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Fakten und Hintergründe zum Film "50/50 - Freunde f?rs (?ber)leben"

Fakten und Hintergründe zum Film "50/50 - Freunde f?rs (?ber)leben"

Das bringt der Serienherbst auf Disney+
Poster 50/50 Freunde fürs (Über)Leben

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Über die Produktion

Seth Rogen, Evan Goldberg und Will Reiser lernten sich hinter den Kulissen des Brit-Imports „Da Ali G Show“ kennen, der legendären Comedy-Show mit Sacha Baron Cohen. Rogen und Goldberg galten als vielversprechende Nachwuchsautoren, Reiser stand als Produzent noch am Anfang seiner Laufbahn. Mit Anfang 20 waren die drei damals die jüngsten Mitarbeiter im Team und freundeten sich schnell an. Dann passierte das Undenkbare. Rogen und Goldberg konnten buchstäblich zusehen, wie ihr Freund in sich zusammenfiel. „Bei dieser Show war ein unmenschliches Tempo gefordert“, erzählt Goldberg. „Wir arbeiteten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ungefähr sechs Wochen lang konnten wir minutiös beobachten, wie Will von Tag zu Tag mieser aussah. Wir hatten ja keine Ahnung, dass er krank war. Also zogen wir ihn damit auf. Sacha Baron Cohen, der Star der Show, setzte noch einen drauf, er war unser Rädelsführer. Und Will lachte herzlich mit.“

„Will war die ganze Zeit schwer krank“, erinnert sich Seth Rogen. „Es war wie in ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘, wenn am Ende die bösen Nazis schmelzen. Es war ihm anzusehen, dass er nicht gesund war.“ Nach acht Monaten, als „Da Ali G Show“ schließlich abgedreht war, eröffnete Will Reiser seinen Freunden, dass er an Krebs litt. „Wir waren natürlich geschockt und am Boden zerstört“, so Rogen. „Aber andererseits waren wir auch enorm erleichtert. Nun wussten wir also endlich, dass Will nicht ohne Grund so schlimm aussah. Wir hatten angenommen, dass er einfach zu heftig feiert. Will teilte uns dann mit, dass er es wohl überleben würde. Das waren natürlich gute Neuigkeiten. Trotzdem: Auf das, was folgte, war keiner von uns vorbereitet.“

Noch während er gegen die Krankheit kämpfte, ermutigten Rogen und Goldberg ihren guten Freund, seine Geschichte aufzuschreiben. „Sobald etwas auch nur annähernd Interessantes passiert, überlege ich sofort, ob man einen Film daraus machen könnte“, gesteht Rogen. „Und ich wüsste nicht, dass ich jemals einen Film über einen jungen Kerl gesehen hätte, der mit einer tödlichen Krankheit fertig werden muss. Das könnte wirklich mal spannend sein, dachte ich mir, und auch sehr lustig. Will ist so ein ulkiger, schräger, neurotischer Kerl. Es hätte keinen Falscheren erwischen können. Nicht, dass irgendjemand gut mit Krebs klar käme. Aber Will ist ohnehin schon nicht der gefestigte Charakter.“

Reiser stand noch ein langer Weg bevor, bevor er bereit war, sich an das Skript zu setzen. Die Ärzte hatten zunächst ein Lymphom vermutet. Doch weiterführende Untersuchungen ergaben, dass dies nicht der Fall war. Nach einer Reihe invasiver Tests erfuhr Reiser, dass ein gigantischer Tumor auf seine Wirbelsäule drückte. „Das Ding war beachtlich und saß an einer äußerst ungünstigen Stelle“, erinnert sich Reiser. „Für mich wurde der Tumor zu diesem Alien, das in meinem Körper hauste. Und ich wusste nicht, wie das mit uns enden würde.“ Der behandelnde Chirurg erläuterte Reiser sämtliche Schritte: Der Tumor konnte in einer sechsstündigen Operation entfernt werden. Doch der Heilungsprozess, körperlich wie auch seelisch, würde langwierig und qualvoll werden. „Der Arzt hatte mir zwar gesagt, dass ich eine Woche im Krankenhaus bleiben müsste. Mir war aber nicht klar, dass dies eine Woche der schlimmsten Schmerzen bedeutete, die ich je erlebt habe.“

Es sollte ganze zwei Jahre dauern, bis Will Reiser sich in der Lage fühlte, die Krankheit auch kreativ zu verarbeiten. „Das Schreiben wurde für mich zur Katharsis“, sagt Reiser. „Damit hätte ich nicht gerechnet. Je öfter ich mit Evan darüber redete, was mit mir passierte, desto mehr drängte er mich, darüber zu schreiben.“ Und ein so todernstes Thema sollte erst recht mit Witz angegangen werden, findet Evan Goldberg: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Es gibt nichts Schlimmeres – was also könnte lustiger sein?‘, dachten wir uns. Vorausgesetzt, man geht es richtig an.“ Schon Reisers erste Drehbuchfassung hatte alles zu bieten, was die Freunde sich erhofft hatten. „Seth und ich sind ultrabrutal, wenn es um die Einschätzung von Drehbüchern geht“, sagt Goldberg. „Aber dies war der beste erste Entwurf, den ich je gelesen hatte. Ich sage nicht gern Nettigkeiten über meine Freunde, aber das ist nun mal die Wahrheit. Will hat den Nagel auf den Kopf getroffen.“

