Von den Regisseuren des New Hollywood gehörte der 1939 geborene Peter Bogdanovich aus Bewunderung für die alten Meister, deren Stil er variierte, zu den Traditionalisten und stand damit zu der im Aufbruch befindlichen Generation von Coppola, Scorsese, Altman etc. in Opposition. Andererseits schätzten Kollegen wie Brian De Palma oder John Carpenter ebenso wie er selbst die Hollywood Professionals, über die der Filmkritiker Bogdanovich Studien schrieb. Bogdanovich debütierte als Regisseur im Umkreis der Roger-Corman-Factory mit "Targets", einem Film um zwei Männer, einen alten Horrorfilmstar (Boris Karloff) und einen Soziopathen, deren Wege sich kreuzen. Berühmt wurde er mit der Kleinstadtchronik "Die letzte Vorstellung", in der die Schauspielerin Cybill Shepherd, seine zeitweilige Lebensgefährtin, spielte. Bogdanovichs größter Erfolg wurde die turbulente Screwball Comedy "Is' was, Doc?" (1972, mit Barbra Streisand und Ryan O'Neal), die von Howard Hawks' "Leoparden küsst man nicht" inspiriert wurde. Ebenso erfolgreich war die während der Depressionszeit spielende Tragikomödie "Paper Moon", in der Ryan O' Neal und seine Tochter Tatum ein Betrügerpaar spielten. Seine Henry-James-Verfilmung "Daisy Miller", die Motive der späteren James-Ivory-Filme vorwegnahm, war wie die folgenden Filme der 70er (das Musical "At Long Last Love" und der Tribut an die Filmpioniere mit "Nickelodeon") ein Misserfolg. Mit der von John Cassavetes' "Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers" inspirierten Charakterstudie "Saint Jack" (mit Ben Gazzara) erlangte er einen Achtungserfolg. Dem Behindertendrama "Die Maske" (mit Cher als Mutter eines Elefantenmenschen) folgten mit "Texasville" eine - nach 20 Jahren - mit teils denselben Schauspielern gedrehte Wiederaufnahme von "Die erste Vorstellung, und die Theaterkomödie "Noises Off - Der nackte Wahnsinn". In dem Country-&-Western-Drama "The Thing Called Love" hatten River Phoenix und Sandra Bullock ihre ersten Filmrollen. Seit 1995 inszenierte Bogdanovich mehrfach für das Fernsehen. Bogdanovich lebte seit 1978 mit dem "Playboy"-Model Dorothy Stratten zusammen, die in seiner Komödie "Sie haben alle gelacht" spielte und 1980 von ihrem eifersüchtigen Ehemann brutal ermordet wurde. Bogdanovich schrieb darüber 1984 ein Buch, und Regisseur Bob Fosse inszenierte 1983 über die Ereignisse den Film "Star '80", mit Mariel Hemingway als Dorothy Stratten. Bogdanovich ist seit 1985 mit Dorothys Halbschwester und Lookalike Louise Hoogstraten verheiratet. Seine Interviews mit den klassischen Hollywood-Regisseuren sind gesammelt als Buch erschienen, ebenso sein über die Jahre geführtes Mammut-Interview mit Orson Welles, in dessen unveröffentlichtem Film "The Other Side of the Wind" er eine Rolle spielte.
Hollywood in Deutschland: "Ali" das Highlight beim Filmfest München
"Ali": Ein Höhepunkt beim Filmfest München
Endlich ist Michael Manns 105-Mio.-Dollar Spektakel "Ali" mit Will Smith auch hierzulande zu sehen. Das exzellente Portrait der Boxlegende ist der Topfilm beim Filmfest München.
"The Magic of Movies" ist das Motto des Top-Events für Filmfreunde und -macher. "Ein Film über die Größe der Liebe" wird das Festival eröffnen - so beschreibt der Begründer und Leiter des Filmfests Eberhard Hauff "Der Sohn der Braut" vom Argentinier Juan José Campanella.
Vom 29. Juni bis 6. Juli gibt es einige Hollywood-Produktionen, großes europäisches Kino und faszinierende Filme aus aller Welt zu sehen. So laufen in der Hauptreihe "World Cinema" Werke von Altstars wie Peter Bogdanovich und Manoel de Oliveira und Publikumslieblingen wie Pedro Almodóvar, sowie von den Regisseuren der Kurzfilmreihe "Ten Minutes Older" - von Jim Jarmusch, über Spike Lee bis Aki Kaurismäki.
Fans des unabhängigen amerikanischen Kinos kommen in Ulla Rapps traditioneller Independent-Reihe auf ihre Kosten, und auch das "Nouveau Cinema Français" und das Kinderfilmfest sind wieder mit dabei.
Neu im Programm ist die Reihe VideoArt & Experimental Film, mit der das Filmfest der wachsenden Anzahl der Medienkünstler ein Forum bieten wird.
Treu bleibt das Festival den deutschen Kino- und TV-Regisseuren, von festen Größen wie Dani Levy, Dominik Graf, Oskar Roehler und Oliver Hirschbiegel bis zu den Regisseuren von morgen.
Dem Nachwuchs widmet sich vom 26. Juni bis 3. Juli das Internationale Festival der Filmhochschulen mit zahlreichen Events und Preisen.
Kurzum: acht prall gefüllte Tage, um sich der Magie des Films hinzugeben.
Mehr: www.filmfest-muenchen.de