Sir Paul McCartney

Sir Paul McCartney

Leben & Werk

Im nordenglischen Liverpool kam James Paul McCartney am 18. Juni 1942 als erster Sohn einer Krankenschwester und eines Angestellten zur Welt. Zwei Jahre später vervollständigte Bruder Michael die kleine Familie, deren Vorfahren einst über die irische See ins Königreich übersiedelten. Vater Jim, selbst Amateurmusiker in einer Liverpooler Ragtime-Kapelle, unterstütze die musikalischen Ambitionen seiner beiden Jungs, auch wenn er den professionellen Bestrebungen seines Ältesten zunächst mit Skepsis begegnete. Der Erfolg jedoch stimmte ihn bald um. So genoss Jim McCartney nicht nur Pauls Aufstieg mit den Beatles, sondern er verfolgte mit väterlichem Stolz auch Mike McCartneys Laufbahn bei “The Scaffold”. Bereits auf der Schule lernte Paul McCartney seinen späteren Bandkollegen George Harrison kennen. Musikhistorisch bedeutsamer aber war seine Begegnung mit John Lennon. Der frühe Tod ihrer Mütter – Mary McCartney erlag 1956 einem Krebsleiden, Julia Lennon starb 1958 bei einem Autounfall – schweißte die Teenager zusammen, die fortan gemeinsam an ihrer musikalischen Karriere mit den Beatles arbeiteten.

Wie seine Bandkollegen auch, versuchte sich Paul McCartney bereits in den 1960er Jahren als Solist. Kann bereits “Yesterday” als Ein-Mann-Projekt im Bandgefüge bezeichnet werden, so stand er mit dem 1967 veröffentlichten Soundtrack zum Film “The Family Way” komplett auf eigenen Beinen. Erfolg hatte er auch mit der Produktion von Mary Hopkins’ “Those Were The Days” (1968).

Nach der Trennung der Beatles 1970 zögerte Paul McCartney nicht, sich auf eine Solokarriere vorzubereiten. Für das Album “McCartney” spielte er alle Instrumente selbst ein und nahm – abgesehen von einigen Beiträgen seiner Frau Linda – die Gesangsspuren im Alleingang auf. Nur ein Jahr später erschien das Nachfolgealbum “Ram”, dieses Mal unter der Flagge des Ehepaares McCartney. Obwohl Linda von ihrem musikalischen Talent selbst nicht überzeugt war, bestand der Ex-Beatle darauf, dass sie weiterhin einen festen Platz in seiner Band einnehmen sollte. Nach den Querelen mit den Beatles, besonders mit seinem ehemaligen Partner John Lennon, legte McCartney offensichtlich mehr Wert auf ein familiäres und entspanntes Bandgefühl als auf musikalische und instrumentale Höchstleistungen.

Doch auch der Rückzug in die persönliche und musikalische Ein- bzw. Zweisamkeit fand ein Ende. Nach langen Jahren der Bühnenabstinenz drängte es McCartney wieder vor sein Publikum. Mit der neuen Formation Wings konnte er auch dieses Vorhaben angehen. Mastermind blieb Paul McCartney, zu den personellen Konstanten gehörten seine Frau Linda sowie der Gitarrist Denny Laine, vormals Mitglied der Moody Blues. Im Laufe der siebziger Jahre wurden die Wings zu einer der erfolgreichsten Rockbands weltweit. Nach zwei von der Kritik zunächst belächelten Versuchen (“Wild Life” und “Red Rose Speedway”) überzeugte die Band 1973 mit dem Meisterwerk “Band On The Run” sowohl Fachpresse als auch Publikum. Das unter erschwerten Bedingungen in Lagos vornehmlich von McCartney und Laine aufgenommene Album präsentiert den Komponisten und Interpreten in bestechender Form. Unter den folgenden LPs, denen erneut von einzelnen Kritikern Substanzlosigkeit vorgeworfen wurde, ragen das Live-Album “Wings Over America” (1976; die Tracklist enthielt auch etliche Beatles-Songs) und “London Town” (1978) hervor. Ausgelöst durch persönliche Streitigkeiten, Unzufriedenheit mit der künstlerischen Richtung und die Verhaftung McCartneys wegen eines Drogendelikts zerbrachen die Wings 1980.

McCartney setzte seine Karriere sofort mit einem experimentellen und zeitgemäßen, als “II” betitelten Solo-Album fort. Es folgten Duette mit der Soul-Legende Stevie Wonder (“Ebony And Ivory”) und dem aufstrebenden Superstar Michael Jackson (“The Girl Is Mine”). Als Jackson später die Rechte am Großteil des Beatles-Erbes kaufte, endete die kurzlebige Freundschaft. Auch in künstlerischer Hinsicht meinte es das dritte Karrierejahrzehnt nicht immer gut mit Paul McCartney. Sein Filmprojekt “Give My Regards To Broad Street” (1984) floppte und die Zusammenarbeit mit etablierten Kollegen wie Eric Stewart (10cc, “Press To Play”, 1986) und Elvis Costello (“Flowers In The Dirt”, 1989) stellte die Hörer ebenfalls nicht restlos zufrieden.

