Paul W.S. Anderson gilt als einer der profiliertesten Genreregisseure der Welt. Mit seinem Partner Jeremy Bolt betreibt er Impact Pictures. Mit ihr verantwortet er u.a. die "Resident Evil"-Reihe. Nach einem neuen "Resident Evil"-Film und "Die drei Musketiere" wagt er sich mit "Pompeii" an sein bisher aufwendigstes Filmprojekt.
Ihre "Drei Musketiere" sind nicht unbedingt eine buchstabengetreue Version des Dumas-Romans.
PAUL W.S. ANDERSON: Ich bin mit Richard Lesters Version aufgewachsen, die die Vorlage sehr getreu adaptiert. Wenn ich eine getreue Bearbeitung sehen möchte, dann schaue ich mir sie an. Aber jede Generation bekommt ihre Version des Stoffes. Und so wollte ich einen hyperrealen Film machen, der auf das "Fluch der Karibik"-Publikum abzielt. Hätte man die "Fluch"-Filme als pure Piratenabenteuer angelegt, hätten sie wohl nicht funktioniert. Stattdessen bekamen sie ein Element der Magie - wir haben zwar keine Magie, aber dafür die Technologie von Leonardo Da Vinci. Unsere Musketiere werden damit auf unmögliche Missionen geschickt - sie sind die James Bonds des 17. Jahrhunderts.
Aber Sie mussten achtgeben, die traditionellen Erwartungen an den Stoff nicht zu verletzen.
Der Geschichte als solcher wollte ich auch treu bleiben. Wir haben die Schlüsselthemen bewahrt und auch alle wichtigen Handlungswendungen. Trotz aller Hyperactionsequenzen ist unser Film näher am Buch dran als die jüngeren Filme von Disney oder Peter Hyams.
Wie kam die Entscheidung zustande, hauptsächlich mit realen Motiven zu drehen und sie nur digital zu erweitern?
Sie wären schockiert, wenn Sie wüssten, wie viele reale Motive ich in meinen Science-Fiction-Filmen benutze. Meine Methode ist die gleiche geblieben. Es gibt hier keinen CG-Bullshit. Natürlich war es ein wenig kompliziert, in den historischen Baudenkmälern zu drehen. Aber es gelang uns, den ursprünglichen Widerstand der zuständigen Stellen zu überwinden.
Ein Wort zum Budget.
Ich kann nur sagen, es waren unter 100 Mio. Dollar. Ein Studiovertreter rief Martin Moszkowicz an und meinte, wir hätten den Film unmöglich für weniger als 150 Mio. Dollar machen können.
Wie vermeidet man dann qualitative Abstriche?
Indem wir - um eine beliebige Nummer zu nennen - statt sieben Actionszenen, die billig und plump aussehen, eben nur drei gedreht haben, die wir richtig groß gemacht haben. Auf einige geplante Sachen haben wir komplett verzichtet, weil sie überflüssig waren. Trotzdem hat kein Mensch das vermisst. Ich hatte noch nie bei einem Film so gute Testergebnisse, und immer wieder hörten wir von den Zuschauern: "Das ist wie 'Fluch der Karibik', nur mit mehr Action."
Ist die Zusammenarbeit mit der Constantin die ideale Konstellation?
Für mich schon. Ich brauche keine 200, 250 Millionen, um einen Eventfilm zu machen. Dafür schaffe ich es, in zwei Jahren zwei Produktionen zu drehen. Wir sind sehr schnell und beweglich, ohne die ganze Studiobürokratie. Nur vier Leute entscheiden: mein Produktionspartner Jeremy Bolt, Robert Kulzer, Martin Moszkowicz und ich. So gewannen wir den Wettlauf gegen Warners "Musketier"- Konkurrenzprojekt. Ich werde nie Bernd Eichingers Lieblingssatz vergessen: "Just go for it!" Ich bewundere auch den Mut der Constantin - die "Die drei Musketiere" sind das teuerste Projekt der Firma, und mit "Pompeii" übertreffen wir das noch.
Ein Katastrophenfilm wie "Pompeii" ist für Sie Neuland.
Natürlich wird auch das ein großes Spektakel werden. Aber ich werde älter, habe eine Familie, und gleichzeitig werde ich in bestimmten Sachen besser. Deshalb interessiere ich mich auch zunehmend für charakterorientiertere Stoffe. Oscar-Preisträger Julian Fellowes ("Gosford Park") arbeitet gerade das Drehbuch um.
Aber nach Deutschland werden Sie für die Produktion nicht zurückkehren?
Wir brauchen natürlich ein Land, das Licht und die Landschaften bietet, wie sie für Italien typisch sind. Gleichzeitig sind auch große Studioflächen nötig, da wir das Licht kontrollieren können müssen. Aber ich würde wahnsinnig gern wieder in Deutschland drehen - ein Teil des neuen "Resident Evil" entsteht ja in Berlin. Die Crews sind exzellent, die Stuntleute mit die besten der Welt, und selten findest du eine solche Leidenschaft.