Produzent Ben Karlin hörte zum ersten Mal von der Idee zu 50/50, als er Will Reiser einen Job in seiner Produktionsfirma Superego Industries anbot. Einige Jahre zuvor wollte man Reiser für die „Daily Show“ mit Jon Stewart engagieren, doch er hatte abgelehnt. „Wir konnten alle nicht fassen, dass Will allen Ernstes zu einem so begehrten Job nein sagte“, erzählt Karlin. „Warum, verstanden wir erst später: Damals hatte er gerade die Diagnose erhalten.“ Im zweiten Anlauf sagte Reiser dann zu. Und als Karlin von dem 50/50-Drehbuch erfuhr, sicherte er sich sofort die Rechte. „Als gute Freunde von Will waren Seth und Evan selbstverständlich mit an Bord. Es lief alles wie von selbst.“

Aber eine Komödie über Krebs? Karlin gibt gern zu, dass das ziemlich unmöglich klingt. Doch das Projekt hatte ein paar unschlagbare Argumente auf seiner Seite: „Seth Rogen war dabei, das war natürlich ein Trumpf. Zudem war das Drehbuch stark geschrieben, witzig und originell. Jeder war sofort Feuer und Flamme.“

„Jeder“ – dazu zählt auch Nathan Kahane, Geschäftsführer von Mandate Pictures und Produzent unkonventioneller Erfolgskomödien wie „Juno“ oder „Schräger als Fiktion“. „Ich hatte noch nie einen Film über einen jungen Mann gesehen, der gegen eine tödliche Krankheit kämpft – und das noch zusätzlich zu allem anderen, womit man mit Anfang 20 so zu kämpfen hat. Das hat mich sofort von diesem Projekt überzeugt“, lobt Kahane, der 50/50 als ausführender Produzent betreute. „Das war wirklich mal was Neues.“ Und Dank des perfekten Skripts „waren wir ein paar Tage später im Geschäft. Seth und Evan gehören zu den interessantesten Produzenten, mit denen ich je zusammengearbeitet habe. Sie sind die geborenen Geschichtenerzähler und sie lieben Filme.“ Obwohl 50/50 ihre erste Produktion war, machte die immense Erfahrung des Duos mächtig Eindruck auf Kahane: „Die beiden haben bei Judd Apatow viel gelernt. Sie bringen die künstlerische Perspektive mit, wissen aber gleichzeitig ganz genau, ob etwas beim Publikum ankommt oder nicht. 50/50 ist ein echtes Herzblut-Projekt. Entsprechend grandios war die Arbeitsatmosphäre.“

Nachdem sie über Jahre hinweg gemeinsam am Drehbuch gefeilt hatten, sahen sich die Filmemacher nach einem Regisseur um, der den schmalen Grat zwischen Drama, Pathos und Humor ausbalancieren konnte. Jonathan Levine, der 2008 mit „The Wackness – Liebe ist eine Droge“ den Publikumspreis in Sundance gewonnen hatte, bekam das Drehbuch in die Hände und war so angetan, dass er sich direkt an Seth Rogen und Evan Goldberg wandte. „Ich schrieb ihnen einen Brief, wie toll ich es finde, dass sie mit dieser Komödie neue, mutige Wege gehen; wie gern ich mit ihnen arbeiten würde und wie sehr mich das Projekt begeistert“, berichtet Levine. Sein Brief strandete auf Goldbergs Schreibtisch. Die Antwort blieb aus – ganze zweieinhalb Jahre. „Ich habe oft an diesen netten Brief gedacht“, sagt Goldberg. „Ich legte ihn beiseite und sagte: Was für ein netter Typ, wir sollten ihm unbedingt antworten.‘“

Als die Suche nach einem geeigneten Regisseur in die heiße Phase ging, empfahl Goldbergs Assistent seinem Boss „The Wackness – Liebe ist eine Droge“. Goldberg fand den Film fantastisch. Nach dem ersten Treffen mit Levine dachte Seth Rogen: „Der ist genau wie wir. Wir kamen super miteinander aus. Man weiß immer sehr schnell, ob jemand eine Vision hat, und bei Jonathan war das ganz klar der Fall. Wir hatten uns kaum hingesetzt, da wussten wir schon, dass es passt.“

Denn Levine beherrscht den schmalen Grat zwischen Drama und Komödie. Das machte ihn zum idealen Kandidaten für 50/50, bestätigt Reiser: „Jonathan bringt seinen ganz eigenen Blickwinkel ein. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir ihn für das Projekt gewonnen haben.“ Levines Ansatz war, sich völlig vom Genre zu lösen und stattdessen auf die Figuren zu konzentrieren. „Es sind die Schauspieler, die die Geschichte voranbringen“, sagt er. „Ich tendiere zu coolen Kamerafahrten, aber hier musste ich meine optischen Vorstellungen zurückstellen. Das soll nicht etwa heißen, dass 50/50 nach nichts aussieht. Aber bei diesem Film geht es viel mehr um die schauspielerischen Leistungen und um Authentizität. Wills unfassbar witziges, aufrichtiges Drehbuch war dabei mein größtes Kapital.“ Jonathan Levine gibt gern zu, dass seine berühmten Produzenten ihm einigen Respekt einflößten. „Sie sind diejenigen, die diesen Film möglich gemacht haben“, schwärmt er. „Ich bin einfach dankbar, dass sie mich mitmachen lassen. Ich habe viel von ihnen gelernt, obwohl ich der Ältere bin. Wir hatten eine tolle Gruppendynamik.“

