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Fakten und Hintergründe zum Film "A Single Man"

Kino.de Redaktion |

A Single Man Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Regisseur Tom Ford über sein Debüt

Zum ersten Mal las ich Christopher Isherwoods Roman „Der Einzelgänger“ in den frühen achtziger Jahren und war schon damals, mit Anfang 20, zutiefst bewegt von der Ehrlichkeit und Schlichtheit dieser Geschichte. Vor drei Jahren dann, als ich gerade damit beschäftigt war, nach einem passenden Stoff für meinen ersten Film zu suchen, fiel mir auf, wie oft ich in all den Jahren an den Roman und seinen Protagonisten George gedacht hatte. Also nahm ich ihn wieder aus dem Regal und las ihn noch einmal. Mit Ende 40 sprach mich das Buch nun noch einmal auf einer ganz anderen Ebene an. Es erzählt die äußerst spirituelle und emotionale Geschichte eines einzelnen Tages im Leben eines Mannes, der für sich keine Zukunft mehr sehen kann. A SINGLE MAN ist eine univer-selle Erzählung über das Zurechtkommen mit der Einsamkeit, die wir alle kennen, und darü-ber, wie wichtig es ist, in der Gegenwart zu leben und zu verstehen, dass die kleinen Dinge des Lebens eigentlich die ganz großen sind.

Über die Produktion

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Tom Fords erster Spielfilm ist das Ergebnis eines langjährigen Reifeprozesses. Als aufmerk-samer Student und vor allem begeisterter Fan des Kinos ist sich der Regiedebütant schon lange bewusst darüber, welche Art von Filmen ihn emotional berührt – und warum. Dank seiner Erfahrungen als Creative Director bei Foto-Shootings, Werbekampagnen und Spots, die er in seinen 25 Jahren in der Modebranche sammeln konnte, versteht er enorm viel von Bildeinstellungen, Beleuchtung und überhaupt der Bedeutung von Bildern für das Erzählen einer Geschichte. Doch Ford weiß auch genauso gut, dass schöne Bilder und ein eleganter Stil für einen Film auch tödlich sein können, wenn sie nicht mit einer Geschichte kombiniert werden, die es erzählt zu werden verdient und die das Publikum herausfordert. Die Ge-schichte nämlich ist es, die für ihn im Zentrum steht: „Heutzutage scheinen wir den Sinn für Filme verloren zu haben, die in erster Linie von ihren Figuren und den Dialogen leben. Dabei sind genau das die Filme, die ich als Zuschauer am ergiebigsten finde – und die ich als Re-gisseur drehen will.“

Letztlich war für Ford A SINGLE MAN die richtige Geschichte zur richtigen Zeit. „Ich hatte schon immer eine Art innere Stimme oder Intuition, auf die ich mich stets verlassen konnte. Nicht zuletzt in der Mode dreht sich alles um diese Intuition, schließlich muss man vorausah-nen, was die Menschen in einem Jahr tragen wollen, noch bevor sie selbst es wissen.“ Und die Intuition war es auch, die ihm sagte, dass er den geeigneten Filmstoff gefunden hatte, als ihm bei der Suche danach immer wieder A SINGLE MAN in den Sinn kam.

„Ich habe eine ganze Weile an diesem Projekt gearbeitet. Fast zwei Jahre lang schrieb ich immer wieder an verschiedenen Drehbuchfassungen. Wenn man sich während des Schrei-bens eine Szene vorstellt, stößt man nie auf Probleme. Die Schauspieler sprechen ihre Dia-loge perfekt, die Aufnahmen sehen wunderschön aus. Aber leider ist es so unkompliziert nur, solange alles in meinem Kopf stattfindet“, erinnert sich Ford.

Ford erstand sowohl die Rechte an dem Roman von Christopher Isherwood als auch an ei-nem bereits fertig gestellten Drehbuch von David Scearce, doch er kam bald zu dem Schluss, dass beide für sich nicht zu dem Film führen würden, den er drehen wollte. Also machte er sich daran, selbst eine Filmhandlung zu Papier zu bringen und ein ganz neues eigenes Drehbuch zu schreiben. Das Ergebnis unterscheidet sich erheblich sowohl vom Roman als auch vom ersten Drehbuch, doch dass der Kern der Geschichte erhalten bleibt, war immer Fords oberstes Ziel.

