Nach ihrem Filmdebüt in Alfred Hitchcocks "Immer Ärger mit Harry" war die als Tänzerin ausgebildete Schwester von Warren Beatty über Jahrzehnte eine der populärsten Hollywood-Schauspielerinnen. Sie wurde mehrfach für den Oscar nominiert und erhielt ihn 1983 für ihre kratzbürstige Mutter von Debra Winger in "Zeit der Zärtlichkeit". Wie Jack Lemmon und Walter Matthau ist MacLaines Filmkarriere mit Billy Wilder verknüpft, in dessen "Das Appartement" sie als Liftgirl und Geliebte des Chefs mit misslingendem Selbstmordversuch und später als Pariser Freudenmädchen "Irma La Douce" Weltruhm erlangte.
MacLaines Frauen sind häufig gutherzig, naiv und lebenslustig, komisch und den Tränen nah, kleine Chaotinnen mit liebenswerten Macken, die immer eine Spur zuviel reden, um ihre inneren Ängste zu überwinden. In dramatischen Rollen überzeugte sie als lesbische Lehrer-Partnerin von Audrey Hepburn ("Infam"), frustrierte Ehefrau in "Verzweifelte Menschen", für den sie den Silbernen Bären der Berlinale 1971 erhielt, oder Klavierlehrerin in "Madame Sousatzka", eine ihrer Altersrollen. MacLaine kann zickig wirken und aufgedreht, überspannt und genervt, aber auch zärtlich, traurig oder lasziv. Schauspielduelle lieferte sie sich als alternde Tänzerin mit Anne Bancroft in "Am Wendepunkt", mit dem Frauen-Ensemble von "Magnolien aus Stahl" und mit Marcello Mastroianni in "Die Herbstzeitlosen".
Mit zunehmendem Alter erscheint MacLaine als Hollywoods Paradebesetzung für Großmütter, die vorzugsweise ihre Enkelinnen unter ihre Fittiche nehmen und sie auf den rechten Weg bringen, wie beispielsweise Julia Stiles in "Carolina" oder Cameron Diaz in "In den Schuhen meiner Schwester". In "Wo die Liebe hinfällt", in dem Filmenkelin Jennifer Aniston dahinterkommt, dass ausgerechnet ihre Familie das Vorbild für "Die Reifeprüfung" war, verkörperte sie erfrischend frech die legendäre Mrs. Robinson. In "Verliebt in eine Hexe" hingegen blieb sie sträflich unterbeschäftigt als Giftschleuder Endora.
Politisch für die Demokraten aktiv und Produzentin eines Dokumentarfilms über China, trat MacLaine, die eine Zeit lang zum "Rat Pack" um Frank Sinatra gehörte, immer wieder als Sängerin und Tänzerin auf und hat zwischen 1970 und 1985 acht Bände Memoiren, teils mit starkem Interesse an Esoterik, geschrieben. 2000 gab sie ihr Regiedebüt mit "Bruno".
Cameron Diaz mit Colin Firth in "Gambit"-Remake
Shirley McLaine und Michael Caine spielten einst die Hauptrollen in "Gambit".
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Gaunert sich mit Colin Firth durch "Gambit": Cameron Diaz (Foto: Kurt Krieger)
Cameron Diaz wird demnächst mit Oscar-Kandidat Colin Firth vor der Kamera stehen. Die beiden bilden die Hauptbesetzung in der Kriminalkomödie "Gambit", einem Remake von 1966, das unter dem deutschen Titel "Das Mädchen aus der Cherry-Bar" erschien. Das Drehbuch liefern die Coen-Brüder. Regie führt Michael Hoffmann, der zuletzt Leo Tolstoi in "Ein russischer Sommer" zum Leben erweckte.
Die Story dreht sich um einen Londoner Kunsthändler (Colin Firth), der einem reichen Sammler einen gefälschten Monet aufschwatzen will. Unterstützt wird er von einer Komplizin (Cameron Diaz), die den Werdegang des Bildes mit einer hübsch erfundenen Geschichte dokumentieren soll.
Cameron Diaz auf Shirley McLaines Spuren
Im Original gaben einst Shirley MacLaine und Michael Caine das Gaunerpaar. Caine war der Meisterdieb, der einem Millionär eine wertvolle Statue abluchsen will. Hilfe bekommt er von einer Kellnerin, (McLaine), die sich bei dem Goldesel einschmeicheln soll. Die darstellerisch perfekte Komödie liefert zwei Versionen des Diebstahls: zum einen den Plan und zum anderen die Durchführung, die natürlich vom Plan abweicht.
Das Projekt kursiert übrigens schon seit einigen Jahren in Hollywood. Zeitweise waren Hugh Grant und Jennifer Aniston für die Hauptrollen vorgesehen, woraus bis heute nichts geworden ist.