Mit "Am Ende kommen Touristen" ist Robert Thalheim ein einfühlsamer und erstaunlich heiterer Film über ein heikles Thema gelungen. Der Drehbuchautor und Regisseur erzählt die Geschichte von Zivi Sven, der sich in Auschwitz um einen ehemaligen Häftling kümmern soll, ganz leise und offenherzig - ohne Pathos oder erhobenen Zeigefinger.
Sven versteht nicht, wie junge Polen wie Ania im Schatten von Auschwitz ein normales Leben führen können (Foto: X Verleih)
» Sie selbst waren vor zehn Jahren in Auschwitz Zivi, dennoch ist "Am Ende kommen Touristen" kein rein autobiografischer Film. Worin unterscheidet sich die Hauptfigur Sven von Ihnen?
ROBERT THALHEIM: Der Unterschied ist, dass ich total idealistisch war, als ich Auschwitz für meinen Zivildienst ausgesucht habe. Sven landet nur dort, weil er die Stelle in einem Jugendzentrum in Amsterdam nicht bekommen hat.
Für "Am Ende kommen Touristen" hat mich interessiert, was dieser Ort mit jemandem macht, der sich nicht innerlich vorbereitet hat, sondern einfach dorthin gerät.
Der deutsche Zivi beobachtet das Kommen und Gehen der Besucher der Begegnungsstätte (Foto: X Verleih)
» Sven wird ins kalte Wasser geworfen, muss mit dem Ort und seiner Geschichte auf seine Art fertig werden. Richtig begleitet wird er von seinem Chef in Auschwitz nicht.
Was ist überhaupt eine angemessene Begleitung für junge Menschen? Ich habe während meiner Zivizeit viele deutsche Lehrer erlebt, die wie der Leiter der Begegnungsstätte mit einer vorbildlich emotionalen Haltung versuchen, den Jugendlichen dieses dunkle Kapitel der Geschichte zu vermitteln.
Aber je emotionaler involviert die Lehrer selber sind, desto weiter entfernen sie sich von den Schülern und desto merkwürdiger wirkt die Vergangenheit auf die Schüler. Um diese moralische Haltung ging es mir, dass man auch mal Freiräume geben muss, um die Geschichte erfahrbar zu machen, bevor man sozusagen die Anleitung dafür bekommt.