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Fakten und Hintergründe zum Film "Abbitte"

Kino.de Redaktion |

Abbitte Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Produktion

Bereits während der Dreharbeiten zu „Stolz und Vorurteil“ stellte Tim Bevan, Co-Geschäftsführer von Working Title, fest, dass Joe Wright zu den talentiertesten Regie-Newcomern gehört, denen er jemals begegnet war. Da Bevan sich dieses Talent nicht entgehen lassen wollte, begann er nach einem Stoff zu suchen, den Wright als nächstes verfilmen könnte. Da traf es sich gut, dass Ian McEwans Romanbestseller „Abbitte“ von Richard Eyre und Robert Fox bei Working Title vorgelegt worden war und zur Verfilmung anstand. Und eigentlich wollte Eyre selbst die Regie übernehmen. Doch während der Filmentwicklung ge-rieten Eyres vorab zugesagte Verpflichtungen bei anderen Projekten in den Vordergrund, so-dass Eyre ganz gentlemenlike den Platz räumte und den Weg freimachte, damit Joe Wright die Regie übernehmen konnte.

Der besondere Reiz an der Leinwandadaption von „Abbitte“ lag für Wright in der Erzählweise: berichtet wird aus der Sicht von Briony Tallis, in drei verschiedenen Schlüsselphasen ihres Lebens, und das versprach eine aufregende Herausforderung für einen Filmemacher wie ihn zu werden. Wright meint dazu: „Diesen Roman auf die Leinwand zu bringen bedeutete, dass sich die Geschichte im Laufe der Arbeit offenbart. Wir hinterfragen die Erzählstrukturen, die Perspektiven, und wir hinterfragen die einzig wirkliche Wahrheit durch die Gegenüberstellung mit vielfältigen möglichen Wahrheiten.“

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Bei der Adaption arbeitete Wright intensiv mit Drehbuchautor Christopher Hampton zusam-men: „Als mir das erste Drehbuch zugeschickt wurde, stellte ich fest, dass es sich ziemlich von der Romanvorlage entfernte. Ich fand den Roman brillant, deshalb haben Christopher und ich noch einmal von Null angefangen und uns so treu an den Roman gehalten wie nur möglich. Unsere Zusammenarbeit war sehr fließend und ganz wunderbar, ich habe sie wirklich genossen. Alles war sehr aufregend und ist mir auch persönlich sehr nahe gegangen. Ich hatte das Gefühl, vollkommen in dem Roman und dem Drehbuch aufzugehen und jeden Moment darin gänzlich verstanden und erfasst zu haben – zumindest habe ich das versucht.“ Und er fährt fort: „ Ein Buch ist eine Illusion, es besteht aus einer Reihe von Symbolen auf Papier, die im eigenen Geist eine Erzählung entstehen lassen. Es gibt von einem Buch genauso viele Versionen, wie es Leser hat. Ich habe aus diesem Buch die Adaption verwirklicht, die in mei-nem Kopf entstand, als ich den Roman las.“

Produzent Paul Webster meint: „Nachdem Joe mit an Bord war und mit Christopher zusam-menzuarbeiten begann, wurde das Drehbuch meiner Meinung nach reichhaltiger, vielschichti-ger, und er hat auch seine umfassende visuelle Phantasie mit einfließen lassen. Die Themen-kreise, die angesprochen werden, sind absolut universell und betreffen uns alle: das sexuelle Erwachen in der Jugend, die sich kreuzenden Schicksale, die Vorstellung, dass wenn man ‚doch bloß nach rechts statt nach links abgebogen wäre’, das eigene Leben völlig anders hätte verlaufen können…“

Ian McEwan, dessen Werke schon früher für die Leinwand adaptiert wurden, wusste, dass dies im Fall von „Abbitte“ kein leichtes Unterfangen sein würde. Er sagt: „Es ist wie ein Job mit der Abrissbirne. Man muss rund 130.000 Worte auf ein Drehbuch mit 20.000 Worten ein-kochen. Und in diesem besonderen Fall stellen sich für den Drehbuchautor größere Probleme, denn dieser Roman ist von einer intensiven Innenschau geprägt. Die Dinge spielen sich im Bewusstsein der verschiedenen Figuren ab. Meiner Meinung nach hat Christopher Hampton einen klugen und intelligenten Kurs durch den Roman hindurch eingeschlagen.“

