Patent, ein guter Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann, energisch und gleichzeitig das sexy Mädchen von nebenan: So trat Sandra Bullock in der Rolle der den Bus mit der Bombe lenkenden und stets bei 50 km/h haltenden Passagierin in dem Action-Thriller "Speed" mit Verve in ihre Weltkarriere ein. Ihr herzliches breites Lachen brachte ihr den Beinamen "Sandra Sonnenschein" ein, und auf Filmsets ist sie besonders bei der Crew beliebt wegen ihrer unkomplizierten Art.
Die als Tochter einer deutschen Opernsängerin und eines amerikanischen Gesangslehrers 1964 in Arlington, Virginia, geborene Bullock verbrachte ihr halbes Leben auf Tourneen, konzentrierte sich, als die Eltern in den USA blieben, auf die Theaterschauspielerei und begann bei Film und Fernsehen in kleinen Rollen.
Darunter sind die als Lenina Huxley in dem SF-Actioner "Demolition Man" und die der auf der Autobahnraststätte verschwundenen Ehefrau in "Spurlos" die bekanntesten. Der Durchbruch kam mit drei Hits in Folge: "Speed", die romantische Komödie "Während du schliefst", in der sie mit Bill Pullman das Flirten um den Begriff des "Andrückens" erweitert, und der Thriller "Das Netz". In den folgenden Jahren pendelte ihre Karriere zwischen mittleren Erfolgen (die John-Grisham-Verfilmung "Die Jury") und Flops ("In Love and War", als Krankenschwester, die mit Ernest Hemingway eine Affäre hat), die an der Wahl ihrer Stoffe zweifeln ließen, bis sie mit "Miss Undercover", dem 2005 eine weniger erfolgreiche Fortsetzung folgte, wieder an ihre besten Leistungen anknüpfen konnte.
In der Pygmalion-Geschichte spielte sie eine schlampige FBI-Agentin, die als Miss New Jersey in die nationalen Miss-Wahlen eingeschleust wird und ein Attentat verhindert. Die dankbare Aufgabe, aus der Kratzbürste mit dem grunzenden Lachen eine Schönheit zu machen, oblag Sir Michael Caine als Benimmlehrer. In Barbet Schroeders Hitchcock-Hommage "Mord nach Plan" ist sie die Polizistin, die das von zwei Teenagern perfekt geplante Verbrechen aufklärt und dabei mit ihrer eigenen Vergangenheit vor Gericht gehen muss.
Ähnliche Auseinandersetzungen führt Bullock in der Rolle der jungen Theaterregisseurin Siddalee Walker in dem Südstaatendrama "Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern", in der sie die Beziehung zu ihrer exzentrischen Mutter aufarbeitet. Mit "Ein Chef zum Verlieben" wechselt Bullock 2003 als von ihrem Chef Hugh Grant beinahe in den Wahnsinn getriebene Anwaltsgehilfin zurück ins romantische Komödienfach, in dem sie mit "Selbst ist die Braut" 2009 erneut erfolgreich war.
Doch es ist eine ernste Rolle, die Bullock den vorläufigen Karrierehöhepunkt bescherte: In "Blind Side - Die große Chance" nimmt sie nach einer wahren Begebenheit ein afroamerikanisches Football-Talent unter ihre Fittiche. Dafür gab's gleich im ersten Anlauf den Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Bullock, auch Fräulein "Anti-Glamour" genannt, hat im Internet eine begehrte Website und reagiert gelassen auf gefälschte Nacktfotos, auf denen ihre Brüste vergrößert sind. Mehrfach für "Golden Globes" nominiert, erhielt die Schauspielerin vom Publikum, der Filmindustrie und dem Verband der Kinobetreiber mehrere Popularitätspreise (People's Choice Award, Blockbuster Entertainment Award). Für einen ihrer ersten Filme, Peter Bogdanovichs Country-Komödie "The Thing Called Love", in dem sie eine Nachwuchssängerin spielte, komponierte sie den Song "Heaven Knocked on My Door".
Adam Sandler dreht schlechtesten Film aller Zeiten
Selbst Al Pacino in einer Nebenrolle bekam sein Fett weg: Noch nie erhielt ein Film allein soviele "Goldene Himbeeren" wie Adam Sandlers "Jack und Jill".
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Humor hat er ja: Adam Sandler brach mit "Jack und Jill" den Schmähpreisrekord - 10 "Goldene Himbeeren" (Foto: Kurt Krieger)
Gegen Adam Sandlers Komödie "Jack und Jill" konnte keiner anstinken: Weder Transformers"-Dompteur Michael Bay noch Nicolas Cage noch Nicole Kidman hatten eine Chance gegen den netten Comedian.
Sie alle waren für eine "Goldene Himbeere" nominiert, mit der die schlechtesten Leistungen vor und hinter der Kamera des vergangenen Jahres ausgezeichnet werden - und durften aufatmen: Adam Sandler räumte den "Anti-Oscar" in jeder Kategorie ab, für die er nominiert war. Insgesamt zehn "Goldene Himbeeren" prasselten auf "Jack und Jill" ein. Das ist einsamer Rekord und somit kann Sandler bis auf weiteres für sich in Anspruch nehmen, nicht nur den schlechtesten Film des Jahres, sondern aller Zeiten fabriziert zu haben.
Selbst Hollywoods Grandseigneur Al Pacino, in "Jack und Jill" nur in einer Nebenrolle zu sehen, kriegte dafür eine "Himbeere" verpasst. Adam Sandler wurde für seine Doppelrolle auch doppelt "belohnt": Er räumte in den Top-Kategorien "Schlechtester Schauspieler" und "Schlechteste Schauspielerin" ab.
Kein Mumm: Die "Jack und Jill"-Macher blieben zuhause
"Jack und Jill" ist außerdem "Schlechtester Film", hat mit David Spade die "Schlechteste weibliche Nebenrolle" aufgeboten und überhaupt das "Schlechteste Ensemble". Hinter der Kamera gab der "Schlechteste Regisseur" Dennis Dugan die Kommandos, außerdem darf sich Sandler damit brüsten, auch in den Kategorien "Prequel, Remake, Sequel", "Filmpaar" und "Drehbuch" das denkbar schlechteste abgeliefert zu haben.
Blicken ließ sich der Schauspieler bei der fröhlichen Verleihung nicht, nur selten hat einer der für eine "Goldene Himbeere" nominierten Stars den Mumm, seinen Preis selbst in Empfang zu nehmen. Halle Berry und Sandra Bullock zählen zu den wenigen, die sich das trauten.
Die "Goldene Himbeere" wird seit 1980 vom Filmfan John Wilson organisiert, der seine Veranstaltung als Gegenentwurf zur Oscarverleihung sieht. Nach seinen Angaben stimmen Gleichgesinnte aus 18 Ländern darüber ab, wer sich eine der goldlackierten Plastikfrüchte verdient hat. In diesem Jahr fand die Verleihung erstmals nicht am Vorabend der "Oscars", sondern am 1. April statt.