Ihm war klar, dass der Stil des inneren Monologs, in dem Isherwoods Buch geschrieben ist, auf der Leinwand so nicht funktionieren würde, so dass er sich eine ganze Reihe persönli-cher Begegnungen einfallen ließ, die den Tag seines Protagonisten durchziehen. Und vor allem ergänzte er die Geschichte um einen entscheidenden neuen Aspekt: Georges für den Abend geplanten Selbstmord. „George lebt in der Vergangenheit, hat keine Zukunft mehr vor Augen und kommt aus seiner tiefen Depression nicht heraus. Daher beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen. Weil er glaubt, die Dinge um sich herum zum letzten Mal zu se-hen, sieht er seine Umwelt mit einem Mal mit ganz neuen Augen. Zum ersten Mal seit lan-gem lebt er plötzlich wieder in der Gegenwart und erkennt die Schönheit der Welt“, erklärt Ford. „Das ist ein sehr zeitgemäßes Thema. Zurzeit ist es meiner Meinung nach wichtiger denn je, dass wir alle die kleinen Geschenke des Lebens zu schätzen wissen.“

Auch wenn der Held seiner Geschichte schwul ist, legt Ford Wert darauf, dass sein Film weit über das Thema Homosexualität hinausweist: „Der Film handelt von Verlust und Einsamkeit. Seine Geschichte könnte die gleiche sein, wenn Georges Ehefrau und nicht sein Lebensge-fährte der Grund für seine Trauer wäre. Es ist eine Liebesgeschichte – und die Suche eines Mannes nach der Bedeutung seines Lebens. Für mich ist das ein ganz universales Thema!“

Ford hat A SINGLE MAN auch einen autobiografischen Stempel aufgedrückt. Der Selbst-mord, den George im Film vorbereitet, ist eine Rekonstruktion eines Selbstmordes in der Familie des Filmemachers. Vor allem aber stand Ford – ähnlich wie George – selbst vor ei-nigen Jahren an einem schwierigen Wendepunkt in seinem Leben. „Es steckt viel von mir selbst in meiner Version von George, wie überhaupt viele Menschen eine Art spirituelle Krise in der Mitte ihres Lebens haben. Materiell hatte ich schon in jungen Jahren viel erreicht: fi-nanzielle Sicherheit, Ruhm, beruflichen Erfolg, so viele Besitztümer, dass ich gar nicht wuss-te, wohin damit. Ich hatte auch ein erfülltes Privatleben, seit 23 Jahren einen wunderbaren Lebensgefährten, zwei tolle Hunde und viele Freunde. Aber trotzdem war ich irgendwie ein bisschen von meinem Weg abgekommen“, gibt er offen zu. „Als Modedesigner verbringt man seine Zeit damit, Kollektionen zu entwerfen, und zwar Jahre, bevor sie in den Läden hängen werden. Unsere Kultur fördert den Glauben daran, dass alle unsere Probleme mit materiellen Dingen gelöst werden können. Und so hatte auch ich die geistige und seelische Seite meines Lebens viel zu lange vernachlässigt.“

Zu neuem Leben erwachte Ford nicht zuletzt dank seines neu entdeckten Interesses für philosophische Themen wie das Daodejing und ähnliche Werke. „Als ich in dieser Phase noch einmal Isherwoods Roman las, wurde mir bewusst, dass dieses Buch von jemandem han-delt, der noch das falsche Leben lebt, aber von jemandem geschrieben wurde, der sein wah-res Ich schon gefunden hat. Christopher Isherwood war ein Schüler der indischen Vedanta-Lehren, was in seinem Roman unübersehbar ist. Die Geschichte ist unglaublich spirituell und beschäftigt sich enorm mit den Schwierigkeiten, im Hier und Jetzt zu leben. Ich glaube, dass die Leute, die meine Arbeit als Modedesigner kennen, von dem Film überrascht sein werden. Er ist ausgesprochen persönlich und zeigt eine Seite von mir, die die meisten Menschen nicht kennen.“

