39,90

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   2007
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Filmhandlung und Hintergrund

39,90: Provozierende Verfilmung des Bestsellers um die Werbewelt zwischen Pamphlet und Parodie.

Yuppie Octave Parango (Jean Dujardin) schwimmt auf der Sonnenseite des Erfolgs: Der talentierte Werbekreative arbeitet als Nachwuchskraft für eine Mega-Agentur und plant heute, was morgen bei den Kunden angesagt ist. Er selbst scheint einem Werbespot entsprungen und vernascht hübsche Models, die ihm willig zu Füßen liegen. Bis er Sophie (Vahina Giocante) trifft, sich unsterblich verliebt, sie verliert und seiner Scheinwelt überdrüssig wird.

Adaption des weltweiten Bestsellers von Frédéric Beigbeder, den Jan Kounen („Blueberry„) als halluzinogene Satire mit hohem Säuregehalt inszeniert. Die gnadenlose Abrechnung mit der hippen Werbewelt birst vor Zeitgeist und Absurditäten à la Bret Easton Ellis („American Psycho„).

Octave Parango gehört mit seinem Job in einer Werbeagentur zu den Erfolgreichen, Schönen und Reichen in Paris. Der zynische Egomane führt ein Leben auf der Überholspur samt etlichen Geliebten, die er genauso schnell ablegt wie seine Designerklamotten, jede Menge Koks und Partys. Bis er eines Tages die Nase voll davon hat.

Octave Parango gehört mit seinem Job in einer Werbeagentur zu den Erfolgreichen, Schönen und Reichen in Paris. Der zynische Egomane führt ein Leben auf der Überholspur samt etlichen Geliebten, die er genauso schnell ablegt wie seine Designerklamotten, jeder Menge Koks und Parties. Die Liebe zu einer Kollegin, die er bei Schwangerschaft verlässt, die Beziehung zu einer Prostituierten, der er einen Job vor der Kamera vermittelt, Drogenabsturz und Reha in einer Entzugsklinik sind Stationen auf dem Highway zur Hölle.

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Kritikerrezensionen

  • Wer in einer virtuellen Welt der Werbung lebt, dessen Leben wird selbst virtuell. Octave ist Kreativer bei der Werbefirma Ross&Witchcraft und lebt im Exzess: Frauen, Drogen, flotte Witze – Oberflächenreize, die die Leere in seinem Leben kaschieren, die vortäuschen, dass überhaupt Leben in ihm steckt, die die Leere in seinem Beruf vor ihm selbst verbergen. „39,90“ war Anfang des Jahrtausends ein Bestseller, der die Wunschproduktion durch Konsumentenmanipulation trefflich beschrieb. Für die Verfilmung wurde Jan Kounen engagiert, der selbst über 30 Werbefilme gedreht hat – und das Medium Film selbst ist der ideale Träger für eine Geschichte, die vom Nichts handelt, das in Schönheit verpackt werden muss.

    Das Medium Film ermöglicht die Hyperstilisierung der Bilder, die tausend Informationen zu einem beliebigen Zeitpunkt transportieren können. Kounen ist sich des manipulatorischen Wirkungspotentials seiner Bilder bewusst, und er setzt es gezielt und genüsslich ein für seine satirischen Zwecke. „Fear and Loathing in Las Vegas“ und „Fight Club“ stehen natürlich Pate – doch „39,90“, der Film, bringt doch ganz eigene Ideen ein, visuelle Kommunikationsmöglichkeiten mit originellem Spin: er ist nicht einfach eine Literaturverfilmung, vielmehr scheint der Stoff genau für diesen Film gemacht.

    Kounen übernimmt die Werbeästhetik der übervollen, dichten Bilder, mit schicken Tricks und flotten Schnitten, um damit freilich etwas ganz anderes zu erzählen: von der Verzweiflung nämlich, die sich in einem Leben, das ganz der Oberflächlichkeit gewidmet ist, irgendwann breit macht, wenn klar wird, dass es auch noch anderes, Tieferes geben muss. Aber was das ist, wie es zu erreichen ist, bleibt in einem solchen Leben unklar.

    Flott und witzig ist dieser Film, so, wie Octave flott und witzig ist und die Werbespots, die er erfindet. Frustration über zugeknöpfte, verständnislose Auftraggeber, den Verlust der Liebe zu einer schönen Frau: das macht ihn nachdenklich, ihn, der nie über sich nachgedacht hat, sondern nur darüber, wie er andere manipulieren könnte. Und auch den Abstieg, psychisch, emotional, von Octave begleitet der Film mit hippen, ironischen, virtuellen Bildern – die Virtualität der Welt, die er beschreibt, überträgt sich auf die Beschreibung selbst, die ebenfalls mit ihrer Virtualität nicht hinterm Berg hält.

