In Japan ist er ungeheuer populär und vielbeschäftigt. Der Regisseur, Autor, Kolumnist, Poet, Stand-Up-Comedian, Entertainer, Maler und... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max08/kuk08/kuk36/u0836025/b150x150.jpg Takeshi Kitano

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Takeshi Kitano


  • Geburtstag
    18.01.1948
  • Geburtsort
    Tokio

In Japan ist er ungeheuer populär und vielbeschäftigt. Der Regisseur, Autor, Kolumnist, Poet, Stand-Up-Comedian, Entertainer, Maler und Schauspieler Takeshi Kitano wurde im Westen erst 1996 mit einer Retrospektive seiner Filme in Paris und 1997 mit dem Film "Hana-Bi - Feuerblume" bekannt, der in Venedig den "Goldenen Löwen" als bester Film gewann.

Kitano, geboren 1948 in Tokio als Sohn eines Anstreichers, der Verbindungen zur Yakuza hatte, wuchs zwischen Armut und Aggression auf. 1965 begann er ein Ingenieurstudium, brach es nach zwei Jahren wieder ab und wurde Fahrstuhlführer in einem Striplokal, wo zwischen den Shows Komiker auftraten und Kitano 1973 als Partner von Kaneko Kyoshi als Stand-Up-Comedian auf der Bühne debütierte. Aus dieser Zeit des sich "Two Beats" nennenden Duos behält er den Beinamen "Beat" Takeshi. Als sich Kyoshi von ihm trennte, weil ihm Kitanos Humor zu aggressiv war, begann Kitanos Erfolg: Er trat in bis zu acht verschiedenen, teilweise von ihm selbst inszenierten TV-Unterhaltungssendungen auf, deren populärste und über Japan hinaus bekannte die Game-Show "Takeshi's Castle" wurde, in der ein sich zu Tode langweilender Fürst (Takeshi) durch Spiele und Geschicklichkeitssportarten unterhalten werden muss.

Takeshi tritt in einer Radio-Talk-Show auf, verfasst Kolumnen für Zeitungen und Magazine, ist bis heute beliebter Interviewpartner über Japans sozialpolitische Entwicklung, schreibt Romane und eine Autobiografie, die 1995 vom Fernsehen als Vierteiler adaptiert wurde, und zeichnet satirische Cartoons. Er trat in zahlreichen Werbefilmen und in Spielfilmen als Darsteller auf, so u.a. als Lagerkommandant in Nagisa Oshimas Kriegsfilm "Merry Christmas, Mr. Lawrence" (1983) und als Hauptmann der Samurai in dessen "Taboo" (1999) sowie in dem Cyberspace-Thriller "Johnny Mnemonic" (1995).

Kitanos Regiekarriere begann, als er 1989 die Regie für den erkrankten Fukasaku Kinji bei "Violent Cop" übernahm, dem ersten Teil einer Yakuza-Trilogie, zu der "Boiling Point" (1990) und "Sonatine" (1993) gehören. Takeshi erneuerte das Genre, indem er unorthodox die Nähe der Gewalt zur Komik betont und seine wortkargen, teils an Melville erinnernden Helden, die er oft selbst spielte, zwischen Härte, Humor und Hoffnungslosigkeit pendeln lässt. Sie sind egozentrisch und handeln unehrenhaft, was dem Regelkanon der älteren Yakuza-Filme widerspricht. Sie sind keine Helden mehr, weil Kitano kritisch hinterfragt, was sich hinter ihren Fassaden verbirgt, und sie enden im Tod.

Kitanos Filmsprache besteht aus so klaren, wahrhaftigen wie ambivalenten Bildern. Seine ungewöhnlichen rituellen Gangstergeschichten fanden ihren Höhepunkt in "Hana-Bi" (1997), in dem er als verschuldeter Cop, der sich für den Tod zweier Kollegen verantwortlich fühlt, mit einer sterbenskranken Frau lebt und seine Schuld zu begleichen sucht, was ihn mit den Yakuza zusammenbringt. "Kikujiros Sommer" (1999) war eine gelungene Paraphrase auf Chaplins "The Kid", in der Kitano als Kleinganove mit einem Achtjährigen durch Japan reist. Mit dem in den USA gedrehten "Brother" (2000) kehrte Kitano zu den Stilisierungen seiner über Liebe, Tod, Kälte, Isolation, Leere, Gewalt und Einsamkeit reflektierenden knallharten Gangsterfilme zurück. Wenngleich er seinem Themenkomplex Liebe, Unglück und Trauer auch in "Dolls" (2002) treu blieb, entfernte er sich hier erneut vom Gangsterfilm, um in einer explosiven Farbsymphonie über die grundlegende Einsamkeit des Menschen zu meditieren. Einen erneuten Richtungswechsel vollzog er mit "Zatoichi", einem Schwertkämpferepos, das an die gleichnamige Genrefilmreihe aus den 60er bis 80er Jahren anknüpft und für das Kitano 2003 in Venedig den Regiepreis erhielt.