In der Vorbereitungsphase verbrachten Levine und die Produzenten viel Zeit mit Brainstorming und der Überarbeitung fertiger Szenen. „Es war eine echte Gemeinschaftsarbeit“, sagt der Regisseur. „Das Skript war großartig, trotzdem mussten wir uns nicht sklavisch Wort für Wort daran halten. Ben (Karlin) hat zwei der besten TV-Comedys aller Zeiten geschaffen, Seth und Evan sind sowieso sensationelle Comedy-Autoren. Will war da sehr souverän, und seinem Ton sind wir natürlich immer treu geblieben.“ Seth Rogen bekräftigt, dass es nie darum ging, mit Ansage witzig zu sein oder den Figuren Albernheiten anzudichten, damit der Film komischer wird. „Die Charaktere und ihr Verhalten sind per se komisch. Wir sind so realistisch wie nur möglich an 50/50 herangegangen.“ So verabschiedeten sie sich von allem, was zu gewollt wirkte. „Der Film ist sehr lustig“, betont Levine. „Aber nur, weil alle Personen sich ganz natürlich verhalten. Der Humor ist in den Figuren angelegt, das war meine Richtlinie.“

Zur Recherche sprachen die Filmemacher ausführlich mit Krebspatienten – darunter natürlich auch Reiser selbst –, besuchten eine Klinik in Seattle und waren bei Chemotherapie- und Bestrahlungsterminen dabei. Während sie ihr Thema weiter vertieften, stellte sich heraus, dass viele Kollegen, die an 50/50 mitwirkten, von der Krankheit betroffen waren. „Wenn man erzählt, dass man Krebs hat, ist das, als würde man in einen Club aufgenommen“, sagt Reiser. „Plötzlich begreifst du, dass wir durch ein enges Netzwerk verbunden sind. Das ist vielleicht das einzig Gute an Krebs: Alle machen dasselbe durch. Du fühlst dich isoliert, von deinem Körper im Stich gelassen und weißt nicht, wie du mit den Menschen um dich herum umgehen sollst. Es war, als wären alle durchgedreht“, fährt Reiser fort. „Ständig kamen Leute mit neuen Wundermethoden auf mich zu: Weißt du, ich kenne da diesen Typen…‘ Ich war ein Spektakel, ein Freak. Also habe ich versucht, so viel Spaß wie möglich für mich herauszuholen.“

„Will hat schon schräge Sachen erlebt“, erinnert sich Evan Goldberg. „Aus unerfindlichen Gründen vertrauten ihm die Leute auf einmal alles an; das war vorher nicht so. So ist es auch im Film: Jede der Figuren hat ihre eigenen Probleme und geht sie erst dank Adams Krebs an.“ Obwohl Reiser persönliche Details in die Geschichte eingearbeitet hat (in den Krankenhaus-Szenen etwa werden seine Kernspin- und Computertomographie gezeigt), wurde anderes auf Basis der Recherchen hinzugedichtet. Anders als Protagonist Adam brauchte Reiser keine Chemotherapie, bevor die OP durchgeführt werden konnte. „Ich möchte betonen, dass 50/50 nicht meine Autobiografie ist“, erklärt der Autor. „Die Story beruht zwar auf meinen persönlichen Erlebnissen, meiner Familie und Freunden. Aber den schlimmsten Behandlungsmethoden, die andere durchmachen, musste ich mich nicht unterziehen.“

Reiser hofft, dass der Film die Probleme von Krebspatienten auf den Punkt bringt: „Krebs zu haben bedeutet, dass deine Zellen mutieren. Es gibt nichts Persönlicheres, als dass dein Körper sich selbst attackiert. Wie soll man das gesunden Menschen begreiflich machen? Unmöglich. Genau das wollte ich zeigen – auf makabre, witzige und absurde Art, denn das Ganze war völlig bizarr. Mein Humor hat mir da durch geholfen, das möchte ich mit 50/50 vermitteln. Es wäre schön, wenn dieser Film den Leuten hilft, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Es ist okay, über diese Krankheit und ihre Absurditäten zu lachen. Oder zu weinen.“

„Letztlich wollten wir einfach einen guten Film machen“, fügt Produzent Ben Karlin hinzu. „Aber es wäre schön, wenn die Zuschauer sich danach ein bisschen besser fühlen. Krebs ist mit das Schlimmste, was dir selbst oder einem geliebten Menschen widerfahren kann. Bei uns geht es Adam dadurch in vielerlei Hinsicht besser. Ernsthaft.“

Produktion: Die Besetzung

50/50 punktet mit der Traumbesetzung Joseph Gordon-Levitt als Adam Lerner, Seth Rogen als sein bester Freund Kyle, Oscar®-Preisträgerin Anjelica Huston, die Oscar®-nominierte Anna Kendrick und Bryce Dallas Howard als die Frau in Adams Leben. „Ich bin ganz verliebt in den Cast“, schwärmt Nathan Kahane. „Für jede einzelne Rolle haben wir einen genialen Schauspieler gefunden.“

