Olivier Nakache und Eric Toledano, ein eingespieltes Filmemacher-Duo hatten schon vor sieben Jahren die Idee, die Geschichte der "Ziemlich besten Freunde" zu realisieren.
Genuss statt Resignation: "Ziemlich beste Freunde" ist eine Komödie über eine tragische Wendung im Leben eines Gleitschirmpiloten (Foto: Senator)
Was brachte Sie dazu, eine Komödie über ein doch sehr tragisches Thema zu machen?
ERIC TOLEDANO: Wir haben vor sieben Jahren einen Dokumentarfilm im Fernsehen über den nach einem Gleitschirmunfall querschnittsgelähmten Philippe Pozzo di Borgo und seinen jungen Helfer aus der Banlieue gesehen. Das hat uns elektrisiert, vor allem der Humor. Aber wir fühlten uns noch nicht reif genug, den Stoff zu realisieren, und sagten uns, warten wir noch ab und drehen noch einige Filme. Vor zwei Jahren wussten wir plötzlich, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, und nahmen Kontakt zu Philippe auf, fragten um Erlaubnis, sein Schicksal zu verfilmen.
Und wie war seine Reaktion?
OLIVIER NAKACHE: Vor unserem ersten Treffen hatte er sich unsere Filme angeschaut, wir durften seine Geschichte erzählen, aber als Komödie. Das war die Bedingung für "Ziemlich beste Freunde".
TOLEDANO: Dann ging es relativ schnell. Mit unseren ersten drei Filmen konnten wir schon Erfolge vorweisen, wenn auch in einer anderen Dimension als "Ziemlich beste Freunde". Die notwendigen Gelder zu erhalten, war kein Problem. Unsere Filme benötigen für französische Verhältnisse nur ein moderates Budget.
Die Weinstein Company plant ein Remake. Was halten Sie von der Idee?
NAKACHE: Im Moment machen wir uns noch keinen Kopf, stecken mitten in der Promotion, auch für den Start in USA. Einem Remake sind wir prinzipiell nicht abgeneigt, aber es läuft nicht so, dass wir für ein fettes Sümmchen sagen, macht, was ihr wollt. Wir möchten genau wissen, was passiert. Bei einer wahren Geschichte trägt man eine moralische Verantwortung. Auf jeden Fall wollen wir mit dem englischsprachigen Drehbuchautor zusammenarbeiten und nicht das Projekt einfach aus der Hand geben, sondern bis zum Ende begleiten.
Hätten Sie in Ihren kühnsten Träumen an über zwölf Mio. Zuschauer gedacht?
TOLEDANO: Eine wahnsinnige Überraschung, wir sind mehr als glücklich. Bevor der Film in Paris startete, haben wir Previews in der Provinz organisiert und gemerkt, der ist etwas ganz Spezielles. Die Leute lachten nicht nur, sondern wollten mit uns diskutieren, mehr erfahren. Wir haben ein Tabuthema angerührt und eine Debatte losgetreten. Die meisten Leute fühlen sich unsicher in der Begegnung mit einem behinderten Menschen und setzen auf die Mitleidsschiene. Und genau das ist falsch.
NAKACHE: Der Film erzählt auch von der Zerbrechlichkeit des Körpers. Heute muss immer alles perfekt sein, alles muss funktionieren. Wir essen gesund, lassen Schönheitschirurgen an uns herumschnippeln, kämpfen gegen das Altern und sprechen nicht über den Tod. Unsere Aufgabe als Regisseure sehen wir darin, Fragen zu stellen, dann beginnt die Analyse. Jeder kann seine persönliche Antwort finden - Soziologe, Psychologe oder Journalist.
Planen Sie schon ein neues - nach dem Erfolg - vielleicht größeres Projekt?
TOLEDANO: Nichts Konkretes. Der Erfolg wird nicht unsere Arbeitsweise ändern, wir machen Schauspielerfilme und möchten uns nicht durch ein zu hohes Budget unter Druck setzen lassen. Unser Bereich bleibt die realistische Komödie, wir wollen keine dummen Späße zum Schenkelklopfen servieren, sondern Inhalte liefern, die den Zuschauer trotz Amüsement gleichzeitig an die manchmal harte Wirklichkeit erinnern. Lachen als Therapie. Jeder hat Angst vor Behinderung, egal in welcher Form, und davor, nicht mehr funktionieren zu können und abhängig zu sein. Vielleicht können wir diese Angst ein wenig mildern.