Einer der renommiertesten Film-, Theater-und Opernregisseure Europas, der 1974 in Bayreuth mit seiner bis heute revolutionären Inszenierung von... - Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max03/kuk03/kuk37/u0337006/b150x150.jpg Patrice Chéreau

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Patrice Chéreau


  • Geburtstag
    02.11.1944
  • Geburtsort
    Lézigné, Maine-et-Loire

Einer der renommiertesten Film-, Theater-und Opernregisseure Europas, der 1974 in Bayreuth mit seiner bis heute revolutionären Inszenierung von Richard Wagners "Der Ring der Nibelungen" für Innovation sorgte und lange Jahre das Theater von Nanterre leitete, wo er Autoren wie Bernard-Marie Koltès entdeckte und förderte, erklärte Patrice Chéreau 2001, dass er sich von der Bühne inzwischen enttäuscht abgewendet habe, weil dem Theater im Gegensatz zum Film der Bezug zum Leben abhanden gekommen sei.

Chéreau ist ein wundervoller Schauspieler-Regisseur, der seine Darsteller offensichtlich liebt und mit ihnen statt gegen oder über sie arbeitet und sie, wie er wiederholt formulierte, vor den Schmerzen bewahren müsse, die ihre körperlichen und seelischen Entblößungen mit sich brächten. Lohn für diese Arbeit ist im Film u.a. der Goldene Bär der Berlinale 2001 für das in London in englischer Sprache nach Vorlagen des pakistanisch-stämmigen Autors Hanif Kureishi gedrehte Erotikdrama "Intimacy", das wegen seiner expliziten Sexszenen Aufsehen erregte. In Wahrheit ist "Intimacy" die bitter schmerzhafte Geschichte einer Frau (Kerry Foxx, Darstellerpreis in Berlin) und eines Mannes, die sich jede Woche ein Mal zum wortlosen Sex treffen und mit ihrem Arrangement scheitern, weil der Mann in das Alltagsleben der verheirateten Frau eindringt und es beinahe zerstört.

Chéreau wurde 1944 in Lézigné geboren und inszenierte bereits mit zwanzig Jahren in Paris und später auf Mailänder Bühnen. Sein Debütfilm "Das Fleisch der Orchidee" (1974) ist eine düstere Adaption von James Hadley Chases Roman, in dem Charlotte Rampling eine entführte Millionärstochter spielte. Dem Journalistenfilm "Judith Therpauve - Die letzte Ausgabe" folgte 1983 mit "Der verführte Mann" (seitdem stets Regie und Buch) die Studie eines jungen Mannes (Jean-Hugues Anglade), der aus seinem kleinbürgerlichen Milieu in die Welt der Stricher, Zuhälter und Kriminellen im Bahnhofsviertel eintaucht. Die Leidenschaft Henris ist formal in einem unerhörten Drive geschnitten, ähnlich wie in dem mit Handkamera gedrehten aufwühlenden Meisterwerk "Wer mich liebt, nimmt den Zug" (1997), in dem eine Gruppe Pariser Bohémiens im Zug dem Leichnam des 70jährigen Malers Roland Emmerich (Jean-Louis Trintignant) zur Beisetzung in Limoges folgt, wo auf dem Friedhof und im Haus des Zwillingsbruders (Trintignant) die Konflikte der Personen in der äußerst komplexen Tragikomödie ausbrechen.

Ein ebenso hervorragendes Schauspielerensemble wie in "Zug" führte Chéreau in "La reine Margot - Die Bartholomäusnacht" (1994). In einem vehementen Kraftakt stemmte Chéreau die historische Geschichte um die Ermordung der Hugenotten während der Hochzeit der Königin Margot (Isabelle Adjani) mit dem späteren Henri IV. (Daniel Auteuil) am 24. August 1572 in Paris zu einem bestürzenden Blutrausch mit aktuellen Anspielungen auf moderne Kriege und Völkermorde. Das Drama um Schuld, Inzest, Macht, Sühne und Leidenschaft brachte Virna Lisi als Königinmutter den Darstellerpreis in Cannes und lief in Deutschland nur in einer gekürzten Fassung.

Zwei Jahre nach dem Goldenen Bären für "Intimacy" wurde Chéreau in Berlin für "Sein Bruder" mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet. Nach einem Roman Philippe Bessons inszenierte Chéreau ein stilles Meisterwerk, in dessen Mittelpunkt der Verfall des Körpers des todkranken Thomas (Bruno Todeschini) steht. Dessen jüngerer Bruder Luc (Eric Caravaca) kümmert sich erst widerwillig um ihn, um schließlich engagiert Verantwortung zu übernehmen.

Chéreau beharrt bei allen seinen Filmen auf der Auffassung, dass er Realität nicht abbilden, sondern herstellen will und es als wichtige Aufgabe ansieht, einen Körper in einem Raum zu arrangieren: "Ich war schon immer selbst die Kamera." Als Darsteller war Chéreau u.a. in Andrzej Wajdas "Danton" (als Saint-Just), Youssef Chahines "Adieu Bonaparte" (als Napoleon) und Michael Hanekes "Wolfzeit" zu sehen.

  • Geburtstag
    02.11.1944
  • Geburtsort
    Lézigné, Maine-et-Loire
  • Geburtsland
    Frankreich

Filmografie

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