Fakten und Hintergründe zum Film "Albert Schweitzer - Ein Leben f?r Afrika"

Kino.de Redaktion |

Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika Poster

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Über den Film

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Der Film stellt einen der größten Humanisten des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt: Albert Schweitzer. Bereits mit dreißig Jahren war er bekannt als Theologe und Philosoph, als Autor eines Buches über Johann Sebastian Bach, das selbst heute noch als Standardwerk gilt, und als gefeierter Interpret von Bachs Orgelwerken.

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Dann sattelt er um, studiert Medizin und beschließt zusammen mit seiner Frau Helene nach Afrika zu gehen, um dort ein Krankenhaus aufzubauen und den Ärmsten der Armen zu helfen. Für Schweitzer stand fest, dass er seinen Plan des „rein menschlichen Dienens“ nunmehr dort verwirklichen wollte. Denn Christ sein bedeutete für Albert Schweitzer stets mehr als Gottesdienst und Theorie. Hier lag auch die Motivation, etwas „von der Schuld abzutragen“, die die europäischen Kolonialmächte in Afrika auf sich geladen hatten. Während des kurz darauf ausbrechenden Ersten Weltkrieges suchte Albert Schweitzer in Lambarene vergeblich eine Antwort auf die Frage, wie der Mensch für sich einfach und rational herleiten kann, sich selbst und die Welt zu bejahen.

Als er jedoch im September 1915 eine längere Fahrt auf dem Ogooué-Fluss unternahm, stand urplötzlich der Ausdruck „Ehrfurcht vor dem Leben“ vor ihm: „Als wir bei Sonnenuntergang gerade durch eine Herde Nilpferde hindurch fuhren, stand urplötzlich, von mir nicht geahnt und nicht gesucht, das Wort EHRFURCHT VOR DEM LEBEN vor mir. Der Pfad im Dickicht war sichtbar geworden. Nun war ich zu der Idee vorgedrungen, in der Welt- und Lebensbejahung und Ethik miteinander enthalten sind.“

Mit diesem programmatischen ethischen Denken der „Ehrfurcht vor dem Leben“ und dessen gezielter Umsetzung hat Albert Schweitzer beispielhaft deutlich gemacht, wie sich ethisches Verhalten konkret begründen und Menschlichkeit ganz praktisch gestalten lässt.

Mit Lambarene baute Schweitzer ein Krankenhaus, das dieser Ethik entsprach und sich – entgegen damaligen Ansichten – den einheimischen Gepflogenheiten und Bedürfnissen anpasste. Lambarene finanzierte sich ausschließlichaus Spendengeldern, die Schweitzer zusammen mit seiner Frau auf Vortragsreisen und mit Orgel konzerten akquirierte. Auch heute noch ist Lambarene, trotz Subventionen durch den Staat Gabun, eine private gemeinnützige Einrichtung.

In Schweitzers Ethik liegt auch der Ursprung seines Engagements gegen Kernwaffentests – obwohl er sich zunächst nicht dazu berufen fühlte, politisch und wissenschaftlich Position zu beziehen. Doch nachdem er von vielen Freunden und bekannten Wissenschaftlern, darunter auch Albert Einstein, immer mehr gedrängt wurde, öffentlich gegen die Atombombe und die Atomtests zu protestieren, stellte er sich der Verantwortung und verfasste seine Appelle, die Versucheeinzustellen.

Es sollte Jahre dauern, bis Schweitzers Worte und die aller anderen Wissenschaftler, die sich dafür einsetzten, auch in der Weltpolitik Gehör fanden. Erst nach der Kubakrise 1962 trat endlich am 10. Oktober 1963 der sogenannte „Atomteststoppvertrag“ in Kraft, der alle Kernwaffenversuche in der Atmosphäre und unter Wasser verbat. Dieser Vertrag ist bis heute gültig.

Ganz in der Tradition von Albert Schweitzers Engagement und seiner „Ehrfurcht vor dem Leben“ setzen sich die „Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) seit ihrer Gründung 1980 dafür ein, alle Atomwaffen weltweit abzuschaffen. Für ihre Arbeit erhielt die IPPNW 1984 den UNESCO-Friedenspreis und 1985 den Friedensnobelpreis. Albert Schweitzer selbst nahm 1954 den Friedensnobelpreis entgegen für „seinen Einsatz im Urwaldkrankenhaus von Lambarene … und für seine Bemühungen um die Völkerverständigung“.

