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Peter Weir

Peter Weir

Leben & Werk

Der australische Regisseur Peter Weir gehört filmgeschichtlich zu den Begründern des New Australian Cinema der 70er Jahre und gilt als sein wichtigster Autor. Er ging Anfang der 80er Jahre nach Hollywood, wo er mit nur wenigen Erfolgsfilmen einen bedeutenden Rang als Schöpfer ungewöhnlicher und kluger populärer Stoffe mit zeitrelevanten Themen einnahm.

Weir, geboren 1944 in Sydney, brach sein Kunststudium ab, arbeitete kurzfristig für seinen Vater, einen Immobilienhändler, und debütierte nach Erfahrungen beim Fernsehen mit der Horror-Groteske “Die Autos, die Paris auffraßen” (Vorläufer der “Mad Max”-Trilogie) als Regisseur. Bereits sein zweiter Film “Picknick am Valentinstag” (1975), eines der Hauptwerke der 70er Jahre, kreist um Weirs typische Themen: Die Geschichte von Schülerinnen, die um 1900 am berühmten Berg Ayers Rock mitten in der Wüste verschwinden, konfrontiert Naturmystik und den Einbruch des Irrationalen in eine scheinbar gefestigte rationale Welt. Diese Konfrontation findet sich auch in “Die letzte Flut” (1977), in “Mosquito Coast” (mit Harrison Ford) und in “Fearless – Jenseits der Angst” (mit Jeff Bridges).

Weirs “Gallipoli” (1981) schildert eine Episode aus dem Ersten Weltkrieg, in der australische Soldaten in der Türkei von den Briten als Kanonenfutter verheizt werden. Der Film begründete die Karriere von Mel Gibson, der in Weirs “Ein Jahr in der Hölle” einen Rundfunk-Korrespondenten in Indonesien spielte, das ihm letztlich fremd bleibt. Weirs Thriller “Der einzige Zeuge” (1985) gehört zu den besten Kriminalfilmen überhaupt und konfrontiert einen Großstadt-Cop (Harrison Ford) mit der Kultur der agrarischen Amish-People. Der Film wurde ein Welterfolg, ebenso wie “Der Club der toten Dichter” (1989), der zur Thematik seines Meisterwerks “Picknick am Valentinstag” zurückkehrt und als Plädoyer für die Entfaltung Heranwachsender gelesen werden kann. Der von Robin Williams gespielte Internatslehrer, der die Schüler zum “carpe diem”-Prinzip aufruft, will das System verbessern und scheitert. Rebellieren wird erst Jim Carrey in “Die Truman Show” (1998), einer Mediensatire, in der ein naiv-gutgläubiger Mensch erkennen muss, dass er 30 Jahre als “Baby des Fernsehens” in einem gigantischen Studio in einer Reality-Soap gelebt hat. Weirs “Green Card – Scheinehe mit Hindernissen” (1990), für Gérard Depardieu und Andie MacDowell geschrieben, ist in ihrer poetisch-leichten Stimmung eine der schönsten Liebeskomödien der 90er Jahre.

2003 meldete sich Weir mit dem atmosphärischen Hochseeabenteuer “Master and Commander” zurück, in dem Russell Crowe als Kapitän die Rolle des Suchenden inne hat, der nicht nur der feindlichen französischen Fregatte hinterher jagt, sondern – charakteristisch für Weir – die Bedeutung des Daseins erfassen will. Weir selbst versucht dabei, den Zuschauern die Erfahrung der Seefahrt so intensiv wie möglich zu vermitteln. Eine Attraktivität von Historienfilmen sieht er in der Möglichkeit, andere Typen von Männlichkeit präsentiert zu bekommen: “Denn letztlich ist das doch ein Thema von Filmen dieser Art: Was heißt es, ein Mann zu sein?”

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