Produktion: Die Besetzung

Als er schließlich mit dem Drehbuch zu A SINGLE MAN zufrieden war, kam das Projekt für Film-Verhältnisse relativ schnell zustande. „Julianne war die erste der Besetzungsliste, die zusagte“, erinnert sich Ford. „Colins Rolle dagegen war am schwierigsten zu casten, denn nur wenige Schauspieler haben die richtige Sensibilität, um jemanden wie George zu spie-len.“ Firth war eigentlich mit einem anderen Film beschäftigt, doch als sich der Drehplan von A SINGLE MAN änderte, stand er plötzlich doch zur Verfügung. Ford flog umgehend nach London und überzeugte Firth davon, die Rolle anzunehmen. Über seinen Hauptdarsteller sagt der Regisseur: „Das Unglaubliche an Colin ist seine Fähigkeit, Gedanken und Gefühle nur über seine Augen zu kommunizieren, ohne dass sich sein Gesicht wirklich bewegen würde und vor allem ohne dass er etwas sagt.“ Diese höchst subtile Art des Spielens machte ihn für Ford zur Idealbesetzung für eine so kontrollierte und beherrschte Figur wie George.

Genauso begeistert zeigt Ford sich von Moore: „Julianne war am Set unglaublich! Sie konnte von einer Sekunde auf die nächste umschalten: Die ganze Zeit plauderte sie privat mit Colin Firth, doch sobald die Kameras liefen, war sie sofort in ihrer Rolle und sprach mit britischem Akzent. Das wirkte so mühelos! Aber natürlich kann man nie wissen, wie viel Vorbereitung ein Schauspieler alleine mental leistet.“

Die mehrfach für den Oscar® nominierte Schauspielerin spielt Charley, Georges Gin liebende beste Freundin. „Ich schuf eine neue Charley, die anders ist als die im Buch“, erläutert Ford. „Sie ist jetzt eine Mischung aus einigen meiner weiblichen Freundinnen und – ob man es glaubt oder nicht – meiner Großmutter. Außerdem hat in meiner Version die Freundschaft zwischen George und Charley einen anderen Hintergrund, der meine Beziehung zu einigen Frauen in meinem Leben reflektiert. Isherwoods Charley war weit weniger komplex und auf jeden Fall weniger attraktiv. Genau wie die beiden anderen Protagonisten in A SINGLE MAN macht bei mir auch Charley gerade eine große Veränderung durch. Wie George hat auch sie eine Midlife Crisis und sieht für sich keine Zukunft mehr.“

Georges verstorbener Partner Jim wird von Matthew Goode verkörpert, den man aus so un-terschiedlichen Filmen wie MATCH POINT („Match Point“, 2005) oder WATCHMEN – DIE WÄCHTER („Watchmen“, 2009) kennt. Seine Figur verkörpert für George alles Gute, was Amerika ihm als Engländer zu bieten hat. Jim ist geradeheraus, unkompliziert, ehrlich und selbstsicher. „Matthew war perfekt für die Rolle“, schwärmt Ford. „Er hat etwas sehr Frisches und lieferte uns genau das, was wir brauchten. Aber seine Art des Spielens ist vollkommen anders als die von Colin oder Julianne. Er war viel spontaner und lockerer, zumindest er-schien es am Set so. Doch ganz egal, was seine Methode ist: das Ergebnis ist brillant, und darauf kommt es an.“

Auch der aus ABOUT A BOY („About a Boy“, 2002) bekannte Nicholas Hoult, dessen Kenny ein Student von George ist und in seinem Professor eine verwandte Seele erkennt, wird von seinem Regisseur mit viel Lob bedacht. Kenny steht ebenfalls an einem Wendepunkt in sei-nem Leben, ist dabei, erwachsen zu werden und sich selbst zu finden. „Nicholas war einfach großartig“, meint Ford. „Er war erst 18 Jahre alt, als wir drehten. Wenn die Kamera lief, war er unglaublich ernsthaft und professionell, dabei ist er eigentlich ein extrem witziger, ziemlich wilder und typisch britischer Kerl.“