Die gleiche Auszeichnung wurde auch 1999 den „Ärzten ohne Grenzen“ (Médecins Sans Frontières) verliehen, deren Vorläufer er zweifels - frei war, mit folgender Begründung: „Jeder mutige und selbstaufopfernde freiwillige Helfer ist für die Betroffenen ein Mensch, der unparteiisch ist, und mit Respekt ihre persönliche Würde anerkennt und wider spiegelt. All dies ist für die Not leidenden Menschen eine Quelle der Hoffnung auf Frieden und Versöhnung.“

Über die Produktion

„Wir erzählen eine Geschichte, die wirklich passiert ist, aber die Welt heute hat sie vergessen oder nie erfahren. In unserem Film berichten wir über das Leben eines Mannes, seine Arbeit, die Beziehung zu seiner Familie, zu Afrika“, sagt Produzent Alexander Thies („Luther“) über ALBERT SCHWEITZER. „Schweitzer war eine authentische, echte Persönlichkeit. Er und seine Frau haben sehr fortschrittlich zusammengearbeitet. Schweitzers Wahrnehmung der Welt über das Alltägliche hinaus ist nach wie vor sehr modern – wir können eine Menge von ihm lernen. Für einen deutschen Filmemacher in der Zeit nach dem Kalten Krieg stellt Albert Schweitzers Biografie ein sehr reizvolles Thema dar: Wir können vom Leben eines Menschen erzählen, der auch für uns heute noch als Vorbild, als Beispiel dienen kann. Und wir können den Zuschauern ein Kapitel aus unserer eigenen Vergangenheit nahe bringen. Zudem erzählen wir in ALBERT SCHWEITZER von einer Zeit, die noch gar nicht so lange zurück liegt und dennoch in Vergessenheit zu geraten scheint: die Zeit des Kampfes der Supermächte, der Staaten der NATO und denen des Warschauer Paktes, das atomare Aufrüsten und die damit verbundenen Gefahren für die gesamte Menschheit. Und gerade Letzteres stellt noch immer ein Kapitel dar, das noch längst nicht abgeschlossen ist.“

„So haben wir entschieden“, fährt Thies fort, „ALBERT SCHWEITZER auch auf dem Weltmarkt zu präsentieren – deshalb haben wir auch die Originalversion des Films in englischer Sprache gedreht. Vor knapp zehn Jahren war es uns schon einmal gelungen, mit „Bonhoeffer“ ein Thema der deutschen Vergangenheit als Film international publik zu machen. Damals waren zudem Deutsche als positiv konnotierte Filmhelden im internationalen Film kaum zu finden. Jetzt, nach Tom Cruise als Stauffenberg in ‚Walküre‘, sieht das anders aus.

Aber bereits damals verschaffte uns ‚Bonhoeffer‘ Glaubwürdigkeit, die wir mit dem großen internationalen Erfolg von ‚Luther‘ untermauern konnten.“ „Vor 50 Jahren zählte Schweitzer zu den berühmtesten Menschen der Welt, er wurde bewundert und geehrt“, sagt Samuel West („Wiedersehen in Howards End“), der im Film den intriganten CIA-Agenten Phil Figgis spielt. „Das ist heute nicht mehr so – umso wichtiger ist es, mehr über ihn zu erfahren, damit wir auch heute seinem Beispiel folgen können.“

Jonathan Firth („Luther“, „Ein perfekter Ehemann“) übernimmt im Film die Rolle von Schweitzers Mitarbeiter Dr. David Fuller. Er sagt: „Ich kenne Albert Schweitzer schon aus meinem Elternhaus – wir hatten ein großes gebundenes Buch über ihn, eher ein Fotoband. Darin gab es Anekdoten, wie er Wespen und Spinnen aus seinem Quartier vertrieb, sie aber nicht töten wollte. Ich wusste also nicht viel über ihn, hatte jedoch eine konkrete Vorstellung von dem Mann mit dem weißen Schnauzbart und dem Tropenhelm.“

„Ich kannte Schweitzer eher als Musiker, nicht als Arzt“, ergänzt Samuel West. „Ich besitze das Buch, das er über Johann Sebastian Bach geschrieben hat. Als ich mir für die Dreharbeiten mein Gesundheitszeugnis ausstellen ließ, sagte der Arzt: ‚Schweitzer kenne ich, wir hatten seine Orgelplatten in der Schule.‘ Ich fragte: ‚Wussten Sie, dass er auch Arzt war?‘ Seine erstaunte Antwort: ‚Nein!‘“ Selbst für Regisseur Gavin Millar („Danny – Der Champion“) bestand Nachholbedarf: „Ich wusste wenig über Albert Schweitzer, und als ich mich umhörte, erfuhr ich in England ganz widersprüchliche Ansichten – was mich verwirrte. Es stellte sich heraus – und das ist der Kern des ursprünglichen Drehbuchs von James Brabazon –, dass die CIA eine Verleumdungskampagne inszenierte, um Schweitzer, der allgemein als Heiliger galt, gezielt zu diskreditieren. Fakt ist: CIA und FBI sahen Schweitzer 1949–51, in der McCarthy-Zeit, als tödliche Bedrohung, weil er mit Einstein und Oppenheimer befreundet war. Dabei hat er Einstein in dessen Feldzug gegen die Atombombe nur privat unterstützt. Doch die US-Regierung sah das als Bedrohung des Weltfriedens an – man wollte Schweitzer unbedingt zum Schweigen bringen. Er wurde diffamiert als Rassist, als Heuchler – angeblich hat er sogar Patienten umgebracht. Viele Leute glauben diese Lügen noch heute.“

