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Fakten und Hintergründe zum Film "127 Hours"

Fakten und Hintergründe zum Film "127 Hours"

Das bringt der Serienherbst auf Disney+

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Über die Produktion

An einem Freitagabend im April 2003 fuhr der 26jährige Aron Ralston nach Utah, um über das Wochenende im atemberaubend schönen und abgelegenen Canyonlands National Park zu wandern.

Sechs Tage später tauchte er wieder auf und berichtete die erstaunlichste Geschichte, die man jemals über das Überleben in freier Natur gehört hatte – und von (über-)menschlicher Stärke in echter Not.

Viele die die Geschichte von Ralstons Überleben in jenen grauenvollen 127 Stunden in der Wild­nis hörten – seine Hand gefangen unter einem herabgestürzten und unbeweglichen Felsblock, ausgerüstet mit knapper Verpflegung und wenigen Tropfen Wasser, einer Situation, der er nur durch einen Akt unglaublicher Tapferkeit entkommen konnte – fragten sich: Was hat er in diesem plötzlichen, extremen Moment der Erkenntnis durchgemacht? Wie schaffte er es, den Willen zu entwickeln, in so einer verzweifelten Situation durchzuhalten? Hätte ich das Gleiche getan, um zu überleben?

Diese Fragen faszinierten auch das Team um Regisseur Danny Boyle, Produzent Christian Colson und Drehbuchautor Simon Beaufoy, die zuletzt bei SLUMDOG MILLIONAIRE, der quirligen Liebesgeschichte aus den indischen Slums, die zu einer Oscar®-gekrönten internationalen Erfolgsstory wurde, zusammen gearbeitet hatten. Aber Boyle sah noch mehr in Ralstons beeindruckender Geschichte. Er erkannte die Chance, ein bahnbrechendes filmisches Erlebnis mit einem Ich-Erzähler zu inszenieren, das die Zuschauer mit verschiedenen emotional aufgeladenen Situationen packen konnte – Fantasie, Traum, Erinnerung, Bedauern oder Inspiration – während Ralston sich von tiefer Verzweiflung zu einem bewegenden, kraft­vollen neuen Bekenntnis zum Leben durchrang, das ihn schließlich tun ließ, was zuvor schier unmöglich erschien.

Schon beim Lesen von Aron Ralstons erfolgreichen Memoiren Im Canyon (Between a Rock and a Hard Place) zu lesen, wusste Boyle genau, welchen Film er aus dieser Geschichte entwickeln wollte: Ein besonders intensiver Einsatz der subjektiven Kamera sollte die persönliche Entwick­lung des Protagonisten nachvollziehbar machen, die Kamera sollte Aron bei seiner ultimativen Entscheidung für oder gegen das Leben quasi unter die Haut und in den Kopf dringen – in einer Weise, in der es kein anderes Medium könnte.

„Mir war klar, dass ich die Zuschauer mit Aron in den Canyon mitnehmen und nicht wieder gehen lassen wollte, bis er sich selbst befreite“, erklärt der Regisseur. „Natürlich sah ich hier eine außergewöhnliche Story über das Überleben in schwierigsten Umständen, aber ich denke, es gibt eine weitere Ebene in dieser Geschichte, die die Zuschauer überraschen wird. Es geht nicht nur um Arons Überleben, so unglaublich das allein schon ist. Aron hat eine Energie­quelle angezapft, die weit über seine bemerkenswerte Courage als Individuum hinaus geht und wir hatten die Hoffnung, das auf die Leinwand übertragen zu können. Da gibt es etwas, das uns alle verbindet, und wenn Aron, der in diesem Canyon von jeder Menschenseele verlassen scheint, sich auf die Idee der Gemeinschaft besinnt, dann passiert etwas ganz Gewaltiges.“

Boyle weiter: „Viele Leute sagen zu der Geschichte ‚Oh, ich weiß nicht, ob ich das tun könnte’. Aber ich denke, jeder von uns würde alles Geben für dieses eine Leben, das so wunder­voll ist und uns in Gang hält. Ich denke, was Aron in diesen sechs Tagen in dem Canyon erlebte, war die plötzliche Einsicht in den wahren Wert des Lebens. Eine Idee des Films ist, dass er nie­mals ganz alleine war in der Felsenschlucht. Physisch war er das natürlich, aber spirituell war er umringt von allen, die er jemals kannte, liebte oder von denen er je geträumt hatte. Das war das Besondere und es war uns wichtig, dieses Gefühl mit der Geschichte zu vermitteln.“

Der Regisseur war sich darüber im Klaren, dass er sich etwas vorgenommen hatte, das oberfläch­lich betrachtet, unmöglich schien. „Wir hatten uns vorgenommen einen Actionfilm zu drehen in dem sich der Held nicht bewegen kann!“

Wie kann Action gefilmt werden, wenn der Held des Films sich nur wenige Handbreit bewegen kann und sich seine Handlungen im Wesentlichen in seinem Kopf abspielen?

„Ich hatte das Gefühl, wir könnten den Film visuell und emotional so berührend und mit­reißend machen, dass die Zuschauer sich darin ähnlich verlieren würden wie Aron in den Canyons von Utah“, meint Boyle.