Will Reiser malte sich seine Hauptfigur Adam Lerner als einen Perfektionisten aus, den vor allem die eigene Hilflosigkeit aus der Bahn wirft. „Krebs schmeißt alles über den Haufen und pulverisiert das Leben, das du dir aufgebaut hast“, weiß der Autor. „Du kannst nichts tun außer loszulassen. Du musst dich davon verabschieden, alles unter Kontrolle haben zu wollen.“

Adam führt ein Leben voller Sicherheit, aber ohne große Höhen und Tiefen. Produzent Ben Karlin beschreibt es als „solides Durchschnittsdasein. Aber das ist Adam gar nicht bewusst. Plötzlich ist er gezwungen, sein Leben von Grund auf zu überdenken – und das in einem Alter, in dem das den meisten noch völlig fern liegt. Das ist das Herz der Geschichte.“

Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt stieß erst eine Woche vor Drehbeginn dazu. „Wir mussten uns schnell entscheiden, sonst hätte der ganze Film auf der Kippe gestanden“, erklärt Regisseur Jonathan Levine. „Ich traf mich bei mir zu Hause mit Joe, Seth und Evan. Wir sprachen alles durch und ich hatte ein gutes Gefühl: Es würde schon klappen. Am nächsten Morgen saß ich trotzdem wie auf glühenden Kohlen und konnte Joes Entscheidung kaum abwarten. Als er dann tatsächlich zusagte, war ich natürlich begeistert.“

Levines Konzept nach sollten die Schauspieler das Ruder übernehmen, daher war die Besetzung des Adam elementar. „Mit Joe als Adam mussten wir vieles abändern“, so Levine. „Er brachte seine eigene Interpretation der Rolle mit. Zum Glück haben Seth und Evan viel für Schauspieler übrig. Joe hatte von Anfang an unsere volle Unterstützung.“ Joseph Gordon-Levitt schätzt seinen Regisseur genauso: „Jonathan ist zuvorkommend und so bescheiden. Er war immer offen für Vorschläge, das gilt übrigens für die gesamte Gang um Seth Rogen. Natürlich hatte er klare Vorstellungen, wie der Film aussehen sollte. Aber er schloss sich dem Teamgeist an, den Seth bei allen seinen Projekten fördert.“

Der Schauspieler kreierte einen ganz eigenen Charakter, und dafür ist ihm Drehbuchautor Will Reiser dankbar: „Auf dem Papier war mein Adam ein völlig anderer Typ. Joe hat der Figur bestimmt noch 50 Prozent hinzugefügt. Er hat Feinheiten aufgespürt, die mir gar nicht bewusst waren. Joe hat Adam eine Tiefe verliehen, die nicht auf mein Konto als Autor geht.“

„Für einen so jungen Schauspieler ist Joe unglaublich erfahren und selbstsicher“, fügt Ben Karlin hinzu. Vor allem brachte er eine Art stillschweigendes Vertrauen mit – in sich selbst und in das Drehbuch. Wie er diesen Charakter zum Leben erweckt hat, übertraf alle unsere Erwartungen.“ Gordon-Levitt fragte sich unwillkürlich, was bitte an einem krebskranken jungen Mann lustig sein soll. „Meine erste Reaktion war: Wovon redet ihr da? Das ist doch nicht witzig. Aber ich muss zugeben: Dank Will ist es das doch.“

Als Vorbereitung blieb dem spontanen Hauptdarsteller gerade noch genug Zeit für ausführliche Gespräche mit Reiser und einigen weiteren Krebspatienten. „Da wird dir erst mal klar, dass jeder Fall anders liegt“, sagt Gordon-Levitt. „Dann begreifst du allmählich das tragische Ausmaß. Wenn du dich dann aber mit Menschen unterhältst, die diese Krankheit überstanden haben, stellt sich immer auch Humor ein. Es mag zunächst ziemlich geschmacklos klingen: Was ist lustig daran, dass jemand einen Tumor an der Wirbelsäule hat? Andererseits ist das nur menschlich. Es ist ein Klischee, aber Lachen ist gesund.“

Und der Schlüssel zum Humor und zur Aufrichtigkeit des Films sind die Figuren, betont der Hauptdarsteller. „Es ist zwar eine Komödie, aber die Charaktere sind eben nicht flach, sondern echte Menschen. Adam zum Beispiel ist der Letzte, der mit dieser Diagnose klar käme. Er ist eher ein Hypochonder, der sich dauernd ausmalt, dass er an einer tödlichen Krankheit leiden könnte. Da ist es Ironie des Schicksals, dass es prompt gerade ihn trifft.“

Gordon-Levitts Darstellung ist komisch und herzzerreißend zugleich, findet Seth Rogen. „Joe ist ein sehr einfühlsamer Schauspieler. Er arbeitet den ganzen Tag, solange er am Set ist – nicht nur, wenn die Kamera läuft. Bei mir ist das ganz anders, zumal ich in der Regel parallel noch einen weiteren Job mache, wenn ich drehe. Joe dagegen bemüht sich wirklich, zu einer anderen Person zu werden und nicht einfach nur eine Variante von sich selbst zu geben.“ Joseph Gordon-Levitt hofft, dass sich das Publikum in erster Linie mit der witzigen Seite des Films identifiziert: „Ich hoffe, sie lachen sich kaputt. Wenn einem Zuschauer dann das nächste Mal etwas Schreckliches widerfährt, machen seine Freunde vielleicht Seth Rogen nach und sie können zusammen lachen. Ich finde das sehr heilsam.“

