Die 1967 in Berlin gegründeten Tangerine Dream zählen zu den Urvätern der elektronischen Musik in Deutschland. Synthetisch erzeugte Klangstrukturen, selbst aufgenommene Geräusche und der unkonventionelle Einsatz von Musikinstrumenten charakterisieren seit vier Jahrzehnten den Stil der Gruppe. Mitte der Sechziger kommt der spätere Kopf der Band, Edgar Froese (Gitarre), in Berlin an, um ein Kunststudium zu beginnen (zu seinen Lehrern gehört unter anderem auch Salvador Dalí). Nach einem erfolglosen Versuch in der Blues-Combo The Ones widmet er sich mehr und mehr dem musikalischen Experiment. Gemeinsam mit Volker Hombach (Violine, Flöte), Kurt Herkenberg (Bass), Lanse Hapshash (Schlagzeug) und Charlie Prince (Gesang) präsentieren sich Tangerine Dream von 1967 an zunächst als psychedelische Rocker nach amerikanischem Vorbild. Die erste Veröffentlichung, "Electronic Meditation" (1970), wird jedoch bereits von einer kleineren, elektronischeren Besetzung eingespielt, darunter der Schlagzeuger Klaus Schulze und der Keyboarder Konrad Schnitzler. Zum häufig wechselnden Personal der Gruppe gehört in den Siebzigern (1972 bis 1977) auch Peter Baumann, dessen eigenes Label die Band später (1988) unter Vertrag nehmen wird. Als Meilenstein der Rockgeschichte gilt das 1972 erschienene Doppelalbum "Zeit", das eine gelungene Melange aus Streichern, elektronischen Klangfarben und Mellotron-Sounds bietet. Nach dem Wechsel zum jungen Label Virgin gelingt Froese vor allem in Großbritannien ein erster kommerzieller Erfolg: "Phaedra" (1974) definiert nicht nur den Sound der Band, sondern gilt als wegweisend für die spätere New-Age- und Ambient-Bewegung. Unter den über 50 LPs, welche Tangerine Dream im Laufe der Jahre veröffentlicht haben, befinden sich auch viele Soundtracks, etwa zu William Friedkings "Sorcerer" (1977) oder zum TV-Tatort "Das Mädchen auf der Treppe" (1982). In den frühen Achtzigern ist die Gruppe unter den ersten, die die digitale Technologie für sich entdeckt. Ein 1980 in Ostberlin mitgeschnittenes Konzert wird später unter dem Titel "Pergamon" (1986) veröffentlicht - es ist der erste Auftritt einer westlichen Band hinter dem eisernen Vorhang. Seit den Achtzigern spezialisiert sich das nach dem Weggang von Programmierer Ralf Wadephal zum Duo geschrumpfte Projekt mehr und mehr auf Filmmusik und mancher Kritiker wirft Froese Einfallslosigkeit vor. Gemeinsam mit seinem Sohn Jerome als zweitem festen Bandmitglied (seit 1990) arbeitet der Gitarrist jedoch unverdrossen weiter und veröffentlicht Album um Album. "The Seven Letters From Tibet" (2000), "Purgatorio" (2004) oder das jüngst erschienene "Jeanne D'Arc" (2005) zeugen jedenfalls von einem ungebrochenen Arbeitseifer.