Selbst einige sehr viel kleinere Rollen gewinnen in A SINGLE MAN an symbolischer Bedeu-tung. Carlos, den von Jon Kortajarena gespielten spanischen Stricher etwa, beschreibt Ford als „menschliche Blume… Als George ihm begegnet, entdeckt er gerade die Schönheit um sich herum wieder und ist von Carlos einfach verzaubert. Sein Begehren ist in diesem Mo-ment überhaupt nicht sexuell, sondern er möchte einfach nur Carlos’ vollkommene Schönheit bewundern. Letztlich hat er dann eine sehr menschliche Unterhaltung mit ihm und geht schließlich weiter seinen Weg.“

Ginnifer Goodwin, die man aus der Fernsehserie „Big Love“, aber auch aus Kinohits wie MONA LISAS LÄCHELN („Mona Lisa Smile“, 2003) oder ER STEHT EINFACH NICHT AUF DICH („He’s Just Not That Into You“, 2009) kennt, spielt Georges Nachbarin Mrs. Strunk.

Gewöhnlich ist George von ihr immer genervt, doch als er sie in der Bank trifft, sieht er sie plötzlich in einem neuen, wunderschönen Licht. Die Rolle von Grant, Georges Kollegen, der als Sinnbild für die die amerikanische Gesellschaft dominierende Angst steht, wird von Lee Pace gespielt, der vor kurzem für seine Hauptrolle in der Serie „Pushing Daisies“ für den Emmy nominiert wurde.

Produktion: Die Dreharbeiten

Eine der größten Herausforderungen, denen Ford sich stellen musste, war die ziemlich kurze Vorbereitungszeit. Dadurch wuchs der Druck, geeignete Locations in und um Los Angeles zu finden. „Wir brauchten zum Beispiel ein leer stehendes College, das in die damalige Zeit passt“, beschreibt Ford eine der Schwierigkeiten. Fündig wurde man schließlich bei einer kleinen Schule gegenüber des Norton Simon Museums in Pasadena. Noch schwieriger ge-staltete sich die Suche nach Georges Haus, da Ford ganz spezifische Ansprüche daran stell-te: „Für mich war dabei entscheidend, dass Colin einen Briten spielt. Ich wollte etwas Moder-nes, das aber trotzdem mit viel Holz ausgestattet war. Wärme und Holzverkleidungen er-schienen mir passend für George.“

Auch in der Zusammenarbeit mit seiner Kostümdesignerin Arianne Phillips war der Mangel an Zeit die Hauptschwierigkeit. Doch sie meisterten ihre Aufgabe mit Bravour: „Arianne war wirklich fantastisch und für mich in vielerlei Hinsicht eine große Stütze. Sie hat ein fantasti-sches Auge, nicht nur für Kleidung! Sie ist eine brillante Designerin und schuf Kostüme, die perfekt in jene Zeit passen, ohne dass sie wirklich Zeit oder Geld dafür gehabt hätte.“ Sowohl Firths als auch Hoults Garderobe ließ Ford dabei in Mailand anfertigen.

„Ein paar Wochen vor Drehbeginn hatte ich noch immer keinen Kameramann“, fährt der Re-gisseur seinen Bericht fort. „Ich hatte mir unglaublich viele Bewerbungsvideos angeschaut, doch fand einfach niemanden, der passte und auch verfügbar war. Eines Tages landete dann eine DVD mit dem Namen Eduard Grau auf meinem Schreibtisch. Ich legte sie in den Computer und wusste auf Anhieb, dass ich den Richtigen gefunden hatte. Eduard kam am nächsten Tag aus London angereist, wir gingen in einem meiner Lieblingsrestaurants in Hol-lywood zum Mittagessen und unterhielten uns einige Stunden. Danach war er engagiert – und ich habe es nie bereut. Er hat ein bemerkenswertes Auge für Details, trotz seiner gerade einmal 28 Jahre ein enormes technisches Wissen, und seine europäische Art passte hervor-ragend zu mir. Wir haben wirklich bestens zusammengearbeitet, und ich halte ihn für ein enormes Talent. Außerdem hatten wir das Glück, eine großartige und sehr erfahrene Crew sowie mit Jim Plannette einen tollen Oberbeleuchter zu haben.“

