Sein Leben kreist um "Teen Spirit" und die richtige Musik, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Der blonde wuschelköpfige Robert Stadlober, Jahrgang 1982, begann bereits als 10-Jähriger für Film und Fernsehen zu arbeiten und erzählt sein Leben gern mit 14 CDs, die, von Nirvana bis zu den Lemonheads, zu seinen Favoriten zählen. Für die Welt des Films hat er mit 15 (wie Meret Becker) die Schule geschmissen und hatte das Glück, in Leander Haußmanns "Sonnenallee" den Wuschel zu spielen, für den in der DDR der 70er-Jahre die Schallplatte aus dem Westen wichtiger ist als alles andere und der im utopischen Finale zur Musik der Rolling Stones mit dem Ensemble die Mauer wegtanzt.
Seine erste Hauptrolle führte Stadlober in der Verfilmung von Leberts autobiographischem Roman "Crazy" als halbseitig gelähmter Benjamin in ein Internat, wo er zwischen Biertrinken, Lagerfeuer und Unterricht die Nöte der Pubertät erlebt und nach der Entjungferung durch gleich drei Girls mit dem Hildegard-Knef-Chanson "Für mich soll's rote Rosen regnen" belohnt wird. Für "Crazy" wurde Stadlober 2001 mit dem Bayerischen Filmpreis (Bester Nachwuchsdarsteller) und mit dem Nachwuchsförderpreis des Deutschen Videopreises ausgezeichnet.
Neben zahlreichen TV-Auftritten war Stadlober auch in der internationalen Großproduktion "Duell - Enemy at the Gates" zu sehen. In Vanessa Jopps tragischer, im Straßenkids-Milieu angesiedelten Liebesgeschichte "engel + joe" spielte Stadlober den 17-jährigen Ex-Junkie Engel, der auf der Kölner Domplatte die 15-jährige Joe (Jana Pallaske) kennen und lieben lernt. Eine verrückt-abenteuerliche Odyssee durch das München der frühen Achtzigerjahre durchlebte Stadlober an der Seite von "Crazy"-Co-Star Tom Schilling in "Verschwende deine Jugend": Als Manager von Apollo Schwabing organisiert Schillings Harry ein gigantisches Konzert mit Stadlobers Band im Vorprogramm und den NDW-Stars DAF als main act - wobei letztere erst spät von ihrem Glück erfahren.
Zurück auf erfolgreichem "Crazy"-Terrain bewegt sich Marco Kreuzpaintners "Sommersturm", eine Coming-of-Age-Geschichte in der Ruderer Tobi (Stadlober) durch das offensive Verhalten eines schwulen Ruderteams seine bisher so eindeutige sexuelle Orientierung in Frage gestellt sieht. 2005 gewann er dafür den Undine Award als bester jugendlicher Hauptdarsteller. Der Österreicher bekam ein Jahr später die Rolle des jungen Kaiser Wilhelm in Robert Dornhelms Fernsehfilm "Kronprinz Rudolf" (Max von Thun in der Hauptrolle) und dem Nachfolgefilm "Kronprinz Rudolfs letzte Liebe". Nach Kurzauftritt im "Tatort: Der Teufel vom Berg" und der Synchronarbeit an Hayao Miyazakis "Das wandelnde Schloss" war er 2006 als Titelheld in "Peer Gynt" nach dem gleichnamigen Stück von Henrik Ibsen zu sehen. Regisseur Uwe Janson stellte dem nach Taten durstenden Peer die in sich ruhende Geliebte Solveig (Karoline Herfurth) gegenüber. Zusammen mit Tom Schilling spielte er in der anarchistisch derben Berlin-Komödie "Schwarze Schafe" von Oliver Rihs einen Loser mit viel Witz und karikiert sich dabei selbst gehörig.
Die Filme zu Gast bei Freunden
Ob Heinz Badewitz schon 1967, als die Hofer Filmtage mit dem inoffiziellen Titel "Das kleinste Filmfestival der Welt" erstmals veranstaltet wurden, abschätzen konnte, welch wunderbare Entwicklung diese Veranstaltung in den vier darauf folgenden Jahrzehnten nehmen würde?
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Film ab in Hof! (Foto: Fabian Döhla)
Vermutlich nicht - was aber auch keine Rolle spielt: Denn noch heute, zum 40-jährigen Jubiläum der Internationalen Hofer Filmtage, leitet Badewitz die Geschicke dieses einzigartigen Festivals selbst und bestimmt damit die Richtung.
Womit wir beim zweiten Titel angekommen sind: Der "dienstälteste Festivalleiter Europas" hat es auch in diesem Jahr wieder geschafft, eine wunderbare Kombination aus Anspruch und Unterhaltung ins Programm zu nehmen - und damit das bereits hohe Niveau der Vorjahre erneut übertroffen.
Ganz ohne Tricks ging's dann aber auch nicht: Um die Vielzahl der sehenswerten Filme ins Programm zu bekommen, durfte man diesmal einen Tag früher in die Hofer Kinos - was auch, zumindest haben wir's so empfunden - den Kampf um die begehrten Karten angenehm entschärfe.
Volles Programm
Selbst wer sich spontan ins oberfränkische Hof begab und den allmorgendlichen Verkauf für den nächsten Tag aufgrund einer der vielen und exzessiven Filmtage-Partys verpasste, der konnte sich im Laufe des Tages noch Plätze für eine der rund 80 Erstaufführungen sichern.
Besonders schön: Obwohl ein Festival dieser Größe einer entsprechend professionellen Organisation bedarf, hat der unvergleichliche Charme der Hofer Filmtage auch im vierzigsten Jahr nicht gelitten. Ein sichtlich gut gelaunter Christoph Schlingensief begegnet einem lachend im Foyer (und weckt die Fra,ge mit welchem Film er in Hof eigentlich mal wieder unvorbereitete Zuschauer schocken möchte), und Regisseur Detlev Buck lobt im Gespräch mit KINO.DE die familiäre Atmosphäre und die einzigartige Stimmung. "Man fühlt sich eben immer noch zu Hause", so Buck.
Wir können nur zustimmen und sprechen abschließend noch unsere persönlichen Empfehlungen aus. Nach dem Eröffnungsfilm "Schwere Jungs" von Marcus H. Rosenmüller liefert Oliver Rihs' "Schwarze Schafe" dem Duo Stadlober/Schilling eine wunderbare Plattform und sorgt für reichlich Szenenapplaus.
Wir verlassen den mit dem Eastman-Förderpreis ausgezeichneten "NimmerMeer" von Toke C. Hebbeln nachdenklicher - um dann eine wunderbar aufspielende Heike Makatsch in "Schwesterherz" zu bewundern.
Einige der gezeigten Filme möchte man dann auch am liebsten gleich erneut sehen: so etwa Bernd Langes "Rabenbrüder" oder die österreichische Dokumentation "Aus der Zeit". Da die Beschreibung dieser kleinen und großen Meisterwerke den Rahmen jeder Berichterstattung sprengt, verbleiben wir abschließend mit der Empfehlung an Film- und Kino-Fans, im nächsten Jahr selbst vor Ort zu sein. Denn derzeit gibt es europaweit wohl nur in Hof diese exklusive Mischung aus Kult, Kultur und ganz großem Kino!