Er kreiert in unterschiedlichen Genres Stimmungen und Atmosphären: Diese sind für ihn wichtiger als die erzählerische Handlung eines Films und... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max08/kuk08/kuk11/u0811074/b150x150.jpg Stefan Ruzowitzky

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Stefan Ruzowitzky


  • Geburtstag
    25.12.1961
  • Geburtsort
    Wien

Er kreiert in unterschiedlichen Genres Stimmungen und Atmosphären: Diese sind für ihn wichtiger als die erzählerische Handlung eines Films und stellen für ihn eine besondere Herausforderung dar. Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Stefan Ruzowitzky lässt sich wie die Kollegen Oskar Roehler, Rainer Kaufmann oder Michael Haneke schwer kategorisieren und ist dabei für zuschauerfreundliche Experimente offen.

Sein Debütfilm "Tempo" schilderte 1996 die Geschichte eines 18-jährigen Wiener Fahrradbotens, der sich zwischen Wahn und Wirklichkeit bewegt und in eine Crime Story gerät, die ihm über den Kopf wächst. Süffisant, lakonisch und dynamisch, fing Ruzowitzky das Lebensgefühl der "Raver Generation" ein. Mit dem kritischen Heimatfilm "Die Siebtelbauern", einer zu Beginn des Jahrhunderts spielenden Geschichte von sieben Knechten, die nach dem Tod des Großbauern gemäß dessen Vermächtnis auch wieder Bauern werden, was jedoch schnell zu Neid und Missgunst der Dörfler und zu Gewalt, Zerstörung und Lynchjustiz führt, machte die Runde bei zahlreichen Festivals und wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit dem Horrorthriller im Medizinermilieu "Anatomie" wandte sich Ruzowitzky dem Genrefilm zu: Eine ehrgeizige Medizinstudentin (Franka Potente) kommt in Heidelberg einem Geheimbund auf die Spur. Ruzowitzky inszenierte nach seinen eigenen Worten einen "waschechten Schocker" der Art "Ich weiß, was du beim letzten Anatomiekurs gemacht hast" und förderte damit die Karrieren von Franka Potente, Ana Loos ("Das sündige Mädchen", "Der Mistkerl") und Benno Fürmann ("Der Krieger und die Kaiserin"), der so wunderschön furchteinflößend blickt. Mit zwei Millionen Zuschauern war "Anatomie" einer der Erfolge des Jahres 2000.

In "Die Männer Ihrer Majestät", einer Militär- und Spionagekomödie in der Tradition von Blake Edwards' "Was hast du denn im Krieg gemacht, Pappi!", schlagen sich amerikanische und britische Soldaten während des Zweiten Weltkriegs als Frauen verkleidet durch deutsches Feindesland und bekommen es mit einer schönen Widerstandskämpferin (Nicolette Krebitz) zu tun. Ruzowitzky wurde 1961 in Wien geboren, studierte dort Theaterwissenschaften und Geschichte, absolvierte Filmseminare bei renommierten Kameraleuten wie Vittorio Stararo oder Vilmos Zsigmond und arbeitete nach Hörspielversuchen und Theaterprojekten von 1987 an als freier Regisseur und Autor beim ORF, wo er Dokumentationen, Reportagen und Kurzfilme realisierte. Er ist auch als Regisseur von Werbefilmen und Musikvideos tätig, u.a. für die "Scorpions" und "Die Prinzen", für die er das berühmte "Schweine"-Video, ästhetisch eine großartige Parodie auf den Stil des britischen Avantgarde-Regisseurs Peter Greenaway und dessen Film "Der Koch, der Dieb, seine Frau & ihr Liebhaber", inszenierte.

In "Anatomie 2", der Fortsetzung des Thrillers von 2000, wird der junge Arzt Jo (Barnaby Metschurat) in eine elitäre Forschungsgruppe aufgenommen, die an der Entwicklung von künstlichen Muskeln arbeiten und ihn zum Selbstversuch animiert. Ruzowitzky setzt auf Schockeffekte sowie schnelle rhythmusgebende Schnitte.