Während 50/50 noch in der Vorbereitungsphase steckte, kürte das Magazin „Forbes“ Seth Rogen zum „fleißigsten Mann in Hollywood“. Seit seinem Kinodurchbruch mit „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ (2005) war er in zehn Filmen zu sehen, von denen jeder an die 100 Millionen Dollar oder mehr eingespielt hat. „Es gibt in dieser Branche nicht viele wie Seth“, lobt Produzent Ben Karlin. „Er ist ein echtes Multitalent: ein unfassbar begabter Autor, ein außergewöhnlich starker Darsteller – und als Produzent weiß er genau, was es braucht, damit ein Film funktioniert.“ Joseph Gordon-Levitt beobachtete Rogen jeden Tag am Set: „Seth, Evan und ihre Buddys waren immer vor Ort und machten alles umso besser und witziger“, erzählt der Schauspieler. „Ich liebe ihre Arbeitsweise.“

Will Reiser ließ eine Vielzahl von Inspirationen in seine Story und seine Charaktere einfließen. Kyle allerdings kommt seinem Freund Seth Rogen sehr nahe: „Aber in dieser Figur stecken noch mehr Freunde von mir, insbesondere die in meinem Alter, die überhaupt nicht wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollten.“ Rogen gibt gern zu, dass er sich in Kyle wiedererkennt: „Kyle ist wohl die unbeholfenste Version meiner Wenigkeit, als Will so krank war. Er macht sich Sorgen, kann das aber nicht in Worte fassen. Also versucht er, das Ganze leicht zu nehmen und trotz allem Spaß zu haben. Im Grunde eine gute Einstellung: Er versucht, die Dinge positiv zu sehen und das Beste aus der Situation zu machen. Nur geht er dabei reichlich unsensibel vor – genau wie ich. Ich war ja derjenige, der Will dazu riet, das alles zu einem Drehbuch zu verarbeiten: ‚Lass uns was Komisches daraus machen.‘ Kyle verhält sich im Film genauso.“

Mit einem Unterschied: „Kyle hat zwar große Ähnlichkeit mit Seth. Nur dass der echte Seth am Ende nicht geläutert war“, kommentiert Evan Goldberg lachend. „Aber es wusste ja keiner von uns, was er tun sollte, als Will krank wurde.“ Kyle sieht in Adams Krebserkrankung eine willkommene Gelegenheit, endlich all das zu tun, was er immer wollte. Carpe diem! Er beharrt sogar darauf, dass Adams Krankheit die perfekte Anmache ist. Ironischerweise lernte Seth Rogen tatsächlich seine langjährige Lebensgefährtin kennen, als Reiser krank war. „Ich spielte die Mitleidskarte aus; dass mein Kumpel in einer unglückseligen Lage war. Das ließ mich sympathisch erscheinen.“ Auch Reiser gesteht, dass er während seiner Erkrankung durchaus bei Frauen ankam: „Ich hatte schnell begriffen, dass mir die Herzen der Mädchen zuflogen, sobald ich Krebs erwähnte. Auf einmal war es kinderleicht, ein Date zu kriegen.“

Trotz seines fragwürdigen Verhaltens ist Hallodri Kyle „der Inbegriff des besten Freundes“, betont Joseph Gordon-Levitt. „Einerseits ist er großherzig und steht seinem Freund wirklich zur Seite. Andererseits ist er eben ein Volltrottel, aber das ist doch jeder Freund mal. Kyle findet, dass Adam seine Krebs-News als Geschenk verstehen sollte – um Frauen rumzukriegen.“ Obwohl sie so unterschiedlich an eine Rolle herangehen, harmonieren Rogen und Gordon-Levitt perfekt, findet Regisseur Jonathan Levine: „Die entspannte Atmosphäre am Set ließ viel Freiraum für Individualität. Joe hat sich mit Dramen einen Namen gemacht, Seth ist Komiker. Beide sind ihrem Stil treu geblieben, und dazu gehört viel Spontaneität und Improvisation. Jeder konnte seinen persönlichen Stil ausleben. Aber Seth übernahm die Führung, denn er ist in vielen Szenen mit Joe die treibende Kraft. Wir verdanken ihm einige umwerfende Momente.“

So viel Freiheit ist an Filmsets keineswegs die Norm, weiß Gordon-Levitt. „Seth und ich haben vieles komplett improvisiert, das war toll. Die Möglichkeit bekommt man nicht oft. Praktisch, wenn der Oberchef-Produzent höchstselbst mit dir vor der Kamera steht. Wenn man den ganzen Tag die immer gleiche Szene wiederholt, kann das ganz schön öde werden. Aber das war bei uns überhaupt nicht der Fall. Jonathan Levine sagte ständig: ‚Okay, das hätten wir soweit im Kasten. Was könnten wir noch ausprobieren?‘ Der Dreh war für uns die reinste Spielwiese, wir ließen uns immer noch eine andere Variante einfallen.“

