- Foto: Kurt Krieger http://images.kino.de/flbilder/max04/kuk04/kuk03/u0403028/b150x150.jpg P. J. Hogan

Steckbrief

P. J. Hogan


  • Geburtsort
    Brisbane
  • Geburtsort
    Brisbane
  • Geburtsland
    Australien

"Jedes schöne Märchen braucht einen Kuss"

Der überwältigende Erfolg der "Herr der Ringe"-Trilogie und die Harry Potter-Manie zeigen, dass die Sehnsucht nach einer märchenhaften Welt voller Fantasie größer ist denn je. So liegen auch der australische Regisseur P. J. Hogan und die US-Produzenten Lucy Fisher & Douglas Wick mit ihrer aufwendigen Realverfilmung von "Peter Pan" voll im Trend.

Großansicht P.J. Hogan und die "verlorenen Jungs" im Märchenland (Foto: Columbia TriStar)

P.J. Hogan und die "verlorenen Jungs" im Märchenland (Foto: Columbia TriStar)

» Hat der Erfolg von "Harry Potter" geholfen, "Peter Pan" zu verwirklichen?

LUCY FISHER: Unser Projekt war im Entwicklungsstadium, als der erste "Harry Potter" herauskam. Aber der Erfolg bewies, dass junge Zuschauer wieder Interesse an Romanverfilmungen haben. Schon vor 20 Jahren gab es Überlegungen einer Realverfilmung von "Peter Pan". Vor fünf Jahren wurde ich zum Vice Chairman bei Sony Pictures ernannt, und als ich hörte, dass Columbia die Rechte hält, setzte ich mich erneut für das Projekt ein. Zur Verstärkung holte ich meinen Mann Douglas Wick, der damals mit "Gladiator" für Furore sorgte.

Großansicht Das "Harry Potter"-Fieber nimmt kein Ende - ab Juni verzaubert der dritte Teil deutsche Kinogänger (Foto: Warner)

Das "Harry Potter"-Fieber nimmt kein Ende - ab Juni verzaubert der dritte Teil deutsche Kinogänger (Foto: Warner)

» Dodi Al-Fayed war Executive Producer bei "Hook". Sein Vater Mohamed hat die gleiche Position bei "Peter Pan". Wie ist der Zusammenhang?

DOUGLAS WICK: Noch bevor Steven Spielberg "Hook" realisierte, sicherten sich Mohamed Al-Fayed und sein Sohn Dodi die Filmrechte an "Peter Pan". Das brachte ihnen einen Credit ein, obwohl sie mit Spielbergs Film ansonsten nichts zu tun hatten.

FISHER: Unseren Film haben wir Dodi Al-Fayed gewidmet. Das haben wir mit seinem Vater ausgehandelt, um "Peter Pan" überhaupt drehen zu dürfen. Wir haben es gern getan.

Großansicht Spielbergs "Hook" zählt neben Walt Disneys "Peter Pan" von 1953 zu den beliebtesten Verfilmungen (Foto: Columbia TriStar)

Spielbergs "Hook" zählt neben Walt Disneys "Peter Pan" von 1953 zu den beliebtesten Verfilmungen (Foto: Columbia TriStar)

» Es gibt bereits zahlreiche Verfilmungen. Wie sehr ließen Sie sich davon beeinflussen?

P. J. HOGAN: Ich habe versucht, mich nicht beeinflussen zu lassen. Obwohl ich all die Filme kannte und mir auch "Hook" angesehen hatte, als ich über das Drehbuch zu meiner Verfilmung brütete. Aber nachdem es fertig war und wir nach einem geeigneten Look suchten, blendete ich alle Erinnerungen an frühere Filme aus und stellte mir vor, ich würde den ersten "Peter Pan"-Film drehen.

» Ihre Version ist romantischer. Es gibt sogar einen Kuss zwischen Peter und Wendy.

HOGAN: Der Kuss ist keine Erfindung von uns, den gab es schon in den ersten Theaterinszenierungen. Zur Theatertradition gehörte es auch, dass Peter von einer Frau gespielt wird. Ein Kuss zwischen zwei Frauen sollte damals bestimmt nichts Romantisches haben. Sogar in einem der Stummfilme übernahm eine Frau die männliche Hauptrolle.

