66/67 - Fairplay war gestern

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   2009
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Filmhandlung und Hintergrund

66/67 - Fairplay war gestern: Explosives Milieudrama um eine Clique Fans von Eintracht Braunschweig.

1966/67 ist die Saison, in der Eintracht Braunschweig Deutscher Meister wurde. Diese Zahl tragen sechs Freunde und Hardcore-Fans als Branding auf der Brust. Während ihr Verein in der dritten Liga um Abstieg und sportliche Zukunft kämpft, wollen sich die sechs Querköpfe erst gar nicht den Fragen der Zukunft stellen. Beruf und Freundin ist ihnen nicht so wichtig wie eine zünftige Randale. Florian etwa hat zwar ein Diplom, will aber nicht das Jobangebot seines Vaters annehmen und wirft seine Freundin raus.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der Fanclub 66/67: Gemeinsam sind sie stark; oder besser: durch das Starke erzeugen sie ihre Gemeinschaft. Heißt: nach dem Spiel, manchmal auch stattdessen, gibt’s Kloppe und Randale. Sie sind Hooligans und haben sich nach der Saison benannt, in der Eintracht Braunschweig deutscher Meister wurde.

    Dies ist also ein Film über Fußball-Hooligans.

    Punkt 1: Er verurteilt aber nicht, ist nie moralisierend, was die sinnlose Gewalt angeht. Hat aber dennoch einen klaren Standpunkt, den aber stellt er nicht plakativ aus.

    Punkt 2: Der Hooliganismus steht zwar im Mittelpunkt des Films, aber er wird nur nebenbei behandelt. Vielmehr erzählt „66/67“ über die Clique, über die Freundschaft, über den Gruppenzwang, über den loyalen, unbedingten Zusammenhalt, über die Ziellosigkeit und die frustrierte, befreiende Gewaltbereitschaft dieser Dreißigjährigen, die seit 14 Jahren dasselbe machen; sich nämlich ab und zu (also eigentlich: jeden Samstag) mit anderen heftigst zu prügeln.

    Punkt 3: Auch von der Freundschaft, von diesen Freunden erzählt der Film über Bande. Nie geht er seine Themen direkt an, und dennoch klingen sie bei allem mit. Und das macht ihn gut, sehr gut sogar, weit über dem Durchschnitt des üblichen deutschen Films, auch des anspruchsvollen, jung-dynamischen, der eben doch oft genug nur der Einstieg in eine Karriere bedeuten soll, die irgendwann zum Fernsehfilm der Woche, wenns hoch kommt zum Tatort führt.

    Man spürt, wie Carsten Ludwig und sein Co-Regisseur und Drehbuchberater Jan-Christoph Glaser an der Geschichte und ihrer Inszenierung gefeilt haben, bis alles sitzt. Bis die Charaktere ganz genau herausgearbeitet waren, bis zu jedem Zeitpunkt das Timing stimmte, bis die Struktur zurechtgerückt war. Die ist nicht streng chronologisch, sondern nach Empfingen kreiert; und nach der Einnahme gewisser Pillen sitzen wir plötzlich wahrhaftig in Istanbul!

    Auch die Darsteller mussten erst gefunden werden; tatsächlich bilden sie einen der Stützpfeiler des Films, in dem es um gebrochene, ambivalente Charaktere geht, die trotzdem den Zuschauer nicht distanzieren oder gar abstoßen. Die von Fabian Hinrichs, Maxim Mehmet, Christian Ahlers, Fahri Ogün Yardim, Aurel Manthei und so weiter mit Leben gefüllt werden. Wobei Christoph Bach sowieso eine Bank ist: der spielt oft in rauen, sperrigen, faszinierenden Filmen mit und fasziniert dabei jedesmal.

