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Steckbrief

Owen Paterson


ohne Abbildung

Der Set-Designer über "Matrix Revolutions"

"So etwas haben sie vorher noch nie gesehen!", brüsten sich die Macher der "Matrix"-Filme gerne. Owen Paterson darf die Ideen der Kinovisionäre in die Tat umsetzen. Der Set-Designer über die filmische Quadratur des Kreises.

Großansicht Setzt die Wachowski-Visionen in die Tat um: Owen Paterson

Setzt die Wachowski-Visionen in die Tat um: Owen Paterson

» Herr Paterson, wie war es denn, eine komplette Autobahn zu bauen?

OWEN PATERSON: Das war eine außergewöhnliche Erfahrung, wie eigentlich der gesamte Film. Larry und Andy Wachowski hatten für uns Produktionsdesigner ein sehr gutes Drehbuch geschrieben. Sehr gut bedeutet für uns, dass es sehr detailliert ist, genau Informationen über die Sets besitzt.

So hatten wir eigentlich schon einen Highway in Ohio für die Sequenz ausgewählt. Dann allerdings stellte sich heraus, dass wir eine Überführung brauchen. Die gab es nicht und dann passte die Jahreszeit nicht, also beschlossen wir: Hey, wir bauen das ganze verdammte Ding selbst. Und das war eine Riesensache. Auf der einen Seite sollte es schnell aufzubauen sein, um schnell etwas verändern zu können, auf der anderen Seite musste z.B. diese Überführung stark genug sein, um einen sieben Tonnen schweren Kran zu tragen.

Großansicht "Matrix Revolutions" setzt in Sachen Special Effects neue Maßstäbe (Foto: Warner)

"Matrix Revolutions" setzt in Sachen Special Effects neue Maßstäbe (Foto: Warner)

"IN GEWISSER WEISE IST ES EIN U-BOOT- ODER RAUMSCHIFF-FILM"

» Klingt nach einer Menge Ärger...

Den hatten wir auch. Aber so konnten wir ein tolles Set bauen, das zu 100 Prozent zum Film passt. Der Zuschauer wird bei unserem Freeway nicht durch Gebäude oder tolle Landschaften abgelenkt, sondern durch die röhrenartige Straße voll auf das Geschehen fokussiert. Außerdem passt die Enge hervorragend zum Gesamtkonzept der "realen Welt" in "Matrix".

» Korridore, Röhren, enge Gänge - das wirkt alles wirkt wie ein U-Boot-Film. Wurden Sie durch solche Vorlagen inspiriert?

Zum Teil. Es ging bei der realen Welt darum, einen sehr mechanischen, retro-orientierten Stil zu entwickeln. Irgendwann kamen wir dann auf die Faustregel, dass alles eng sein muss, zudem sollte alles was normalerweise hinter einer Wand, oder einer Abdeckung liegen würde, deutlich im Vordergrund zu sehen sein. Ja, in gewisser Weise ist es wohl ein U-Boot- oder ein Raumschiff-Film.

Großansicht Die vollendete Arbeit der CGI-Spezialisten im dritten Teil der Saga (Foto: Warner)

Die vollendete Arbeit der CGI-Spezialisten im dritten Teil der Saga (Foto: Warner)

» Wie klappte denn die Zusammenarbeit mit den Wachowskis? Sie sollen nicht unbedingt die pflegeleichtesten Regisseure sein?

Ach was! Mit den beiden zu arbeiten ist wirklich eine tolle Sache. Sie wissen genau was sie wollen und das macht es leichter für das Produktionsdesign, Sets zu entwickeln. Mein Job ist ganz einfach: Ich baue Dinge, die andere Leute sich vorstellen, die wieder andere gezeichnet haben - und manchmal geht es noch weiter, wenn die Special-Effects-Leute mit meinen Vorlagen weiter arbeiten. Das führt dazu, dass man vom Regisseur über die Conceptional Artists und die Set-Designer bis hin zu den CGI-Spezialisten ein Team bildet. Es greifen viele Rädchen ineinander, so müssen Schwierigkeiten immer gemeinsam gelöst werden.

