Von seinen Schauspielern wurde er "Otto der Hunne" genannt, doch er entlockte ihnen auch wegen intensiver Proben vor dem Dreh die besten Leistungen... http://www.kino.de/_assets/pics/kinode-logo-150x50.png Otto Preminger

Steckbrief

Otto Preminger


  • Geburtstag
    05.12.1906
  • Geburtsort
    Wien
  • gestorben
    23.04.1986
ohne Abbildung

Von seinen Schauspielern wurde er "Otto der Hunne" genannt, doch er entlockte ihnen auch wegen intensiver Proben vor dem Dreh die besten Leistungen. Viele seiner Filme sind erst retrospektiv als die Meisterwerke erkannt worden, als die sie gelten müssen, so "Bonjour Tristesse" (1957), der großen Einfluss auf die "Nouvelle Vague" hatte und sie teilweise vorwegnahm. Er war der erste Regisseur in Hollywood, der das übergroße Cinemascope-Format extensiv nutzte, und das nicht nur in Western wie "Fluß ohne Wiederkehr" (mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum). Otto Preminger (1905 - 1986) debütierte als Schauspieler bei Max Reinhardt, vollendete ein Jurastudium und gründete in Wien "Die Komödie". Als Reinhardt in den Ruhestand ging, übernahm er für zwei Jahre die Leitung des Theaters in der Josefstadt. 1931 inszenierte er seinen ersten Film, wurde 1936 vom Produzenten Joseph Schenck nach Hollywood eingeladen und begann für die Fox zu arbeiten. Der Perfektionist Preminger wurde auch "Otto der Schreckliche" genannt, ließ sich auf zermürbende Kämpfe mit Studiochef Darryl F. Zanuck ein, konnte aber wegen der Annektierung Österreichs durch Hitler nicht nach Europa zurück. Preminger führte Lubitschs letzten Film "Die Frau im Hermelin" zu Ende und hatte seinen Durchbruch mit dem Kriminalmelodram "Laura" (1944), einem der Meisterwerke des Film noir. Seit 1953 arbeitete Preminger als einer der ersten unabhängigen Produzenten-Regisseure des internationalen Films und unterlief erfolgreich die Zensurmechanismen des Studiosystems. So weigerte er sich, Worte wie "Jungfrau", "schwanger" und "verführen" zu schneiden und trug erheblich zur Aufweichung des Production Code bei. Er ignorierte die "Schwarze Liste" der antikommunistischen Hexenjagd, ließ Autoren wie Dalton Trumbo ("Exodus") für sich arbeiten und stellte als engagierter Anti-Rassist für "Carmen Jones" (1954) und "Porgy und Bess" (1958) eine afro-amerikanische Besetzung zusammen. Preminger entdeckte die Schauspielerin Jean Seberg ("Bonjour Tristesse", "Die heilige Johanna"), ließ von dem Vorspann-Künstler Saul Bass hochkarätige Vorspänne für seine Filme entwickeln und plante geschickte Werbestrategien. Sein Sinn für Raumaufteilungen, Tiefenschärfe- Kompositionen wie bei Orson Welles und szenische Auflösungen ist beeindruckend, seine Themen sind kontrovers: Drogensucht, ein Cold Turkey und Prostitution ("Der Mann mit dem goldenen Arm", mit Frank Sinatra und Kim Novak), Homosexualität in "Sturm über Washington", die Politik der katholischen Kirche in "Der Kardinal", oder Rassismus in "Morgen ist ein neuer Tag". Preminger drehte einen der besten Gerichtsfilme ("Anatomie eines Mordes", mit James Stewart) und ließ seine Personen beim Militär ("Erster Sieg"), im Geheimdienst ("Der menschliche Faktor", nach Graham Greene) oder in der Politik ("Exodus") zwischen Fanatismus, Wahrheitssuche, Rivalität und bitterer Erkenntnis kreisen. In Billy Wilders Lagerfilm "Stalag 17" (1953) spielte Preminger den sadistischen Lagerkommandanten. 1999 war ihm die Retrospektive der Filmfestspiele Berlin gewidmet.