Anna Kendrick, die für ihre Rolle in „Up in the Air“ neben George Clooney eine Oscar®-Nominierung erntete, spielt Adams Therapeutin Katherine, die ihn nach der Schock-Diagnose und während der zermürbenden Behandlung seelisch unterstützen soll. „Anna zählt zu den aufregendsten Nachwuchsstars ihrer Generation“, schwärmt Nathan Kahane. „Sie ist absolut glaubwürdig und hat einen messerscharfen Verstand. Zugleich ist sie so charmant und herzig, dass man sich gleich zu ihr hingezogen fühlt. Anna ist der Sonnenschein dieses Films. Es macht großen Spaß, sie in einer Rolle zu erleben, die ihrer ganzen Persönlichkeit so perfekt entspricht – und nicht nur ihrem komödiantischen Talent.“ Die Filmemacher waren sich auf Anhieb einig, dass Kendrick die Idealbesetzung für die Rolle war. „Das kommt nicht oft vor“, sagt Seth Rogen. „Aber manchmal erwähnst du einfach einen Namen und sofort denkt jeder: Genau! Perfekt. Wie toll wäre das denn, wenn sie die Rolle spielen würde?“

Katherine nimmt ihre Aufgabe sehr ernst, hat aber kaum Erfahrung, als sie Adam kennen lernt. „Er ist erst ihr dritter Patient“, erläutert Kendrick. „Und noch dazu ein schwerer Fall. Katherine klebt viel zu sehr an der Theorie. Gerade als Anfängerin will sie natürlich alles richtig machen und sich streng an die Regeln halten.“ Auch Anna Kendrick überzeugte das Projekt, weil ein todernstes Thema humorvoll und zugleich lebensnah behandelt wird. „Die Komödie speist sich aus der Wirklichkeit“, sagt sie. „Das alles könnte durchaus genauso passieren. Nichts wirkt oberflächlich oder aufgesetzt. Wäre ein Freund von dir krank – ein kluger Kopf, geistreich und alles andere als schlicht –, dann wäre das tragisch und schwer auszuhalten. Aber es würde doch immer Momente geben, in denen man lachen muss. Genau das ist die Aussage des Drehbuchs. Es geht nicht nur darum, eine Komödie über ein Tabuthema zu machen. Es wirkt wahrhaftig.“

Noch dazu war die Arbeit mit Levine ein echtes Privileg, fährt die Schauspielerin fort: „Jonathan ist ein seltener Glücksfall von Regisseur, der allem und jedem großes Feingefühl entgegenbringt. Er hört wirklich zu.“ Und ihre Co-Stars machten die Dreharbeiten nur noch angenehmer. „Joseph und ich wurden quasi zusammengewürfelt, wie das so ist beim Film: Plötzlich steht man jemandem gegenüber und soll diese intensive Beziehung aufbauen. Man kann nie sicher sein, ob das funktioniert. Aber Joe war sehr offen und gab mir das Gefühl, dass zwischen uns eine echte Verbindung besteht. Und Seth ist großartig. Sein Lachen ist absolut genial, das war unser zuverlässigstes Barometer. Seth feuert dich immer an, und dann ist er auch noch selbst so witzig. Wenn ihm etwas gefiel, war das für mich ein großes Kompliment.“

Bryce Dallas Howard spielt Adams Freundin Rachael, eine junge Künstlerin, die sich auf abstrakte Malerei spezialisiert hat. Für Evan Goldberg spielt Bryce „eine der spannendsten Rollen in 50/50. Seit fünf Jahren wollten Seth und ich ein Projekt mit ihr auf die Beine stellen.“ Howard, die eher für dramatische Rollen bekannt ist, beeindruckte die Filmemacher mit ihrem saftigen Humor. „Bryce hat uns echt umgehauen“, schwärmt Nathan Kahane. „Sie ist eine begnadete Komikerin. Wir ließen sie vorsprechen, weil Rachael so anders war als alles, was sie bis dato gemacht hatte. Und sie war einfach wunderbar.“ Wie nicht anders zu erwarten lotete die Schauspielerin auch die empfindsame Seite der anspruchsvollen Rolle aus. „Rachael war schwer zu greifen“, merkt Jonathan Levine an. „Aber Bryce brachte ihre sensible wie auch ihre komische Seite zum Vorschein.“

Oscar®-Preisträgerin Anjelica Huston spielt Diane Lerner, Adams Mutter. „Es kommt mir total irre und surreal vor, dass Anjelica Huston in unserem Film mitspielt“, kommentiert Seth Rogen. „Sie gehört zu den Leuten, die alle anderen allein durch ihre bloße Anwesenheit sofort besser dastehen lassen. Und lustig ist sie auch noch.“ Ben Karlin beschreibt seine Begegnung mit der Schauspielerin und Regisseurin als „ziemlich einschüchternd. Sie gab unserem Unternehmen Gewicht und einen gewissen Stellenwert. Gleichzeitig war sie entspannt und sah auch die komische Seite ihrer Figur.“ Huston selbst beschreibt Diane als gefühlsbetont, aber auch herrschsüchtig: „Adam und seine Mutter sind sehr innig“, sagt sie. „Aber Diane kann erdrückend sein. Obwohl er seine Mutter über alles liebt, braucht er auch seine Freiheit, und sie steht ihm dabei im Weg.“

Die starken Charaktere in 50/50 und die lebensnahe Schilderung, wie widersprüchlich Menschen sich in traumatischen Situationen verhalten, gingen Anjelica Huston sehr nahe. „Dieser Film ist tief bewegend und witzig zugleich. Er funktioniert als Drama genauso gut wie als Komödie, das macht ihn so außergewöhnlich. Ich hatte nie zuvor ein solches Drehbuch gelesen. Die Idee, eine Komödie über Krebs zu machen, ist sicher gewagt. Aber Will schöpft immerhin aus eigenen Erfahrungen. Er kennt die verrückten, komischen Situationen, die eine bitterernste, lebensbedrohliche Krankheit mit sich bringen kann.“