Christopher Hampton gibt zu, dass die Adaption eines guten Romans weitaus schwieriger ist als die eines schlechten: „Meines Erachtens gehört „Abbitte“ zu den besten Romanen der vergangenen 20 Jahre, und dieser Qualität gerecht zu werden bedeutet eine große Verantwor-tung.“

Der Film „ABBITTE“ ist zwar in der historischen Vergangenheit angesiedelt, besitzt aber eine zeitgenössische Dimension, denn er handelt von alltäglichen Erfahrungen, Beziehungen, Gefühlen und persönlichen Entscheidungen. Schon in „Stolz und Vorurteil“ hatte Wright als Filmemacher gezeigt, dass er das Talent besitzt, Geschichten in einer solchen Weise zu inter-pretieren, dass das moderne Publikum in der Lage ist, über die im Film behandelten Orte und Epochen hinauszublicken. Christopher Hampton meint: „Meine Theorie ist folgende: Je akku-rater man eine bestimmte Epoche darstellt, desto deutlicher werden die modernen Aspekte daran sichtbar.“

„Der Kern dieser Geschichte scheint eine interessante Reise durch die großen Emotionen zu sein“, fasst Tim Bevan zusammen. „Wir alle müssen mit den Umständen leben, die sich aus jedem Zeitpunkt unseres Lebens ergeben können, und dieser Film führt uns das ganz deutlich vor Augen.“

Vorbereitung und Produktion

Nach Fertigstellung des Drehbuchs widmete sich Joe Wright der akkuraten Vorbereitung der Dreharbeiten und arbeitete von Anfang an bei der Recherche und den technischen Details sehr eng mit allen Abteilungen des Stabes zusammen, um seine Vision wahr werden zu lassen und zu gewährleisten, dass bei Beginn der Dreharbeiten dann auch alle am selben Strang ziehen. Dazu gehörten ebenfalls dreiwöchige Proben mit der Besetzung, sodass sich ab dem Augen-blick, an dem die Kameras zu laufen begannen, alle in ihren Rollen und in der ihnen zugewie-senen Umgebung heimisch fühlten.

Die drei verschiedenen Teile des Films verfügen für Wright jeweils über eine ganz eigene Identität, die er dem Publikum anhand der Kameraarbeit und unterschiedlichen Farbgebungen auf subtile Weise vermitteln will. Dafür war eine behutsame Zusammenarbeit des Regisseurs mit den Leitern der verschiedenen Abteilungen, besonders mit dem Kameramann, der Pro-duktionsdesignerin, der Kostümdesignerin und der Makeup- und Hairdesignerin von grundle-gender Bedeutung. Wrights Idealvorstellung lautete, dass er mit den Leitern der einzelnen Abteilungen die Führung übernehmen würde, diese sich dann untereinander abstimmen und die Arbeit der jeweils anderen Abteilung durch ihr gesteigertes Einfühlungsvermögen verfeinern würden, was sich dann letztlich positiv auf das Gesamtergebnis des Films auswirken würde. Der Stab arbeitete mit einem Geschichtswissenschaftler zusammen und machte sich dann an die Recherchen und Vorbereitungen für jede einzelne Epoche, indem man Gemälde, Fotos, Filme und Archive auswertete, die als Inspirationsquelle für diese Geschichte dienen sollten.

Der erste Teil von „ABBITTE“ spielt am heißesten Tag des Jahres 1935 im Hause der Tallis in Surrey – es ist ein eigenartiger Tag, an dem die Hitze scheinbar auch das Verhalten der Bewohner des Anwesens zu beeinflussen scheint.