„Albert Einstein war kein Meinungsmacher, sondern ein Wissenschaftler, dessen fundamentale Forschung und Ansichten sehr hoch angesehen wurden – zumindest unter den Intellektuellen“, fährt Millar fort. „Aber in der Öffentlichkeit galt er eher als verrückter Wissen - schaftler, während Schweitzer durchaus ein Meinungsmacher war – deshalb hielt man ihn für ge fährlicher als Einstein. Das FBI führte eine Einstein-Akte, aber man hat ihn nicht ernst genommen. Dagegen war man überzeugt, dass die Menschen auf Schweitzer hören würden.“

Das Drehbuch konzentriert sich auf zwei Schauplätze – New York in den 50er-Jahren, damals das Zentrum aufgeklärter Stadtkultur, und den Dschungel in Gabun, wo einfache Menschen in großer Armut leben. Im Zentrum steht das Krankenhaus, in dem unter anderem Lepra-Kranke behandelt werden. „Aus diesen Polen ergibt sich ein dynamischer Spannungsbogen“, sagt Millar.

Produktion: Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten fanden von Juni bis August 2008 in Kapstadt und Port St. Johns in Südafrika statt. „Beim Drehen ist es immer schwierig, Budget und die verfügbare Zeit möglichst effektiv einzusetzen“, sagt Regisseur Gavin Millar. „Zum Glück gab es bei dieser Produktion keine ernsthaften Probleme. Schwierig war es allerdings, in Kapstadt Locations zu finden, die wir so aussehen lassen können wie das New York der 1950er-Jahre. Doch die Filmteams in Südafrika haben fantastisch mit uns zusammengearbeitet – das ist wunderbar gelaufen, vor allem auch in Port St. Johns, das sehr abgelegen in einer armen Region an der Ostküste liegt. Wir haben dort viele Einheimische als Statisten eingesetzt. Wenn ich sage, dass sie ‚begeistert‘ auf unsere Ankunft reagiert haben, ist das stark unter - trieben, denn wir haben dort Geld ausgegeben, und sie haben uns wunderbar unterstützt – mit ihrem großen Engagement, mit ihrer Zeit. Das war eine sehr angenehme Erfahrung.“

Die Koproduzenten Giselher Venzke und Bertha Spieker empfanden besonders, dass Albert Schweitzers Philosophie der „Ehrfurcht vor dem Leben“ in der täglichen Zusammenarbeit aller Beteiligten spürbar war.

Während der Dreharbeiten wurden alle Anforderungen und Probleme zwischen den Kreativen und den ausführenden Abteilungen stets mit Professionalität und Respekt gelöst. Auch die Zusammenarbeit mit dem einheimischen Stamm der Pondos und der Königsfamilie Ndamase brachte besonders für die Region eine Annäherung von unterschiedlichen Kulturen und für diese Zeit einen spürbaren wirtschaftlichen Zuwachs.

„Die Gegend dort ist wunderschön“, sagt Samuel West. „Und glücklicherweise herrschte Winter – das heißt, es regnete nicht, war auch nicht zu heiß. Bekanntlich zählt Südafrika zu den schönsten Ländern der Welt. Es ist wichtig, dass alle Künstler sich mit der neuen Regierung solidarisch erklären, hier arbeiten und so viel Geld wie möglich ausgeben. Ich freue mich und bin stolz darauf, nach „Der Ring der Nibelungen“ zum zweiten Mal hier arbeiten zu dürfen.“

„Ich habe früher bereits in Afrika gearbeitet“, berichtet auch Barbara Hershey („Das Porträt einer Lady“), „bisher aber nur in der sehr schönen Kapstadtregion. Diesmal erlebte ich Afrika eher so, wie man sich den Erdteil vorstellt: Eines Morgens schickte ich im Hotel gerade eine Email ab, als ein sehr großer Affe an meiner Tür vorbeistolzierte – das war eine ganz neue Erfahrung!“

Das war der schönste Schauplatz, an dem ich je gedreht habe“, bestätigt Jonathan Firth. „Weil wir irgend wo sehr abgelegen drehten, hatte ich letztlich keine Ahnung, wo wir uns befanden. Aber durch die Abgeschie - denheit wächst das Team schneller zusammen. Ich habe es noch nie erlebt, dass die gesamte Filmmannschaft die Mahlzeiten gemeinsam einnimmt: Im Hotel wurde um 19 Uhr buchstäblich getrommelt, und alle setzten sich gemeinsam an einen Tisch. Das fördert das Familiengefühl.“

„Ich finde es toll, wenn die Dreharbeiten uns wie bei einer Schiffskatastrophe zusammenschweißen“, ergänzt Barbara Hershey. „Man lernt sich viel besser, viel intensiver kennen. Man weiß zunächst wenig über die Kollegen, aber am Ende des Drehs ist man sehr vertraut, und man hat etwas Gemeinsames erlebt, was man Außenstehenden gar nicht vermitteln kann. In einer isolierten Umgebung wie in Port St. Johns wird das umso deutlicher.“

