Unglaublich klein kommt sich der Zuschauer im Kinosessel vor, wenn die riesigen Drachen sich aus schwindelerregenden Höhen auf die Erde hinabstürzen: Gebannt starrt er auf die Leinwand, wenn die Kolosse die Filmkulissen in eine Flammenhölle apokalyptischen Ausmaßes verwandeln.
Zwar hat sich Regisseur Rob Bowman mit Christian Bale und Matthew McConaughey zwei exzellente Hauptdarsteller für "Die Herrschaft des Feuers" geangelt. Trotzdem steht außer Frage, wer die wahren Stars sind: die computeranimierten Fabelwesen. Doch wie gelang es der Crew um Bowman, die Feuerspucker so fürchterlich und realistisch umzusetzen?
Der Regisseur gibt unumwunden zu, dass ihm die Visualisierung der Monster die meisten Kopfschmerzen bereitete. Natürlich hatte er eine ungefähre Vorstellung, wie die Ungeheuer auszusehen hätten: "Bösartig und so schrecklich wie möglich" waren die Vorgaben, mit denen er sich an Richard Hoover und Dan DeLeeuw wandte. Beide gehören auf dem Gebiet der Visual Effects zur Creme de la Creme Hollywoods. "Rob machte uns von Anfang an klar, dass er einen Drachen will, der absolut glaubwürdig aussieht", erinnert sich DeLeeuw.
Feuerfachmann Quinn (Christian Bale) und Militario Van Zan
(Matthew McConaughey)
bekämpfen die Monster...
Drachen-Albträume
Insgesamt neun Monate arbeitete das Visual-Effects-Duo an den Lindwürmern. Jeden Muskel, jeden Knochen und jede Drüse entwarfen die beiden am Computer. Auch Bowman zeigte sich überrascht, welcher Aufwand nötig war: "Ich dachte, es wäre viel einfacher. Man entwirft das Ungeheuer, die Jungs speisen alles in den Computer ein, damit ist das Ganze erledigt. Aber so funktioniert es eben nicht."
Die richtigen Probleme begannen, als Hoover und DeLeeuw ihrem Geschöpf Leben einhauchten. Vor allem die Bewegungen des Fabelwesens verursachten dem Trick-Duo schlaflose Nächte. Letztendlich warfen Hoover und DeLeeuw ihre persönlichen Vorstellungen über Bord und bedienten sich bei verschiedenen Raubtieren:
Mix-a-Dragon
"Befindet sich der Drache auf dem Boden, bewegt er sich wie ein Leopard. Seine Laute ähneln denen einer angriffslustigen Kobra, und seine Haut gleicht der eines Alligators", erklärt Bowman.
Ein winziger afrikanischer Käfer löste die größte Schwierigkeit, die während des Entwicklungsprozess der Ungeheuer auftauchte: Wie sollen die Reptilien Feuer speien?
Anfangs war Bowman sogar dagegen, dass sie diese Fähigkeit überhaupt haben sollten. Er ging nämlich davon aus, dass die Geschöpfe sich das eigene Maul verbrennen würden, wenn Feuer aus ihrem Rachen käme.
Kleiner Käfer ganz groß
Doch besagter Käfer hat eine besondere Technik, Feuer zu machen - und zwar ohne sich dabei selbst in den Flammentod zu befördern: Das Insekt sondert bei Gefahr zwei verschiedene Substanzen aus. Treffen die beiden Stoffe aufeinander, entzünden sie sich. Und diese Fähigkeit übernahm Bowman für seinen Film: "Unser Drache besitzt Drüsen, mit denen er verschiedene Chemikalien verspritzen kann, die in einer Entfernung von etwa fünf Metern vor dem Maul miteinander reagieren und riesiges Feuer entfachen."
Das alles reichte allerdings noch nicht aus, um ein realistisches Bild der Monster auf die Leinwand zu zaubern. Schließlich werden sie die meiste Zeit im Flug dargestellt. Wie sieht es aus, wenn ein tonnenschweres Lebewesen mit einer Flügelspannweite von bis zu 50 Metern durch die Luft schießt?
Anmutige Flieger
Bowman und seine Visual-Effects-Crew simulierten verschiedene Flugstile auf dem Computer. "Wir haben lange experimentiert, wie der Drache fliegen soll. Soll er durch die Lüfte flattern, vom Himmel hinabstürzen oder nur über den Horizont gleiten? Wir entschieden uns, sie gleiten zu lassen."
So schuf Bowman spektakuläre Wesen, die gleichsam als Vollstrecker des Jüngsten Gerichts Menschen jagen und verschlingen. Es ist ihm gelungen, seine Kreaturen furchteinflößend, dämonisch und majestätisch erscheinen zu lassen, ohne dabei seine oberste Prämisse aus den Augen zu verlieren: feuerspeiende Flugwesen zu kreieren, die der Zuschauer als glaubwürdig empfindet.