Produktionsdesignerin Sarah Greenwood und Set-Dekorateurin Katie Spencer fiel die Aufgabe zu, ein Haus zu finden, das der Beschreibung des Tallis House in Ian McEwan Roman nahe kommen sollte. Sie statteten den Archiven von Country Life einen Besuch ab und recher-chierten dort in der Hoffnung, auf Anwesen zu stoßen, die für die Innen- und Außenaufnah-men für die Szenen im Tallis House an jenem schicksalhaften Tag geeignet wären. Das An-wesen von Stokesay Court in Shropshire erwies sich als perfekt.

Produzent Paul Webster meint zum Look des Hauses der Familie Tallis: „Sarah ist wirklich in die Details eingetaucht und hat sich besonders den Design-Trends der 1930er Jahre gewidmet. Die Idee war, dass es in dieser Geschichte eine Art Reifegrad gibt; alles ist zu solcher Reife gediehen, dass es kurz vor dem Verfall steht. Sie hat Chintz-Muster eingesetzt, die heutzutage bei Stoffen sehr beliebt sind; auch die Tapeten, Textilien und Kostüme sind ein ständiges Echo dieser Vorstellung, dass sich sehr engmaschige Muster immer wieder ineinander verwe-ben.“

Greenwood beschreibt, wie ihre Entwürfe mit den Kostümen in den 1935er Szenen und dar-über hinaus zusammenwirken: „Der größte Unterschied zwischen Jacquelines Kostümen und den Mustern, die wir für die Dekoration einsetzen, besteht darin, dass ihre Farben etwas le-bendiger sind als unsere. Die Farbtöne, die wir verwenden, sind leicht ausgebleicht, und wir haben sie noch abgemildert - also besteht eine Trennung zwischen den beiden, wir bekommen einen Kontrast zu all dem, was man später in London und Dünkirchen zu sehen kriegt.“

Greenwood und Location-Manager Adam Richards verbrachten etliche Monate damit, in Großbritannien nach geeigneten Drehorten zu suchen, die im Film als Dünkirchen und als ländliches Frankreich dienen sollten. Man entschied sich schließlich für Ortschaften in Lin-colnshire, Norfolk, Cambridgeshire, Grimsby und Redcar, die ziemlich genau den landschaft-lichen Gegebenheiten in Dünkirchen ähneln: man sieht einen Strand und in der Entfernung auch die typischen Silhouetten von Industrieanlagen.

Wright und sein Kameramann Seamus McGarvey setzen die Kamera nicht nur dazu ein, um die Geschichte visuell zu vermitteln, sondern auch als eigenes erzählerisches Mittel, und zwar anhand der Bewegungen und Techniken, die im Verlauf der drei Teile des Films angewandt werden. Der typische Look für die Szenen, die 1935 spielen, ist zum Teil auf die Ausleuch-tung und die Techniken zurückzuführen, die McGarvey einsetzte, um alles sehr strahlend wir-ken zu lassen. „Wir haben einen besonderen Filter verwendet, der eigentlich aus Strumpfhosen von Christian Dior besteht – dadurch bekommen wir um die Highlights herum einen schönen Glanz und außerdem eine sehr weiche, geschmeidige Textur. Im Drehbuch gibt es dann jedoch eine düstere Wendung, wir verwenden diesen Filter aber weiter – so wirkt diese Sanftheit fast kitschig, künstlich überzuckert. Es gibt eine dunkle Seite, die immer wieder hindurchscheint, und auf der wir dann für andere Bereiche des Films aufbauen.“

Für den Übergang von 1935 in das Jahr 1940 hat McGarvey die Kameratechnik adaptiert, damit die Veränderung von den reichhaltigen Farbtönen der luxuriösen Umgebung des Tallis House hin zum London und Frankreich der Kriegsjahre deutlich wurde. Der Kameramann erläutert: „1940 und insbesondere Dünkirchen beginnt auf steifere und strenger symmetrische Weise; dann bricht der Krieg in London ein, und hierfür haben wir uns für eine Steadicam-Kamera mit frenetischen Bewegungsmustern entschieden; das trifft auch auf die Beleuchtung zu: das Licht wird härter, trockener und wechselt abrupt.“

