Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. All the Boys Love Mandy Lane
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "All the Boys Love Mandy Lane"

Fakten und Hintergründe zum Film "All the Boys Love Mandy Lane"

Fakten und Hintergründe zum Film "All the Boys Love Mandy Lane"

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Regisseur Jonathan Levine über den Film

„Meine Zeit an der High School war eine erschütternde Erfahrung. Es war eine einzigartige Zeit – eine Zeit, die von bittersüßer Nostalgie erfüllt ist, aber auch von Momenten intensiver Angst, Unsicherheit und unglaublicher Bösartigkeit. Mit ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE wollten wir einen High School Film drehen, der das Grauen dieser universellen Erfahrung genau einfängt. Einen Film, der nicht vor den rohen Emotionen der von uns gezeigten Situationen zurückschreckt. Ich hoffe, dass unser Unterfangen erfolgreich war. Wenn das Publikum ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE sieht, soll es sich daran erinnern, wie schrecklich es doch war, ein Teenager zu sein – und wie verzweifelt man dieser Zeit dennoch hinterher trauert.“

Interview mit dem Regisseur

Sehen Sie ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE eigentlich als Horrorfilm?

Für mich erzählt er erster Stelle eine Highschool-Geschichte. Viele Kids versuchen in dieser Phase, ihren Platz in der Gruppe zu finden, springen fies miteinander um, gleichzeitig haben sie erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Das war für mich der Kontext und die Perspektive. Natürlich gibt es in unserem Film viel Gewalt. Ich bin ein großer Horror-Fan und wuchs mit Filmen wie „Halloween“, „Nightmare on Elm Street“ oder „Texas Chainsaw Massacre“ auf. Aber aktuelle Genre-Streifen nehmen sich nicht genug Zeit, um ihre Charaktere richtig zu entwickeln. Mein Autor Jacob Forman und ich dagegen wollten, dass der Zuschauer etwas für die Figuren empfindet, bevor wir sie sterben lassen.

Aber ein „normales“ Teenager-Drama wollten Sie nicht machen?

Nein, die Gewalt war unbedingt notwendig. Zum einen macht das den Film für die Finanziers viel interessanter. Aber auch das Publikum findet dadurch leichter Zugang. Und auf diese Weise kannst du ihm Themen vermitteln, die über das Genre hinausreichen. Das hat der erste „Texas Chainsaw Massacre“ gemacht, oder John Carpenter und auch Wes Craven mit seinen frühen Filmen. Erst in letzter Zeit haben die Regisseure es aufgegeben, wirkliche Ideen in ihre Geschichte hineinzupacken. Es geht bloß noch darum, zu zeigen, wie Leute gefoltert werden.

Wie sehr wurden Sie von den modernen Horrorklassikern geprägt?

Weil ich mit diesen Streifen in den 80ern groß geworden bin, hatten sie natürlich großen Einfluss auf mein filmisches Vokabular. Aber für ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE habe ich mich bei allen möglichen Filmen bedient – von „The Virgin Suicides“ bis zu „Donnie Darko“. In dieser Kombination hat das eben noch niemand gesehen.

Sie kamen an Bord, als es bereits eine erste Drehbuchfassung gab. Was haben Sie selbst zur Geschichte beigetragen?

Streng genommen gab es vorher schon etliche Fassungen. Meine kreativen Partner hatten während ihrer Zeit an der Filmhochschule damit angefangen. Sobald ich einstieg, wollte ich, dass die provozierenden Elemente noch verstärkt werden. Vor allem was die Details aus dem Highschool-Leben und den sexuellen Erfahrungen der Charaktere angeht. Ich habe ein ziemlich krankes Hirn und ich möchte an Grenzen gehen. Sie hatten gerade die Filmhochschule absolviert.

Wie einfach ist es für einen Debütanten, einen Film zu realisieren, der nicht den gängigen Standards entspricht?

So gut wie unmöglich. Aber zum Glück lernten meine Kollegen ein paar junge Finanziers kennen, die auch vor kurzem die Filmhochschule beendet hatten Die wollten ungewöhnliche Genreproduktionen realisieren. Und sie investierten ihre privaten Mittel in den Film. So konnten wir ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE komplett außerhalb des Systems machen, mit jeder erdenklichen Freiheit. Ich habe diese Erfahrung sehr genossen.

Mit geringem Budget zu drehen, schafft doch auch Stress?

