Der Visionär unter den Regisseuren des Neuen Deutschen Films der 1960er und 1970er Jahre, suchte Werner Herzog stets "nie gesehene Bilder" und setzte mehr auf die Kraft seiner visuell berauschenden Filme als auf eine stimmige Dramaturgie. Gleichwohl schuf er Filme über die dämonische Seite der deutschen Seele und verstand sich als Erbe der Romantik sowie des expressionistischen deutschen Stummfilms. Sein Kaspar-Hauser-Film "Jeder für sich und Gott gegen alle" gewann 1975 in Cannes den Spezialpreis der Jury, sein 1978er Remake des "Nosferatu" von Friedrich Wilhelm Murnau braucht sich hinter dem Vorbild nicht zu verstecken.
Werner Herzog wuchs auf einem Bauernhof auf und brachte sich wie Stanley Kubrick das Filmen autodidaktisch bei. Er studierte Geschichte und Literatur und debütierte nach einigen Kurzfilmen 1968 mit "Lebenszeichen", in dem ein deutscher Soldat in Griechenland an seinem unsinnigen Auftrag und unter der Sonne leidet.
Mit "Aguirre, der Zorn Gottes" begann 1972 Herzogs internationaler Ruf. Die Geschichte des im Wahn endenden Konquistadors Lope de Aguirre, in Peru unter schwierigen Bedingungen gedreht, wurde zu einer bildmächtigen Vision von Aufbruch und Untergang, die nachweislich Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" beeinflusst hat. "Aguirre" war die erste Zusammenarbeit mit Klaus Kinski, dem von ihm bewunderten, geliebten und gehassten Darsteller, der noch in vier weiteren Filmen Herzogs die Hauptrolle spielte und dem Herzog 1999 den Dokumentarfilm "Mein liebster Feind" widmete.
Herzog drehte immer wieder Dokumentarfilme, die ähnlich visionär gelagert sind. Sein Hang zu abenteuerlichen Weltgegenden erschwerte die Produktionen, die oft am Rande des Scheiterns standen (z. B. "Fitzcarraldo"). Für seinen Kaspar-Hauser-Darsteller Bruno S., einen ehemaligen Heimzögling, inszenierte Herzog das Road-Movie "Stroszek", eine bewegende Ballade über einen Außenseiter, der in Amerika buchstäblich verloren geht. Herzogs "Schrei aus Stein" bezieht den Bergfilm à la Arnold Fanck ("Die weiße Hölle vom Piz Palü") in seine Visionen ein. Im Finale umkreist die Kamera unablässig einen Berggipfel. Die Kreisbewegungen der Kamera sind hier wie auch in den anderen Filmen Herzogs teils ironische Verweise auf die Sinnlosigkeiten von Suchbewegungen.
Nach 10 Jahren Spielfilm-Abstinenz meldete sich Herzog 2001 mit "Invincible", der auf Tatsachen basierenden Geschichte eines polnischen Schmieds zurück. Auf einen dokumentarischen Beitrag über einen zurückgezogen lebenden Stamm am Amazonas für das Kurzfilm-Projekt "Ten Years Older - The Trumpet" folgte der Dokumentarfilm "Rad der Zeit", der ein buddhistisches Initiationsritual beleuchtet.
Im Dokumentarfilm "The White Diamond" begleitet Herzog einen englischen Ingenieur, der in seinem Mini-Luftschiff den Baumkronenbereich des tropischen Regenwaldes von Guayana erkundet. "Grizzly Man ", 2005 erschienen, erzählt von Timothy Treadwell, einem Tierschützer, der 13 Sommer lang mit Bären in Alaska lebte, dann aber 2003 durch einen Bärenangriff getötet wurde. 2006 erhielt Herzog dafür unter vielen anderen Preisen den Director Guild of America Award. Für seine Science Fiction Fantasy "The Wild Blue Yonder" über einen Außerirdischen, der von seinen Erfahrungen auf der Erde berichtet und einer Astronauten-Crew, die wiederum dessen Planeten erforschen, wurde er mit dem FIPRESCI Preis ausgezeichnet. Sein Kriegsdrama "Rescue Dawn" basiert auf seiner Dokumentation "Little Dieter Needs To Fly". Für seine Spielfilmversion engagierte er Christian Bale in der Hauptrolle des Dieter Dengler, der als amerikanischer Kampfpilot während des Vietnamkrieges abgeschossen wird und zu fliehen versucht.