Zusätzlich zu den Themen, die sich in Produktionsdesign und Kostümen widerspiegeln, ist da auch die Erscheinung der drei Schauspielerinnen, die die Protagonistin Briony verkörpern - angefangen bei den Frisuren und dem Makeup bis hin zur Garderobe. Durran erklärt: „Es war wirklich wichtig, zwischen den drei Brionys eine Kontinuität herzustellen. Das bedeutete für mich, jeweils eine ähnliche Farbpalette zu verwenden; da wir mit Saiorse in abgetöntem Weiß begonnen hatten, gingen wir dann zum blassen Blau-Weiß von Romolas Krankenschwestern-uniform über. Es war deshalb unverzichtbar, diese Farbnuancen auch einzusetzen, wenn Va-nessa Redgrave die Rolle spielt.“

Ivana Primorac erschuf mit Hingabe die jeweiligen Frisuren und das Makeup, die auf subtile Weise die entsprechenden Epochen, Umstände und Erfahrungen darstellen, angefangen von der üppigen Luxusausstattung des Jahres 1935 über die Folgen des Krieges und die Verluste im Jahr 1940. Sie sagt dazu: „Die Sequenz des Jahres 1935 im Tallis House zeigt ein stilisiertes 1930er Jahre-Thema; der Look wurde auf eine Weise überzeichnet, die nicht dem wirklichen Aussehen des britischen Adels zu jener Zeit entspricht – wir haben ihre damalige Welt weitaus glamouröser dargestellt. Cecilia zum Beispiel ist von der Epoche, den Farben und den Gegebenheiten der damaligen Zeit beeinflusst. Im Vergleich dazu wirkt das Tallis House fast verwunschen und verträumt, wie Brionys Erinnerungen an glücklichere Zeiten.“

Was die Szenen in Dünkirchen angeht, die am Strand von Redcar gedreht wurden, hatte Wright beschlossen, alles in einer einzigen Steadicam-Einstellung zu filmen. Mit tausend ortsansässigen Statisten plus spektakulärem Produktionsdesign – darunter ein Musikpodium, ein funktionierendes Riesenrad, ausgebombte Gebäude und ein riesiges gestrandetes Schiff – begann die Action, zu der auch ein singender Chor gehört, außerdem Soldaten, die auf dres-sierten Pferden durch die Trümmer reiten und Männer, die Ball spielen; alles in allem also eine äußerst mutige Entscheidung.

Wright meint: „Ich war der Überzeugung, dass wir das in einer einzigen Steadicam-Einstellung einfangen könnten und dafür vorher nur gut proben mussten. Das war wirklich sehr, sehr spannend; wir verbrachten einen ganzen Tag von morgens um 6 bis abends um 18:30 Uhr mit den Proben, tüftelten es aus, bauten es zu einem großen Event auf und drehten drei Takes. So waren alle wirklich ganz bei der Sache und mit einbezogen, alle Statisten haben verstanden, was wir da taten und was wir zu vollbringen versuchten. Es wurde zu einer Theaterinszenierung. Es war toll, ich fand es großartig. Und das Licht war traumhaft. Aber irgendwie wusste ich schon vorher, dass das Licht gut werden würde. Daran habe ich nie ge-zweifelt. Ich hatte Vertrauen.“

Bei allen Aspekten des Filmemachens widmet sich Wright auch dem kleinsten Detail, sei es das übertrieben laute Geräusch des fließenden Wassers, als Cecilia in einer entscheidenden Szenen mit Robbie aus dem Brunnen steigt, sei es die prägnante, steiflippige Sprechweise der Oberschicht, die für die Tallis-Familie charakteristisch ist, oder sei es die clevere Art und Weise, in der das Geklapper der Schreibmaschinentasten sich in die Filmmusik integriert – jedem auch noch so kleinen Detail schenkt der Regisseur mit Bedacht seine volle Aufmerk-samkeit. Tim Bevan meint zu Wrights Arbeitsethos: „Joe ist ein außergewöhnlicher neuer Regisseur, und er ist extrem hungrig, immer auf dem Sprung zu neuen Ufern, immer als erster vor Ort, am längsten bei der Arbeit, immer im Bestreben noch bessere Qualität zu liefern. Er ist in seiner Herangehensweise sehr akkurat und nimmt den ganzen Prozess des Filmemachens sehr ernst.“