Natürlich. Wir standen unter ständigem Zeitdruck, drehten sechs Tage die Woche, vier Wochen lang. Wenn es mehr als einen Tag geregnet hätte, dann wäre die gesamte Produktion geplatzt. Trotzdem wurde immer wieder mal die Zeit knapp, deshalb machten wir aus drei Einstellungen schon mal eine große Steadicam-Fahrt. Aus meiner Zeit in der Filmhochschule wusste ich auch, wann ich etwas streichen kann. Du musst in so einer Situation ein guter Zeitmanager sein. Aber wir hatten uns von vornherein auf Budget-Beschränkungen eingestellt. Trotz des äußeren Drucks und obwohl jeder nur zwei, drei Stunden pro Tag schlief, war die Atmosphäre total kollegial. Wir lebten von unserer eigenen Energie und einer Menge Red Bull. Die Schauspieler rissen ständig Scherze; Edwin Hodge und Luke Grimes waren ganz besondere Spaßvögel. Was bei dem Sujet des Films etwas ungewöhnlich wirkt. Es war nicht immer ein Spaß-Set. Die Todesszenen waren für alle schwierig. Da waren alle Schauspieler wie ausgewechselt. Aber der Stress hat auch etwas Produktives. Wenn die Atmosphäre so gespannt ist, dass du manchmal gar nicht miteinander sprichst, dann kannst du diese Energie filmisch einfangen. Alle wollten ja, dass sich das Ganze so real wie möglich anfühlt. Und am Schluss waren wir alle wieder Freunde.

Die Schlüsselfigur ist Amber Heard, die Darstellerin der Titelheldin. Mussten Sie lange nach ihr suchen?

Da hatten wir relativ viel Glück. Zwar haben wir uns rund 100 Kandidaten für die Rolle angesehen. Aber Amber sprach schon relativ früh vor. Ich hatte auch ein sehr gutes Gefühl. Dann zeigte ich die Aufnahme von ihrem Vorsprechen Jacob Forman, dem Drehbuchautor, und er meinte: „Genau so habe ich mir Mandy Lane beim Schreiben vorgestellt.“ Sofort griff ich mir das Telefon: „Wir brauchen Amber!“

Wie schwierig war es, die Ranch, Ihre Hauptlokation, zu finden?

Es hat ein wenig gedauert, da wir spezielle Anforderung hatten. Wir brauchten eine Gebäude nahe am Wasser mit einer Scheune. Außerdem suchten wir einen spezifischen Look – ein wenig wie in „Texas Chainsaw Massacre.“ Schließlich stießen wir in Texas auf ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, noch vor der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs, bei dem sogar ein Friedhof nebenan lag. Das war schon in einigen Werbespots benutzt worden. Angeblich sollte es darin auch noch spuken, weil jemand im ersten Stock umgebracht worden war. Und eines Nachts, als meine Regieassistentin hochging, hörte sie, wie sich drei Menschen in dem bewussten Zimmer unterhielten. Sie war sich absolut sicher. Aber wir hatten keine Probleme mit den Gespenstern. Vielleicht mochten sie den Film.

Hatten Sie Probleme mit bestimmten Szenen?

Wirklich haarig waren die Aufnahmen in der Grube mit den verrottenden Rindern. Wir hatten dafür Kuhkörper aus Styropor; Studenten von der Universität Texas überzogen die rund um die Uhr mit Rinderhäuten, und das zwei Wochen lang. Das war ein Riesenaufwand; erst in der letzten Sekunde wurden sie damit fertig. Die Grube selbst war mit Lehm gefüllt. Wir waren alle von Kopf bis Fuß mit Dreck beschmiert. Aber am Schluss meinte Amber zu mir, das wäre einer ihrer besten Drehtage überhaupt gewesen.

Werden Sie dem Genre treu bleiben?

Ich liebe eine ganze Bandbreite von Regisseuren, von Woody Allen über Godard bis Fassbinder und Paul Thomas Anderson. Sein „There Will Be Blood“ ist für mich absolut unvergleichlich. Deshalb möchte ich auch alle möglichen Arten von Filmen machen. Aber nach diesem Debüt bekam ich bloß Angebote für Horrorprojekte. Die Leute in der Branche stellen sich halt vor, dass du immer das Gleiche machst. Zum Glück wollten die Finanziers von MANDY LANE mit mir weiter zusammenarbeiten, und so konnte ich „The Wackness“ nach einem eigenen Drehbuch realisieren, die Geschichte eines jungen Drogendealers, die überhaupt nichts Horrorhaftes hat.

Wann machen Sie Ihren ersten großen Hollywood-Film?

Ich weiß es nicht. Momentan lasse ich es locker angehen und lese in Ruhe Drehbücher. Ich hätte sicherlich Lust darauf, einen Film zu drehen, für den ich ein bisschen mehr Zeit habe. Ständig auf die Uhr zu schauen, ist nicht cool. Andererseits steckt in unabhängigen Produktionen in der Regel mehr Herzblut. Wahrscheinlich muss ich mal kennenlernen, wie es bei einer Studioproduktion abläuft, dann werde ich es hassen lernen und wieder zum Independent-Kino zurückkehren. Vor der Filmhochschule arbeitete ich als Assistent von Paul Schrader. Ich bewundere ihn deshalb so sehr, weil er immer seinen eigenen Weg gegangen ist, ohne sich von einem System vereinnahmen zu lassen. Von ihm habe ich ein Motto übernommen: „Du sollst immer für deine Vision eintreten.“ Und wenn ich die nicht umsetzen kann, dann macht mir das Ganze einfach keinen Spaß.