Über Regisseur Gavin Millar sagt Judith Godrèche, die Darstellerin der Fotografin Thérèse Bourdin: „Gavin ist ein humorvoller Mann – und das wird auch durch sein Skript deutlich. Wir sind uns einig über unsere Sicht der Figur Thérèse – wir ziehen am selben Strang. Er weiß genau, was er will, gibt uns aber auch die Freiheit, uns selbst einzubringen. In den afrikanischen Szenen wurde oft die Steadicam eingesetzt, was mir gut gefällt, weil ich in dem Fall die gesamte Szene durchspielen darf – sie wird nicht von vornherein in kleine Fragmente aufgeteilt. Einstein-Darsteller Armin Rohde ergänzt: „Gavin ist nicht nur ein Gentleman, sondern im Wortsinne wirklich ein sanfter Mensch – ich kam bestens mit ihm aus. Er beobachtete genau, was wir tun, ließ uns aber unsere Arbeit machen.“

„Gavin ist sehr relaxed“, sagt Jonathan Firth. „Er setzte seinen Humor ein, um uns zu entspannen, er sorgte für eine lockere Atmosphäre, und die hängt nun mal stark von der Persönlichkeit des Regisseurs ab. Das ist umso wichtiger, wenn wir mit Hunderten von Statisten arbeiten, mit Regenmaschinen komplizierte Szenen drehen.“ „Die Arbeitsmoral am Set war sehr hoch, sehr effizient, sehr gelassen“, ergänzt Samuel West. „Gavin bringt ungeheuer viel Erfahrung mit. Er plante seine Einstellungen sehr ökonomisch, drehte nur das, was nachher auch im Film erscheint. Er hat etwa 40 Filme fürs Kino und Fernsehen gedreht – er versteht sein Handwerk wirklich.

Deswegen wurde der Drehplan auch eingehalten.“ Zu Gast am Set war der holländische Arzt Harold Robles, der Albert Schweitzer als Kind kennen gelernt hat, später seinem Beispiel folgte, Arzt wurde und ab den 1960er-Jahren in Lambarene gearbeitet hat. Jeanette Hain, die im Film die Rolle von Schweitzers Tochter Rhena übernimmt, sagt: „Harold hat mir erzählt, dass Rhena Schweitzer sich wünschte, ihren Vater auf der Leinwand locker und humorvoll dargestellt zu sehen. In diesem Sinne ist Jeroen Krabbé die ideale Besetzung, er strahlt eine ungeheure Kraft aus, ist unwahrscheinlich witzig. Für Schweitzer beinhaltete die Ehrfurcht vor dem Leben allerdings auch, dass die Ehrfurcht vor der Familie zu kurz kam. Man fragt sich bei Menschen, die viel bewegen: Wie war das eigentlich – fanden die überhaupt Zeit für ihre Familie? Deshalb hat Gavin Millar Schweitzers Beziehung zu seiner Tochter Rhena im Drehbuch deutlicher herausgearbeitet als in der ursprünglichen Fassung, und ich freue mich, dass ich diese Rhena spielen darf.“

„Jeroen Krabbé ist sehr lustig und sehr umgänglich – ein zuvorkommender Kollege“, bestätigt auch Armin Rohde. „Wir verstanden uns auf Anhieb so, als ob wir seit Jahren zusammenarbeiten würden – dabei kannten wir uns zuvor gar nicht.“ Über seine Rolle sagt Jeroen Krabbé („Kalmans Geheimnis“; „Transporter 3“): „Mir half es sehr, die Maske zu tragen und durch unser Film-Lamberene zu gehen: Da fühlt man sich an den Ort des Geschehens versetzt. Außerdem konnte ich vorhandene Filmdokumente nutzen und beobachten, wie Schweitzer ging, wie er schrieb, wie er Orgel und Klavier spielte. Dennoch musste ich mir ein eigenes Rollenkonzept zurechtlegen. Eines Tages merkte ich, wie sehr ich mich in die Rolle eingelebt hatte: Genau wie Schweitzer tat ich eine Sache und dachte gleichzeitig an fünf andere, die ich erledigen musste – Schweitzer war also konzentriert, aber auch ständig abgelenkt. Nur bei dem Gespräch mit Einstein habe ich das nicht gespürt – da stellt sich Schweitzer ganz auf sein Gegenüber ein.“

In Bezug auf die von Jeanette Hain angedeuteten menschlichen Schwächen sagt Krabbé: „Eine Ikone kann man nicht darstellen – Schweitzer war ein Mensch aus Fleisch und Blut – ich zeige ihn höflich und unwirsch, nett und weniger nett – seine Familie hat er wirklich nicht besonders zuvorkommend behandelt. Mit meiner Filmgattin Barbara Hershey gehe ich reichlich mürrisch um.“

