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Ulrich Mühe

Ulrich Mühe

Leben & Werk

Der starke Sanfte. Ulrich Mühe nimmt sich stets zurück, zeigt Würde, Ruhe und Beherrschung, ohne zwanghaft, verklemmt oder neurotisch zu wirken. Was wirklich in ihm vorgeht, würde er wie der auf andere Weise wortkarge Richy Müller nie verraten. Auf der Bühne, z.B. in Yasmin Rezas gefeiertem Drama “Drei Mal Leben”, bildet seine bei allem Psycho-Aufruhr offenbare Ausgeglichenheit einen reizvollen Kontrast zu der Aufgeregtheit, die seine Bühnenpartnerin (und Ehefrau) Susanne Lothar gern an den Tag legt. Mühes Charaktere sind feingeistige innere Kämpfer, Augen-Schauspieler, eigentlich mehr für den Film als fürs Theater geschaffen (dem er 2000 mangelnde gesellschaftliche Relevanz und Brisanz vorwarf). Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck 2006: “Herrn Mühes Augen blicken einem direkt ins Herz… Diese Mischung aus Geistesgaben und Verletzlichkeit macht ihn zu einem so bedeutenden Schauspieler.”

Ulrich Mühe wurde 1953 in Grimma, Sachsen, als Sohn eines Kürschnermeisters geboren und studierte nach seiner Ausbildung zum Baufacharbeiter an der Theaterhochschule Leipzig. Rollen in Chemnitz folgte auf Einladung Heiner Müllers, in dessen Stücken er häufig spielte, 1983 das Engagement an der Berliner Volksbühne. Als Mitglied des Deutschen Theaters wurde Mühe in der Folgezeit Star des Ensembles. Er trat am Burgtheater in Wien und in Hamburg auf.

In der DDR übernahm Mühe seit 1984 Film- und TV-Rollen, so als Dichter und Hauslehrer Friedrich Hölderlin in Hermann Zschches “Hälfte des Lebens”, als Kaufmann aus dem Erzgebirge in der Karl-May-Verfilmung “Das Buschgespenst” und als Dr. Grote in Bernhard Wickis deutsch-deutscher Co-Produktion “Sansibar” (1987, nach Alfred Andersch). Der Leutnant Lohse in Wickis “Das Spinnennetz” (nach Joseph Roth), der vom Aufsteiger zum Massenmörder wird, brachte Mühe 1989 seinen ersten Bayerischen Filmpreis ein; den zweiten erhielt er 2006 für seinen Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler in “Das Leben der Anderen”, wo er in einer atemberaubenden Wandlung vom ideologischen Hardliner zum Menschen wird und subversiv gegen das DDR-Regime arbeitet.

Nach der Wende zeigte Mühe seine Wandlungsfähigkeit als Chefredakteur in Helmut Dietls “Schtonk!” (1991), wo er für Götz George singt und steppt, als Pastor in Frank Beyers “Nikolaikirche”, als Vater in der Komödie “Rennschwein Rudi Rüssel“, als Immobilienhai in “Peanuts” und als KZ-Arzt Josef Mengele in Costa-Gavras’ “Amen” (2002; nach Rolf Hochhuths “Der Stellvertreter”). Mühe spielte in drei Filmen von Michael Haneke, “Bennys Video”, “Funny Games” und als Franz Kafkas “K.” in “Das Schloss”. Er war Mentor von Martina Gedeck als Schriftstellerin Brigitte Reimann in “Hunger auf Leben” und der Vater von Julia Jentsch, der seine Filmtochter missbraucht, in “Schneeland” (2004).

Im Fernsehen ist Mühe vor allem durch seinen Gerichtsmediziner Dr. Robert Kolmaar in der ZDF-Serie “Der letzte Zeuge” (seit 1997) bekannt. Zu seinen Auszeichnungen gehören Helene-Weigel-Medaille und Kainz-Medaille (für die Theaterarbeit), Bambi und Deutscher Fernsehpreis (1998 und 2005).

Mühe war mit der Schauspielerin Jenny Gröllmann (“Liebling Kreuzberg” verheiratet, ihre Tochter Anna Maria Mühe erhielt 2005 die DIVA als Nachwuchsschauspielerin. Mühe ist seit 1997 mit seiner langjährigen Bühnen- und Filmpartnerin Susanne Lothar verheiratet und lebt mit ihr und den beiden Kindern nach dem Umzug von Hamburg in Berlin.

Mühe: “Ich bin kein lauter Typ. Wenn die Bedingungen stimmen, mache ich lieber etwas zu wenig als zu viel.”

Am 22. Juli 2007 erlag Mühe einer Krebserkrankung.

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