Todd Haynes

Todd Haynes

Leben & Werk

Der amerikanische Independent-Regisseur Todd Haynes wurde 1961 in Los Angeles geboren und machte sich als Kurzfilmer in der Untergrundszene von New York einen Namen (“Sex Shop”, “Superstar”). 1991 debütierte er als Spielfilmregisseur mit “Poison”, der nach Motiven des in der Szene verehrten Kultautors Jean Genet drei kurze Episoden über Menschen in Grenzsituationen koppelt: Ein siebenjähriger Vatermörder, ein Wissenschaftler, der an einer selbstverschuldeten Krankheit stirbt, und ein homosexueller Gefangener, der sich wie in Genets “Un chant d’amour”, dem die Filme stilistisch verpflichtet sind, in einen anderen Gefangenen verliebt.

1997 entstand mit “Velvet Goldmine” ein bizarres, wüstes und provokantes Bild der Jahre des britischen Glam Rock, in dem Ewan McGregor einen verschwundenen Rock-Star spielte, der als Mischung aus Iggy Pop, Jim Morrison und David Bowie angelegt ist. In der Rahmenhandlung sucht ein Journalist den Star und erinnert sich an seine eigene Vergangenheit in den frühen 70er Jahren. Der Soundtrack des Films wurde noch populärer als der Film, der mit so schönen Inszenierungen wie der falschen eigenen Ermordung McGregors aufwartet.

Nach vierjähriger Pause meldete sich Haynes 2002 mit “Dem Himmel so fern“, einer Hommage an die Dramen von Douglas Sirk, zurück: Eine brilliant aufgelegte Julianne Moore, die für ihre Rolle bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde, spielt die gutsituierte Hausfrau Cathy, die 1957 Freundschaft mit dem farbigen Gärtner Raymond (Dennis Haysbert) schliesst. Während sie zunehmend seinem Charme verfällt, lebt ihr Ehemann seine heimliche Sexualität in einschlägigen Clubs aus. Die gesellschaftliche Katastrophe bleibt nicht aus… Traumwandlerisch sicher inszeniert, besticht das Drama nicht zuletzt durch seine makellosen Bilder, für die Kameramann Edward Lachman ebenfalls in Venedig prämiert wurde und auch eine Oscar-Nominierung erhielt – wie Haynes selbst für das Drehbuch und Elmer Bernstein für die Musik.

Nach erneuter Pause war Haynes 2006 in zwei Filmen als ausführender Produzent tätig: In dem auf dem Sundance Filmfestival mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnetem Drama um ein minderjähriges schwangere Mädchen “Quinceañera”, und in “Old Joy”, einem Film über zwei Freunde, die sich nach langer Zeit wiedersehen und einen Ausflug in die Berge von Oregon machen. Dass er auch als Regisseur überaus erfolgreich sein kann, stellte er 2007 mit “I’m Not There” unter Beweis. Im Gegensatz zu herkömmlichen Biopics bringt er das Phänomen Bob Dylan ohne Erzählung im chronologischen Sinne, ohne Anekdoten über bestimmte Songs auf die Leinwand, sondern lässt den vielschichtigen Sänger durch sieben verschiedene Schauspieler darstellen. Dieser Ansatz und seine Umsetzung brachte Haynes den Special Jury Prize in Venedig und den Robert Altman Award ein.

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