„Barbara Hershey und Jeroen Krabbé sind absolute Profis – sie gehen in ihren Rollen auf“, sagt Kollege Samuel West bewundernd. „Genau wie ich müssen sie Figuren anderer Nationalität darstellen – das ist ein Film der verschiedenen Akzente. Ich spiele gern Bösewichte, wenn das Drehbuch – wie in diesem Fall – gut ist. Der von mirdargestellte Phil Figgis hat seine eigene Sicht der Dinge, er darf begründen, warum er so handelt, warum er Schweitzer diskreditiert. Sein Beweggrund ist die damals sehr konkrete Angst: Was passiert, wenn die anderen die Bombe haben und wir nicht?“ „Uns stand jede Menge dokumentarisches Material über Lambarene zur Verfügung“, berichtet Regisseur Millar. „Und am Set unseres Filmhospitals bekamen wir Besuch von Mitarbeitern, die in den 50er- und 60er-Jahren in Lambarene gearbeitet haben.“

Dazu gehört der erwähnte Arzt Harold Robles, der Lambarene aus eigener Anschauung kennt: „Als ich das Set in Port St. Johns betrat, fühlt ich mich wie in einer Zeitmaschine 40 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt. Was der Ausstatter Tom Hannam hier geleistet hat, ist absolut fantastisch! Zentimeter für Zentimeter entspricht das Dorf dem Original-Lambarene in Gabun. Unfassbar! Für mich eine wundervolle Erfahrung!“ Millar ergänzt: „Harold betrat Schweitzers Wohnquartier mit dem Tisch und dem Klavier und sagte: ‚In genau diesem Raum habe ich meine Bücher geschrieben!‘ Dabei befand er sich auf unserem Filmset in Port St. Johns. Unsere Ausstattungsabteilung hat sehr exakt gearbeitet, und das Bauteam ist Weltklasse!“ Judith Godrèche fiel auf: „Natürlich drehen wir einen historischen Film, aber er ist nicht überproduziert – die Ausstattung spielt nie die Hauptrolle, sondern im Mittel punkt stehen immer die Geschichte, die Figuren.“

Produktionsdesigner Tom Hannam freute sich, beim Entwurf des Film-Lambarenes in Port St. Johns detailliertes Anschauungsmaterial benutzen zu können, vor allem die amerikanisch-französische Kino-Dokumentation „Albert Schweitzer“ (1957) – vier Jahre lang hatte die österreichische Kamerafrau Erica Anderson Schweitzer damals bei seiner Arbeit in Lambarene mit der Kamera beobachtet. Aufgrund dieser Aufnahmen konnte das Urwalddorf exakt nachgebaut werden. Hannams Bauteam bestand aus etwa 30 Zimmerleuten, die zu seinem eingearbeiteten Team in Kapstadt gehören, und weiteren 60 Handwerkern, die vor Ort in Port St. Johns engagiert wurden.

Zwei Wochen lang rodete die Crew den Urwald, acht weitere Wochen waren nötig, um das Set zu errichten und es künstlich auf Alt zu trimmen, damit es den Anschein erweckt, als sei das Dorf schon jahrelang bewohnt.

Im vorhandenen Urwald ließ Hannam Hunderte von zusätzlichen Bäumen und Büschen anpflanzen, um die Flora dem Original-Lambarene anzupassen. Palmen musste er zum Beispiel einführen, weil sie in Port St. Johns nicht wachsen. Bei all dem war es jedoch wichtig, die vorhandene Vegetation nicht nachhaltig zu beeinflussen. So wurden bspw. Samenstände vor dem Einpflanzen entfernt, damit sich keine fremden Pflanzenarten in der Region ansiedeln. Neben dem Wohnquartier von Albert und Helene Schweit zer wurden Krankenräume, der Operationsraum inklusive eines zeitgenössischen OP-Tisches und originaler OP-Bestecke, die Hauptstraße des Dorfs und das alte Hüttendorf der Lepra-Kranken nachgebaut.

Außerdem konstruierte das Team eine „Baustelle“ mit halb fertigen Hütten, denn Schweitzer war zum Zeitpunkt der Handlung dabei, neue Hütten für die Lepra- Kranken zu errichten. Dazu Hannam: „Sie waren sehr solide konzipiert – und unter geschickter Verwendung des vor Ort vorhandenen Baumaterials wie Palmenblättern. Alle Gebäude waren der tropischen Witterung angepasst – die Fenster bestanden aus Lattenrosten mit Moskitonetzen ohne Scheiben, die gute Lüftung gewährleisteten, die Zimmerdecken bestanden aus zwei Schichten – das Luftpolster dazwischen half, die Innenräume gegen die Hitze zu isolieren.“

Hannam ließ auch umfangreiche Obst- und Gemüsegärten anlegen, denn Schweitzer musste nicht nur seine Patienten verpflegen, sondern auch deren Familien, die vielfach bei den Kranken im Hospital wohnten. Auch Schweitzers Arbeitsraum wurde exakt kopiert – bis hin zu seiner Angewohnheit, Papiere an den Wänden auf Haken zu hängen, damit die Tiere sie nicht auffraßen. Er hatte eine Zinkwanne unter dem Schreibtisch stehen, die er für Fußbäder benutzte, um sich abzukühlen. Am liebsten saß er auf Hockern, weil er sich auf einem Stuhl mit Lehne zu „faul“ vorkam.