Für die Filmemacher gab es nur einen Schauspieler, der die Entschlossenheit und die Gefühle ausdrücken konnte, mit denen man die Zuschauer packen könnte. „James verfügt über eine außergewöhnliche technische Begabung“, sagt Boyle, „und die war nötig, denn 127 HOURS ist mehr oder weniger ein Ein-Personen-Film. Aber James ging noch darüber hinaus und er schien über jede Herausforderung, die sich ihm bot, froh zu sein. Er war einfach wundervoll für diese Rolle. Er arbeitete sich so in diese Rolle hinein, dass oft schwer zu unterscheiden war, ob es um James Franco ging oder um Aron Ralston.“

Was das Projekt für die Drehbuchautoren Boyle und Beaufoy besonders interessant machte, war die Tatsache, dass es sich hier um das diametrale Gegenteil zu ihrer vorherigen Zusammenarbeit bei SLUMDOG MILLIONAIRE handelte. Nach den Dreharbeiten in der Riesenmetropole Mumbai befand sich ihr Set jetzt in der klaustrophobischen Enge eines Canyons am Ende der Welt - gerade groß genug um einen Menschen hinein zu quetschen.

„Es war eine ganz außergewöhnliche Erfahrung, von den Massen in Mumbai, wo man von einer Milliarde Menschen umgeben ist, in das andere Extrem zu wechseln: In die Situation eines Mannes, der ganz auf sich selbst geworfen ist“, meint Boyle. „Es war ein heftiger Kontrast und eine sagenhafte Herausforderung. Die Filme könnten unterschiedlicher nicht sein – und dennoch, in gewisser Weise handeln beide davon, Unmögliches möglich zu machen.“

127 HOURS erinnert an die große Tradition von Filmen, die sich mit Menschen beschäf­tigen, die von der Natur an ihre Grenzen getrieben werden, von CALL OF THE WILD („Ruf der Wildnis“, 1972) bis TOUCHING THE VOID („Sturz ins Leere“, 2003). Aber 127 HOURS setzt sich von den Vorgängern dadurch ab, als er viel eher dem Leben an sich als dem einzelnen Individuum ein Denkmal setzt. „Während er in der Falle saß, hätte Aron von jeglichem menschlichem Kontakt nicht weiter entfernt sein können, aber das weckte in ihm die Erkenntnis, wie wichtig all die Menschen und geliebten Personen waren, die er zurück gelassen hatte. Die Erinnerung hielt in ihm die Verbindung zum Leben aufrecht und verhinderte, dass er aufgab. Darum geht es in diesem Film. Es ist definitiv nicht nur die Ein-Mann-Geschichte, die es oberflächlich betrachtet zu sein scheint“, sagt Boyle.

Das nahm auch Everest Entertainment für die Geschichte ein, die die Finanzierung des Unternehmens unterstützten. „Es freut mich sehr, dass Everest sich daran beteiligt, eine so aus­sagekräftige Story zum Leben zu erwecken“, sagt Lisa Maria Falcone. „Wir sind ständig auf der Suche nach leidenschaftlichen und unvergesslichen Projekten, die beim Publikum nachwirken und 127 HOURS ist da ein Paradebeispiel.“

Produktion: Das Drehbuch

Kaum hatte Danny Boyl die Story von Aron Ralston entdeckt, schickte er seinem Produktionspartner Christian Colson, der SLUMDOG MILLIONAIRE produziert hatte, ein Exemplar von Ralstons Buch. Colson gibt zu, dass er nicht sofort begeistert war.

„Ich las es und dachte, das ist in der Tat eine unglaubliche Geschichte, aber es gibt keine Chance, einen Film daraus zu machen – und das sagte ich Danny“, erinnert er sich. „Danny schickte mir dann ein Treatment, das er geschrieben hatte und das nur sechs Seiten lang war, aber es brachte sein ganzes erzählerisches Konzept auf den Punkt, mit all seinen außergewöhnlichen Verschachtelungen und visuellen Ideen. Als ich das gelesen hatte änderte ich meine Meinung sofort und sagte, ‚Los, lasst es uns machen.’ Es war eine große Herausforderung für die Dreh­buchautoren, aber Danny hatte Lösungen gefunden, die Story durchgehend auf einem spannenden und emotional reizvollen Level zu halten, indem er dem Zuschauer eine Identifikation mit dem Ich-Erzähler ermöglichte.“

Die Rechte an Ralstons Lebensgeschichte wurden zu jener Zeit von John Smithson, einem führenden Dokumentarfilm-Produzenten, gehalten. Colson traf Smithson in London und sie erarbeiteten einen Deal für einen abendfüllenden, auf Boyles Treatment basierenden Spiel­film, bei dem Smithson als Producer mit von der Partie sein sollte.

Boyle begann sofort an einem Drehbuch zu arbeiten und stellte zwei Fassungen fertig, bevor er gemeinsam mit Colson Simon Beaufoy als Ko-Autor ins Team holte, mit dem sie bereits bei SLUMDOG zusammen gearbeitet hatten.