  • Geburtstag
    05.12.1906
  • Geburtsort
    Wien
  • Geburtsland
    Österreich-Ungarn

Killer räumen Oscars ab

Mit einer Öldusche hatte man in Hollywood in der Oscar-Nacht gerechnet - stattdessen gab's reichlich blaue Bohnen!

Großansicht Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.)

Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.)

Vier von acht möglichen Oscars, darunter in den beiden Königsklassen Bester Film und Beste Regie, gab's von der Academy für die Killergroteske "No Country for Old Men" von den Brüdern Joel und Ethan Coen. Javier Bardem glänzt in der absurd-tragikomischen Ballade um kaputte Gangster und desillusionierte Gesetzeshüter als gewissenloser münzewerfender Mörder und heimste dafür zu Recht den Preis als bester Nebendarsteller ein.

Das Öl-Drama "There Will Be Blood" kam trotz ebenfalls acht Nominierungen nur auf zwei Goldjungen. Einen davon räumte erwartungsgemäß Daniel Day-Lewis als bester Hauptdarsteller ab. Als beste Hauptdarstellerin wurde völlig überraschend Marion Cotillard für ihre Rolle als Edith Piaf in "La Vie en Rose" ausgezeichnet. Die Französin war ebenso überrumpelt wie das ganze Kodak Theater, dass nicht die Favoritinnen Julie Christie oder Cate Blanchett geehrt wurden - Cotillard stand minutenlang unter Tränen vor dem Mikrofon und rang nach Worten für ihre Dankesrede. Am Ende fand sie die schönsten Worte des gesamten Abends: "Ich danke dem Leben und ich danke der Liebe. Es stimmt wirklich, dass es in dieser Stadt Engel gibt."

Großansicht Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.)

Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.)

Deutschland freut sich mit Österreich

Den Oscar für die beste Nebendarstellerin gewann Tilda Swinton für ihre Rolle als Gegenspielerin von George Clooney im Gerichts-Thriller "Michael Clayton". Auch hier hatte Cate Blanchett für "I'm Not There" als haushohe Favoritin gegolten. Trotzdem war "Michael Clayton" neben "Abbitte" der große Verlierer: Beide Filme waren sieben mal nominiert, mussten sich aber mit nur einem Award begnügen.

Einen "halben" deutschen Oscar gab's für das KZ-Drama "Die Fälscher" mit August Diehl, das für Österreich in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ins Rennen ging und in Deutschland koproduziert wurde. Regisseur Stefan Ruzowitzky erinnerte an seine erfolgreichen Landsmänner in Hollywood wie Billy Wilder oder Otto Preminger und sagte: "Es ist passend, dass der erste Oscar für Österreich an einen Film geht, der von den Verbrechen der Nazis handelt - denn aus diesem Grund mussten diese großen Künstler damals in die USA flüchten."

Großansicht Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.)

Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.)

Gedenken an Heath Ledger

"Das Bourne Ultimatum" darf sich rühmen, technische Maßstäbe gesetzt zu haben. Drei Oscars für Schnitt, Ton und Tonschnitt machen den spektakulären Agententhriller zum Film mit den zweitmeisten Preisen nach "No Country" und zum einzigen Beitrag, der alle Goldjungs erhielt, für die er nominiert war.

Einer der emotionalsten Momente war der Abschied der Academy von den Mitgliedern, die in den letzten zwölf Monaten verstarben: Am Ende des Zusammenschnitts von Höhepunkten aus den Werken der Filmschaffenden und Porträtfotos der verstorbenen Künstler wurde Heath Ledger gezeigt - und nachdem sich der Applaus gelegt hatte, herrschte lange Zeit gebannte Stille im gesamten Kodak Theatre.


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