Er rülpst und furzt und wälzt sich mit Vorliebe im Schlamm: Shrek ist ein Held, wie er eigentlich nicht in den Drehbüchern der großen Hollywood-Studios vorkommt. Und doch - oder vielleicht gerade deswegen - eroberte er mit derben Scherzen, politisch unkorrekten Sprüchen und Film- und Märchenzitaten die Welt. "Shrek 2" steht ihm in nichts nach und setzt mit krachertem Pop und witzigen Dialogen noch eins drauf. KINO.DE traf den Regisseur Andrew Adamson und die deutschen Sprecher beim Filmfestival in Cannes.
Diesmal weiß ich wenigstens, was mich erwartet. Ich bin nicht mehr so nervös wie vor drei Jahren und gerate nicht gleich in Panik, wenn das Publikum nicht pausenlos lacht.
Ja, allein die Tatsache, dass "Shrek" damals ausgewählt wurde, verlieh dem ganzen Genre eine Glaubwürdigkeit, die es vorher nicht unbedingt hatte. Sequels werden oft besonders streng beurteilt und mit dem Original verglichen. Dass der zweite Teil wieder für den Wettbewerb ausgewählt wurde, ist eine Bestätigung seiner künstlerischen Leistung und signalisiert, dass er mit dem ersten mithalten kann.
Der Grund, warum ich verschont werden wollte, war ein zeitlicher: Der erste Teil hat vier bis fünf Jahre meines Lebens in Anspruch genommen! Doch als ich hörte, welche Ideen für die Fortsetzung diskutiert wurden, merkte ich, dass es mir überhaupt nicht egal ist, was mit "meinen" Figuren passiert und ich mich einmischen muss! Ich weiß nicht, ob Produzent Jeffrey Katzenberg so clever war, falsche Ideen in Umlauf zu bringen, um mich zu manipulieren, aber er ist ein brillanter Kopf.
Ungefähr zwei Jahre.
Ohne meine Co-Regisseure Kelly Asbury und Conrad Vernon hätte ich das nie geschafft. Ich habe gleichzeitig einen anderen Film vorbereitet und konnte mich immer weniger ums Tagesgeschäft kümmern, so dass ich große Teile delegieren musste.
Ja, der Kater hat sich zu einem tollen Charakter entwickelt, und Antonio Banderas, der ihn im Original spricht (deutsche Stimme, Benno Fürmann), macht ihn einfach umwerfend. Das passt hundertprozentig.
Da gibt es viele, eine meiner Favoriten ist die "Mission: Impossible"-Sequenz, und ich liebe alles mit dem Gestiefelten Kater.
| KINO.DE sprach mit den deutschen Synchronsprechern Sascha Hehn (Shrek), Esther Schweins (Fiona), Benno Fürmann (Gestiefelter Kater) |
ESTHER SCHWEINS: Ich habe bei den Synchronisationsarbeiten gemerkt, dass die Stimmlage von Fiona meiner Laune gut tut. Ich sollte immer so sprechen, drei Töne heller als normal. Das ist schwierig hinzukriegen, aber wenn man es erst hat, geht es ganz von selbst. Wenn ich dann abends nach Hause komme, flöte ich immer noch in dieser Stimmlage.
SASCHA HEHN: Esther ist die Idealbesetzung für die Prinzessin, diese Stimme! Ich hab mir von ihr ein eigenes Tonband gewünscht. Ich will bei meinem Navigationssystem im Auto ihre Stimme hören!
SCHWEINS: Insgesamt vier Tage, einen davon haben wir zusammen gearbeitet.
HEHN: Ja, der ist sehr wichtig, du brauchst einen Controller, der dir zuhört und dich fordert und korrigiert.
HEHN: Ja, das wird dann gleich nochmal aufgezeichnet.
HEHN: Man macht ja nicht alles, aber diese Synchro für ein Major-Studio ist schon etwas Besonderes - bei einem Film, der weltweit 1,2 Milliarden eingespielt hat. Du hast die Verantwortung für den deutschen Part, das ist eine Herausforderung.
HEHN: Die Figur hat viel mit mir gemeinsam, wir leben beide im Wald (Hehn lebt in Gars zwischen Wasserburg und Mühldorf in Bayern, Anm. d. Red.). Ich wohne allerdings nicht im Sumpf, das möchte ich betonen. Wir beide haben mit der Außenwelt wenig zu tun und sind fixiert auf unser eigenes Leben, und wenn wir mal rausgelockt werden, dann genießen wir das, aber fühlen uns dabei ein bisschen unsicher.
BENNO FÜRMANN: Ja, immer wieder, jeden Abend. Es ist gut, wenn man sich mal kennen lernt.
HEHN: Du gehst wieder neu an die Arbeit. Ich hab mir den ersten Teil noch mal zu Hause auf DVD angeguckt, es hat sich doch einiges verändert. Drei Jahre sind ne lange Zeit.
SCHWEINS: Ich hatte Fionas Stimme noch genau im Ohr, denn bei mir zu Hause läuft ständig eine Kassette oder DVD, wenn Kinder zu Besuch sind.
FÜRMANN: Eine Message finde ich gut für gewisse Filme. Ich denke, Filme, die einen für den Moment alles vergessen lassen, sind gut - wenn es auch die anderen gibt, die erinnern bzw. aufmerksam machen, die wachrütteln. Beides ist gleich wichtig. Ich möchte nicht nur unterhalten und abgelenkt werden vom Weltgeschehen, sondern sensibilisiert sein im Bezug auf das, was die Welt bewegt, auf Unrecht, das geschieht. Aber ich finde auch die Ablenkung gesund und sehr wichtig - solange man darüber nicht die Realität aus den Augen verliert.
SCHWEINS: Man sollte Filme als das nehmen, was sie sind: Unterhaltung, eine kurze Auszeit aus der Realität, die einen nicht der Verantwortung enthebt, die Realität auszuschalten.
Esther Schweins: Die Sehnsucht nach Liebe verbindet alle Menschen - und Oger (Foto: UIP)
SCHWEINS: Unerwartetes ist immer komisch, so auch Fiona, die lieber hässlich bleiben als sich in die Schönheit zurückzuverwandeln will, die sie vorher war. Dass der Film aus Amerika kommt, aus dem Land, das uns den Schönheits- und den Jugendwahn beschert hat, der sich tentakelmäßig über den ganzen Globus ausbreitet, und dass ausgerechnet ein großes Hollywood-Studio wie Dreamworks sich dieser Thematik annimmt - Hässlichsein und trotzdem ein Leben voller Liebe führen können - das ist schon großartig.
Denn diese Aussage hat Allgemeingültigkeit: Jeder will so geliebt werden, wie er ist.