1994 hatte Kitano einen schweren Motorradunfall, der sein Gesicht zeichnete. Er gilt als der bedeutendste japanische Regisseur der 90er Jahre.

  • Geburtstag
    18.01.1948
  • Geburtsort
    Tokio
  • Geburtsland
    Japan

Russell Crowe trifft Oliver Schmitz: Globaler Dialog in Cannes

Cannes - In einer Woche startet das 63. Festival de Cannes (12. bis 23. Mai) und damit das Schaulaufen auf dem wohl prestigeträchtigsten roten Teppich jenseits der Oscarverleihung. In diesem Jahr präsentiert das Festival einen Mix aus Veteranen und Newcomern.

Großansicht Russell Crowe als düsterer "Robin Hood" im Cannes-Eröffnungsfilm (Foto: Universal)

Russell Crowe als düsterer "Robin Hood" im Cannes-Eröffnungsfilm (Foto: Universal)

Das diesjährige Festivalprogramm zeige, dass Kino nicht nur ein Dialog zwischen Europa und Amerika sei, sondern eine globale Kunstform, erklärte Festivalchef Thierry Frémaux auf der großen Festival-Pressekonferenz. Eine elegante Umschreibung der Tatsache, dass die USA in diesem Jahr an der Croisette ungewohnt unterrepräsentiert sind.

Lange hatte das Festival gehofft, den neuen Film von Kritikerliebling Terrence Malick ("Der schmale Grat") zu zeigen. "The Tree of Life" war dem Festival bereits in einer Work-in-Progress-Fassung gezeigt worden. Doch der Publicity-scheue Regisseur hat sich dann doch dazu entschlossen, in den Schneideraum zurückzukehren und seine Teilnahme abgesagt. Im Wettbewerb läuft nun nur eine einzige US-Produktion - "Fair Game" von "Bourne Identität"-Regisseur Doug Liman. Ein Politthriller mit Naomi Watts als CIA-Agentin, der die dunklen Seiten der Macht beleuchtet.

Statt amerikanischer finden sich im Wettbewerb nun vor allem Regisseure aus Europa und Nordafrika, aus dem nahen und fernen Osten, so zum Beispiel Takeshi Kitano, der mit "Outrage" zu seinen Yakuza-Thriller-Wurzeln zurückkehrt. Das Gastgeberland Frankreich ist wieder prominent vertreten. So unternimmt Starschauspieler Mathieu Amalric mit "Tournée" seinen dritten Ausflug ins Regiefach und spielt in der Komödie auch gleich die Hauptrolle: einen Theaterproduzenten, der ein Comeback mit einer Burlesque Show feiert.

Als Geheimtipp wird "Des Hommes et des Dieux" gehandelt, der neue Film von Xavier Beauvois über eine Gruppe von christlichen Mönchen im Maghreb, die nach Jahrzehnten des friedvollen Miteinanders mit der muslimischen Bevölkerung eines Tages unverhofft in den Konflikt mit islamischen Fundamentalisten gerät.

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Alejandro González Iñárritu, der mexikanische Meister des kunstvoll verschachtelten Episodenkinos, holte mit "Babel" vor vier Jahren den Regiepreis. Jetzt ist er mit "Biutiful" erneut im Rennen um die Goldene Palme. Spaniens Superstar Javier Bardem glänzt als Drogendealer in Barcelona, der einen alten Freund wieder trifft, der inzwischen - so will es das Schicksal - Polizist geworden ist. Mike Leigh ist ein langjähriger Cannes-Gast. Mit "Lügen und Geheimnisse" gewann er 1996 die Goldene Palme. Jetzt kehrt er mit "Another Year" zurück - ein leises Drama, das ein Jahr im Leben eines älteren Paares (Lesley Manville und Jim Broadbent) erzählt.

