Kein Hollywoodstar kann eine Karriere wie diese vorweisen. Clint Eastwood ist eine Ikone, ein Mime des Minimalistischen und ein Meister hinter der Kamera. Warum es gar so lange gedauert hat, bis all diese Qualitäten entdeckt waren, bleibt bis heute ein Rätsel.
Der Blick ist so tödlich wie unverkennbar, die Statur so eindrucksvoll wie die karge Steinlandschaft, die ihn in seinen ersten großen Kinoerfolgen umgibt. Clint Eastwood, vor kurzem 80 Jahre alt geworden, ist ein Monument des Hollywoodkinos. Spät erst, mit Anfang 30, ist der Sohn eines einfachen Fabrik- und Wanderarbeiters zu Starruhm gekommen. Die Figuren, die der Mann mit den scheinbar zu chronischen Schlitzen verengten Augen verkörpert hat, haben ihn jedoch schnell zur Ikone werden lassen. An Kassenerfolgen hat es ihm wahrlich nicht gemangelt. Nur die Anerkennung in Form der wichtigsten Auszeichnung, die Hollywood zu vergeben hat - die hat lange auf sch warten lassen.
Verwunderlich eigentlich, denn viele seiner Figuren sind nicht nur Teil der jüngeren Kinogeschichte, sie sind integraler Bestandteil der Popkultur. Vom namenlosen Antihelden in Sergio Leones Dollar-Trilogie zum Selbstjustiz praktizierenden Cop Harry Callahan alias Dirty Harry: Mit nur zwei Charakteren hat es Eastwood zum Prototypen des wortkargen Einzelgängers gebracht, zum Revolverhelden, der im Spaghetti-Western ebenso überzeugen kann wie im pervertierten Großstadtdschungel im Amerika der 70er Jahre.
Der Mann, der niemals aufgibt
Akribisch, fast schon verbissen, wie es sich für einen echten Workingclass-Hero gehört, hat Eastwood in den Jahren darauf seinen Status als tough guy ohne Skrupel ausgebaut. Insgesamt vier Mal brachte er als Dirty Harry seine eigene Interpretation von Gerechtigkeit auf die Leinwand, er variierte den Großstadt-Outlaw in Filmen wie "Der Wolf hetzt die Meute" oder "Der Mann, der niemals aufgibt" und kehrte mit Filmen wie "Der Texaner" oder "Pale Rider" auch immer wieder zum Westerngenre zurück.
Dass Eastwood viel mehr konnte, als nur den harten Kerl mimen, zeigte sich, wenn er aus dem Licht der Scheinwerfer zurücktrat und seine Arbeit hinter der Kamera fortführte. Seit er 1971 bei "Sadistico" das erste mal Regie geführt hatte, hielt er immer häufiger die Fäden am Set zusammen. Anfangs hielt er seinem angestammten Genre die Treue, drehte "Pale Rider", den "Texaner" oder den vierten Teil von "Dirty Harry". Mit zunehmendem Alter jedoch setzte selbst bei Eastwood eine gewisse Ruhe ein. Und allmählich vollzog sich der Wandel vom getriebenen Leinwandhelden zum umsichtigen Geschichtenerzähler.
Späte Anerkennung
"Bird", Eastwoods Filmbiografie über den legendären Jazzmusiker Charlie Parker, markierte den Anfang. Zwar fand der Film nur ein Liebhaberpublikum, die Kritik allerdings war voll des Lobes und unterstrich dies wenig später mit einem Golden Globe für die beste Regie. Drei Jahre später wiederholte Eastwood diesen Coup mit seinem Spätwestern "Erbarmungslos" - und toppte den Erfolg kurz darauf mit dem Oscar für den besten Film und die beste Regie. 62 Jahre musste Eastwood werden, um diese Ehren zu erhalten. Und seitdem geht es Schlag auf Schlag.
Egal, was er anfasst: Filme, die das Gütesiegel Eastwood tragen, bleiben im Gedächtnis. Seine in den neunziger Jahren geschaffenen Werke - "In the Line of Fire", " Perfect World", " Absolute Power" oder "Ein wahres Verbrechen" - wirken dabei aus heutiger Perspektive nur mehr wie ein Sprungbrett zu den richtig wichtigen Filmen. Denn seit "Mystic River" ist Eastwood aus der Nominiertenliste der internationalen Filmpreise nicht mehr wegzudenken. "Million Dollar Baby" markiert dabei mit vier Oscars seinen größten Erfolg, der mutige Doppelschlag "Flags of our Fathers" und "Letters from Iwo Jima" katapultierte ihn endgültig in den Olymp der Unantastbaren.
Hier sitzt er nun, fast altersmilde und reflektiert, veröffentlicht in schöner Regelmäßigkeit grandiose Werke wie "Gran Torino" oder zuletzt "Invictus" und streut zwischenrein die Nachricht, dass er sich als Schauspieler nun endgültig zurückziehen wolle. "Gran Torino" sollte der eigentliche Schlussstrich unter seiner Darstellerkarriere sein. Doch dann, aus Anlass seines 80sten Geburtstags, liest man wieder Zeilen wie diese: "Mit mir ist es in etwa so wie mit dem zweiten Teil von "Der weiße Hai" - wenn man denkt, das Wasser wäre wieder sicher, dann…" Wir warten voll Vorfreude. Denn bessere Überraschungs-Attacken als seine jüngeren Werke hat es in der Traumfabrik kaum je gegeben.