Alles was recht ist

  1. Ø 0
   2008
Alles was recht ist Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Alles was recht ist: TV-Film: Michaela May als eigensinnige hessische Richterin.

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Kritikerrezensionen

  • Diese Figuren sind viel zu vielschichtig, um bloß einen Film lang zu unterhalten. Tatsächlich darf man wohl davon ausgehen, dass Richterin Lena Kalbach, ihr ewiger Widersacher Teddy Klein und ihre Tochter Nike noch weitere Prozesse führen dürfen; immer vorausgesetzt, das Publikum zeigt dem Trio zur Premiere nicht die kalten Schulter. Das wäre schade, denn die von Produzent Hermann Kirchmann ersonnenen Juristen haben noch eine Menge Potenzial: weil die Richterin (Michaela May) den eloquenten Anwalt (Fritz Karl) trotz seines öligen Charmes eigentlich ganz nett findet; und weil ihre Tochter (Anna Schudt), als Staatsanwältin am selben Amtsgericht tätig, noch eine Menge alte Rechnungen mit ihr offen hat.

    Die schlummernde Familienfehde bricht aus, als Lena am Frankfurter Landgericht von ihren Beisitzerinnen überstimmt wird. Angesichts des triumphierenden Kontrahenten Klein weigert sie sich kurzerhand, ein Urteil zu sprechen. Der Gerichtspräsident versetzt sie daher ans Amtsgericht in ihrer alten Heimatstadt Fulda, wo Tochter Nike alles andere als erfreut über den familiären Zuwachs ist: Als Kind musste sie im Gefolge ihrer Mutter, einer offenbar äußerst aktiven 68erin, von einer WG in die nächste ziehen. Auch heute noch reagiert Lena in Erziehungsfragen äußerst liberal; den Drogenkonsum des Freundes ihrer Enkelin zum Beispiel sieht sie sehr lässig. Weniger witzig findet sie hingegen das Ansinnen zweier Verlegerkinder, den eigenen Vater (Vadim Glowna) zu entmündigen. Der regionale Medienmogul hat dank unlängst geweckter Gefühle für eine junge Mongolin die Esoterik entdeckt und pflegt bei Vorstandssitzungen böse Geister durch das Anzünden von getrocknetem Yak-Dung zu vertreiben. Die designierten Nachfolger fürchten nun um ihr Erbe, zumal ihnen der alte Herr auch noch die Prokura entzogen hat. Bei aller Freude am Klassenkampf entwickelt Lena allerdings ungeahnte Sympathien für den schrägen Verleger; außerdem wird die Gegenseite von niemand anderem als Teddy Klein vertreten.

    Die Geschichte (Drehbuch: Kirchmann und Sebastian Andrae) lebt davon, dass beide Ebenen, Privat- und Berufsleben, gleichermaßen reizvoll sind und immer wieder geschickt miteinander verknüpft werden. Dreh- und Angelpunkt ist allerdings die unkonventionelle Richterin, die nach Feierabend in einer Blues-Band Saxophon spielt, Rosa Luxemburg verehrt und sich regelmäßig über die bornierten Gepflogenheiten in der hessischen Provinz ärgert. Geradezu hingebungsvoll machen die Drehbuchautoren ihr das Leben schwer; da wird zum Beispiel ihr Auto abgeschleppt, obwohl wenige Meter weiter das Cabrio von Klein („der Brechreizbeschleuniger“) auf einem Behindertenparkplatz steht. Aber auch die Nebenfiguren werden mit liebevollen Marotten versehen. Der Präsident des Fuldaer Gerichts zum Beispiel widmet sich lieber seiner Modelleisenbahn als den Amtsgeschäften. Am schönsten sind jedoch die Wortgefechte zwischen Mutter und Tochter: Hier prallen die Repräsentantinnen zweier gegensätzlicher Lebensentwürfe ähnlich unnachgiebig aufeinander wie vierzig Jahre zuvor zwei völlig andere Generationen.

    „Es gibt immer eine nächste Instanz“, trösten sich Anwälte gern, wenn sie einen Prozess verloren haben. Und in diesem Fall hoffentlich einen nächsten Film. tpg.

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