Boyle wollte Aron Ralston unbedingt kennen lernen und dieser Prozess begann dort, wo Arons Leben – zumindest das, was er bis dahin kannte – im Wesentlichen geendet hatte: Im Blue John Canyon nahe Moab in Utah. Boyle und Colson brachen mit Ralston im Juli 2009 zu einem ersten Trip auf und wanderten und kletterten durch die engen Fels­schluchten, die für immer mit Ralstons Schicksal verbunden sein werden. Eine unerlässliche Vor­aussetzung für Ralston, denn bevor sie weiter machten wollte er, dass die Filmemacher eine tiefe Vertrautheit zu dieser rauen, zerfurchten Landschaft entwickelten, die für ihn noch immer die Welt bedeutet.

Anfangs war Ralston unsicher, wie er Boyles eher fantasievollen Zugang einschätzen sollte. „Ich hatte gefühlsmäßig meine Probleme damit, denn obwohl mir klar war, dass wir einen dramatischen Film machen wollten, sperrte ich mich dagegen, dass wir uns von den Fakten meiner Geschichte entfernten“, gibt er zu.

Aber schließlich reizte Ralston die Chance, durch tiefschürfendes und fesselndes Geschichtenerzählen zu einer inneren Wahrheit vorzudringen und er öffnete sich den Filme­machern mit seinen ganz persönlichen Erinnerungen und seinen intimsten Gefühlen. „Ich habe diese Geschichte erlebt und sie wird immer ein ganz zentraler Teil von mir sein, aber mir wurde bewusst, dass wir die Kreativität brillanter Drehbuchautoren brauchten, um einen Film zu machen, der den Zuschauern das Gefühl vermitteln kann, das alles selbst erlebt zu haben“, meint er.

Ralston freundete sich auch mit Simon Beaufoy an und wanderte mit dem Drehbuchautor durch das Hochland Colorados. „Wir kraxelten in den Bergen herum und unterhielten uns über meine Vergangenheit“, erinnert er sich. „Simon ist selbst ein Outdoor-Freak und wir hatten gute Gespräche, die ihm wichtige Aspekte für das Buch vermittelten.“

Ohne jede Zurückhaltung zeigte er den Filmemachern auch die äußerst privaten Video-Mitteilungen, die er während seiner „Gefangenschaft“ im Canyon gedreht hatte, um Freunden und der Familie etwas zu hinterlassen, falls er ums Leben kommen sollte.

„Dieses Material war äußerst hilfreich für uns und für James Franco“, sagt Boyle. Ralston war genauso begeistert von ihrer Zusammenarbeit. „Es war ein großartiges Erlebnis mit Danny zusammen zu arbeiten“, sagt er. „Er ist sehr einfühlsam und kreativ und besonders sensibel im Umgang mit dieser sehr persönlichen Geschichte. Schon bevor wir uns das erste Mal trafen hatte er enorm viel Recherche und Vorbereitung geleistet. Und ich habe mich sehr gefreut, dass er mich immer beteiligt hat. Bei all den neuen Fassungen, Sitzungen und Interviews mit den Schau­spielern, war ich mehr involviert als ich erwartet hatte.“

Ralston gab den Filmemachern unzählige Informationen, die das Team in die Lage ver­setzte, viele der erstaunlichen physischen Details seines Überlebenskampfes nachzubilden, von zusammengebastelten Seilen, die ihm das Schlafen ermöglichten bis zum Auffangen seines Urins zum Trinken. „Wir wollten möglichst nah an der Wirklichkeit von Arons Gefangenschaft sein“, sagt Produzent Colson. „Daher benutzten wir genau die Ausrüstung, die er in seinem Rucksack hatte, genau die Menge an Wasser, die Qualität der Schneide seines Messers und jedes kleinste Detail seiner Vorbereitungen. Wir hatten das Gefühl, wir sollten und konnten uns gerade an diesem Punkt keine Ungenauigkeiten erlauben.“

Nachdem sie Aron besser kennen gelernt hatten, erkannte Boyle die Notwendigkeit, eine persönliche Beziehung zu dem Material herzustellen. „Aron hat die Geschichte viele Male in seiner Art erzählt, aber ich wusste, um einen Film zu machen, musste ich quasi diese Blase aufstechen und hinein kriechen, um meine eigene Version seiner Story erzählen zu können“, sagt er. „Das Großartige an Aron ist, dass er uns genau das wirklich erlaubte: Es ist Arons Geschichte, aber wir erzählen sie…“

Boyle interessierte sich besonders für den Aspekt, der in Ralstons Geschichte versteckt schlummerte: Die Geschichte eines Mannes, der sich nie besonders weit aus dem Fenster gehängt hatte und der ein Individualist ist bis zu dem Moment, an dem er die Intensität und die Bedeutung seiner Beziehung zu anderen Menschen endlich richtig einschätzen kann. „Aron war ein Muster­exemplar – selbstgenügsam, unabhängig, sportlich, einfallsreich – aber kein perfekter Mann“, meint Boyle, den es besonders bewegte, dass Ralston, als er wirklich allein und dem Tod ausge­liefert war, nur an andere Personen seines Lebens denken konnte – in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft – und welche Bedeutung das für ihn hatte, wie sehr ihn das motivierte, immer noch einen Tag weiterleben zu wollen.

