- Foto: http://images.kino.de/flbilder/max04/bf04/bf44/b0444136/b150x150.jpg Philipp Budweg

Steckbrief

Philipp Budweg


"Beim Film hat mich nichts mehr geschockt"

Mit "Aus der Tiefe des Raumes" gibt der erfahrene Theaterregisseur sein Spielfilmdebüt. KINO.DE sprach mit Gil Mehmert über die skurrile Komödie um eine lebendig gewordene Tipp-Kick-Figur.

Großansicht Gil Mehmert am Set mit Hauptdarsteller Eckhard Preuß (Foto: timebandits films)

Gil Mehmert am Set mit Hauptdarsteller Eckhard Preuß (Foto: timebandits films)

» Trotz der märchenhaften Story verstehen Sie "Aus der Tiefe des Raumes" als Erwachsenenfilm?

GIL MEHMERT:

Meine Inszenierungen sind meistens Märchen für Erwachsene, weil ich sehr poetisch erzähle. Es gibt zwar Stücke, in die ich meinen kleinen Sohn nicht schicken würde, aber im Grunde sind meine Aufführungen Generationen übergreifend.

Ich hatte nie die Ambition, einen Familienfilm zu machen. Ich habe einen Film gemacht, dessen Grundidee wahnsinnig bescheuert ist. Wenn mir jemand sagen würde, ich will einen Film machen über ein großgewordenes Tipp-Kick-Männchen, würde ich sagen: "Haha, wie komisch!" Aber es reizt mich, einen Schwachsinn so aufzubauen, dass er Sinn ergibt. Es reizt mich, eine neue Perspektive zu öffnen.

Großansicht Tipp-Kicker unter sich (Foto: timebandits films)

Tipp-Kicker unter sich (Foto: timebandits films)

» Wie funktionierte es, diese abstruse Geschichte in eine universelle umzubauen?

Das funktioniert Schritt für Schritt. Die Grundidee hatten Eckhard Preuß und ich vor zehn Jahren. Wir hatten das Buch "Rebell am Ball" über einen der Helden unserer Jugend gelesen: Günter Netzer. Ich habe mich gefragt: "Warum ist der Typ so eigen? Weil er ein Tipp-Kick-Männchen ist!"

Die nächste Frage war, wie man daraus eine Geschichte machen kann. Lange habe ich versucht, das berühmte letzte Tor als Story auszubauen. Aber jeder weiß, wie diese Geschichte ausgeht, also habe ich mich gefragt, wie es zum ersten Tor kam? Eine Frage ergibt die nächste und so hat sich die Geschichte gebaut, die meiner Ansicht nach nur als Film funktioniert.

Großansicht Arndt Schwering-Sohnrey mit der fleischgewordenen Spielfigur (Foto: timebandits films)

Arndt Schwering-Sohnrey mit der fleischgewordenen Spielfigur (Foto: timebandits films)

» Was haben Sie beim Filmen anders gemacht als beim Theater?

Ich arbeite auch am Theater mit Filmtechniken wie Schnitt, Überblendung und Musikeinsätzen. Beim Inszenieren bestimme ich genau den Rhythmus und wo die Zuschauer hingucken sollen. Auch wenn man am Theater in der Totalen arbeitet, denke ich an Details, Close-ups.

Um diesen Film machen zu können, das Handwerk zu lernen, habe ich vor fünf Jahren einen Kurzfilm gedreht. "Ukulele Blues" ist auch eine sehr poetische Geschichte, ein Märchen und eine David-gegen-Goliath-Geschichte von einem Loser, der mit einem Schwachsinnsinstrument seinen Weg macht. Meine Figuren, Tipp-Kick- wie Ukulelespieler, werden belächelt und ich gebe ihnen eine Chance.

Großansicht Mit wenig viel und intensiv erzählen (Foto: timebandits films)

Mit wenig viel und intensiv erzählen (Foto: timebandits films)

» Von Ihrer Theatererfahrung konnten Sie auch in anderen Bereichen profitieren?

Ich habe mich aus der Bronx des Theaters hochgearbeitet und dadurch wahnsinnig viel gelernt. So hat mich beim Film nichts mehr geschockt. Wenn beispielsweise jemand sagte, das geht nicht, wir haben keine zwei Fußballmannschaften, konnte ich improvisieren.

Während Sönke Wortmann 2000 Leute castete, um eine 16-köpfige Mannschaft zusammen zu stellen, durfte ich nur 14 Leute casten, musste alle nehmen und alle waren gut. Beim Spiel waren nicht einmal alle 14 da. Man musste ganz genau schauen, wer schon im Bild war und später beim Schnitt tricksen. Wie wir Sachen gelöst haben, war manchmal absurder Trash. Aber das hat natürlich auch Spaß gemacht.

Großansicht Mehmert setzt schräges Kleinstadt-Feeling in Szene (Foto: timebandits films)

Mehmert setzt schräges Kleinstadt-Feeling in Szene (Foto: timebandits films)

» Wie haben Sie die ausgesprochen liebevolle Ausstattung hinbekommen?

Wir haben drei, vier Theaterfundi angezapft, wo unsere Ausstatter arbeiten.

» Der Soundtrack hört sich an wie original aus den 60ern.

Für den Etat bekommt man normalerweise nicht so eine Musik. Stefan Noelle und Alex Haas sind eine lebende Musicbox und können alles spielen und singen, sogar zweistimmig. Wir wollten nicht nur 60er-Jahre-Titel, sondern auch den 60er Jahre-Ton. So haben wir die alten Boxen, alte Klänge benutzt.

Großansicht Das berühmte letzte Tor - Günter Netzer lässt grüßen (Foto: timebandits films)

Das berühmte letzte Tor - Günter Netzer lässt grüßen (Foto: timebandits films)

» Wie kam es überhaupt zum ersten gemeinsamen ersten Film?

Es ist sehr organisch gewachsen. Johannes Schmid war während seines Studiums mein Regieassistent am Theater. Ich wollte nichts krampfhaft forcieren und an Bernd Eichingers Tür klopfen. Und als mein Assistent plötzlich Filmproduzent wurde, überlegten wir, "Aus der Tiefe des Raumes" als erstes Werk einzureichen.

» Haben Sie eine bestimmte Vorstellung, welche Zuschauer in den Film gehen werden?

Es geht darum, Leuten eine Chance zu geben, den Film zu entdecken. Ich hoffe, dass man ihm ansieht, mit wie viel Herzblut er gemacht ist. Wer reingeht, den muss der Film berühren und der muss ihn weiterempfehlen.

» Wollen Sie nach dieser Erfahrung noch einmal Kino machen?

Ich habe ein paar Themen im Hinterkopf. Ich muss aber noch rausfinden, für was ich mir diesen Stress wieder antue.


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