Die wunderbare Charlotte Gainsbourg, die im Vorjahr für ihre waghalsige Rolle in "Antichrist" ausgezeichnet wurde, ist in diesem Jahr mit "The Tree" mit von der Partie. In der Verfilmung von Judy Pascoes Roman "Die Geschichte vom großen Baum" spielt Gainsbourg eine Frau und Mutter einer kleinen Tochter, die mit dem Tod ihres Mannes fertig werden muss. Regisseurin Julie Bertuccelli ist in diesem Jahr die einzige Frau im Wettbewerb - ihr Werk läuft als Abschlussfilm jedoch außer Konkurrenz.

Außer Konkurrenz präsentiert das Festival drei prominente US-Produktionen: "Robin Hood", der das Erfolgsduo Ridley Scott und Russell Crowe nach "Gladiator" erneut für ein historisches Abenteuer vereint, wurde als Eröffnungsfilm ausgewählt. Eine beeindruckend düstere Neuerzählung der klassischen Geschichte um den legendären Bogenschützen aus dem Sherwood Forest - der nur einen Tag nach der Cannes-Premiere offiziell anläuft.

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Während Robin Hood sich für die Armen einsetzt, geht es den Protagonisten in Oliver Stones "Wall Street - Geld schläft nicht" dagegen um den schnellen Reichtum ohne Rücksicht auf Verluste. Michael Douglas kehrt 22 Jahre nach dem ersten "Wall Street"-Film in den Börsen-Kosmos zurück mit seiner Paraderolle als Gordon Gecko, der mächtig Eindruck auf den ambitionierten Börsen-Neuling Jacob (Shia LaBeouf) macht.

Eine Rückkehr an die Croisette gibt es auch für einen weiteren New Yorker Regisseur: Altmeister Woody Allen präsentiert seinen in London angesiedelten Beziehungsreigen "You Will Meet a Tall Dark Stranger", eine starbesetzte Komödie mit Antonio Banderas, Naomi Watts, Josh Brolin, Sir Anthony Hopkins und Freida Pinto (der schönen Latika aus "Slumdog Millionär").

Ein Ereignis der besonderen Art wird die Vorführung von "Carlos - Der Schakal" - der in der vollen Länge von über fünf Stunden außer Konkurrenz gezeigt wird. Regisseur Olivier Assayas hat jahrelang für den Politthriller über den Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt "Carlos, der Schakal" recherchiert, der in den 70er Jahren zu den meistgesuchtesten Terroristen gehörte und u. a. Drahtzieher des Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien war und seit 1994 in Haft sitzt. Da der Film als deutsche Koproduktion entstand, gehören zum internationalen Cast rund um Edgar Ramirez auch namhafte deutsche Jungschauspieler wie Christoph Bach, Nora von Waldstätten und Julia Hummer.

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Apropos Deutsche: In diesem Jahr ist zwar kein deutscher Regisseur im Wettbewerb vertreten. Doch "Mein Glück" des Weißrussen Sergei Loznitsa ist eine multinationale Koproduktion, an der die Leipziger Firma ma.ja.de federführend beteiligt ist. Erzählt wird die Geschichte eines Fernfahrers, der auf seiner Reise durch Russland in eine Spirale der Gewalt und Willkür gerät.

Darüber hinaus sind deutsche Firmen bei diversen weiteren Wettbewerbstiteln als Koproduktionspartner in Cannes dabei. In die offiziellen Nebenreihe Un Certain Regard wiederum wurden mit Christoph Hochhäusler und Oliver Schmitz zwei deutsche Regisseure eingeladen. Hochhäusler wurde mit seinen ersten beiden Filmen der sogenannten Berliner Schule zugerechnet, deren Werke eine formale Strenge verband. In seinem dritten, in Frankfurt gedrehten Spielfilm "Unter dir die Stadt" entspinnt sich eine Menage-à-Trois zwischen Nicolette Krebitz, Robert Hunger-Bühler und Mark Waschke.

Oliver Schmitz, der sich mit den Komödien-Serien "Türkisch für Anfänger" und "Doctor's Diary" einen Namen gemacht hat, kehrt für "Life, Above All" in sein Geburtsland Südafrika zurück und erzählt die Geschichte einer Zwölfjährigen, die in einem kleinen Dorf mit einem dunklen Geheimnis konfrontiert wird.

So fügt sich das Programm also tatsächlich zum globalen Dialog, den Festivalchef Frémaux sich für die diesjährige Cannes-Ausgabe ja ausdrücklich wünscht.


Filmografie

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In der aktuellen Ausgabe: Katherine Heigl im Trailer zur Actionkomödie "Einmal ist keinmal".

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