„Anjelica ist die coolste Frau, die ich je getroffen habe“, schwärmt Regisseur Jonathan Levine. „Sie ist ganz wunderbar im Film. Alles, was sie tut, ist glaubwürdig. Es war eine große Ehre, mit ihr zu arbeiten. Da sie selbst Regisseurin ist, versteht sie die kreativen Abläufe – eine wundervolle Teamplayerin. Sie war ausgesprochen smart. Die Arbeit mit ihr war eine Freude.“ Nicht nur Hustons Performance verschlägt Produzent Evan Goldberg die Sprache, sondern allein die Tatsache, dass sie überhaupt dabei ist: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie diesen Film gemacht hat! Das haut mich um. Sie ist eine der größten Schauspielerinnen aller Zeiten.“

Will Reiser bedeutete Hustons Mitwirkung noch mehr. Gleich in der ersten Szene, die für sie auf dem Drehplan stand, erzählt Adam seiner Mutter Diane, dass er Krebs hat. Reisers Eltern Bob und Sandy waren an diesem Tag zu Besuch am Set. „Meine Mutter fing an zu weinen“, erzählt Reiser. „Diese Szene war so mitreißend und rührend; Anjelica als Mutter zu sehen, die von ihrem Sohn eine solche Nachricht erfährt, dazu die Tränen meiner Mutter… Ich habe diese Szene geschrieben, ich habe sie selbst erlebt. Aber zu beobachten, wie sich meine eigene Mutter mit der Filmmutter identifiziert hat, das ist nicht zu toppen.“

Adams Freundin Rachael versucht, ihn mit einem Geschenk aufzuheitern: „Skeletor“, ein Windhund aus dem Tierheim, sieht so unwohl aus, wie Adam sich fühlt. Als Skeletor geben im Alter von neuneinhalb Jahren William und Denver ihr Kinodebüt. Vor ihrer Filmkarriere feierten die 90 Pfund schweren Zwillinge preisgekrönte Erfolge bei Hundeausstellungen. Dennoch war ihre Besetzung die umstrittenste des Projektes. „Das Casting für Skeletor war ein Gefecht“, sagt Goldberg. „Ich hielt es für einen wirklich schweren Fehler, keinen niedlichen, liebenswerten Hund zu nehmen. Immer wieder predigte ich: ‚Sicher, so ein dürrer, sonderbarer Riesenhund – als Gag kommt das gut. Aber für die Verkaufe brauchen wir ein flauschiges Hündchen, das wir im Trailer zeigen können.‘“

Doch Will Reiser machte sich für die Zwillinge stark. „Ich habe für den Windhund gekämpft. Da war ich von allen, die mit dem Film zu tun hatten, wohl der einzige. Erst als ein Hundetrainer uns mehrere Exemplare präsentierte, sahen die anderen ein, warum gerade der Windhund so gut geeignet ist.“ Reiser spielt damit auf die Binsenweisheit an, dass sich Hund und Herrchen auch äußerlich ähneln. „Wenn du so krank bist, fühlst du dich nämlich wie dieser komische Hund“, erklärt Reiser. „Du fühlst dich als Außenseiter. Windhunde sehen echt schräg aus. Sie sind praktisch nackt und sehr fragil. Sie erkälten sich leicht und können nicht mal auf dem bloßen Fußboden liegen – man muss ihnen ein Kissen unterschieben. Bei Adam ist es genauso.“ Als Denver und William dann zum ersten Mal sah, war Goldberg sofort klar, dass sie die Richtigen für den Part waren: „Sie sind knochig und sehen seltsam aus. Aber bei diesen samtigen Augen geht dir das Herz auf.“

Produktion: Die Dreharbeiten

50/50 spielt in Seattle und wurde ausschließlich an Originalschauplätzen in und um Vancouver, British Columbia, gedreht. Sowohl Seth Rogen als auch Evan Goldberg sind in Vancouver aufgewachsen. Inzwischen ist ihre Heimatstadt zu einer der führenden Filmstädte geworden, aber bis dato hatte keiner der beiden dort gedreht. „Das war super“, freut sich Rogen. „Seit meiner Schulzeit war ich eine ganze Weile nicht mehr hier gewesen. Künftig würde ich gern nur noch in Vancouver drehen.“

Goldberg und Rogen hatten mehrere Anläufe unternommen, in ihrer alten Heimat zu drehen, doch ohne Erfolg, erzählt der Produzent: „Als wir noch Kinder waren, wurden hier tonnenweise Filme gedreht. Also stand für uns fest: Wenn, dann hier. Laut Drehbuch spielte ‚Superbad‘ ursprünglich in Vancouver, wurde dann aber in die USA verlegt. Auch ‚Ananas-Express‘ war zunächst auf Vancouver gemünzt. Als der Film dann grünes Licht bekam, wurde uns dringend nahegelegt, den ganzen ‚Kanada-Krempel‘ rauszunehmen. Also gingen wir diesmal davon aus, dass es nichts werden würde. Aber Mandate Pictures erkannte, dass Vancouver sich perfekt als Schauplatz eignete. Also konnten wir endlich doch noch vor Ort drehen – und das war das Beste, was uns passieren konnte.“

