http://www.kino.de/_assets/pics/kinode-logo-150x50.png Stanislaw Lem
Steckbrief
Stanislaw Lem

  • Geburtstag
    12.09.1921
  • Geburtsort
    Lviv (Lemberg)
  • gestorben
    27.03.2006
ohne Abbildung
  • Geburtstag
    12.09.1921
  • Geburtsort
    Lviv (Lemberg)
  • Geburtsland
    Polen
Die USA sind überreizt

Es war ein höchst undankbares Unterfangen: Einen Stoff des Sci-Fi-Philosophen Stanislaw Lem zu verfilmen, der brilliant, aber sperrig ist, und von Filmgröße Andrej Tarkowskij bereits meisterhaft umgesetzt wurde. Doch Steven Soderbergh fand einen neuen Zugang und inszenierte ein intensives Zukunftsdrama, das den Vergleich mit Stanley Kubricks "2001" nicht zu scheuen braucht.

Großansicht Soderbergh am Set

Soderbergh am Set

» Sie reisen erstmals filmisch ins All. Welche Vorstellung hatten Sie davon?

STEVEN SODERBERGH: Mir war von Anfang an klar, dass ich das Weltall in meinem Film als ein Umfeld darstellen würde, in dem es keine Schallwellen gibt, in dem Bewegungen so langsam sind, wie es tatsächlich der Fall ist. Sicher, das ist einerseits eine Referenz an "2001", aber es soll das Publikum auch daran erinnern, dass es rasche Manöver oder schnelle Bewegungen im All nicht gibt. Die Andock-Sequenz machte mir deshalb viel Spaß. Tatsächlich war sie zunächst fast doppelt so lang wie in der fertigen Fassung des Films.

» Sie sehen "Solaris" also nicht als Science-Fiction-Film über das Reisen im Weltall?

Das habe ich nie so betrachtet. Als wir abgedreht hatten, wurde ich gefragt, wie viele Effekte wir für "Solaris" brauchen würden. Ich antwortete, dass es etwa zwölf sein müssten. Dann erst warf ich einen Blick auf die Auflistung der Effektefirma: Es waren tatsächlich mehr als 100 Aufnahmen, die wir nachträglich manipulieren mussten. Lustig, aber von dieser Warte habe ich mich dem Stoff nie genähert.

Die Raumstation über dem rätselhaften Planeten "Solaris"

Die Raumstation über dem rätselhaften Planeten "Solaris"

» Warum war die Science-Fiction-Situation denn nötig?

Ich glaube, das macht es dem Publikum leichter, den Aufhänger des Films zu schlucken. In einem anderen Genre würde man es einem Filmemacher nicht so leicht abnehmen, dass er von der körperlichen Manifestation des Unterbewussten eines Menschen erzählt.

Für mich war das hochinteressant, denn mit Ausnahme einzelner Szenen von "Kafka" habe ich mich nie mit dem Fantasy-Genre befasst. Als Zuschauer habe ich selbst immer ein Problem damit, wenn Newtons physikalische Gesetze mit Füßen getreten werden. Deshalb waren meine Filme bisher immer weitgehend realistisch.

"Solaris" markiert daher einen großen Schritt für mich. So wie Kelvin am Schluss des Films musste auch ich einen regelrechten Glaubenssprung wagen und mich der Idee ergeben, dass Logik nicht immer die Trumpfkarte ist, die alles andere sticht.

George Clooney trifft auf seine verstorbene Frau (Natasha McElhone)

George Clooney trifft auf seine verstorbene Frau (Natasha McElhone)

» Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, ein Remake von "Solaris" zu drehen?

Das war gar nicht meine Idee. Ein Freund brachte mich auf den Stoff, und der Gedanke gefiel mir. Das Timing war verblüffend gut, denn zwei, drei Monate später wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass James Cameron die Rechte an "Solaris" besaß, es sich aber vorstellen konnte, sich auf die Aufgabe des Produzierens zu beschränken.

» Was genau war es, das Sie an dem Stoff interessierte?

Projektion ist ein interessantes Thema. Ich bin fasziniert, wie oft wir Dinge auf andere Menschen projezieren, um mit der Tatsache umzugehen, dass man einen anderen Menschen niemals so gut kennen wird wie man sich selbst kennt. Man muss Lücken ausfüllen, unglaublich große Datenmengen komprimieren. Das reizt alle Filmemacher, denn in Filmen geht es immer um Projektion. Stanislaw Lems Roman setzt sich damit auf besonders spannende Weise auseinander.

Das persönliche Erleben steht bei Soderbergh im Vordergrund

Das persönliche Erleben steht bei Soderbergh im Vordergrund

Und dann wollte ich mich mit dem Tod auseinandersetzen. Mein Vater war ein paar Jahre zuvor sehr plötzlich gestorben, ohne dass ich Zeit gehabt hätte, ein letztes Mal mit ihm zu sprechen. Unterbewusst suchte ich nach einem Weg, mit dieser Tragödie umzugehen. Ich wurde einfach davon überrollt, ohne mich damit auseinandersetzen zu können.

Nun wollte ich keinen Film über mich oder meinen Vater machen. Aber ich wollte mit einen Reim auf den Tod meines Vaters machen. Als ich den Titel "Solaris" hörte, wusste ich, dass mir dieses Projekt die gewünschte Gelegenheit geben würde.

Vorlagentreu: Andrej Tarkowskijs "Solaris" von 1972

Vorlagentreu: Andrej Tarkowskijs "Solaris" von 1972

» Sie haben aus Ihrem "Solaris" auch eine Art Protest gegen all die High-Tech-Filme des Genres gemacht.

Das ergab sich einfach aus der Handlung. Und natürlich widerstrebt das allem, was gegenwärtig in den USA in diesem Genre gemacht wird. Vielleicht wird das Publikum, das jetzt so irritiert ist, den Film in zehn Jahren entdecken. Der Metabolismus für Bilder und Reize ist gegenwärtig einfach höher als der Metabolismus für Ideen.

» Wie stehen Sie zu Tarkowskijs "Solaris"-Variante?

Toller Film. Überhaupt habe ich viel Tarkowskij angesehen, als ich mich auf "Solaris" vorbereitet habe. An einen Originalstoff von Tarkoswkij hätte ich mich niemals herangewagt. In diesem Fall dachte ich mir aber, dass ja auch Theaterstücke im Laufe der Zeit immer wieder aufs Neue mit anderen Schwerpunkten neu inszeniert werden.

Soderbergh gehört zu den eher leisen Filmemachern

Soderbergh gehört zu den eher leisen Filmemachern

» Hatten Sie ein spezielles Publikum für den Film im Kopf?

Ich denke über meine Filme wie über meine Tochter: Ich will, dass man sich um sie sorgt und ich respektiere sie, aber ich gebe ihr nicht alles, was sie gerne hätte. Ich bin nicht bereit, alles zu tun, nur um aus dem Publikum eine Reaktion herauszukitzeln.


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