szene nichts zu tun haben.

    Man sieht die etablierten Männer von ihrer wilden Jugendzeit schwärmen und fühlt sich beim Betrachten der chaotisch-rabiaten Konzerte in eine äußerst vitale, kompromisslose Rebellenkultur versetzt. Nach sechs Jahren jedoch hatten einige der Bands, die auch stets nahe an der Pleite lebten, genug von Gewalt und herausgeschriener Wut. Zaghafte, vereinzelte Versuche, ins Reggaefach oder in andere, langsamere Rhythmen zu wechseln, wurden vom Publikum verachtet. Viele Bands lösten sich einfach über Nacht wieder auf.

    Geblieben ist mit diesem Film eine wichtige, atmosphärisch intensive Dokumentation über eine fast vergessene Musikgeneration. Das sehr lebendige Insiderporträt dürfte nicht nur Anhänger der Punkmusik begeistern, sondern auch für Fans von Musikdokumentationen allgemein von Interesse sein. Die vielen privaten Videoaufnahmen, die Rachman zusammengetragen hat, bebildern in ihrer wackeligen Laienhaftigkeit kongenial das Do-it-yourself-Credo dieser Stilrichtung.

    Fazit: Atmosphärisch intensive und informative Dokumentation über die kurze amerikanische Hardcore-Punk-Bewegung.
  • Musik-Doku von Paul Rachmann über Entstehung, Entwicklung und Ende der amerikanischen Hardcore Punk-Bewegung in der ersten Hälfte der Achtziger.

    Bands wie Black Flag, Minor Threat oder auch Bad Brains – sie gehörten zur Speerspitze der um 1980 aufkommenden Hardcore-Punk-Bewegung, deren Porträtierung sich „American Hardcore“ auf die Fahnen geschrieben hat. Anhand von zeitgenössischen, amateurhaften Konzertaufnahmen und zahlreichen, mit markig-selbstbewussten Sprüchen nicht geizenden Interviewsequenzen mit Fans, Promotern, aber vor allem zahlreichen Szenegrößen – darunter Cro Mags-Großmaul Harley Flanigan und der unvermeidliche Henry Rollins – erweckt der Film mit konventionellen Doku-Mitteln eine Bewegung wieder zum Leben, die mit ihrem Anti-Establishment-Denken und Außenseiter-Stilisierung nicht zufällig in der konservativen, repressiven Reagan-Ära geboren wurde.

    „Die Leute nahmen sich eine Gitarre, lernten drei Akkorde und spielten so schnell sie konnten“, bringt Chris Foley von SS Decontrol das musikalische Fundament der Szene auf den Punkt. Punk war von jeher ein Stil, der darin bestand, etwas nicht zu beherrschen, es aber dennoch wirkungsvoll zu praktizieren. Der US-Hardcore-Punk folgte dieser künstlerisch zweifelhaften Tugend und trieb sie dabei zugleich auf die Spitze. Härter, räudiger, schneller hieß die Devise. „Je weniger es ein Song war, desto mehr mochten wir es“, gibt ein weiterer Musiker programmatisch zu Protokoll.

    Interessanter als die Musik war in Sachen Punk immer der soziale Impetus. Neben dem gern zitierten Hass auf Politiker und ihr Handeln (nicht umsonst beginnt der Film mit Aufnahmen von Ronald Reagans Amtsantritt) verstand sich der Hardcore-Punk als Gegenentwurf zur kommerziellen Musikindustrie im allgemeinen und zu charttauglichen Rockbands wie Foghat, Fleetwood Mac oder den AOR-Heroen Journey im besonderen. Die Negation des Karrieredenkens, die nur aus sich selbst heraus funktionierende Szene fernab jeglicher Mainstream-Mechanismen, dazu die ebenfalls als Kontrast zum dekadenten Rock ‚N‘ Roll-Lifestyle entstandene Straight Edge-Philosophie (der konsequente Verzicht auf Alkohol und Drogen) – all das arbeitet „American Hardcore“ plastisch heraus. Diffuser ist das gezeichnete Bild hingegen bei Phänomenen wie der Männerdominanz der Szene und der Rolle der Publikumsgewalt bei Konzerten. Ein Preis, den man zahlen muss für das aus der einstigen Szenezugehörigkeit der Macher resultierende Fehlen einer nüchtern analysierenden Distanz. Auch versäumt es Rachmann, den Einfluß vieler Bands des Genres auf heutige Musikströmungen zu untersuchen. Seine Geschichte des „American Hardcore“ endet abrupt im Jahre 1986, was seinem Film die aktuelle Relevanz untergräbt. ako.

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