„Aron sah sich als Einzelkämpfer, aber was ihn schließlich am Leben hielt war das Rudel, die Herde, die Gesellschaft. Das wurde für mich die Botschaft des Films. ‚Ich brauche Hilfe’ sagt Aron als er schließlich gegen Ende des Films seinen Rettern entgegen läuft. Ja, die braucht er. Die brauchen wir alle. Darum leben wir in Gemeinschaften.“, sagt Boyle.

Später, als Ralston den Regisseur am Set beobachtete, wurde ihm klar, dass sich Boyle die Story, im besten Sinne des Wortes aneignete. „Er war jeden Moment ganz bei der Sache. Als ich das begriff, war ich überglücklich!“

Boyles Annäherung an das Thema war die einzige Weise in der sich Ralston „seine“ sechs Tage auf der Leinwand vorstellen konnte. „Ich war allein, aber ich versuchte, mit meinen Liebsten durch Erinnerungen und Fantasien, selbst durch eine Art außerkörperlicher Erfahrungen verbun­den zu bleiben. Das war ein ziemlich abgefahrener Zustand, zumal ich immer weiter dehydrierte und meine Schlaflosigkeit und Verzweiflung rapide zunahmen. All diese Sachen schalteten quasi nach und nach mein Hirn aus, bis nur noch emotionale Verbindungen übrig blieben“, erinnert sich Ralston. „Danny ist es wirklich gelungen, diese Erfahrungen im Film einzufangen.“

Für Ralston war es ein ziemlich surreales Erlebnis, die tiefgründigste Erfahrung seines Lebens von James Franco und der Crew vorgespielt zu bekommen – und seine Anwesenheit am Set ließ ihn zurück taumeln in die Erlebnisse und Gefühle jener sechs Tage. „Es war als ob mein 2010-Ich auf mein 2003-Ich zurück blickt und dabei zuschaut, wie ich dem Canyon entkomme“, sagt er.

Der Film brachte Ralston an einem besonders denkwürdigen Datum zurück in den Blue John Canyon: am 7. Jahrestag seines Unfalls. „Für Aron war es offensichtlich besonders berüh­rend zu diesem Zeitpunkt wieder dort zu sein und ich glaube, diese Wirklichkeit ist im Film zu spüren“, sagt Colson.

Ralston erlebte einige intime Momente, deren emotionale Intensität kaum zu beschreiben war, als er einen unbeobachteten, schweigenden Augenblick lang dem Felsen, dem Canyon und all den Wundern die sein Leben seit dem unerwarteten, lebensverändernden Erlebnis bestimmten, seine Aufwartung machte. „Es war sehr persönlich“, sagt er. „Ich bin fast gestorben an diesem Ort, aber als ich wieder dort ankam, erlebte ich eine Art Wiedergeburt. Ein Leben war vorüber und ein anderes begann. Ich fand es sehr bemerkenswert, dass wir zu dieser Zeit im Blue John Canyon drehen wollten, genau in dieser Woche meines Neuanfangs. Es erinnerte mich daran, dass ein Ende auch ein neuer Anfang sein kann.“

Der Tag an dem er sich befreite war für Ralston in vieler Hinsicht ein Neubeginn. In einer der beeindruckendsten Szenen des Films, die Ralston tatsächlich so erlebt hat, halluziniert er eine Figur aus einer möglichen Zukunft: ein Junge, der sein eigener noch nicht geborener Sohn sein könnte. Während der Produktion bewahrheitete sich diese prophetische Phantasie als Arons erster Sohn geboren wurde.

Aus heutiger Sicht und mit eigener Familie, glaubt Ralston, dass alles in seinem Leben auf diesen einen Moment der Abrechnung hinaus lief. „Ich fühlte mich schon immer vom Grenz­bereich zwischen Leben und Tod angezogen und dies war eindeutig der Kulminationspunkt“, sagt er. „An manchen Punkten, auf einem Berg, in einem Fluss oder in einer Schlucht drohte es mir zu weit zu gehen. Zur gleichen Zeit hatte es den Vorteil, dass alles was ich in meinem Leben getan hatte, jeder den ich gekannt hatte, jetzt zu einem Hilfsmittel wurde, auf das ich bauen konnte um zu überleben und mich weiter zu entwickeln.“

Ralston wird diese Erlebnisse und ihre Auswirkungen auf sein weiteres Leben immer mit Respekt betrachten. Er sagt: „Es war ein Wendepunkt. Es gab das, was vor dem Tag in Blue John Canyon war, und alles was danach kam. Es stellte sich als die größte Segnung heraus, die ich wohl jemals erleben werde.“

Produktion: Die Besetzung

Danny Boyle war sich von Anfang an darüber im Klaren, dass er etwas ganz Besonderes von seinem Hauptdarsteller erwartete, nicht nur von dessen darstellerischen Fähigkeiten, sondern auch von der physischen Kapazität, die die Figur des Aron nun einmal einforderte. Der Schau­spieler würde nicht nur in fast jeder Einstellung des Films sein und unter physisch äußerst beengten und mental belastenden Bedingungen arbeiten, sondern müsste die Kamera auch tief hinein schauen lassen in die ursprünglichsten Gefühle. Nicht mehr in der Lage sich zu bewegen, blieb Aron nur ein ungeschönter Blick auf sich selbst und auf den, der er gerne noch werden würde.