Über seinen eigenen Lernprozess am Set sagt Regisseur Millar: „Ich habe mich teils sehr ignorant verhalten. Ein Beispiel: Alle Komparsen mussten sich bereits um 6.30 Uhr morgens am Set melden. Es war sehr kalt, weil in Südafrika gerade Winter herrschte. An diesem Tag waren in der großen Straße 200 Statisten vorgesehen – darunter natürlich auch viele kleine Kinder. Viele der Statisten waren barfuß – das war der Szene durchaus angemessen. Aber es würde sicher noch zwei Stunden dauern, bis an diesem Tag die erste Klappe fiel. Deshalb fragte ich: ‚Warum ziehen die bei dieser Kälte nicht ihre Schuhe wieder an, bis es so weit ist? Das soll die Kostümabteilung sofort ändern!‘ Doch wie sich her ausstellte, hatten die Statisten die Schuhe nicht etwa beiseite gestellt – sie besaßen überhaupt keine Schuhe!Sie erschienen am Drehort mit den Kleidern, die sie besaßen. Eine Frau sagte mir später: ‚Ich freue mich sehr, dass Sie hierhergekommen sind und uns im Film mitwirkenund Geld verdienen lassen, denn jetzt kann ich meinem Sohn Schuhe für die Schule kaufen.‘ Daran erkennt man, wie arm die Menschen dort sind und wie wichtig unser winziger Beitrag war.“

Produktion: Drehorte

„Ich wollte den Film machen, weil ich glaube, dass junge Menschen heute kaum etwas über Albert Schweitzer wissen“, sagt Gavin Millar. „Einst war er so berühmt und beliebt wie heute Nelson Mandela – bekannt in aller Welt als großer Humanist. Und zu seiner Zeit hatte er großen Einfluss. Aber die Historie entwickelt sich manchmal seltsam – heute kennt man ihn kaum noch. Zumindest auf die Altersgruppe bis 45 Jahre trifft das zu. Nur im Medizinerberuf gibt es eine große Gruppe, die ihn bewundert, vor allem in Amerika.“

„Für mich ist Schweitzer ein Vorbild“, sagt Produzent Alexander Thies. „Ihm war sein historisches Umfeld sehr bewusst, er hat eine klare Entscheidung getroffen. Er zögerte nicht, sein Leben völlig auf den Kopf zu stellen, als er in seinem bisherigen Leben alles erreicht hatte – als angesehener Professor sogar in zwei Fachbereichen, er war gesellschaftlich angesehen, die Universitäten rissen sich um ihn. Aber statt ein bequemes Leben zu wählen, hörte er auf sein Herz. Er widmete sein Leben anderen und wuchs über sich, über die Beschränkungen seines bisherigen Lebens hinaus. Dabei wusste er nicht, ob er damit Erfolg haben würde. Aber nichts brachte ihn von seinem Vorhaben ab. Und er war in der Lage, sehr komplexe Probleme klar und einfach auf den Punkt zu bringen – das ist sehr beeindruckend. Wenn sich heute jemand mit seinem Christsein auseinandersetzt (Soll ich zur Kirche gehen? Wie kann ich die Bibel begreifen?), dann sollte er Schweitzers Schriften über Jesus Christus lesen: Es ist faszinierend, wie einfach, klar und leicht verständlich sie formuliert sind. Alles läuft darauf hinaus, dass wir an unseren Taten gemessen werden, und die größte Tat besteht darin, Liebe weiterzugeben. Es geht um das Urvertrauen ins Universum – und unser Herz ist ein Teil davon.“ „Mich interessiert an großen Humanisten besonders, wenn sie Probleme mit dem eigenen Familienleben haben“, sagt Barbara Hershey. „Vielleicht wird ihre Mensch lichkeit draußen in der Welt verbrauchtund sie haben dann nichts mehr für die Familie übrig. Vielleicht schrecken sie vor Intimität zurück und verwandeln sie deshalb in karitatives Engagement. Bei Schweitzer spielt das eine wesentliche Rolle.“

Regisseur Gavin Millar sieht neben der privaten die politische Dimension Schweitzers: „Mir geht es darum, die herrschenden Vorurteile gegen Schweitzer abzubauen. Als ich einem irischen Freund erzählte, woran ich arbeite, sagte er: ,Ach der alte Scharlatan!‘ Wir halten den Helden unseres Films natürlich nicht für einen Scharlatan! Er steht für außergewöhnliche Tugenden und Fähigkeiten – das möchte ich den Zuschauern vermitteln, ebenso wie den Umstand, dass wir nicht alles glauben sollten, was im Namen von Demokratie und Freiheit behauptet wird!“ Gavin Millar fährt fort: „Was die jüngere Generation sicher interessieren wird: Schweitzer war einer der Urväter der Ökologiebewegung. Er wies darauf hin, dass man menschliches Leben nicht vom Rest der Welt, vom Leben der Tiere und Pflanzen getrennt wahrnehmen darf. Wenn wir das tun, leben wir auf Kosten der anderen Aspekte.“