Produktionsdesignerin Anne Spitz hatte bereits bei „The Wackness“ mit Jonathan Levine zusammengearbeitet. In der Vorbereitungsphase fuhr sie mit dem Regisseur nach Seattle, um den öffentlich-rechtlichen Radiosender, eine Krebsklinik sowie Bars und Cafés unter die Lupe zu nehmen und sie dann detailgetreu in Vancouver nachzuempfinden. „Jonathan wünschte sich einen naturalistischen Look“, erklärt Spitz. „Zuerst besichtigten wir die Fred Hutchinson Cancer Clinic und ließen uns herumführen. Wir wollten sicherstellen, dass unsere ‚Kopie‘ im Film exakt dem Vorbild entsprach. Wir hatten gehofft, vor Ort drehen zu können, aber es ist kompliziert, in einem Krankenhaus eine Dreherlaubnis zu bekommen. Immerhin haben wir gelernt, dass die Patienten in speziellen Sesseln sitzen, während sie ihre Chemo bekommen. Also haben wir überall nach genau diesem Modell gesucht, konnten in Vancouver aber keine anmieten. Letzten Endes wurden sie aus Los Angeles eingeflogen.“

Adams Haus entdeckte das Filmteam in einer Wohngegend in Burnaby, einem Vorort von Vancouver. „Als ich es sah, wusste ich gleich: Das ist es!“, schwärmt Spitz. „Ein Haus muss als Drehort gewisse Voraussetzungen erfüllen. Man braucht viel Platz und verschiedene Winkel, in denen man die Kamera platzieren kann. Und hohe Decken, denn da oben werden die Scheinwerfer versteckt. Das Schlafzimmer hatte eine Wand aus Zedernholz, die ich viel nutzen wollte. Sie sah so schön nach amerikanischem ‚Nordwesten‘ aus. Wenn wir uns doch für ein anderes Haus entschieden hätten, hätte ich extra eine solche Wand einziehen lassen.“

Joseph Gordon-Levitt brachte eigene Ideen für Adams Zuhause ein. „Einige der besten Details stammen von Joe“, fährt die Designerin fort. „Adam sollte sehr ordentlich wirken; ein Typ, der putzt, Pflanzen und Baseball mag. Es macht immer Spaß, wenn wir den Schauspieler direkt mit einbeziehen können.“ Adams Freundin Rachael ist ja Künstlerin, also prangen ihre Bilder an seinen Wänden. Die Filmemacher baten einige befreundete Künstler um entsprechende Skizzen. „Für den besten Entwurf gab es ein Preisgeld“, so Anne Spitz. „Die Produzenten wählten ihre Favoriten aus, und daraus entstanden dann Rachaels Arbeiten, die im Film zu sehen sind.“

Während der Dreharbeiten lieferten sich die Teams hinter den Kulissen und vor der Kamera ein regelrechtes Duell. Im „Video Village“, wo die Filmemacher gleich im Anschluss die Aufnahmen auswerten, waren die Produzenten Rogen, Goldberg und Karlin, die assoziierten Produzenten James Weaver, Kyle Hunter sowie Ariel Shaffir, der Autor und ausführende Produzent Will Reiser, Nicole Brown von Mandate Pictures und Herstellungsleiter Shawn Williamson versammelt. „Es ging sehr kollegial zu“, betont Reiser. „Seth und Evan sind zwei meiner besten Freunde, und wir hatten ja bereits zusammengearbeitet. Da war es ganz selbstverständlich, so vorzugehen.“

Will Reiser war der Dreh- und Angelpunkt der Produktion. „Es ist schon ungewöhnlich, dass der Autor während der gesamten Dreharbeiten dabei ist“, merkt Ben Karlin an. „Damit zollen wir Will Respekt. Und außerdem verbringen wir gern Zeit miteinander. Wir sind alle sehr gesellig, ungefähr im selben Alter und ticken ähnlich. Da fiel es nicht schwer, mit all diesen Leuten im selben Raum zu sein. Es hat großen Spaß gemacht.“

Das geballte Input von allen Seiten brachte Regisseur Jonathan Levine nicht etwa aus dem Konzept. Im Gegenteil: Er fand es beruhigend. „All diese brillanten Köpfe sahen sich gemeinsam die Aufnahmen an und stellten sicher, dass uns nichts durchrutschte. Als Regisseur muss man an hundert Sachen gleichzeitig denken. Meistens hat man zehn davon im Kopf und fürchtet, die anderen 90 zu vergessen. So viel Unterstützung zu haben, ist einfach großartig.“

50/50 ist Will Reisers erstes Drehbuch. Und das Schreiben hat sein Weltbild fast genauso stark verändert wie seine Krebserkrankung: „Bevor ich krank wurde und dieses Skript geschrieben habe, fand Krebs in meinem Leben nicht statt. Letztlich habe ich durch den Krebs neue Freunde gefunden. Mir hat sich dadurch eine ganze Welt eröffnet, ständig erzählen mir Leute ihre persönlichen Schicksale. Von allen Seiten höre ich, dass sich Betroffene in diesem Film wieder finden, und wie sehr 50/50 sie berührt, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das ist für mich das größte Kompliment. Nichts könnte mir mehr das Gefühl geben, dass ich einen guten Job gemacht habe.“