- Foto: http://images.kino.de/flbilder/max05/bf05/bf34/b0534118/b150x150.jpg Philippe Haïm

Steckbrief

Philippe Haïm


  • Geburtstag
    02.09.1967
  • Geburtstag
    02.09.1967
  • Geburtsland
    Frankreich

"Til überzeugte mich als Lucky Luke"

Mit der Comicverfilmung "Die Daltons gegen Lucky Luke" begeisterte Philippe Haïm in Frankreich mehr als zwei Millionen Zuschauer. Die Rolle des coolen Cowboys spielt ein Deutscher: Til Schweiger.

Großansicht Hauptdarsteller Til Schweiger im Schulterschluss mit Regisseur Philippe Haïm (Foto: Falcom)

Hauptdarsteller Til Schweiger im Schulterschluss mit Regisseur Philippe Haïm (Foto: Falcom)

» Wann stießen Sie erstmals auf "Lucky Luke"?

PHILIPPE HAÏM:

Im Alter von sechs oder sieben Jahren. Ich liebte coole Cowboys und entdeckte wenig später den Western für mich. Bei den Comics zählten Lucky Luke, Tim und Struppi und Asterix zu meinen absoluten Favoriten. Als mein Agent mich anrief, wollte ich das Drehbuch zu "Die Daltons gegen Lucky Luke" gar nicht erst lesen, sondern sofort den Vertrag unterschreiben.

Die erste Fassung fand ich nicht so gut, aber die nächste unter Mitwirkung des Komikerduos Eric und Ramzy, die Darsteller von Joe und Averell, war fantastisch. Ich stand sowieso schon in den Startlöchern, nachdem ein Projekt nach sechsjähriger Vorbereitung zehn Tage vor Drehstart wegen der Finanzierung platzte.

Großansicht Die vier Dalton-Brüder sind auf der Suche nach einem Zaubersombrero (Foto: Falcom)

Die vier Dalton-Brüder sind auf der Suche nach einem Zaubersombrero (Foto: Falcom)

» Wie treu sind Sie der Comicvorlage geblieben?

Unser ideales Publikum sind Kinder von sechs bis 15 Jahren und Familien. Man muss die Comics nicht gelesen haben, um den Film zu verstehen. Wir haben einiges am Drehbuch geändert, sind aber visuell dicht an der Vorlage geblieben mit Kostümen, Farben und den typischen Figurmanierismen. Das Storyboard umfasste über 5.000 Zeichnungen.

» Ängstigte Sie die Größe des Projekts?

Auch bei einem Budget von 25 Millionen Euro kommt es auf Durchsetzungsfähigkeit und Respekt an. Wenn ich seriös und hart arbeite, folgt die Anerkennung. In den 13 Monaten Produktionszeit hatte ich keine Zeit, nervös zu sein. Einzig die Vorstellung, keine Entscheidung wieder rückgängig machen zu können, verursachte mir Unbehagen.

Großansicht Westernheld Lucky Luke mit seinem sprechenden Pferd Jolly Jumper (Foto: Falcom)

Westernheld Lucky Luke mit seinem sprechenden Pferd Jolly Jumper (Foto: Falcom)

» Sie haben in Frankreich, Spanien und Deutschland gedreht. Ein zusätzlicher Stress?

Eine spannende Erfahrung, vor allem die vier Wochen in den MCC-Studios mit ihrer tollen Atmosphäre. Das deutsche Team hat mich durch Genauigkeit und Zuverlässigkeit verblüfft. Die Mitarbeiter in allen Abteilungen, vor allem die Techniker, waren spitze. Nicht, dass die Spanier faul sind, aber sie sind etwas flatterhafter, mediterran eben, und halten nichts von großer Pünktlichkeit.

» Lohnen sich europäische Koproduktionen bei der ganzen Reiserei?

Es ist eine gute Lösung, wenn man allein nicht weiterkommt. Auch wenn die Kosten durch nomadenähnliches Herumziehen und nervtötende Bürokratie immens steigen. Vor die Wahl gestellt, Koproduktion oder gar kein Film, brauche ich nicht lange zu überlegen. Natürlich wäre es in Frankreich einfacher gewesen, aber das ging auf Grund der Geldgeber nicht.

Großansicht Ma Dalton sagt ihren Söhnen, wo's lang geht (Foto: Falcom)

Ma Dalton sagt ihren Söhnen, wo's lang geht (Foto: Falcom)

» Mussten Sie einen deutschen Schauspieler engagieren?

Das erfordern die Gegebenheiten. Til Schweiger überzeugte mich als Lucky Luke. Er brachte viel Humor in seine Rolle und besaß die passende Ausstrahlung für diese legendäre Figur.

» In Frankreich erreichte Ihr Film mehr als zwei Mio. Zuschauer, die Presse reagierte mit Häme.

Wer an das Publikum denkt, den straft die französische Kritik meistens ab. Außerdem wissen Journalisten oft nicht, was sie mit einem Kinder- oder Familienfilm anfangen sollen. Ich hasse diese ideologische Aufteilung in Unterhaltungs- und Autorenfilm, das Schaffen von künstlichen Widersprüchen.

Die Fronten sind verhärtet, Presse und Publikum driften immer weiter auseinander. Eine seltene Ausnahme war "Die Kinder des Monsieur Mathieu". Der französische Kritikerdrang zur Unterscheidung in "Gut" und "Böse" schadet nur dem Kino, das für alle da sein sollte. Warum spricht man bei uns einem Film das Existenzrecht ab? Da hängt so viel Arbeit und Herzblut dran.

"Die Daltons" gab es nicht zum Schnäppchenpreis. Geld bringt wieder Geld, das darf man nicht einfach in den Sand setzen. Die Zahlen sprechen für sich. Wir haben unser Ziel erreicht. Jetzt vertrauen mir die Produzenten. Auch Jean-Pierre Jeunet hätte ohne "Die fabelhafte Welt der Amélie" nie "Mathilde - Eine große Liebe" realisieren können.


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