Der 1963 geborene Ernst Ulrich Figgen, der sich später Phillip Boa nennen soll, tritt als Musiker in der Formation Erste weibliche Fleischergesellen seit 1945 in Hagen erstmals in Erscheinung, damals noch als Gastgitarrist. 1983 gründet er gemeinsam mit seiner späteren Lebensgefährtin Heide Bohr alias Pia Lund und dem Schlagzeuger Uwe Voodoo die Gruppe Phillip Boa & The Voodoo Club, die nach eigenem Bekunden antritt, die verkrusteten Hörgewohnheiten der Deutschen zu revolutionieren. Die heimische Szene wird als todlangweilig empfunden, und man äußert dies im Titel der ersten Veröffentlichung, der Mini-LP "Most Boring World", die 1984 erscheint. Boa nörgelt in mehr oder weniger gekonntem Englisch, Lund piepst und Uwe Voodo trommelt so, als müsse er seinem Pseudonym auf jeden Fall gerecht werden. Viele entdecken im Voodoo Club etwas ganz und gar einzigartiges, zumindest für das Deutschland der frühen Achtziger Jahre. Die Fans wählen Boa auf Platz eins der deutschen Indie-Charts. Mit dem Album "Philister" (und einer aufgestockten Besetzung) gelingt es der Underground-Institution ein Jahr später sogar, das Interesse der popmusikalischen Gralshüter auf den britischen Inseln zu wecken. Ein Erfolg, der sich mit "Aristocracie" 1986 wiederholt. Auf dem bandeigenen Label Constrictor erschienen, wird die Platte für Boa und Kollegen auch zu einem kommerziellen Erfolg. Für den 1987 vollzogenen Wechsel zum Major Polydor muss der deutsche Indie-Papst Boa viel Schelte von Fans und Kollegen einstecken, bleibt sich jedoch stilistisch - zumindest unter der nun etwas glatteren Oberfläche - einigermaßen treu. In den frühen Neunzigern gipfelt der Erfolg in Alben wie "Hispanola" (1990) und einer vom Berliner DJ Westbam neu abgemischten Neuauflage seines großen Achtziger-Hits "This is Michael". Boa überschätzt sich, legt sich Starallüren zu, verscherzt sich viele Sympathien. 1991 siedelt er samt Pia und Familie nach Malta über und verlängert von dort aus seinen Vertrag mit Polydor, angeblich für rund vier Millionen Mark. 1993 erscheint das umstrittene Album "Boaphenia", das mit verschiedenen Gastmusikern eingespielt worden ist und die Gratwanderung zwischen Charts und Untergrund fortsetzt. 1994 und 1995 erscheinen zwei Alben von Boas Zweitband "Voodoocult", die mit mäßigen Ideen, dafür mit umso lauteren Gitarren aufwarten. Nach dem Auseinanderbrechen seiner Ehe veröffentlicht Boa das Soloalbum "Lord Garbage" (1997), welches gesetzter daherkommt, kurz darauf kommt der Voodoocult wieder ins Spiel. Auf dem neuen Album "Decadence & Isolation" (2005), dessen Titel autobiografischer nicht sein könnte, finden sich auch wieder einige Duette mit Pia Lund.