» Sie haben in Australien und in den USA gedreht. Wie organisiert man den Aufbau und die Dreharbeiten über solch eine Entfernung?

Die First Unit dreht an einem Set höchstens eine Woche. Und wir waren da immer genau ein Set voraus: Wir waren gerade fertig mit unserem Kram, schon war die First Unit da. Wir sprachen die Änderungen ab, bauten um und machten uns auf zum nächsten Set. Wir drehten eigentlich nur an drei Sets zusammen mit der First Unit in Amerika: den Freeway, den Temple und den Park, in dem Neo mit dem Orakel spricht. Das war wohl das interessanteste Set, denn für die Kampfszenen mit den 250 Agent Smiths wurde das gesamte Set abgefilmt, digitalisiert und dann per Bluescreen in die Kampfszene eingefügt.

Großansicht Kampf der Titanen: Neo und Agent Smith lassen die Fäuste fliegen (Foto: Warner)

Kampf der Titanen: Neo und Agent Smith lassen die Fäuste fliegen (Foto: Warner)

"ES GING BEI 'MATRIX' UM DIE VERWIRKLICHUNG EINER VISION"

» Es ist also nicht so, dass die Bluebox irgendwann die klassischen Sets ablösen wird?

Auf keinen Fall! Es ging bei "Matrix" um die Verwirklichung einer Vision, das ist immer eine kollektive Arbeit. Die Set-Designer alleine schaffen das nicht und die Computerspezialisten alleine auch nicht. Sehen Sie, für kaum einen Film wurden so viele digitale Effekte aufgewendet wie für "Reloaded" und "Revolutions". Dennoch haben wir über 150 verschiedene Sets gebaut, von den Requisiten ganz zu schweigen.

Da auch noch sehr viele Kamerabewegungen vorgesehen waren, hatten die meisten Sets vier Wände und eine Decke. Die Kampfszene im Teehaus zum Beispiel: Natürlich wurde die Sequenz digital bearbeitet, aber die Schauspieler und Stuntleute haben wirklich in einem Raum gestanden, die Drähte hingen oben drüber und Kameramann Bill Pope wuselte zwischen all den Tischen und Bänken hin und her. Mit Bluescreen alleine wäre so etwas gar nicht zu bewerkstelligen.

Großansicht Für "Matrix Reloaded" musste Owen Paterson eine komplette Autobahn erschaffen (Foto: Warner)

Für "Matrix Reloaded" musste Owen Paterson eine komplette Autobahn erschaffen (Foto: Warner)

» Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit?

Larry und Andy kamen 1997 nach Australien um Locations zu besichtigen. Ich weiß nicht warum, aber sie kamen auf mich zu und baten mich, das Drehbuch zu lesen. Ich war hin und weg davon und so kam ich an Bord.

» Ganz ehrlich, was haben sie gedacht, als sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben?

Ganz ehrlich? Ich dachte mir, mein Gott ist das verrückt und dann schoss mir durch den Kopf: Wie soll man das denn filmen? Aber es ist wie immer beim Filmmachen: Nichts passiert von heute auf morgen. Du näherst dich der Vision an, feilst dir langsam einen Plan zurecht und irgendwann findest du einen Weg, das ganze zu realisieren, Schritt für Schritt. Im ersten Matrix-Film war ich völlig ratlos, wie man die Szene machen könnte, als Neo in dem Energie-Pod aufwacht. Wir haben angefangen mit nur einem Pod, haben dann ein größeres Set mit drei Pods gebaut, und noch eines mit dem Irisverschluss. Dann kam die Röhre dazu und schließlich zwei Unterwasser-Sets. Alles war plötzlich ganz logisch und dabei dachte ich mir beim Lesen der Szene: Himmel, wie soll man das machen?

» Bei allem was wir schon gesehen haben - was darf man denn von "Revolutions" noch erwarten?

Ich bin mir nicht sicher ob ich das verraten darf. Aber es ist tatsächlich das Ende der Geschichte, danach ist wirklich Schluss und beinahe alle offenen Fragen werden beantwortet.


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