Werner Herzog ist seit 2006 in dritter Ehe mit der Fotografin Lena Herzog verheiratet. Zwischen seiner Filmarbeit inszenierte Herzog in Spoleto, München und anderen Orten Opern. Wie Rainer Werner Fassbinder ist Werner Herzog dem Ideal des deutschen Autorenfilmers am nächsten gekommen.
Berlinale setzt auf deutsche Produktionen
Auch wenn's mitunter schwer zu verstehen ist: Berlin spricht Deutsch!
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Der Titel ist Programm: "Almanya - Willkommen in Deutschland" wurde in den Berlinale-Wettbewerb eingeladen (Foto: Concorde)
Die Berlinale (10. bis 20. Februar) hat nun die verbliebenen Titel des 22 Filme umfassenden Wettbewerbsprogramms bekannt gegeben, von denen 16 als Weltpremieren gezeigt werden. Erstmals werden auch 3D-Filme gezeigt, neben Wim Wenders' "Pina" kommen zwei weitere künstlerische 3D-Filme zur Aufführung: der Animationsfilm "Les contes de la nuit" von Michel Ocelot als Weltpremiere sowie als Sondervorführung außer Konkurrenz Werner Herzogs 3D-Dokumentarfilm "Cave of Forgotten Dreams".
"Almanya - Willkommen in Deutschland" (außer Konkurrenz) ist das Spielfilmdebüt von Yasemin Samdereli, eine Einwandererkomödie, die die Roxy Film GmbH produziert hat. Ein Held der sogenannten "Berliner Schule" ist Ulrich Köhler, er stellt seinen neuen Film "Die Schlafkrankheit" (Produzent: Komplizen Film auf der Berlinale vor. Wolfgang Murnberger ist mit seinem neuen Film "Mein bester Feind" (Aichholzer Filmproduktion) als Weltpremiere außer Konkurrenz dabei, eine im durch die Nazis besetzten Wien angesiedelte Tragikomödie mit Moritz Bleibtreu und Georg Friedrich.
Um den Goldenen Bären konkurriert der ungarische Filmemacher Béla Tarr mit "A Torinói ló", der in Koproduktion mit Vega Film AG in Zürich und der Berliner zero fiction film entstanden ist. Frisch aus Sundance kommt J.C. Chandors Debütfilm "Margin Call", in der Kevin Spacey, Jeremy Irons und Stanley Tucci mit der Finanzkrise ringen. Joshua Marston("Maria voll der Gnade") zeigt seinen zweiten Spielfilm "The Forgiveness Of Blood".
Aus Argentinien kommt "Un Mundo Misterioso" von Rodrigo Moreno, an dem Rohfilm als deutscher Koproduzent beteiligt ist. Auch das mexikanische Spielfilmdebüt "El premio" von Paula Markovitch, die das Drehbuch zu "Lake Tahoe" schrieb, entstand mit deutscher Beteiligung. In Studio Babelsberg gedreht und mit dem Berliner Studio als Koproduzent realisiert wurde der Thriller "Unknown Identity" von Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson und Diane Kruger, der außer Konkurrenz läuft. Bavaria Pictures ist bei Alexander Mindadzes "Innocent Saturday" an Bord, einer russisch-deutsch-ukrainischen Koproduktion.
"Jodaeiye Nader az Simin" von Asghar Farhadi ("Darbareye Elly") aus dem Iran, "Saranghanda, Saranghaji Anneunda" (Kommt Regen, kommt Sonnenschein) von Lee Yoon-ki aus Südkorea, sowie "Les femmes du 6ème étage" von Philippe Le Guay (mit Sandrine Kiberlain und Carmen Maura) aus Frankreich (außer Konkurrenz) runden den Wettbewerb ab.
Als Sondervorvorführung zeigt die Berlinale "Offside" von Jafar Panahi- eine Solidaritätsbekundung für den verurteilten iranischen Regisseur. Als Abschlussfilm der 61. Berlinale wird am 19. Februar im Anschluss an die Preisverleihungsgala der Gewinnerfilm des Goldenen Bären gezeigt.