Der Look des Films war für Ford vor allem deswegen von großer Bedeutung, weil er in sei-nen Augen dem Publikum dabei hilft, die Figuren zu begreifen und zu verstehen, was in George im Laufe des Tages vorgeht. „Der Einsatz von Farben war ein wichtiger Bestandteil des Films“, sagt Ford. „Im Roman befinden wir uns immer in Georges Kopf, dadurch wissen wir über seine Gefühle jederzeit Bescheid. Aber ich brauchte ein Mittel, um das nun auch sichtbar zu machen. Am Anfang des Tages, wenn es ihm besonders schlecht geht, sind die Farben entsättigt und das Licht fahl, denn in seiner Depression erscheint George das Leben buchstäblich farblos. Doch je mehr Momente von Schönheit er erlebt und sich seine Stim-mung bessert, desto mehr Farben kommen ins Spiel. Der Wendepunkt ist dabei sicher die Begegnung mit Jennifer Strunk in der Bank. Eigentlich hat er das Mädchen immer als nervi-ges, mühsames Kind wahrgenommen. Doch nun erkennt er, dass sie tatsächlich ein bezau-berndes, liebenswertes und hübsches Kind ist und hat eine angenehme Unterhaltung mit ihr. Als es schließlich Abend wird und die Schönheit des Lebens George immer mehr überwäl-tigt, erscheint sein Leben beinahe in Technicolor.“

Ford drehte den Film mit einem strammen Zeitplan in nur 21 Tagen, so dass er extrem gut organisiert sein musste, um sich täglich die Arbeit einzuteilen. Ursprünglich entworfene Storyboards verwarf er dabei wieder und fertigte stattdessen detaillierte Shot-Listen mit sämtlichen Einstellungen und Kamerawinkeln für jede Szene an.

Die Erfahrung seiner Hauptdarsteller sowie die konzentrierte, leidenschaftliche Arbeit des gesamten Teams sorgten dafür, dass die Produktion tatsächlich im geforderten hohen Tem-po über die Bühne ging. „Ich habe den Aufnahmeleiter immer zur Eile ermahnt – dabei ist in der Regel ja das Gegenteil der Fall“, lacht der Regisseur. „Um zu schaffen, was wir geschafft haben, braucht man wirklich Mitarbeiter, die mit der gleichen Intensität bei der Sache sind wie man selbst.“

Mit dem Wissen, wie hart die Menschen in der Modebranche arbeiten, gewann Ford nun auch einen ganz neuen Respekt für die Arbeit einer Filmcrew und ihren dauerhaften, wo-chenlangen Einsatz. Schließlich schlief er, obwohl der Dreh nach eigener Aussage ohne große Komplikationen verlief, selten mehr als zwei oder drei Stunden pro Nacht.

In seinen Erfahrungen in der Welt der Mode sieht er einen eindeutigen Vorteil für seine Ar-beit als Filmemacher: „Eine meiner Stärken als Regisseur ist es, dass ich es gewohnt bin, mit großen Teams zu arbeiten und aus jedem das meiste an Kreativität herauszuholen, wäh-rend ich gleichzeitig meine eigene Vision vermittele und umsetze.“

Die größte Überraschung hinsichtlich der Arbeit eines Regisseurs war für Ford der Prozess des Schneidens. „Ich habe sechs Monate im Schnitt verbracht“, staunt er noch immer. „Hätte man mich im Vorfeld gefragt, hätte ich sicherlich nur mit der Hälfte der Zeit gerechnet. Ich hatte da noch nicht verstanden, dass man die Bedeutung einer Szene oder sogar der ge-samten Geschichte vollkommen verändern kann, je nachdem, wie man schneidet. Es war ein unglaubliches Geschenk, mit Joan Sobel zusammenzuarbeiten, die nicht nur eine wirklich inspirierende Cutterin ist, sondern auch zu einer meiner engsten Mitarbeiterinnen wurde.“ Für Ford ist der Schnitt „wie ein Zauberwürfel. Ich nahm den Film und drehte und wendete ihn in so viele verschiedene Richtungen, dass ich irgendwann richtig erschöpft war. Aber es kam der Punkt, wo alles genau so zu sein schien, wie es sein musste, sollte und gar nicht anders sein konnte.“

