Die ersten beiden Drehbuchprojekte von Rowan Joffé, Sohn des britischen Regisseurs Roland Joffé, wurden in Edinburgh mit dem Best New British Feature Award ausgezeichnet. Nun liefert er mit "Brighton Rock" sein Kinoregiedebüt ab.
Mods auf den Spuren von "Quadrophenia" im Remake des Klassikers "Brighton Rock" von Rowan Joffé (Foto: Kinowelt)
Ein Remake des britischen Klassikers "Brighton Rock" zu wagen, ist mutig.
Ich hatte zunächst nicht John Boultings Film im Sinn, sondern war nur ein Riesenfan von Graham Greenes Roman. Ich mag den Film, aber er trifft meiner Ansicht nach das Herz der Geschichte nicht. Mir fehlt der Greene'sche Twist, der den Krimiplot zu etwas Größerem, Existenziellerem macht.
Sie haben in Ihren Film also wieder mehr Graham Greene hineingebracht?
Ich hoffe es. Ich habe mir beim Drehen immer wieder gedacht: Was würde Greene hier machen? Wie würde er die Szenen auflösen? Er war ja ein riesiger Kinofan und Filmkritiker und hat den ersten Entwurf des Drehbuchs zu "Brighton Rock" auch selbst geschrieben. Ich habe versucht, möglichst ideal zu besetzen, mit Schauspielern, die Greene gefallen hätten.
Da kommt einem Helen Mirren als Ida Arnold in den Sinn.
Ja! War sie nicht wunderbar? Ohne Helen Mirren hätte ich den Film nicht finanziert bekommen. Sie brachte eine Menge Ideen in ihren Part mit ein. Ich sah sie als Art sexy Mae West, sie sich eher als temperamentvoller Rotschopf. Ich bin froh, dass sie sich durchgesetzt hat - auch wenn ich später von ihrem Mann Taylor Hackford erfuhr, dass sie bereits seit 25 Jahren eine Rothaarige spielen möchte.
Großartig schlägt sich Sam Riley als Pinkie. Sie haben seine Figur aber dunkler angelegt. Warum?
Ich wollte, dass man gleich sieht, was dieser Pinkie für ein Typ ist. Rücksichtslos, hart, geldgierig. So ist er auch ein besserer Kontrast zu Rose. Trotzdem entscheidet sie sich für ihn. Er ist ihr Ticket zu einem neuen Leben. Außerdem: Wann darf man schon einen wirklich diabolischen Antihelden spielen so wie Sam Riley?
Ihr dritte Hauptdarstellerin, Andrea Riseborough sprang ein, als Carey Mulligan ausstieg.
Ich hatte wirklich Glück und habe dadurch viel übers Filmgeschäft gelernt. Nämlich, dass nichts sicher ist, bevor der fertige Film auf der Leinwand ist. Es war überhaupt sehr schwierig, diesen Film auf die Beine zu stellen. Das Budget war zu knapp, die Drehzeit zu kurz.
Was hat Sie denn bewogen, den Film in den Sechzigerjahren anzusiedeln? Historische Settings treiben die Kosten in die Höhe.
Ich wollte, dass ein junges, zeitgenössisches Publikum sich mit dem Film und seinen Figuren identifizieren kann, mit diesen Peergroups, die es auch heute gibt. Im Film sind's die Mods und Rocker, die The Who in "Quadrophenia" besingen. Das war die spannende Zeit, als die Jugendkultur entstand, die Kinder sich gegen ihre Eltern wandten, andere Vorbilder suchten und rebellierten.
Imposant ist die Szene, in der die Motorräder und Vespas in Brighton einfahren. War das die am schwierigsten zu realisierende Sequenz?
Absolut. Ich hatte Dutzende von Skizzen angefertigt, die aber niemand außer mir verstand. Wir drehten also einfach wild drauf los, und es sieht auf der Leinwand wirklich klasse aus. John Mathieson war mein Kameramann. Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Ich habe ihm all diese tollen Bilder zu verdanken. Haben Sie die weißen Klippen von Dover schon mal so gesehen wie bei uns?
Sie haben die schwierige Finanzierung angesprochen. Wäre es eine Option, in die USA zu gehen?
Sicher wäre es eine Option, viele britische Regisseure tun dies. Aber wir haben in England noch BBC Films und Studio Canal, die Filme durchfinanzieren können, nicht mit Riesenbudgets, aber immerhin. Ich bin der Meinung, dass man in Großbritannien bleiben und englische Filme drehen sollte. Die Kinovielfalt muss erhalten bleiben, man muss dem amerikanischen Film etwas entgegensetzen - und das hat nicht nur etwas mit Geld zu tun.
Ihren nächsten Film machen Sie wieder mit dem britischen Verleih Optimum zusammen. Was erwartet uns?
Arbeitstitel ist "Before I Go To Sleep", der ausführende Produzent ist Ridley Scott. Der Film basiert auf einem Thrillererstling von S. J. Watson.