Aufgrund all dieser Voraussetzungen wollte Boyle jemanden, der sich mit Arons Persön­lichkeit identifizieren konnte – jemand mit Leidenschaft für wilde Landschaften und einer ausge­prägten Furchtlosigkeit, aber auch mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Diese Qualitäten und die notwendigen schauspielerischen Fähigkeiten schienen sich perfekt in James Franco zu vereinen, der in seiner Generation zu den ganz außergewöhnlichen Talenten zählt. Zu den von Franco verkörperten Figuren gehört die Ikone James Dean in dem gefeierten Fernsehfilm „James Dean – Ein Leben auf der Überholspur“ (2001), Saul Silver in PINEAPPLE EXPRESS („Ananas Express“, 2008), die Rolle von Harvey Milks Geliebten, gegenüber Sean Penn in dem preisgekrönten MILK (2008) und die Rolle des legendären amerikanischen Außenseiter-Poeten Allen Ginsberg in HOWL („Howl“, 2010). Der erst 32jährige Franco hat als Schauspieler in fast 60 Filmen mitge­wirkt, als Regisseur acht Filme inszeniert und darüber hinaus diverse Drehbücher und Sound­tracks geschrieben. Er hat kürzlich seinen MFA an der Columbia University erhalten und wurde zur Promotion in Yale angenommen.

Ralston selbst war begeistert von der Besetzung. „Ich war sehr glücklich, dass jemand mit diesen dramatischen Fähigkeiten die Figur spielen würde. Ich habe James in anderen Filmen gesehen und wusste, dass er es versteht, in die Figuren die er spielt, regelrecht hinein zu schlüpfen“, schwärmt er. „Ich konnte es kaum erwarten ihn zu treffen. Gemeinsam beschäftigten wir uns mit dem Video, das ich als meinen Letzten Willen und mein Testament aufgenommen hatte und mit dem ich mich von meinen Freunden und meiner Familie verabschieden wollte. Ich stellte auch einige Dinge für James nach, wie Körperpositionen, die ich während der langen Zeit die ich stehen musste eingenommen hatte und demonstrierte sogar exakt die Position, in der ich das Messer hielt, als ich in den Arm zu schneiden begann.“

Er ergänzt: „Es machte Spaß, James zu beobachten, wie er mir zu schaute, denn man konnte sehen wie sein Hirn arbeitete, wie es sich quasi die ganze Zeit über Notizen machte. Am Ende war es jedoch James’ subtiles Spiel, das den richtigen Zauber hervor brachte.“

Franco fühlte sich von der ersten Minute stark von der Rolle angezogen – und es stellte sich heraus, dass er noch nie eine vergleichbare Figur gespielt hatte. „Einer der Gründe, warum ich diese Rolle spielen wollte ist, dass sie aus so vielen kleinen, persönlichen Momenten zusammen gesetzt ist, Momenten wie wir sie alle haben, wenn wir uns vollkommen alleine fühlen“, sagt er. „Ich hatte das Gefühl, darin einen Teil von mir wieder zu finden, auf den ich mich direkt beziehen konnte. Die Story handelt hauptsächlich von einem Mann, der mit seinem eigenen Tod konfrontiert ist und der versucht den Weg zurück ins Leben zu finden – eine menschliche Situa­tion, die meines Wissens im Film bislang nicht oft behandelt wurde. Ich dachte es wäre auch eine wundervolle Gelegenheit, eine Geschichte durch kurze physische Aktionen und Arons ganz private Monologe mit seiner Videokamera zu erzählen. Es war völlig anders als bei den meisten Figuren, die ich bisher gespielt habe.“

Und weiter: „Es war auch deshalb sehr einzigartig, weil ich fast den ganzen Film über nicht wirklich mit anderen Schauspielern zu tun habe. Ich arbeite sehr gerne mit Kollegen zusammen, aber diese Arbeit war ganz ungewöhnlich und eine besondere Herausforderung. Der Fokus der Aufmerksamkeit war ein völlig anderer. Es war als ob ich lernen müsste mit meiner Umgebung zu spielen, mit den Felsen, der Schlucht und der Kamera.“

Obwohl Franco sich die Zeit nahm, Ralston kennen zu lernen und eine ausgedehnte Wanderung mit ihm unternahm, um Aron in seinem Element zu erleben, wollten weder er selbst noch Boyle versuchen, Ralstons physische Eigenarten für die Leinwand zu kopieren. „Dannys Zugang zum Film war die Auseinandersetzung mit der unglaublichen Situation in der sich Aron befand“, erklärt Franco. „Wir wollten weniger eine reale Person porträtieren als versuchen, diese menschliche Erfahrung spürbar zu machen.“

Franco rechnet Boyle hoch an, ihm dadurch geholfen zu haben, dass er ihn in engen, unbequemen Räumen arbeiten ließ, in denen er die meiste Zeit nicht im Gleichgewicht war. Er war so eng in die nachgebaute Schlucht eingeklemmt, dass er am Feierabend mit blauen Flecken, Hautabschürfungen und Narben gezeichnet war. „Es waren physisch anstrengende Dreharbeiten für mich“, gibt er zu. „Aber es war eine so interessante Situation, die ich darzustellen hatte und Danny ist ein fantastischer Regisseur. Er steckt voller Energie und Leidenschaft und schließlich kriegt er immer was er will.“