Produktion: Die Musik

Eine der größten Leidenschaften Fords hinsichtlich des Kinos war schon immer seine Vorlie-be für Soundtracks. Kein Wunder also, dass er schon früh eine Vorstellung davon hatte, wie er Musik in A SINGLE MAN würde einsetzen wollen: „Wenn man normalerweise einen Film sieht, der in den 1960er Jahren spielt, hört man jede Menge populäre Songs aus jener Zeit. Aber mir erschien das zu kitschig und vor allem nicht wirklich passend für einen Film, der so emotional und eng mit den Gedanken seines Protagonisten verknüpft ist.“

„Ich habe also versucht, mir vorzustellen, welche Musik in Georges Kopf laufen würde. Auf klassische Musik, die damals verfügbar war, wollte ich mich nicht beschränken. Aber sie soll-te zumindest daran erinnern und von einem echten Orchester gespielt werden“, sagt Ford, dessen erster Anruf bei einem Komponisten ein Ferngespräch nach Japan war.

„Die Arbeit von Shigeru Umebayashi an den Filmen von Wong Kar-Wai habe ich immer schon geliebt. Vor allem das Hauptthema aus IN THE MOOD FOR LOVE („In the Mood For Love“, 2000), das eines meiner allerliebsten Filmmusikstücke überhaupt ist.“ Nach Fords erster Kontaktaufnahme flog Umebayashi von Tokio nach Los Angeles, wo sie sich den Film mehrmals gemeinsam ansahen. Anschließend schrieb der Japaner „drei Leitmotive für den Film, die Georges Persönlichkeit und Geisteszustand perfekt einfangen“, wie der Regisseur betont.

Zeitlich wie finanziell eingeschränkt machte Ford sich dann auf die Suche nach einem jungen Komponisten, der den Rest des Scores verantworten könnte: „Ich hörte mir jeden an, der meinen Weg kreuzte, und stieß irgendwann auf Abel Korzeniowski, dessen Musik mich sehr bewegte. Ich halte ihn für ein ganz großes Talent und bin sehr froh, ihn in diesem frühen Stadium seiner Karriere entdeckt zu haben.“

Ford arbeitete eng mit Korzeniowski zusammen, als es darum ging, für jede Szene die pas-sende Stimmung einzufangen und empfand die Aufnahme der Filmmusik durch das Orches-ter als einen der bewegendsten Momente der gesamten Arbeit an A SINGLE MAN.

„Mir war von Anfang an klar, dass ich für den Film einen echten, üppigen Score haben wollte, ganz klassisch und altmodisch, mit einer opulenten Eingangsmelodie“, fasst er zusammen. „An vielen Stellen im Film gibt es keine Dialoge. Wir beobachten lediglich George bei seinen Tätigkeiten. Der Sound – oder auch dessen Abwesenheit – war deswegen ganz besonders wichtig. Denn auch Stille ist für mich ein entscheidendes Element. Sie kann in einem Film für ganz faszinierende Momente sorgen, in denen man wirklich aufmerksam wird.“

Während der gesamten Arbeit an A SINGLE MAN verlor Ford nie aus den Augen, welche Filme ihn selbst als Zuschauer am tiefsten berühren. „Ein großartiger Film lässt einen lange nicht los“, ist er überzeugt. „Er unterhält, stimmt gleichzeitig aber auch nachdenklich. In die-sem Sinne wünsche ich mir, dass mein Film dazu führt, dass das Publikum ein paar Dinge hinterfragt und manches in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Aber vor allem hoffe ich, dass er den Menschen zeigt, dass die kleinen Dinge im Leben in Wahrheit die wirklich wichtigen sind.“

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