Großansicht "Peter Pan", Wendy und Glöckchen auf dem Weg ins Nimmerland (Foto: Columbia TriStar)

"Peter Pan", Wendy und Glöckchen auf dem Weg ins Nimmerland (Foto: Columbia TriStar)

» Aber mit dieser Tradition wollten Sie brechen?

HOGAN: Ich glaube, Autor J. M. Barrie hätte gern einen Jungen in dieser Rolle gesehen. Schließlich war sein älterer Bruder das Vorbild für Peter Pan. Er starb mit zwölf Jahren. Ich wollte die Rolle unbedingt mit einem Jungen gleichen Alters besetzen.

» Sie haben sich also genau an die Vorlage gehalten?

HOGAN: So kann man das auch nicht sagen. Tatsächlich gibt es bei uns noch einen zweiten Kuss, der weder im Buch noch im Theaterstück auftaucht. Wendy und Peter küssen sich nochmals am Ende, weil ich finde, dass jedes schöne Märchen mit einem Kuss aufhören muss.

Großansicht Das Ehepaar Fisher und Wick produzierte das Familienabenteuer "Stuart Little 2" mit Geena Davis (Foto: Columbia TriStar)

Das Ehepaar Fisher und Wick produzierte das Familienabenteuer "Stuart Little 2" mit Geena Davis (Foto: Columbia TriStar)

» Damit lassen sich auch erwachsene Zuschauer begeistern.

HOGAN: Wir wollen nicht nur Kinder erreichen, sondern tiefer schürfen. In Amerika spricht man vom Peter-Pan-Syndrom - Männer, die sich nicht binden wollen. So ist auch Wendy betrübt, weil sie Peter Pan nicht halten kann. Er kann nie erwachsen werden, aber sie spürt, dass ihre Kindheit bald vorbei ist. Insofern ist "Peter Pan" für mich auch eine Coming-of-Age-Geschichte.

» War es schwierig, Peter und Wendy zu besetzen?

HOGAN: Absolut! Denn Peter und Wendy sind dermaßen berühmte Figuren, dass jeder eine Vorstellung davon hat, wie sie aussehen müssten. Wir mussten diesen Erwartungen gerecht werden, aber auch weiterdenken, weil wir den beiden mehr Tiefe geben.

FISHER: Wir sahen uns Darsteller aus England, Australien, Kanada, Irland und Neuseeland an. Die Darling-Kinder sollten aus einem der Commonwealth-Staaten stammen, während Peter auch von einem Amerikaner gespielt werden konnte, weil er aus dem Nimmerland kommt.

Großansicht Hook und seine Piraten schmieden finstere Pläne gegen ihren Erzrivalen "Peter Pan" (Foto: Columbia TriStar)

Hook und seine Piraten schmieden finstere Pläne gegen ihren Erzrivalen "Peter Pan" (Foto: Columbia TriStar)

» Warum haben Sie keine Kinderstars ausgesucht?

FISHER: Es gibt keine Kinder in diesem Alter, die berühmt sind.

WICK: Ausgenommen die aus US-Fernsehserien, die teilweise auch vorsprachen, aber keine Chance hatten, weil sie keinen britischen Akzent hatten.

HOGAN: In dieser Hinsicht wurden wir vom Studio nicht unter Druck gesetzt. Die Kosten für Spezialeffekte waren so hoch, dass man sich sowieso keinen Star mehr leisten konnte.

Großansicht Regisseur P.J. Hogan führte Julia Roberts zur Hochzeit ihres besten Freundes (Foto: Columbia TriStar)

Regisseur P.J. Hogan führte Julia Roberts zur Hochzeit ihres besten Freundes (Foto: Columbia TriStar)

» Warum wurde "Peter Pan" in Australien gedreht?

HOGAN: Weil wir den Film dort für viel weniger Geld als in den Vereinigten Staaten realisieren konnten.

FISHER: Das Budget lag ungefähr bei 100 Mio. Dollar.

HOGAN: Außerdem wollte ich eine vertrauensvolle Crew haben. Nicht, dass man die nicht auch in den USA bekommen könnte, aber mir war bewusst, dass sich der Dreh hinziehen würde. Australier sind dafür berühmt, nie ihren Humor zu verlieren und selbst, wenn es schwierig wird, professionell zu arbeiten.


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