2006 gelingt Ruzowitzky mit "Die Fälscher" ein weiterer Genre-Wechsel und er erhält dafür die größte Ehre, die es für einen Filmemacher geben kann, den Auslands-Oscar. Es ist der erste Oscar überhaupt für einen österreichischen Film in der 80-jährigen Geschichte der Academy Awards. Darin wird Sorowitsch (Karl Markovics) zur Schlüsselfigur eines groß angelegten Geldfälschungsbetriebes im KZ Sachsenhausen, mit dessen Hilfe die Nazis die Wirtschaft der Alliierten treffen wollen. Gegenspieler ist Burger (August Diehl), der die geplante Fälschung sabotiert. Regisseur Stefan Ruzowitzky hat das Drehbuch anhand der Erinnerungen des Zeitzeugen Adolf Burger geschrieben und dafür 2007 den Deutschen Filmpreis in Gold für das beste Drehbuch bekommen. Außerdem wurde sein Film für den Goldenen Bären auf der Berlinale 2007 nominiert.

  • Geburtstag
    25.12.1961
  • Geburtsort
    Wien
  • Geburtsland
    Österreich

Killer räumen Oscars ab

Mit einer Öldusche hatte man in Hollywood in der Oscar-Nacht gerechnet - stattdessen gab's reichlich blaue Bohnen!

Großansicht Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.)

Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.)

Vier von acht möglichen Oscars, darunter in den beiden Königsklassen Bester Film und Beste Regie, gab's von der Academy für die Killergroteske "No Country for Old Men" von den Brüdern Joel und Ethan Coen. Javier Bardem glänzt in der absurd-tragikomischen Ballade um kaputte Gangster und desillusionierte Gesetzeshüter als gewissenloser münzewerfender Mörder und heimste dafür zu Recht den Preis als bester Nebendarsteller ein.

Das Öl-Drama "There Will Be Blood" kam trotz ebenfalls acht Nominierungen nur auf zwei Goldjungen. Einen davon räumte erwartungsgemäß Daniel Day-Lewis als bester Hauptdarsteller ab. Als beste Hauptdarstellerin wurde völlig überraschend Marion Cotillard für ihre Rolle als Edith Piaf in "La Vie en Rose" ausgezeichnet. Die Französin war ebenso überrumpelt wie das ganze Kodak Theater, dass nicht die Favoritinnen Julie Christie oder Cate Blanchett geehrt wurden - Cotillard stand minutenlang unter Tränen vor dem Mikrofon und rang nach Worten für ihre Dankesrede. Am Ende fand sie die schönsten Worte des gesamten Abends: "Ich danke dem Leben und ich danke der Liebe. Es stimmt wirklich, dass es in dieser Stadt Engel gibt."

Großansicht Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.)

Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.)

Deutschland freut sich mit Österreich

Den Oscar für die beste Nebendarstellerin gewann Tilda Swinton für ihre Rolle als Gegenspielerin von George Clooney im Gerichts-Thriller "Michael Clayton". Auch hier hatte Cate Blanchett für "I'm Not There" als haushohe Favoritin gegolten. Trotzdem war "Michael Clayton" neben "Abbitte" der große Verlierer: Beide Filme waren sieben mal nominiert, mussten sich aber mit nur einem Award begnügen.

Einen "halben" deutschen Oscar gab's für das KZ-Drama "Die Fälscher" mit August Diehl, das für Österreich in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ins Rennen ging und in Deutschland koproduziert wurde. Regisseur Stefan Ruzowitzky erinnerte an seine erfolgreichen Landsmänner in Hollywood wie Billy Wilder oder Otto Preminger und sagte: "Es ist passend, dass der erste Oscar für Österreich an einen Film geht, der von den Verbrechen der Nazis handelt - denn aus diesem Grund mussten diese großen Künstler damals in die USA flüchten."

Großansicht Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.)

Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.)

Gedenken an Heath Ledger

"Das Bourne Ultimatum" darf sich rühmen, technische Maßstäbe gesetzt zu haben. Drei Oscars für Schnitt, Ton und Tonschnitt machen den spektakulären Agententhriller zum Film mit den zweitmeisten Preisen nach "No Country" und zum einzigen Beitrag, der alle Goldjungs erhielt, für die er nominiert war.

Einer der emotionalsten Momente war der Abschied der Academy von den Mitgliedern, die in den letzten zwölf Monaten verstarben: Am Ende des Zusammenschnitts von Höhepunkten aus den Werken der Filmschaffenden und Porträtfotos der verstorbenen Künstler wurde Heath Ledger gezeigt - und nachdem sich der Applaus gelegt hatte, herrschte lange Zeit gebannte Stille im gesamten Kodak Theatre.


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