Mit einer weiteren für ihn ungewohnten Aufgabe musste Franco ebenfalls klar kommen: Anstelle de üblichen Film-Dialoge musste er hier direkt in eine Video-Kamera sprechen. „Es war fast als ob man einen altmodischen Shakespeare-Monolog zu sprechen hat, bei dem man direkt die Zuschauer anspricht“, erinnert er sich. „Es waren sehr ungewöhnliche Dreharbeiten für einen Film.“

Boyles unkonventionelle Ideen für diesen Film inspirierten Franco auch dann noch, als die Produktion ihn Tag und Nacht durchgefroren und auf qualvolle Weise bewe­gungslos in einer kühlen Schlucht gefangen hielt.

„Mir gefiel es besonders gut, dass Danny einen komplett gegensätzlichen Zugang zum Dreh eines Films in der Natur hatte, als andere Filmemacher. Anstatt sich die Langsamkeit der Natur zu Eigen zu machen, gab er dem Ganzen einen wundervoll urbanen Pulsschlag“, fasst Franco zusammen.

Um sich noch tiefer in die Figur einzuarbeiten, trainierte Franco an einer Kletterwand und verlor so viel Gewicht, bis er Ralston physisch ähnelte. Er las Bücher über Klet­terer und Abenteurer – und fragte sich insgeheim, ob er den Mut gehabt hätte, wie Aron zu handeln, um zu überleben. „Ich stellte mir vor, wie drastisch seine Umstände gewesen sein mussten – die Alternative war schließlich Leben oder Tod“ meint Franco. „Ich bin ziemlich zimperlich was Blut angeht, selbst in der Arztpraxis, aber in der Situation wäre ich damit klar gekommen. Ich mochte zumindest die Vorstellung, dass ich etwas unternehmen und nicht einfach da rumsitzen würde.“

„Diese Figur kämpft wirklich gegen den Tod und Aron musste für die Chance frei zu kommen, das Risiko eingehen zu sterben. Für mich ging es darum, zu sehen, wie eine Person mit dieser Einsamkeit fertig wird, mit seinen Ängsten, seinen Schmerzen und wie ihn diese Situation mit existenziellen Fragen konfrontiert.“

Die Filmemacher beobachteten, wie Franco tiefer und tiefer in diesen persönlichen Ab­grund hinunter tauchte und schließlich auf der anderen Seite wieder zum Vorschein kam. „Ich finde James Francos Arbeit an diesem Film ist genauso wichtig wie die, die Danny geleistet hat. Es war wie ein Duett“, kommentiert Christian Colson. „Franco verkörpert die Figur total und gab eine unglaubliche, eine einzigartige Darbietung.“

Obwohl der Film ganz eindeutig auf James Franco als Aron Ralston fokussiert ist, war auch die Besetzung der Nebenrollen für die Filmemacher von großer Bedeutung.

„Wenn man nur wenige Nebenrollen zu besetzen hat, nimmt deren gefühlsmäßige Bedeutung zu, das war uns allen bewusst“, sagt Colson. „Ich mag es sehr, dass Amber Tamblyn und Kate Mara als die beiden Mädchen, die Aron zu Beginn seiner Wanderung trifft, so lustig und leicht auftreten. Obwohl ihre Begegnung mit Aron blitzschnell vorbei zu sein scheint, bekommt sie retrospektiv eine immense Bedeutung, indem sie zu seiner letzten Erinnerung an einen realen menschlichen Kontakt, an Interaktion und das Gefühl völliger Lebendigkeit wird.“

Auch wenn sie und Kate Mara eine Art freudige und komische Ruhe vor dem Sturm sind, erinnert sich Tamblyn die Dreharbeiten als „wahnsinnig sportlich mit jeder Menge Wandern, Laufen und Schwitzen.“ Aber sie sagt auch: „Es war ein Highlight meines Lebens mit einem so erstklassigen Filmemacher in diesem hinreißenden Teil des Landes zu arbeiten. Kate und ich hatten die Aufgabe, diese leichte, komische und unbekümmerte Atmosphäre zu Anfang des Films herzustellen, ein ganz natürliches Gefühl, das aber einprägsam genug war, um für Aron später wirklich wichtig zu werden. Das war sehr aufregend.“

Arons Eltern werden von Treat Williams und Kate Burton und seine Schwester von Lizzy Caplan gespielt. Die Rolle von Arons Freundin - der jungen Frau, der gegenüber er während seines Überlebenskampfs im Canyon bedauert, sich ihr zuvor nicht ausreichend geöffnet zu haben – besetzten die Filmemacher mit Clémence Poésy, einem aufstrebenden Talent an Frankreichs Kinohimmel, die als Fleur Delacour in den HARRY POTTER-Filmen bekannt geworden ist.