Dazu Jeroen Krabbé: „Schweitzer hat schon vor 100 Jahren, als die Umweltverschmutzung noch nicht sehr fortgeschritten war, genau die Thesen formuliert, die Al Gore heute so dringlich vertritt. Das ist eine erstaunliche Leistung.“ „Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet heute Ökologie – sie wird immer wichtiger“, weiß auch Jonathan Firth. „Schweitzer war ein Pionier auf diesem Gebiet. Er hat damals schon die Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln angeprangert – und erntete harsche Kritik. Er war seiner Zeit weit voraus.“

Produzent Alexander Thies ergänzt: „Der interessanteste Aspekt ist für mich die Erkenntnis, dass ethisches Verhalten durchaus logisch ist. Wenn wir erst einmal wahrnehmen, in welcher vielfältigen Form Leben um uns herum existiert, dann fällt uns das Töten erheb lich schwerer. Zumal unser Le ben vom Leben der anderen abhängt. Ich freue mich, dass Präsident Obama sehr oft Albert Schweitzer zitiert!“

Samuel West meint: „Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet etwas Großes und gleichzeitig etwas Kleines – eine holistische Auffassung unserer Existenz auf Erden: Alles ist miteinander verbunden. Jede Handlung hat eine politische Dimension und wirkt sich auf andere Menschen aus. Im Kleinen bedeutet es: Wir müssen vermeiden, anderen ein Leid zuzufügen – wir sollten nicht töten, wenn es sich verhindern lässt. So einfach die These ist, so schwierig ist sie umzusetzen. Ich bin Jahrgang 1966 – ich bin im Kalten Krieg aufgewachsen, als 16-Jähriger hatte ich etwa einmal im Monat Albträume vom Atomkrieg, vom atomaren Winter. Heute vergisst man leicht, wie real die Bedrohung damals war – in den 1980er-Jahren, aber auch in den 1950er-Jahren, als es erstmals möglich war, Katastrophen wie Hiroshima und Nagasaki auszulösen. Heute wirken Schweitzers Aussagen eher verhalten – damals waren sie sehr hart. Denn im damaligen historischen Zusammenhang bedeuten sie: ,Sprengt keine Menschen in die Luft! Verzichtet auf Massenvernichtungswaffen! Hört auf mit dem unmenschlichen Wettrüsten!‘ Damals waren diese Thesen ein echter Demonstrationsslogan.“

„Zu Schweitzers Zeiten hielten sich die meisten Menschen für die Krone der Schöpfung – sie sahen sich nicht als Teil einer Interaktion, eines Ganzen“, sagt Alexander Thies abschließend. „Umso wichtiger ist es zu erkennen, dass wir füreinander sorgen müssen – nicht nur für die Mitmenschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen. Darin liegt Schweitzers größte Leistung: Er schaffte es, selbst Menschen ohne ethische Vorbildung zu erklären, warum der Gewaltverzicht so elementar wichtig ist. Denn dadurch wird das Leben besser und viel einfacher. Der Kampf gegeneinander ist eine schreckliche Vergeudung unserer Ressourcen – äußerlich wie innerlich. Denken wir doch an das Foto der Erde, das die Astronauten vom Mond aus machten: Ein blauer Punkt im schwarzen Nichts. Das Leben ist nicht normal, sondern eine große Ausnahme im Universum. Mit ‚Ehrfurcht vor dem Leben‘ beschreiben wir das Wichtigste und das Normalste zugleich.“

Biografie: Albert Schweitzer

1875 Geburt in Kaysersberg/Oberelsass, Umzug nach Günsbach

1893 Studium der Theologie und Philosophie in Straßburg, Orgelunterricht bei Charles Marie Widor in Paris

1896 Entschluss zu einem Beruf im Dienste der Menschheit nach dem 30. Lebensjahr

1904 Ein Aufruf über die Not der Kongomission entscheidet über die Richtung seines dienenden Berufes

1905 Beginn des Medizinstudiums

1910 Medizinisches Staatsexamen

1912 Hochzeit mit Helene Bresslau

1913 Abreise aus Günsbach nach Afrika (mit Helene)

1914 Internierung in Lambarene während des Ersten Weltkrieges

1917 Rücktransport nach Europa durch das französische Militär, Internierung in Bordeaux

1918 Rückkehr ins Elsass, Vikariat an St. Nicolai

1919 Geburt der Tochter Rhena

1920 Schwedenreise, Vorlesungen, Vorträge und Orgelkonzerte zur Abzahlung der Schulden

1923 Hausbau für Helene und Rhena in Königsfeld/Schwarzwald

1924 Zweite Reise nach Afrika, ohne Helene

1925 Bau eines neuen Spitals

1927 Umzug des Spitals, Konzerte und Vorträge in Europa

1928 Goethepreis der Stadt Frankfurt

1929 Dritte Afrikareise. Helene reist aus gesundheitlichen Gründen wieder ab, Schweitzer lehnt Ruf an die Universität Leipzig ab.

