Abschied - Brechts letzter Sommer

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   2000
Abschied - Brechts letzter Sommer Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Abschied - Brechts letzter Sommer: In ruhigen, melancholischen Bildern erzählter Film über den letzten Ferientag, den Brecht mit den Frauen seines Lebens verbringt.

Der alternde Brecht verbringt den Sommer wie immer in seinem Ferienhaus in Buckow am See, umringt von seinen Frauen, die sich zwar gegenseitig nicht ausstehen können, sich aber tolerieren: Ehefrau Helene Weigel, Tochter Barbara, seine Assistentin Elisabeth Hauptmann und seine junge Geliebte Käthe. Zum Essen wird schließlich auch seine Ex Ruth Berlau geladen.

In ruhigen, melancholisch-verwaschenen Bildern schildert Regisseur Jan Schütte den letzten Ferientag des alternden Schriftstellers Bertold Brecht in seinem Ferienhaus in Buckow am See kurz vor seinem Tod. Er porträtiert ihn als Zweifler und Grantler, entsprechend gespielt von Josef Bierbichler.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Sich an ein Urgestein wie Bertold Brecht zu wagen, dazu gehört schon eine Portion Mut. Jan Schütte ließ sich nicht einschüchtern und zeichnet zwischen Biographie und Fiction den Dramatiker im Kreise seiner weiblichen Entourage an einem langen schönen Sommertag kurz vor seinem Tod.

    Der Mann, der da auf den idyllischen Schermützelsee hinausschaut, hat wenig mit dem virilen und spitzzüngigen Brecht zu tun, den man kennt und liebt. Er klagt, dass er noch keine 60 sei, aber fünf Jahre älter ausschaue und wirkt wie ein grantiger Opa. Er steht kurz vor der Abreise nach Berlin und hat die wichtigsten Frauen seines Lebens in der Datscha um sich versammelt: Ehefrau Helene Weigel und Tochter Barbara, seine Assistentin Elisabeth Hauptmann, die Ex-Geliebte Ruth Berlau, die derzeitige Geliebte und Schauspielerin Käthe Reichel und deren Nebenbuhlerin, die grazile Isot Kilian, Frau des Philosophen Wolfgang Harich, denen Brecht auch schon mal beim Liebesspiel zuschaut. Stunden vergehen mit Schwimmen, Schreiben, Rauchen, Knödel-Essen und vor allem Reden und Streiten, denn die Frauen sind sich nicht besonders grün, beobachten sich eifersüchtig, können jahrelang unterdrückte Aggressionen kaum zügeln. Am Ende zweifelt der von Krankheit geschwächte Dichter an seinen politischen Utopien, ahnt die Vergeblichkeit jeglicher Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft. Als auf der Heimfahrt Isot und Harich vom Motorrad gerissen und von der Stasi abgeführt werden, dreht Brecht sich nicht um. Vier Tage später stirbt er.

    Josef Bierbichler spielt die widersprüchliche Figur mit großer Leinwandpräsenz – allerdings auf sehr niederbayerische Art, was dem gebürtigen Augsburger Brecht eine ganz neue, sehr gewöhnungsbedürftige Facette gibt. In dem honorigen Film im Fernsehformat vermisst man vor allem Brechts rhetorische Brillanz, das Charisma des Womanizers wirkt schal. Jan Schütte, dem es gelang, das Biopic in 23 Drehtagen mit nur knapp 2,5 Mio. Mark zu realisieren, greift ein Stück deutsche Geschichte auf, voller Schwermut und leider auch Schwerfälligkeit, stellt die Frage nach dem Verhältnis zwischen Künstler und politischer Macht. Bleibt die Antwort in dieser spröden, wenn auch interessanten Annäherung aber schuldig. mk.

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