    Ja, OK: manchmal wirkt die eigentliche Handlung etwas forciert, die HIV-Ansteckungspartys oder das Durchdrehen des Stillen, Planvollen in der Clique; aber das wird aufgefangen. Weil einerseits die Atmosphäre des Films stimmt. Und weil andererseits diese Handlung durchdacht und sehr souverän inszeniert ist: da wird immer wieder von der Hauptsache weggeschwenkt und etwas anderes erzählt, um dadurch die Wirkung des Eigentlichen zu verstärken. Und oft werden in einer Szene zwei, drei Sachen gleichzeitig parallel erzählt, ohne dass die sich im Weg stehen würden.

    Ein groß geplanter Heiratsantrag im Eintracht-Stadion wird unterbrochen von einem Telefongespräch, ein Streit wird mit einem beiläufigen Drogendeal verknüpft. Und das Schwulsein des ultrabrutalen Otto wird ganz en passant angesprochen, und es ist eigentlich auch gar kein Thema. Wären da nicht die HIV-Ansteckungsgefahr, die bei all den Schlägereien und dem vielen Blut auch die Gesundheit der Freunde aufs Spiel setzt.

    Leider wird der ziemlich seltsame Filmtitel nur wenige Leute in den Film locken...

    Fazit: Ein Film über Fußball, Hooligans und die dunklen Seiten von Freundschaft.
  • Explosives Milieudrama um eine Clique Fußball-Fans, die sich mit kompromissloser Aggressivität der Realität verweigert und damit viele Chancen verspielt.

    1966/67 ist die Saison, in der Eintracht Braunschweig Deutscher Meister wurde. Diese Zahl tragen sechs Freunde als Branding auf der Brust, was nicht nur unbedingte Loyalität bedeutet, sondern auch große Leidensfähigkeit – denn der Verein kämpft in der dritten Liga um Abstieg und sportliche Zukunft. Die eigene Zukunft verbaut sich das junge Sextett gewaltbereiter Ultras aber selbst, weil sie sich in einen Männer-Mikrokosmos aufhalten, in dem Frauen, Wirklichkeit und Verantwortung keinen Platz finden: Ein Trupp cooler, erwachsener Loser, die ihr Leben nicht geregelt kriegen, weshalb sie zu tickenden Zeitbomben werden. Das gibt dem packenden, ungemein authentischen Drama einen verstörenden Drall.

    Deutsche Nachwuchstalente zeigen eindrucksvoll, was sie können, besonders der sehr präsente Fabian Hinrichs („Sophie Scholl“) als Anführer Florian, der ein Diplom in der Tasche hat, sich aber seiner Zukunft partout nicht stellen will. Statt für seinen Vater nach China zu gehen, verweigert er sich und wirft seine Freundin Özlem (Melika Foroutan) raus. Mit seinen Kumpels, darunter der homosexuelle Otto (Christoph Bach, „Dutschke“) und Sicherheitsbeamter Henning (Maxim Mehmet), geht er keiner Fan-Randale aus dem Weg, zündet Wolfsburger Kutten an und prügelt auf Unbeteiligte ein. Endstation Fankurve.

    Ärger machen gehört zum postpubertären Lifestyle des Sextetts, dessen beruflichen Alltag und brutale Freizeitgestaltung Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser bei ihrer szenekundigen Regiearbeit zurückgenommen und ohne jede Sensationsgier ausbreiten. Sie schneiden dicke Scheiben aus dem echten Leben heraus und wo Ken Loach ein Märchen erfindet („Looking for Eric“), kennt Ludwigs von eigener Braunschweig-Anhängerschaft geprägtes Skript ein vitales Drama um Männer, die nicht erwachsen werden wollen. Gewalt und Grenzüberschreitungen sind fester Teil ihres Handelns, gebrochene Knochen, Vorstrafen und Stadionverbote stolze Trophäen. Im Verlauf des sensationell dialogstarken Psychogramms über lockere Typen, deren Lebensplanung und freundschaftliche Bande verlustig gehen, bleibt die Frage, was eigentlich daran so verkehrt ist, können sich die Figuren doch auch mit Regression durchs Leben mogeln. tk.

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