Amerikanischer Drehbuchautor und Regisseur. Richard LaGravenese wurde gleich für sein erstes Originaldrehbuch 1991 für den Oscar nominiert. Terry Gilliams "König der Fischer", aberwitzige Suche nach dem Gral im modernen New York, war eine bis dahin ungekannte Mischung aus John Irving, Woody Allen und Monty Python. "Fisher King" blieb ein Solitär, doch LaGraveneses Kunst der geschliffenen Dialogführung, sein Sinn für absurde Alltagsszenen und von zarter Trauer bestimmte Atmosphäre durchzog alle weiteren Drehbücher. Von "Die Brücken am Fluss" über "Der Pferdeflüsterer" bis zu "Freedom Writers" zieht sich LaGraveneses Stil der klugen Rede und sein pointierter Sprachwitz durch sein äußerlich unterschiedliches Oeuvre.
So schrieb er für den ketten rauchenden Schnellredner Denis Leary die schwarze Komödie "The Ref - No Panic" (1994), in der Leary das Ehepaar Kevin Spacey und Judy Davis am Weihnachtsabend zu Geiseln macht, und sorgte mit seiner einfühlsamen Coming-of-Age-Geschichte "Entfesselte Helden" (1995), in der ein Junge zwischen der krebskranken Mutter (Andie MacDowell) und seinen jüdischen Onkeln pendelt, für Diane Keatons gelungenes Regiedebüt. Er schaffte es in "Die Brücken am Fluss" (1995, nach dem Roman von Robert James Waller), Clint Eastwood und Meryl Streep als Fotograf und Farmersfrau in eine Liebesgeschichte zu verwickeln, die sich zum existenziellen Drama entwickelt. Die Screwball-Tonart bedient LaGravenese in der Geschlechterkampfkomödie "Liebe hat zwei Gesichter" (1996) mit Barbra Streisand, Jeff Bridges und Pierce Brosnan.
Nach dem Welterfolg von Robert Redfords "Der Pferdeflüsterer" (1998, nach dem Bestseller von Nicholas Evans), versuchte sich LaGravenese erstmals als Regisseur und holte aus dem Zufalls-Paar Holly Hunter und Danny De Vito in "Wachgeküsst" (1998) ungeahnte Zwischentöne heraus. Das gelingt ihm auch in der Episode "Pigalle" aus "Paris, je t'aime" (2006) zwischen Fanny Ardant und Bob Hoskins. Mit Oscar-Preisträgerin Hilary Swank arbeitete er gleich zweimal zusammen: In "Freedom Writers" (2006) und in "P.S. I Love You" (2007/08). Richard LaGravenese wurde 1959 in Brooklyn, New York, geboren, studierte Theaterwissenschaften an der New York University, wo er 1980 mit einem B.F.A.-Diplom abschloss, versuchte sich als Standup Comedian und schrieb sein erstes Drehbuch für die Komödie "Rude Awakening" (1989), in der zwei Hippies nach zwanzig Jahren auf die Yuppie-Kultur der 80er-Jahre treffen. 1998 war er nicht genannter Script Doctor für Steven Soderberghs "Erin Brockovich" (mit Julia Roberts). 2003 produzierte und inszenierte er "A Decade Under The Influence", eine Dokumentation über die 70er-Jahre als Wendepunkt der amerikanischen Filmgeschichte: Die Regisseure und Autoren werden von heutigen Filmemachern interviewt. Für den Film wurde LaGravenese mit dem William K. Everson Film History Award und dem Preis des National Board of Review ausgezeichnet.
Richard LaGravenese lebt mit Frau und Tochter in Manhattan.
"Paris je t'aime" eröffnet Un Certain Regard
Während noch über mögliche Cannes-Wettbewerbsbeiträge spekuliert wird, sorgt die Festivalleitung auf einem wichtigen Nebenschauplatz für Klarheit.
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Liebeserklärung an eine Stadt - Eröffnungsfilm "Paris je t'aime" (Foto: X-Verleih)
Der Episodenfilm Paris, je t'aime wird die Reihe Un Certain Regard am 18. Mai, dem zweiten Festivaltag an der Croisette, eröffnen.
"Paris je t'aime", der von Claudie Ossard (bekannt für ihre Arbeiten mit Jean-Pierre Jeunet) und Emmanuel Benbihy produziert wurde, erzählt in 20 Episoden unterschiedlicher Regisseure von den ebenso vielen Bezirken der Stadt. Jeweils fünf Minuten hatten die Filmemacher für ihre Kurzfilme. Vertreten sind Regisseure wie: Alfonso Cuaron, Gurinder Chadha, Gus Van Sant, Joel und Ethan Coen, Nobuhiro Suwa, Alexander Payne, Richard LaGravenese, Tom Tykwer, Vincenzo Natali, Walter Salles, Wes Craven, Olivier Assayas, Sylvain Chomet, Gerard Depardieu und Bruno Podalydes.
Zu den großen Namen auf der Besetzungsliste zählen unter anderem Juliette Binoche, Maggie Gyllenhaal, Nick Nolte, Steve Buscemi und Willem Dafoe. In der Episode "True" von Tom Tykwer spielen Natalie Portman und Melchior Beslon ein Liebespaar. Bereits 2004 war die Episode als Vorfilm von "Was nützt die Liebe in Gedanken" in deutschen Kinos zu sehen gewesen.