„Die Szenen mit Arons Familie und seinen Freunden sind wirklich schön geworden“, sagt Colson. „Sie haben eine elegische Qualität und vermitteln einem das tiefe Gefühl, dass Aron zurückkehren muss in die Welt und zu den Menschen, die er liebt.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Die äußerst ungewöhnlichen Bedingungen der Dreharbeiten zu 127 HOURS erforderten von Danny Boyle und seinem Team kreatives Denken, das weit über die Anforderungen üblichen Filmemachens hinausging. Für Boyle steckte alles in einem einzigen Wort: Dynamik. Seine Antriebskraft richtete alle seine Energie darauf, die Leinwand zu jeder Sekunde mit Bewegung und Gefühl zu versorgen, egal wie wenig sich äußerlich für Aron während der Tage und Nächte veränderte.

Gleich zu Beginn des Films legt Boyle die hohe Drehzahl und die große Anspannung im Film fest, indem er Aron bei seinen waghalsigen Outdoor-Aktivitäten permanent folgt. Er fliegt auf seinem Mountain-Bike durch die farbenfreudige Wüste, kraxelt mit zwei Mädchen, die er auf seiner Wanderung trifft, über rote und goldene Felsen und springt selbstvergessen in blaue Tümpel. Dann kommt die Welt für Aron zu einem abrupten Halt und alle Bewegung findet ab jetzt in seinen Gedanken statt.

Als sich unvorhersehbare Ereignisse während seiner Gefangenschaft entwickeln, darunter ein Unwetter, das sich als tosende Sturzflut ergießt, schrumpft Arons Gesichtsfeld auf das zusammen, was er aus seinem Canyon erblicken kann – ein wenig Himmel, Sonnenreflexe, einen mysteriösen Raben, seinen eigenen beschädigten Körper … und alles was ihm durch den Kopf geht.

Für Boyle war die genaue Wiedergabe des nicht zu bremsenden, dynamischen Arons eine Herausforderung an seine eigene Fantasie und seine Fähigkeiten. Er sah die Lösung in einer kreativen Mischung ver­schiedener Kamera- und Schnitttechniken, die er direkt ins Drehbuch geschrieben hatte – darunter Unterschneidung, Triptychon-Montage oder der Mix unterschiedlichen Filmmaterials. Aber um sich des wirklich größtmöglichen visuellen Inputs zu versichern, entschied es sich für etwas, war noch nie realisiert wurde: Er engagierte zwei erstklassige Kameramänner, die den Film gemeinsam drehen sollten.

„Wir entschieden uns zwei Kameramänner zu beschäftigen - Anthony Dod Mantle, den Kameramann von SLUMDOG MILLIONAIRE und Enrique Chediak, der 28 WEEKS LATER („28 Wochen später“, 2007, TV) gedreht hat – weil wir verschiedene Herangehensweisen wollten und weil die kreative Kameraarbeit in gewisser Weise die Tatsache wett macht, dass nur wenige andere Schauspieler in dem Film mitmachen“, erklärt der Regisseur.

„Anthony und Enrique sind jeder für sich genommen sehr interessante Persönlichkeiten, die stilistisch vollkommen unterschiedlich arbeiten. Enrique hat eine ausgeprägte südamerika­nische Sensibilität während Anthony einen eher nordeuropäischen Stil vertritt. Wir statteten jeden von ihnen mit drei Kamerasystemen aus – traditionelle Filmkameras, Digitalkameras und Foto­kameras – und bekamen daher eine ungewöhnliche Vielfalt an Filmmaterial. Beide schossen wunderschöne, starke Bilder, die einem das Gefühl ständiger Veränderung geben, die Vorstel­lung, dass Aron auf einer großen Reise ist, selbst wenn er sich nicht mehr als einige Zentimeter bewegte.“

Die Arbeit mit zwei großen Kamerateams brachte ganz eigene logistische Herausforde­rungen mit sich, aber Colson sah diese auch als Chance. „Es war spannend, dass das vor uns wirklich noch niemand gemacht hatte. Danny entwickelte die Idee relativ früh während der Vorpro­duktion und wir alle mussten uns schnell damit auseinandersetzen“, bekennt er. „Aber wir ent­deckten bald, dass der Nutzen immens war. Wir waren in der Lage den Drehplan zu kompri­mieren und gleichzeitig viel mehr an kreativer Energie frei zu setzen. Die Aussicht, damit auch noch die Drehzeit zu verkürzen, war belebend für James’ Spiel. Alle fühlten sich kontinuierlich entspannter, weil ein anderer Kameramann übernahm und in neuer Weise die Arbeit fortsetzte.“

Mantle und Chediak betonen, dass sie sich nie als Konkurrenten empfanden, sondern eher Synergieeffekte nutzten. „Wir sind als Künstler beide sensibel und verletzlich, aber trotzdem sehr unterschiedliche Persönlichkeiten“, erklärt Mantle. „Wir haben unterschiedliche Sichtweisen, aber doch große Gemeinsamkeiten. Anfangs kannten wir uns nicht und brauchten eine gewisse Zeit um eine Verbindung herzustellen. Als die Dreharbeiten begannen, arbeiteten wir unabhängig voneinander und doch in vollem Vertrauen auf die Bilder des anderen.“

„Es entwickelte sich ganz von selbst natürlich so, dass ich meine Arbeit machte und er seine. Aber die Ergebnisse ließen sich bestens untereinander mischen, weil wir sehr ähnliche Sensoren haben“, sagt Chediak.

