Die Mumie Poster

„Die Mumie“ Kritik: Tom Cruise liefert einen soliden Auftakt für das Dark Universe

Andreas Engelhardt  

Film-Universen sind der jüngste Trend der Kinolandschaft. Neben den Superhelden von Marvel und DC möchte jetzt auch Universal sein Publikum über einen Film hinaus binden und belebt deswegen seine klassischen Horror-Monster wieder. Den Auftakt im sogenannten Dark Universe bildet „Die Mumie“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle, doch reicht die Star-Power zu einem gelungenen Debüt oder versandet die erhoffte Franchise bereits zum Start?

Nachdem „Dracula Untold“ kurzerhand aus dem Dark Universe gestrichen wurde, soll das Publikum nun mit einem Reboot zu „Die Mumie“ für zukünftige Einträge heiß gemacht werden. Als Gallionsfigur konnte man dafür Tom Cruise gewinnen, der den verschlagenen Protagonisten Nick Morton spielt. Eigentlich handelt es sich bei ihm um einen Aufklärer für das US-Militär im Irak, in Wirklichkeit hat er es zusammen mit seinem Partner Chris (Jake Johnson) aber vielmehr auf teure Artefakte abgesehen.

Bei ihrer illegalen Suche stolpern die Plünderer über das Grabmal von Ahmanet (Sofia Boutella), einer ägyptischen Prinzessin, die zu Lebzeiten einen Pakt mit Seth, dem Gott des Todes, geschlossen hatte. Bevor sie diesen in unsere Welt holen konnte, wurde sie jedoch gestoppt und lebendig mumifiziert. Als ihre Totenruhe von Nick gestört wird, erkennt sie in ihm ihren neuen Auserwählten, mit dessen Hilfe sie Seth einen Körper schenken und die Erde unterjochen möchte.

„Die Mumie“ vs. „Die Mumie“

Die meisten Kinogänger erinnern sich sicherlich noch an den gleichnamigen Vorgänger von „Die Mumie“ aus dem Jahre 1999, in dem Brendan Fraser und Rachel Weisz die Hauptrollen übernahmen. Ein Vergleich mit dem aktuellen Reboot drängt sich nicht nur aufgrund des Titels und des identischen Monsters auf, sondern auch aufgrund der ähnlichen Figurenkonstellation. Tom Cruise gibt den Draufgänger, Annabelle Wallis die weibliche Gelehrte und potentielle Liebschaft der Hauptfigur und Jake Johnson den panischen, Witze reißenden Side-Kick.

Zu Beginn des Films dominiert deswegen der Eindruck, man kopiere schlicht die Vorlage, doch schnell werden die Unterschiede offenkundig. Nick Morton fehlt der Charme eines Rick O'Connells, was aber keineswegs an Tom Cruises schauspielerischen Fähigkeiten liegt. Vielmehr ist sein Charakter von vorneherein darauf angelegt, ein Ekel zu sein, denn „Die Mumie“ dreht sich zentral um die Frage, ob in Nick ein guter Mensch verborgen ist oder nicht. Dem Zuschauer wird es dadurch etwas schwierig gemacht, sich auf das Abenteuer entführen zu lassen, da ihn keine der Figuren richtig bei der Hand nimmt.

Johnny Depp und Javier Bardem mischen das Dark Universe auf

Wallis hat im Gegensatz zu Weisz nicht die Qualität, um den Film mit ihrer Präsenz ein Stück weit zu tragen und ohnehin wird sie stärker auf ihr Aussehen als auf ihren Intellekt reduziert. Und Jake Johnsons vermeintlich generische Rolle als blödelnde Randerscheinung erfährt zwar eine unerwartete Wendung, die durchaus Potential hat, leider aber so die Qualitäten des Schauspielers nicht konsequent nutzt.

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Sofia Boutella (oder: Die weibliche Mumie als ungenutzte Chance)

Dass „Die Mumie“ ihr Potential nicht ausschöpft, ist ohnehin das größte Problem des Films. Bitte nicht falsch verstehen: Als rasanter Action-Blockbuster funktioniert der Film auf einem soliden Niveau, aber es drängt sich häufig der Verdacht auf, dass schlicht mehr möglich gewesen wäre.

