Horrorfilm, Familienkomödie oder Melodram - Stephen Herek ist in vielen Genres zu Hause. Einstimmiges Merkmal: Die Filme zeichnen sich durch witzige, freche und intelligente Szeneneinfälle und einem kreativen Umgang mit klassischen Vorbildern und Genreklischees aus. Einer der Schüler von Roger Cormans Talentschmiede und zeitweilig für die Disney-Studios arbeitend, wurde der 1958 in San Antonio, Texas geborene Herek schnell zum Kassenschlager: Praktisch alle seine Filme wurden bei niedrigem Budget große Publikumserfolge. Gerade 22 Jahre alt, inszenierte Herek 1986 seinen Debütfilm "Critters - Sie sind da!". Die Science-Fiction-Komödie um Gremlin-artige Monster, die von intergalaktischen Kopfgeldjägern verfolgt werden, fiel einem Produzententeam auf, das Herek daraufhin für den Teeniefilm "Bill und Ted's verrückte Reise durch die Zeit" verpflichtete - einer der Überraschungserfolge der 80er. Der Film sollte die Karriere von Keanu Reeves begründen. Herek blieb den Teenie-Themen treu und realisierte mit "Fast Food Family" eine Klamotte um Kids, die sich mit ihrem Babysitter herumschlagen müssen. Mit dem Sportfilm "Mighty Ducks - Das Superteam", in dem ein Anwalt im Sozialdienst eine Clique cooler Kids im Eishockey fit macht, begann Herek für die Disney-Studios zu arbeiten. Es entstanden Filme wie das Action-Abenteuer "Die drei Musketiere" (mit Charlie Sheen, Kiefer Sutherland und Oliver Platt), das als zu langatmig kritisierte Melodram "Mr. Holland's Opus" und die Realversion des Zeichentrickklassikers "101 Dalmatiner", in dem Glenn Close als pelzvernarrte Cruella de Vil eine Galavorstellung böser Kinderschreckfurien gab. Die in eigener Produktion entstandene Mediensatire "Der Guru" (mit Eddie Murphy) floppte an der Kasse. Erst 2001 konnte Herek mit der Heavy-Metal-Komödie "Rock Star", in der Mark Wahlberg den schnellen Aufstieg eines Nobody zum Leadsänger seiner Vorbild-Band und seinen ebenso schnellen Fall durchspielt, an alte Erfolge anknüpfen. 2002 bescherte er mit "Leben oder so ähnlich" Angelina Jolie ihre erste Hauptrolle in einer Komödie, während Tommy Lee Jones in "Der Herr des Hauses" eine Gruppe von Cheerleadern vor Kriminellen beschützen muß
"Ich bin kein Pin-up!"
Angelina Jolie und der Fluch der Lara Croft.
Angelina Jolie: Eine schöne Frau hat's manchmal schwer
Als bekannt wurde, dass das Kultgame "Tomb Raider" verfilmt werden soll, fragten sich die Fans: "Wer um Himmels willen soll Lara Croft spielen?"
Die Physiognomie der Amazone schien der Fantasie eines Comic-Fans entsprungen und jenseits des Menschenmöglichen zu sein: Gebärfreudiges Becken, darüber eine Wespentaille und im 2. Stock eine völlig überproportionale Oberweite.
Doch dann kam Angelina Jolie und überzeugte selbst größte Skeptiker vom Gegenteil.
In "Original Sin" ging sie an der Seite von Latin Lover Antonio Banderas einen Schritt weiter und entblößte ihren Luxuskörper - natürlich nur, weil es für die künstlerische Aussage von Michael Cristofers Erotikthriller unerlässlich war:
"Ich würde nie etwas machen, was ein Film nicht unbedingt braucht, damit er funktioniert."
Man mag es nun Cristofers Drehbuch anlasten oder den Darstellern - funktioniert hat der Film weder in den USA noch hierzulande: Flop trotz Topless-Shot.
Lästiger Nebeneffekt: Das Medieninteresse an der Jungschauspielerin reduziert sich seither weitgehend auf ihre unbestrittenen körperlichen Vorzüge - was Angelina mächtig wurmt. Jetzt ging sie in die Offensive:
"Ich bin schließlich kein Pin-up - so wahnsinnig toll sind meine Brüste auch wieder nicht. Ich würde mich auch nie völlig nackt filmen lassen - von vorne generell nicht und von hinten nur aus einiger Entfernung."
Sittlich verhüllt wird Angelina im November in "Life or Something Like It" als Sportreporterin Lanie Kerrigan zu sehen sein. Die ändert in Stephen Hereks Komödie ihr gesamtes Leben, als ihr ein Obdachloser in einem Interview statt eines Footballergebnisses den Tod prophezeit.
Ihr Kommentar: "Das ist eine Komödie. Ich glaube nicht, dass es für einen lustigen Film Sexszenen braucht."
Jolie hat 1999 für ihre Rolle in "Durchgeknallt" immerhin einen Oscar als beste Nebendarstellerin gewonnen. Wie schnell sie von ihrem derzeitigen Image als körperbetonte Actrice wieder wegkommt, bleibt abzuwarten.