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"Einen Porno zu drehen, ist einfach"

Zack and Miri Make a Porno” heißt der neue Film von Kevin Smith, der mit “Clerks” einen eigenwilligen Meilenstein der Filmgeschichte schuf. Der Titel ist Programm und sorgte für Aufregung bei den US-Sittenwächtern und beim Publikum der Comic-Messe “Comic-Con”, welches die schlüpfrige Komödie vorab sehen durfte.

“Zack and Miri make a Porno” sorgt für offene Münder und hoch gezogene Augenbrauen Bild: Weinstein

Kevin Smith

“Zack and Miri” ist Smiths erster Film, seit er vor zwei Jahren “Clerks 2” drehte. Doch seit Smith 1994 in “Clerks” zwei Verkäufer in Kraftausdrücken über ihre Freundschaft, Beziehungen und ihre Arbeit philosophieren ließ und damit zum Kultregisseur wurde, hat sich in Hollywood einiges verändert. Was damals nur einer eingeschworenen Fangemeinde und einigen Kritikern sehenswert erschien, ist inzwischen zur Erfolgsformel avanciert: Die Überhöhung von möglichst derb sprechenden Sonderlingen und Außenseitern zu unattraktiven, aber die Wahrheit sprechenden Helden.

Am 31.10. läuft “Zack and Miri” in den USA an, einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht Bild: Weinstein

Sexuelle Spätzünder als neue Kinohelden

Die Gallionsfigur der aktuellen Nerd-Bewegung, Regisseur und Produzent Judd Apatow, setzte in den vergangenen drei Jahren mit notgeilen Teenagern und sexuellen Spätzündern, verwirrten Kiffern und erwachsenen Nesthockern mehr als eine Milliarde Dollar an der Kinokasse um. Apatows Filme, von “Jungfrau (40), männlich, sucht …” über “Superbad” bis zu “Beim ersten Mal” erklärten Uncoolness für schick. Plötzlich war nicht mehr ein durchtrainierter Tom Cruise mit männlich-markantem Blick, sondern ein schmerbäuchiger, dauerpubertärer Seth Rogen der Kassenmagnet der USA.

“Als ich einst solche Filme drehte, sagte man mir, es gäbe kein Publikum dafür”, sagt Smith. “Aber Judd Apatow beweist derzeit das genaue Gegenteil.” Apatow bekannte im Gegenzug, dass ihm Smiths “Clerks” eine Offenbarung gewesen sei. “Ich dachte: ‘So etwas geht?’”, so der Regisseur, der der Redseligkeit von Smiths Filmfiguren in “Superbad” Tribut zollte.

In seinen Filmen tritt Kevin Smith häufig als schweigsamer Silent Bob auf Bild: Central

Talent ist Nebensache

Jetzt hofft Smith, dass “Zack and Miri Make a Porno” erfolgreicher sein wird als seine vergangenen Filme. Als Zack castete er Apatows Star Rogen. Zack und seine von alte Schulfreundin Miri (Elizabeth Banks, die demnächst als Laura Bush in “W.” zu sehen ist) wollen einen Porno drehen, um ihre finanziellen Probleme loszuwerden.

“Einen Porno zu drehen ist einfach”, findet Smith. “Jeder kann es, und man braucht nicht einmal besonders talentierte Leute vor der Kamera.” Natürlich ist es für Zack und Miri nicht ganz so leicht, und die Dinge verkomplizieren sich weiter, als sie sich ineinander verlieben.

Regisseur und Produzent Judd Apatow ist der neue King of Comedy Bild: Universal

Echte Porno-Profis am Werk

Smith selbst betrachtet den Film nicht zuletzt als eine Art Kommentar zu seiner eigenen Karriere: “In gewisser Hinsicht habe ich während meiner ganzen Laufbahn Amateurpornos gedreht. Ich habe ziemlich lange gebraucht, bis ich lernte, mich in diesem doch sehr visuellen Medium auch auf den visuellen Aspekt zu konzentrieren.”

Ausschnitte von “Zack and Miri”, die Smith auf der Comic-Con zeigte, versprechen sogar einen noch komischeren Film, als der Trailer andeutet, in dem Zack und Miri ein Darsteller-Casting veranstalten. In einer Szene mit Zack und Justin Long als schwulem Pornodarsteller zeigt sich Smiths Vorliebe für rüden Dialogwitz ebenso wie sein Sinn für clevere popkulturelle Verweise. Neben “Superman“-Darsteller Brandon Routh, Smith-Kumpel Jason Mewes alias Jay gehören zur Besetzung auch die Pornostars Katie Morgan und Traci Lords. Lords hatte 1985 einen Skandal ausgelöst, als bekannt wurde, dass sie bereits als 15-Jährige in Pornos spielte.

Wie anstößig der Film, vor allem für ein offeneres, europäisches Publikum, wirklich ist, bleibt abzuwarten. Der US-Start ist für den 31. Oktober vorgesehen. Zuvor feiert “Zack and Miri” beim Filmfestival in Toronto seine Uraufführung. “Wir haben zwei beanstandete Szenen bearbeitet, die eine mit Stoßbewegungen, die andere ist unaussprechlich – aber man hat mich nun einmal mit einem Ab-18-Film beauftragt”, feixt Smith und fügt ernsthaft hinzu: “Und lie-ber schneide ich selbst, als dass ich das den Jugendschützern überlasse.”

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