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Fakten und Hintergründe zum Film "Achterbahn"

Fakten und Hintergründe zum Film "Achterbahn"
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Regisseur Peter Dörfler über seinen Film

Eine unscheinbare Zeitungsnotiz machte mich vor Jahren auf den »Fall« Norbert Witte aufmerksam. Der seltsame, etwas verwahrlost wirkende Vergnügungspark, den ich damals nur durch den Blick über den verwitterten Zaun kannte, befand sich ganz offensichtlich im nachwendlichen Überlebenskampf. Daß es an dieser Stelle überhaupt einen Vergnügungspark gegeben hatte, paßte nicht so recht in das Bild, welches ich mir von der DDR gemacht hatte. In der Tat war der Kulturpark für die Menschen in Ostdeutschland etwas ganz Besonderes.

Als ich dann von der Flucht des Rummelkönigs Norbert Witte und seiner Familie nach Südamerika las, wurde mir klar, hier ist eine dieser Geschichten, die schon beim Lesen wie ein großer, epischer Spielfilm wirken, mit dramatischen Wendungen und tragischen Helden, eine Geschichte, die so sehr nach Fiktion klang, daß sie für mich gerade als Dokumentarfilm interessant wurde, ein Plot vom Leben geschrieben, den ein Drehbuchautor nicht besser hätte erfinden können.

Die Pleite des Spreeparks, die Flucht der Wittes von Berlin nach Lima mit einem kompletten Vergnügungspark im Gepäck, der gescheiterte Neuanfang in Peru, der Drogendeal, der die Rückkehr nach Berlin finanzieren sollte, all das konnte nur passieren, weil da ein Mensch, Norbert Witte, offensichtlich bereit war, immer alles auf eine Karte zu setzen und sein gesamtes Leben und das seiner Familie von einem Tag auf den anderen umzuwerfen. Darunter haben die Menschen in seinem Umfeld oft sehr gelitten.

Was mich dann bei meiner Recherche überraschte, war, daß dieser Mann, den die Presse gerne als übler Betrüger und gewissenloser Krimineller darstellte, von den Leidtragenden seiner Eskapaden als sympathischer, netter und sehr hilfsbereiter Mensch geschildert wurde - der natürlich einige Fehler gemacht habe, dem man aber irgendwie nicht richtig böse sein konnte. Norbert Witte hat in keiner Situation je seinen unverwüstlichen Optimismus verloren. Voraussetzung dafür scheint mir zu sein, daß er nicht bereit ist, sich selbst kritisch zu hinterfragen.

Beim Dreh des Filmes merkte ich sehr schnell, daß dieses Hinterfragen die beiden Frauen an seiner Seite übernahmen: Seine geschiedene Frau Pia und seine Tochter Sabrina Witte. So wurde der Film über einen charismatischen Hasardeur mit der Zeit immer mehr auch zu einem Film über zwei starke Frauen, die um das Leben ihres Sohnes und Bruders kämpfen und zu einem Film über das tragische Schicksal einer deutschen Schaustellerfamilie.

Hintergrund: Chronologie der Ereignisse

1913

Vorfahr Otto Witte, ein Abenteurer aus Pankow, nutzt den Balkankrieg, um sich, à la Hauptmann von Köpenick, zum König von Albanien krönen zu lassen. Er kann den Titel nur genau 4 Tage behalten. Daraufhin läßt er sich in Deutschland in seinen Ausweis »Ehemaliger König von Albanien« eintragen.

1955

27.04.1955: Norbert Witte wird in Landshut geboren.

1957

11.11.1957: Pia Witte wird bei Hannover geboren.

1969

Der VEB Kulturpark »Plänterwald« wird auf dem Gelände des Spreeparks in Berlin eröffnet.

1981

Marcel Witte wird geboren.

14.08.1981: Unglück auf dem Hummelfest, Hamburg. 7 Tote, zahlreiche Verletzte.

1982

Die Familie Witte zieht mit ihren Fahrgeschäften durch Jugoslawien und Italien.

1988/1989

Norbert Witte wird mit 2 Fahrgeschäften Mieter im Plänterwald.

1990

Witte wird Geschäftsführer der von ihm gegründeten »Vergnügungspark Plänterwald GmbH«.

1997

Der Erbbaurechtsvertrag zwischen Wittes Firma und dem Senat kommt nach jahrelangen Verhandlungen endlich zustande.

1998

Der Berliner Senat entzieht dem Vergnügungspark überlebenswichtige Parkplätze.

1999

2. Bankkredit zur Rettung des Plänterwaldes. Witte hat vorher der CDU eine Spende über 50.000 Euro zukommen lassen. Der Park ist bereits mit 12 Millionen verschuldet, aber lt. Gutachten nur die Hälfte wert. Bürge ist das Land Berlin. Das Land Berlin erklärt den Spreepark zum Naturschutzgebiet. Witte kündigt daraufhin den Pachtvertrag, ist aber schon mit Pachtzinsen in Höhe von 850.000 in Verzug.

2001

Dezember. Der Spreepark meldet Insolvenz an.

2002

Januar. Die Container mit den 6 Fahrgeschäften befinden sich auf dem Weg nach Bremerhaven, von wo aus sie nach Peru verschifft werden. Die Wittes ziehen nach Peru. Der Plänterwald wird geschlossen. Die Eröffnung des Witteschen Lunaparks vor dem Metro-Supermarkt in Lima verzögert sich, weil der peruanische Zoll die Fahrgeschäfte nicht freigibt. Pia Witte kehrt mit Sabrina Witte nach Deutschland zurück. Norbert Witte beginnt ein Verhältnis mit einer Peruanerin, worauf Pia Witte sich von Norbert trennt.

2003

Die Pleite der Witteschen Unternehmungen in Peru. Norbert Witte erleidet mehrere Herzinfarkte und kehrt nach Berlin zurück, um sich operieren zu lassen. Der mißlungene Drogenschmuggel.

06.11.2003: Verhaftung von Marcel in Peru und Norbert Witte in Berlin.

2004

21.05.2004: Norbert Witte wird in Berlin zu 7 Jahren Haft verurteilt. Er wird nach 3 Jahren Freigänger der JVA Plötzensee und arbeitet als Techniker in einer Disco.

2006

Oktober. Marcel wird in Lima zu zwanzig Jahren Haft verurteilt

2007

Beginn der Dreharbeiten von Achterbahn. Pia und Sabrina Witte besuchen Marcel Witte in Lima. Das Urteil gegen Marcel Witte wird in der Revision bestätigt.

2008

Norbert Witte wird im Sommer nach nur 4 Jahren freigelassen und lebt seither in einem Wohnwagen aus der Insolvenzmasse seiner Firma auf dem Gelände des Plänterwaldes.