    Und während der Plot irgendwann in seiner zunehmenden Dramatik ans Pathos zu grenzen beginnt – Liebeskummer, Drogenabsturz, Manipulation der Werbemanipulation, Selbstmord etc. – da steigert sich die Selbstironie, die Selbstreflexion des Films noch. Eine drogenindizierte Amokfahrt per Cabrio durch Miami zeigt er im Stil eines Comic-Videospiels, und am Ende macht er ganz klar, dass das Paradies, in dem sich das Happy End findet, eben doch auch nur etwas ist, was uns von außen aufgesetzt wird. Erlösung kann es nicht geben.

    Fazit: Eine tragische Geschichte von Verzweiflung, Oberflächlichkeit, Unmenschlichkeit – erzählt, als wär’s ein einziger langer Werbespot. Eine hippe Bestsellerverfilmung, die ihr satirisches und selbstreflexives Potential der Bildermanipulation voll ausschöpft.
  • Provozierende Bestsellerverfilmung aus der durchgeknallten Werbewelt zwischen Pamphlet und Parodie, Konsum und Kokain, Labels und Liebe.

    „Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich“. Mit dieser Äußerung kommt er schnell auf den Punkt, der erfolgreiche Kreative Octave Parango, Alter Ego des Romanautors Frédéric Beigbeder und ehemaligen Werbetexters der renommierten Agentur „Young & Rubican“. Der schrieb das gleichnamige Kultbuch, auf dem die schwarze Komödie basiert, um gefeuert zu werden und eine Abfindung zu kassieren. Jean Dujardin verkörpert diesen Egomanen, der nicht kleckert, sondern klotzt, wenn er das Werbegeschäft und deren Manipulationsmöglichkeiten zynisch durch den Kakao zieht. So ist alles ein Tick zu schnell, zu schrill und zu schön, bis der böse Bube das ungebremste Leben auf der Überholspur vor die Wand fährt. Aber tut er das wirklich oder ist alles nur Schein? Der Zuschauer darf wählen zwischen zwei Endings, dem dramatischen Sprung vom Wolkenkratzer in die Tiefe der Nacht oder die Familienidylle am feinen Sandstrand. Es ist eben alles eine Frage der Einstellung.

    Der rasant geschnittene und streckenweise experimentelle Film teilt sich in fünf Kapitel auf – Ich, Du, Sie, Er, Wir. „Wir amüsieren uns zu Tode“ prophezeite Neil Postman schon 1985 und Octave ist der lebende Beweis dafür. Die schicksten Klamotten trägt er am Adonisleib, bevor der Normalsterbliche sie überhaupt kaufen kann, Drogenpartys, Suffexzesse und Sexorgien, irgendwann hat er die Nase gestrichen voll, nicht nur von Koks, sondern von Kreativ-Kampagnen, schwierigen Kunden und kaputten Models. Zu Beginn (die Szene wiederholt sich am Ende) steht Octave mit ausgebreiteten Armen wie Jesus am Zuckerhut vor dem Sprung, wirft sich hinunter und erlebt dabei immer wieder Flashbacks. Die Liebe zu einer Kollegin, die er bei Schwangerschaft verlässt (superkomisch, wie er sich bildlich Szenen und Entschuldigungen von Männern in ähnlicher Situation vorstellt), die Beziehung zu einer Prostituierten, der er einen Job vor der Kamera vermittelt, Drogen-Absturz und Reha in einer Entzugsklinik, Drehen eines Yoghurt-Spots in Florida und eine Autofahrt auf der Road to Hell – zur Musik von Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ läuft ein Animationsfilm ab, der einen blutigen Unfall zeigt. Als Pünktchen auf dem I dann noch eine von Octave rachelüstern ausgeheckte anarchische Version des Spots im Fernsehen. Auf verschiedenen, auch visuellen Ebenen wechseln sich Verschwörungstheorien, Systemkritik und dicke Klischees ab, eine atemlose Achterbahnfahrt ins Nirgendwo mit einem nicht unbedingt sympathischen Protagonisten, der sich zwischen Sein und Design verliert. Der Wahn wird zur Wirklichkeit und umgekehrt. Willkommen in der schönsten und verlogensten aller Welten. mk.

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