Beide waren begeistert von dem Vorhaben, so zu drehen, dass die schmale Trennungs­linie zwischen Leinwand und Zuschauer für zwei Stunden aufgehoben werden sollte.

„Wir arbeiteten mit diesen verschiedenen Schichten – Stimmungen, Farben, Kamera­bewegungen - und mit was wir finden konnten, um die Fantasien, die Erinnerungen und die Denkmuster dieses Mannes sichtbar zu machen“, erklärt Mantle. „Danny wollte, dass wir die Zuschauer komplett in diesen Canyon und in Arons Gedanken ein­tauchen lassen und unsere Kameras dazu benutzen, das Publikum vom Physischen zum Geistigen und zum Gefühl zu lenken. Wir mussten weitgehend unserem Instinkt folgen, um die Kamera Teil von Arons Psyche werden zu lassen - wir mussten über Bildausschnitte und Beleuchtung hinaus denken, denn bei diesem Film ging die Technik erheblich weiter.“

„Wir erarbeiteten eine ganz neue visuelle Grammatik nach der drei Bildebenen verknüpft werden können“, erklärt Mantle. „Es war eine einmalige Chance, so etwas machen zu können.“

Und Boyle ergänzt: „Es war eine interessante Möglichkeit die Qualität und Eintönigkeit von Arons Tagen einzufangen, ohne die Zuschauer zu zwingen, sich tatsächlich durch die 127 Stunden zu quälen. Zudem ermöglichte es uns gleichzeitig zu reflektieren, was tatsächlich in dem Canyon passierte, und was Arons Gedanken daraus machten.“

Colson fasst zusammen: „Danny und die beiden Kameramänner brachten ihre eigenen Bildsprachen in den Film ein, um Tempo, Energie und die Handlung voran zu treiben. Nicht mal die Rückblenden sind konventionell, denn Arons Erinnerungen platzten so urplötzlich in den Canyon, wie sie ihn auch damals überfallen hatten.“

Auch die Annäherung des Films an die längst zur Ikone gewordene Western-Landschaft wurde von Boyle und den Filmemachern gründlich durchdacht. „Die Natur hier draußen wurde in Hunderten von klassischen Western abgebildet, aber wir wollten einen neuen, unverstellten Blick darauf werfen“, sagt Mantle. „Die Natur dient nicht nur als Hintergrund sondern als emotionale Land­schaft und wir drehten in gefühlsmäßig aufgeladener Art und Weise. Die Landschaft ist schön, aber erbarmungslos.“

„Wir versuchten im Canyon, mit der Schlucht als Kulisse Arons psychische Belastung sichtbar zu machen“, sagt Chediak. „Aber es ist der Canyon der eingefangen wurde – das Flimmern in der Kamera, die Unbehaglichkeit, die Sonne, die Hitze, der Staub –, um den Geistes­zustand einer Person wiederzugeben, die mit größter Wahrscheinlichkeit dem Tod geweiht ist.“

Allen Beteiligten war es wichtig, Teile des Films an exakt den Orten zu drehen, an denen Arons Schicksal seinen Lauf genommen hatte, im Blue John Canyon: einer engen, steil abschüssigen Sandstein-Drainage im Canyonlands National Park.

Bis heute ist diese Schlucht nur Abenteuer suchenden Wanderern, Kletterern und Canyonfreaks bekannt, der Blue John ist so abgeschieden, dass ein Helikopter benötigt wurde um die Crew, die Schauspieler und die nötige Ausrüstung hinein und heraus zu transportieren und die Beteiligten in einem Camp in der Wildnis übernachten mussten.

Zusätzlich zum Original im wirklichen Blue John Canyon baute der Produktions- und Kostümdesigner Suttirat Larlarb (SLUMDOG MILLIONAIRE) die knapp einen Meter breite Nische, in der Ralston gefangen war, in einem Studio nach, was mehr Flexibilität und Sicherheit für längere Dreharbeiten ermöglichte. Um das Aussehen der Felslandschaft wirklich akkurat zu rekonstruieren, kartografierte das Team jede Kontur der Gegend und baute die kurvigen Wände des Canyons sowie den 360 kg schweren Felsbrocken nach, der Aron gefangen hielt.

Jedes Element des Films, von der Kameraarbeit und dem Design bis zu A.R. Rahmans (SLUMDOG MILLIONAIRE) großartiger und vielseitiger Originalmusik und James Francos intensivem Spiel steigert sich bis zum Moment Arons unglaublicher Befreiung. Was als schockierender und drastischer Unglücksfall beginnt, wird zu einem mitreißenden Befreiungsschlag, wenn Aron dem Ort, der fast seine Letzte Ruhestätte geworden wäre, entkommt, und dabei absolut an seine Grenzen geht.

„Der Film steigert sich in dem Moment zu einem ungewöhnlichen Gefühl von Befreiung und Energie“, sagt Colson. „Nachdem man mit Aron in seiner Falle gesteckt hat, die so brutal und so real war, bekommt man dieses wundervolle Gefühl, dem Tod zu entkommen und die Welt wieder zu umarmen. Ich finde 127 HOURS ist nicht nur ein Film von großartiger Action sondern auch von großer Schönheit geworden.“