Paul Webster fügt hinzu: „Joe kann unglaublich komplizierte Sachverhalte auf sehr einfache Weise vermitteln, und zwar auf eine Weise, die vom großen Publikum gut verstanden wird. „Abbitte“ ist ein sehr intellektuelles Buch mit sehr intellektuellen Ideen, aber es sind gleich-zeitig zeitlose, universell gültige Themen – und Joe ist ein großer Romantiker, eigentlich ein Philosoph. Er interpretiert große Ideen im Kinoformat. Er ist einer der spannendsten Künstler, die ich je getroffen habe.“

Casting

Für Regisseur Wright war es von Bedeutung, Schauspieler zu engagieren, deren Alter dem der jeweiligen Figuren entsprach, die sie in „ABBITTE“ verkörpern sollten. Das war die Vorgabe, als es an der Zeit war, die Rolle der Cecilia Tallis zu besetzen; die erste Wahl von Working Title fiel auf Keira Knightley, die für ihre Rolle als Elizabeth Bennet in „Stolz und Vorurteil“ mit einer Oscarnominierung bedacht worden war.

Über die Zusammenarbeit mit Keira Knightley meint Regisseur Wright: „Als ich an die Figur der Cecilia dachte, fiel mir sofort Keira ein, und ich war davon überzeugt, dass sie dafür bereit war. Cecilia ist nicht nur eine hübsche Frau, sondern eine Charakterrolle; sie ist eine sehr komplexe Figur, denn sie ist ja nicht gerade eine Sympathieträgerin, doch dann wird sie durch ihre Liebe zu Robbie und seine Liebe zu ihr erlöst.“

Die Zusammenarbeit, die Wright und Knightley im Verlauf der Dreharbeiten zu „Stolz und Vorurteil“ entwickelten, führte auch während der Dreharbeiten zu „ABBITTE“ zu einem tie-feren gegenseitigen Verständnis und Respekt für die Herangehensweise des Anderen.

Wright meint begeistert: „Was mich an Keiras Performance wirklich beeindruckt ist die Tat-sache, dass sie keine Angst davor hatte, jemanden zu spielen, der eigentlich eher kalt und schwierig und ungelenk wirkt. Ich finde, es war sehr mutig von ihr, diese Rolle anzunehmen, denn viele Schauspieler haben panische Angst davor, durch die von ihnen gespielten Rollen nicht gemocht zu werden.“

Knightley erklärt, was sie zu der Figur der Cecilia hingezogen hat – eine Figur, die sich stark von ihren bisherigen Rollen unterscheidet: „Ich mag diese Figur, weil sie eine Frau ist. Sie weiß genau, wer sie ist, doch sie weiß nicht, wofür sie sich entscheiden soll, und steht daher im Konflikt mit sich selbst. Sie bemerkt nicht, dass sie eigentlich echte Gefühle für Robbie hegt, mit dem sie ja aufgewachsen ist, und sie will nicht zugeben, dass sich über diese Art von Geschwisterbeziehung hinaus eine ganz andere Beziehung anbahnt.“

Für Wright war ausschlaggebend, dass die Rolle des männlichen Protagonisten Robbie Turner – dem Sohn der Hausverwalterin der Tallis, ein intelligenter junger Mann, der auf Kosten der Familie Tallis sogar in Cambridge studiert hat – von einem Schauspieler gespielt würde, der über das Talent verfügt, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und auf diese Reise mitzu-nehmen, beginnend in einer Zeit der Hoffnung und des Wohlstandes bis hin zu den Schrecken des Zweiten Weltkrieges.