Ende der 1980er Jahre schien McCartney seine kreativen Möglichkeiten wieder zielgerichteter einzusetzen. Als ob er für seine überproduzierten Alben zu viel Zeit im Studio und hinter dem Mischpult verbracht hätte, begeisterte sich der Sänger zunehmend für die Live-Atmosphäre seiner Musik. Das in zwei Tagen aufgenommene und zunächst nur in der UDSSR veröffentlichte Album “CHOBA B CCCP” (1988) mit seinen Rock ‘n’ Roll-Klassikern ist hierfür ebenso Beleg wie die im Anschluss an eine Welttournee veröffentlichte Dreifach-LP “Tripping The Live Fantastic” (1990) oder einem der ersten “Unplugged”-Tonträger (1991). Zusätzlich zu diesem vermeintlichen Schritt zurück zu den Wurzeln, wagt sich McCartney mit dem “Liverpool Oratorio” (1991) weit vor in klassische Gefilde. Nachdem die Kritik wohlwollend ausfiel, legte McCartney sechs Jahre später mit “Standing Stone” (1997), “Ecce Cor Meum” (2006) und der Ballet-Musik “Ocean’s Kingdom” (2011) weitere orchestrale Werke vor. Als ob dies noch nicht genug wäre, begann McCartney mit dem Projekt “The Fireman” eine zunächst geheim gehaltene Zusammenarbeit mit dem Produzenten Youth, in dessen Folge die Alben “Strawberries Oceans Ships Forest” (1994), “Rushes” (1998) und “Electric Arguments” (2008) erschienen. Die Ausflüge in die Welt der elektronischen Avantgardekunst, für die sich der Musiker bereits in den 1960er Jahren interessierte, führte zu einem weiteren ungewöhnlichen Album, der “Liverpool Sound Collage” (2000). Seiner Heimatstadt blieb McCartney auch mit der Gründung des Liverpool Institute of Performing Arts (LIPA) treu, einer Künstlerschmide in seiner ehemaligen Schule. Darüber hinaus machte McCartney sich auch als Maler und Buchautor (“Hoch in den Wolken”, 2005) einen Namen

Doch auch sein eigentliches Metier, die klassische Popmusik, vernachlässigte McCartney nicht. Das 1997 veröffentliche Album “Flaming Pie” war das erste Werk seit langer Zeit, das Kritiker und Publikum gleichermaßen zufriedenstellte. Gefolgt wurde dieses Soloprojekt von dem Rock-Album “Run Devil Run” (1999), das auch als Befreiungsschlag nach der Zeit der Trauer zu verstehen ist, die der Krebstod seiner Frau Linda 1998 ausgelöst hat. Auch im neuen Jahrtausend scheint die Zeit des Musikers noch nicht vorbei zu sein: “Driving Rain” (2001), “Chaos And Creation In The Backyard” (2005) und “Memory Almost Full” (2007) zeugen von dem Willen McCartneys, sein Gesamtwerk durch weitere Facetten seines Könnens anzureichern. Wie so oft in seiner Karriere schwankte er dabei zwischen dem Hang zu Perfektionismus und Überproduktion auf der einen Seite und der naiven Lust am Unfertigen auf der anderen Seite. Allgemein anerkannte Meisterwerke wie zu Beatles- oder Wings-Zeiten wollen ihm so nicht mehr gelingen, aber die oftmals unter der Oberfläche liegenden Qualitäten sind immer noch integraler Bestandteil seiner Musik.

Für das Jahr 2012 hat Paul McCartney ein neues Album angekündigt: Das im Februar erschienene “Kisses On The Bottom” enthält größtenteils Cover-Versionen von Jazz-Standards und Songs, mit denen der Musiker aufwuchs. Nach einem Überraschungsauftritt mit den überlebenden Musikern von Nirvana im Jahr 2012 veröffentlichte McCartney 2013 mit “New” das erste Album seit sechs Jahren mit Originalstücken. Unterstützt von einer illustren Produzentenriege (Paul Epworth, Ethan Johns, Giles Martin und Mark Ronson) lieferte der Musiker ein zeitgemäßes Werk ab, das in zahlreichen Ländern auch kommerziell erfolgreich war.

Nach dem Tod seiner Frau Linda heiratete der 1997 von der englischen Königin geadelte Sir Paul McCartney Heather Mills (2002). Die Trennungsstreitigkeiten sechs Jahre später boten der Boulevardpresse etliche Möglichkeiten zur Auflagensteigerung. Von seinen Kindern stehen Mary McCartney (geb. 1969) als Fotografin und Stella McCartney (geb. 1971) als Mode-Designerin in der Öffentlichkeit. Der 1977 geborene Sohn James McCartney, bereits auf “Flaming Pie” und “Driving Rain” musikalisch vertreten, veröffentlichte 2010 mit “Available Light” sein Debüt-Album.

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