1939 Nach einigen kürzeren Aufenthalten neuneinhalb ununterbrochene Jahre in Lambarene bis 1948

1941 Helene trifft nach schwieriger Reise in Lambarene ein.

1949 Festrede zum 200. Geburtstag Goethes in den USA

1951 Friedenspreis des deutschen Buchhandels

1953 Erhalt des Friedensnobelpreises, Bekanntgabe von 1952

1953 Beginn des Baus einer Leprösensiedlung

1954 Entgegennahme des Friedensnobelpreises in Oslo

1957 Aufruf Schweitzers gegen Kernwaffenversuche; Helenes Tod

1958 Radioappelle gegen Atomgefahren

1965 Albert Schweitzer stirbt in Lambarene im Alter von 90 Jahren

Biografie: Helene Schweitzer geb. Bresslau

Helene Bresslau wurde am 25. Januar 1879 als zweites Kind des Historikers Harry Bresslau und seiner Frau Caroline Isay in Berlin geboren. Da Harry Bresslau aufgrund der jüdischen Glaubenszugehörigkeit eine ordentliche Professur verwehrt blieb, folgte er mit seiner Familie 1890 einem Ruf nach Straßburg im Elsass. 1898 lernt Helene Bresslau Albert Schweitzer kennen.

In den folgenden Jahren entwickelt sich eine enge Freund schaft und Verbundenheit. Wie Albert Schweitzer verstand sie ihre glückliche Kindheit und Jugend als Verpflichtung dazu, benachteiligten Menschen zu helfen. Als Kind jüdischer Eltern hatte sie erlebt, wie mühsam sich ihre Eltern die erreichten Privilegien erkämpft hatten.

In Hinblick auf ihre künftige gemeinsame Arbeit in Afrika absolvierte Helene eine zusätzliche Ausbildung zur diplomierten Krankenschwester. Nur durch die Konvertierung Helenes zum christlichen Glauben war es ihnen möglich, im Jahre 1912 zu heiraten. An der Seite ihres Mannes, den sie über alles liebte, erlebte sie die ersten Jahre in Lambarene als die glücklichste Zeit ihres Lebens.

Es war ihr tragisches Schicksal, dass sie aus gesundheitlichen Gründen und auch zum Wohle der gemeinsamen kleinen Tochter Rhena nicht mehr so an Schweitzers Arbeit in Afrika teilnehmen konnte, wie sie es sich gewünscht hatte. Als unermüdliche Werberin und Spenden sammlerin für das Urwaldspital unterstützte sie aber Albert Schweitzer bis zu ihrem Tode 1957.

Biografie: Rhena Schweitzer

Rhena Schweitzer wurde am 14. Januar 1919 in Straßburg geboren. Sie war das einzige Kind von Albert und Helene Schweitzer. Während ihrer Kindheit in Europa hat sie wenig vom Vater gehabt – er arbeitete in Afrika oder reiste auf Konzert- und Vortragsreisen durch die Welt.

1939 heiratete Rhena den Orgelbauer Jean Eckert, den sie in Paris kennen gelernt hatte. Das Paar hat vier Kinder.

Nach der Scheidung machte Rhena in den 50er- Jahren eine medizinisch-technische Ausbildung. Ab 1960 arbeitete sie als Laborantin in Lambarene mit ihrem Vater zusammen. Als er fünf Jahre später starb, übernahm sie die Leitung des Urwaldhospitals, das sie bis 1970 führte.

Ihr zweiter Mann war der Herzspezialist David Miller, der 1965 nach Lambarene kam. Rhena Schweitzer und David Miller heirateten 1970 und lebten in Atlanta/ Georgia, arbeiteten aber in aller Welt im medizinischhumanitären Bereich: in Nigeria während des Biafra-Krieges, in Äthiopien, Jemen, Indien, Bangladesch, Afghanistan, Vietnam und Haiti. In Pakistan war Miller zeitweilig für 80.000 Flüchtlinge verantwortlich.

Rhena Schweitzer Miller war als Botschafterin für etliche Organisationen tätig, die Albert Schweitzers Werk verpflichtet sind. 1940 half sie auf Wunsch ihres Vaters mit, in den USA das Albert-Schweitzer-Stipendium zu etablieren, mit dessen Hilfe Medizinstudenten einen Teil ihrer Ausbildung in Lambarene oder anderen medizinisch unterversorgten Gebieten absolvieren. 1984 zählte sie zu den Mitbegründern des Albert Schweitzer Institute for the Humanities. 1990 schuf sie den Preis „Ehrfurcht vor dem Leben“, mit dem besonderehumanitäre Leistungen ausgezeichnet werden.

Sie starb 90-jährig am 22. Februar 2009 in Pacific Palisades/ California. Sie hat acht Enkel und fünf Urenkel.

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News und Stories

  • Jeroen Krabbé als "Schweitzer" vor der Kamera

    Am 18. Juni 2008 fiel in Südafrika die erste Klappe zur internationalen Kinoproduktion „Schweitzer“ (AT). Der bisher für Fernsehproduktionen bekannte britische Regisseur Gavin Millar inszeniert die Biografie des legendären Urwaldarzt und Friedensnobelpreisträger mit Jeroen Krabbé („Ocean's Twelve“) als Albert Schweitzer. In weiteren Rollen werden Barbara Hershey („Hannah und ihre Schwestern“, „Portrait of a Lady“...

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