Für diese entscheidende Rolle wurde James McAvoy engagiert. Regisseur Wright erklärt: „James stammt aus der Arbeiterschicht, und das war für das Casting von Robbie ausschlagge-bend, denn seine Geschichte ist die eines Jungen aus der Arbeiterklasse, der zum Teil durch die Arroganz einer Familie der Oberschicht vernichtet wird. James hat außerdem viel Seele und keine Angst, sie auch zu zeigen. In der Beschreibung seiner Figur heißt es, er habe einen „optimistischen Blick“ - und genau den hat James auch.“

McEwan spricht über die Chemie, die auf der Leinwand zwischen Cecilia und Robbie zu spü-ren ist: „Keira und James sind großartig zusammen. Besonders gefällt mir die Szene in der Bibliothek. Das ist eine wunderbare Gelegenheit für Cecilia, ihre innere Anspannung abzu-bauen – eine abweisend wirkende junge Frau aus der Oberschicht, die keinen Zugang zu ihren eigenen Gefühlen hat. In der Bibliothek stellt sie sich all ihren Gemütsregungen in einer wahren Flut aus emotional und erotisch aufgeladener Hochspannung.“

Wright wurde vor sieben Jahren in einer Inszenierung am Hampstead Theatre zum ersten Mal auf James McAvoy aufmerksam. Als der Schauspieler nun für die Rolle des Robbie vorsprach, meint Wright, sei er „so gut gewesen, dass man gar nicht anders kann als ihn zu lieben, und wenn er lächelt, muss man einfach auch lächeln, und wenn er weint, dann weint man mit ihm.“

McAvoy war außer sich vor Freude, als Robbie an diesem Film mitwirken zu können und dabei die Gelegenheit zu haben, mit Regisseur Wright zusammenzuarbeiten. Der Schauspieler berichtet: „Robbie ist eigentlich so etwas wie ein Engel. Er ist sehr aufrichtig und eine der schwierigsten Rollen, die ich bisher gespielt habe. Joe ist so umfassend – er begeistert die Zuschauer, die Schauspieler, begreift die Geschichte, die er erzählt, und weiß genau, wie er die Darsteller besser macht. Und er ist wirklich in seine Figuren verliebt.“

Auch Vanessa Redgrave, die als älteste Darstellerin die Rolle der Briony Tallis spielt, ist voll des Lobes für den Regisseur: „Er geht brillant mit Schauspielern, um und der Film war wun-derbar vorbereitet.“

Die jüngste der Briony-Darstellerinnen ist Newcomerin Saoirse Ronan. Nach etlichen Vor-sprechterminen und langer Suche nach einer jungen Schauspielerin für diese Rolle stieß Wrights Casting-Direktorin Jina Jay auf die 12jährige irische Schauspielerin, deren Einfüh-lungsvermögen ihr Alter bei weitem übertrifft, weshalb sie auch die Idealbesetzung für die junge Schriftstellerin Briony war.

Im Laufe der sechs Wochen, in denen Ronan bei den Dreharbeiten zu „ABBITTE“ am Set mitwirkte, war Wright stets beeindruck von dem großen Talent, das Ronan bei der Darstellung der 13jährigen Briony unter Beweis stellte. Briony ist ein verwirrtes junges Mädchen, das für Robbie Gefühlte entwickelt, die sie selbst nicht versteht, und das eine äußerst lebhafte Phantasie hat.

Wright sagt über Ronan: „Viele Schauspieler setzen ihre eigenen emotionalen Erfahrungen und Vorstellungskraft ein, auf gewisse Weise ersetzen sie die Gefühle der Figur durch ihre eigenen Gefühle - und es gibt dabei keine richtige oder falsche Methode. Doch Saoirse tut das nicht; sie stellt sich einfach vor, wie es wäre, Briony Tallis zu sein, und entwickelt eine solche Empathie, dass sie die Gefühle eines anderen Menschen wirklich nachempfinden und ausdrü-cken kann. Das ist wirklich eine große Gabe; sie hat mich jeden Tag aufs Neue überrascht, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.“

Die anspruchsvolle Rolle der 18jährigen Briony bekam Romola Garai, die als letzte des Drei-ergespanns besetzt wurde und sich deshalb physisch in den Look einfügen musste, der bereits für die jüngere und die ältere Briony festgelegt worden war. Romola folgte auch in ihren Be-wegungen den Vorgaben von Saoirse und arbeitete mit einem Voice Coach zusammen, um ihre Stimme in eine ähnliche Tonlage zu bringen.