Das wird vor allem bei der Mumie selbst deutlich, die Sofia Boutella verkörpert. In „Kingsman: The Secret Service“ bewies sie eindrucksvoll, dass sie als Bösewichtin allen die Show stehlen kann und auch in „Die Mumie“ überzeugt sie durchaus mit ihrer Präsenz. Das Geschlecht des Monsters im Vergleich zum Vorgänger zu wandeln, war sicherlich kein Zufall und eine übermächtige Schurkin hätte durchaus einen gewissen Reiz bringen können. Leider ließ man diese Chance ungenutzt, denn Ahmanet wird ebenfalls zu oft auf ihre äußerliche Schönheit reduziert, wenn sie beispielsweise leicht bekleidet Männer verführt oder in Ketten liegt. Zwar nutzt sie ihr Aussehen bewusst ein, um ihre Ziele zu erreichen, in der Welt von „Die Mumie“ wird sie jedoch sowieso dazu gezwungen, denn Seth benötigt offensichtlich ein durchaus erotisch anmutendes Ritual, um Gestalt annehmen zu können.

Solide Action aus der Hollywood-Fabrik

Die meisten Kinogänger wird aber wohl ohnehin mehr die Action interessieren und diesen Bereich verfolgt das Reboot deutlicher als sein Vorgänger. Die engen, schaurigen Tunnel des 1999er-Films wurden beispielsweise durch mehrere internationale Schauplätze eingetauscht, die im Gegenzug jedoch oftmals auch die bedrohliche Atmosphäre vermissen lassen. Kleine Warnung an alle Eltern: Ahmanet und ihre Gefolgsleute sorgen dennoch für den ein oder anderen Schockmoment.

Bei der Action selbst setzt man eher auf Masse denn Klasse. Wir hätten da Mumien-Zombies, Kamikaze-Vögel (Hitchcock lässt grüßen), Verfolgungsjagden zu Lande, zu Wasser und in der Luft sowie zahlreiche Schlägereien und die obligatorischen Explosionen. Regisseur Alex Kurtzman schafft es allerdings selten, mehr als gewohnten Hollywood-Durchschnitt auf die Leinwand zu bringen.

Wer an Action-Filmen generell seinen Spaß hat und nicht mehr erwartet, kommt hier definitiv auf seine Kosten und wird den Gang ins Kino sicherlich nicht bereuen. Wer Innovationen sucht, wird wohl lediglich mit dem aus den Trailern vermutlich bekannten Flugzeug-Absturz zufrieden sein; die restlichen Action-Sequenzen werden schlicht von zu vielen Schnitten und einigen Anschlusslücken dominiert.

Willkommen im Dark Universe

„Die Mumie“ ist also unter dem Strich ein solider Action-Blockbuster, doch wurde uns auch ein guter Auftakt für das Dark Universe geliefert? Kurz und knapp: Ja. Universal entschied sich für eine Art Mittelweg zwischen Marvel und DC und präsentiert einen Solo-Film, der eigenständig durchaus funktioniert, jedoch im Mittelteil etwas abdriftet und eine größere Welt jenseits des aktuellen Monsters andeutet.

In dieser Phase lernen wir auch Russell Crowe in seiner Rolle als Dr. Henry Jekyll kennen, der eine Art Nick Fury (Samuel L. Jackson) des Dark Universe werden soll. Dem zweiten Hollywood-Schwergewicht des Films gelingt es spielend, sämtliche Szenen, in denen er zu sehen ist, an sich zu reißen. Crowe hatte sichtlich Spaß, einen verschrobenen Wissenschaftler mit einem dunklen Geheimnis zu spielen, der über weiter Strecken von „Die Mumie“ zusätzlich den Märchen-Onkel gibt und uns erzählt, was hier eigentlich überhaupt passiert.

Sogar eine beliebte Disney-Figur wird Teil des Dark Universe

Gerade in diesen Momenten, in denen die Action pausiert, deutet „Die Mumie“ eine andere Qualität an, die das Dark Universe durchaus dominieren könnte und gerne dürfte. Passend zu Dr. Jekyll und seinem Alter Ego drängt sich hier die altbekannte Frage auf, wer wirklich der Gute und wer der Böse ist und einige angenehme moralische Grautöne mischen sich in den Film. Die philosophische Erörterung, ob sich diese beiden Extreme überhaupt trennen lassen, wird zwar lediglich an der Oberfläche angekratzt, doch könnte dies ein übergeordnetes Thema sein, das uns in den kommenden Werken eine Weile beschäftigt. Die Grundlage dafür wäre definitiv vorhanden.

Fazit: „Die Mumie“ liefert für Action-Fans einen soliden Blockbuster ab, der einen gelungen Einstieg in das größere Dark Universe darstellt. Wer sich lediglich unterhalten lassen will, macht mit diesem Film wenig falsch, alle anderen werden sich jedoch vermutlich an den ungenutzten Chancen stören.

Bildrechte: © Universal

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