Er macht Filme, die tief berühren: Kaum einer lotet Konflikte und Gefühle so aus wie der preisgekrönte Regisseur und Drehbuchautor Robert Benton. In seinem fesselnden Drama "Der menschliche Makel" trieb er Anthony Hopkins und Nicole Kidman zu Höchstleistungen.
ROBERT BENTON: Ich habe den Roman richtig verschlungen und wollte ihn verfilmen. Aber dann erfuhr ich, dass die Rechte schon verkauft waren und Nicholas Meyer als Drehbuchautor fest gebucht war. Also habe ich mich nicht mehr um die Angelegenheit gekümmert. Und dann landete das Drehbuch auf meinem Schreibtisch. Ein Glücksfall.
Das Buch beleuchtet den politischen Hintergrund sehr intensiv. Wir konzentrieren uns dagegen auf die starke emotionale Verbindung zwischen Coleman Silk und seiner letzten Liebe Faunia sowie die Geschichte des älteren und jüngeren Coleman. Dabei haben wir versucht, den Hauptsträngen des Romans, der mich in seiner Wucht an eine griechische Tragödie erinnert, treu zu bleiben und gleichzeitig filmischen Ansprüchen zu genügen.
Natürlich habe ich eine politische Meinung, aber ich wollte kein politisches Statement abgeben. Philip Roth schrieb den Roman auf dem Höhepunkt der Lewinsky-Affäre, als sich jeder das Maul über Präsident Clintons Eskapaden zerriss. Das schlägt sich natürlich auf den Inhalt nieder.
Ich fokussiere mich in all meinen Filmen immer auf die menschliche Beziehung zwischen den Figuren, auf die Entstehung und Lösung von Familienkonflikten. Bei "Der menschliche Makel" interessierte mich vor allem, wie ein Mensch seiner Herkunft und Familie den Rücken kehren und mit dieser Lebenslüge existieren kann. Er zahlt einen hohen Preis für das, was er unter Freiheit versteht, und wird am Ende Opfer seiner eigenen Selbsterfindung und -inszenierung.
Starke Charaktere: Nicole Kidman und Anhony Hopkins in "Der menschliche Makel" (Foto: Concorde)
Es gibt keine. Ich urteile nicht und gebe keine Antworten. Ich stelle Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen.
Gerade auf Grund der eigenen Erfahrungen halte ich mich zurück. Zwischen Regisseur und Drehbuchautor muss ein Vertrauensverhältnis bestehen, ein gegenseitiger Respekt. Regisseure, die glauben, alles besser zu wissen, machen schlechte Filme.
Im Rückblick empfinde ich die Zeit natürlich als fantastisch. Aber es dauerte vier Jahre, bis David Newman und ich das Skript verkaufen konnten. Ich war verheiratet und hatte ein Kind zu ernähren.
In der Not musste ich sogar meinen Schwiegervater um Geld anbetteln. Aber was tut man nicht alles, um in Hollywood zu überleben. Erst nach meinem Regiedebüt "In schlechter Gesellschaft" ging es aufwärts.
In den Siebzigern gab es Filme wie "Easy Rider" oder "Ein Mann sucht sich selbst". Es herrschte eine Aufbruchstimmung und große Offenheit. Es gab Platz für extreme Meinungen und Filme. Leider nur eine Luftblase. George Lucas' "Krieg der Sterne" markiert eine Zäsur. Das Epos spielte unvorstellbare Geldmengen ein und krempelte die ganze Produktionslandschaft um.
Eine große Produktionsfirma setzt einfach andere Prioritäten als eine kleine und unabhängige. Wer zig Mio. von Dollar investiert, will einen entsprechenden Rückfluss sehen. Lakeshore und Miramax sind noch Inseln, wo man kreative Freiheit genießt. Da wird nicht bis in den letzten Darsteller alles vorgegeben.
Ausnahmekönner unter sich: Benton und Kidman am Set von "Der menschliche Makel" (Foto: Concorde)
Ihr Status war nicht allein ausschlaggebend. Anthony Hopkins nimmt man den früheren Boxer ebenso ab wie den Universitätsprofessor. Mit Nicole Kidman habe ich schon in "Billy Bathgate" zusammen gearbeitet.Sie ist nicht nur schön, sondern eine der größten Charakterschauspielerinnen. Da muss man sich nur das Spektrum ihrer Rollen vergegenwärtigen, von "To Die For" über "Moulin Rouge" bis zu "The Hours".
Da fragen Sie mich zu viel. Manchmal glaube ich sogar, mit zunehmendem Alter wird man verletzlicher. Ehrlich gesagt, weise wollte ich eigentlich nie sein.