Abgerundet wird die hochkarätige Besetzung von der preisgekrönten Schauspielerin Brenda Blethyn, die in „Stolz und Vorurteil“ die Rolle als Mrs. Bennet innehatte, sowie Benedict Cumberbatch, Patrick Kennedy, Juno Temple, Peter Wight, Daniel Mays, Nonso Anozie, Gi-na McKee, Michelle Duncan, Harriet Walters und Alfie Allen.

Zur Besetzung insgesamt meint Produzent Tim Bevan: „Es gibt zurzeit eine sehr spannende Gruppe junger britischer Schauspieler zwischen 18 und 28, die wirklich großes Talent mit-bringen, und Joe hat vier von ihnen in diesem Film… Keira, Romola, Benedict und James.“

Zusätzlich zu den Haupt- und Nebendarstellern wurden in Redcar rund tausend junge Männer als Statisten für Soldatenrollen engagiert; diese Soldaten waren verletzt oder lagen gar im Sterben und warteten an den Stränden von Dünkirchen darauf, sicher nach Hause zurückbe-fördert zu werden.

Die Drehorte

Stokesay Court, Shropshire

Stokesay Court ist ein viktorianisches Haus und gehört zum in Privatbesitz befindlichen An-wesen von Stokesay in Shropshire. Alle Außen- und Innenaufnahmen, die im Tallis House spielen, und diejenigen, die in Robbies und Graces Cottage spielen, wurden dort gedreht.

London

Zu den Drehorten in London gehört die Old Town Hall, Bethnal Green; eingesetzt wurde es in der Szene, in der sich Cecilia und Robbie im Teehaus zum ersten Mal seit 1935 wieder be-gegnen.

Die Szene an der U-Bahn-Station in Balham, in die sich Cecilia während des Bombenangriffs flüchtet, wurde in der stillgelegten Haltestelle in Aldwych gedreht. Die Szene, in der Robbie sieht, wie Cecilia zum Bus geht, wurde in Whitehall gedreht. Eine Straße in Streatham wurde umdekoriert und für die Szenen in Balham verwendet, in denen die 18jährige Briony nach Cecilias Wohnung sucht.

Das Innere des St. Thomas’ Krankenhaus und dessen Korridore wurden in den Shepperton Studios aufgebaut; der Lagerraum, der Aufenthaltsraum und der Schlafraum der Kranken-schwestern befanden sich am Park Place in Henley Upton Thames; die Außenaufnahmen dazu drehte man am University College in London.

Die Hochzeit von Paul Marshall und Lola wurde in der St. John’s Church am Smith Square gedreht; das Fernsehinterview von 1999, in dem die ältere Briony über ihr Buch spricht, wurde in der BBC Wood Lane gefilmt.

Französische Landstriche

Die Szenen, in denen Robbie, Mace und Nettle sich im französischen Hinterland nach Dün-kirchen durchschlagen, wurden vor Ort in Coates und Gedney Drove End in Lincolnshire ge-dreht, außerdem in Walpole St. Andrew und Denver in Norfolk sowie in March und Pymore in Cambridgeshire. Außerdem wurden noch Szenen am Fischerhafen von Grimsby gedreht.

Redcar Beach diente als Dünen von Bray, Dünkirchen, darunter auch das alte Kino Regent Cinema direkt am Pier; die Szenen im Sumpf und die in den Industrieanlagen wurden im Stahlwerk von Corus, ebenfalls in Redcar, gedreht.

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