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Portrait
Sie waren zwar nicht die "größte Band der Welt", wie ihre Fans es gerne gesehen hätten, aber ohne Zweifel zählten Oasis zu den bedeutendsten Gruppen der späten Neunziger und waren Englands erfolgreichster musikalischer Exportartikel jener Zeit.
Seit ihrer Debütsingle "Supersonic" (1994) gelang der Musikerschar unter der Leitung des charismatischen Brüderpaars Noel (Gitarre, Gesang, Songwriting) und Liam Gallagher (Gesang) eine beispiellose Serie an internationalen Hitsingles und -alben. Doch ganz im Gegensatz zu zahllosen Genre-Kollegen, deren Popularität schnell verblasste, gruben sich Oasis-Songs nachhaltig ins Herz und Bewusstsein von Millionen Musikfans auf der ganzen Welt. Ihr Debüt-Album "Definitely Maybe" war eine Erneuerung des Gitarren-Rock'N'Roll, außerdem das meistverkaufte Debüt-Album Großbritanniens. Selbstbewußt vorgetragen und mit akribischer Detailverliebtheit in Punkt Rock'n'Roll-Lifestyle, ging die aus Manchester stammende Band dabei keiner Konfrontation aus dem Weg. Die Singles "Live Forever", "Cigarettes & Alcohol" oder "Rock'N'Roll Star" brachten das Image der jungen, wilden Brüder, verstärkt durch Paul McGuinan (Bass), Paul "Bonehead" (Rhythmusgitarre) und Tony McCaroll (Schlagzeug), auf den Punkt. Oasis galten nicht nur als Wegbereiter des "Stadion-Indierocks", ohne den die Massenveranstaltungen heutiger Gitarrenbands undenkbar wären, sondern auch als Auslöser des bedeutendsten englischen Musik-Phänomens der 90er Jahre, dem "Britpop". Manifestiert hat sich diese neue Musikrichtung in dem weltweit an die 20 Millionen mal verkauften Album "(What's The Story) Morning Glory", ein musikalischer Meilenstein der Neunziger und eine einzigartige Ansammlung von Superhits. "Wonderwall", "Don't Look Back In Anger", "Some Might Say", "Roll With It" und das hymnische, nur in Amerika ausgekoppelte "Champagne Supernova" zählen bis heute zu den großen britischen Single-Klassikern und waren Charthits auf der ganzen Welt. Nach dem übermäßigen Erfolg des Albums folgten größere Tourneen, die immer wieder von Querelen des ungleichen aber erfolgreichen Brüderpaars unterbrochen wurden. So verließ Noel die Band während einer wichtigen Amerika-Tournee aus Ärger über den Alkohol-Konsum seines Bruders. Auch lobende Worte über die Musik der Gruppe von Tour-Headliner U2 konnten da nicht mehr helfen. Mittlerweile ersetzte Alan White den ausgeschiedenen Drummer Tony McCaroll. Ein ständiges Auf und Ab im Live-Business gipfelte in groß angelegten Open-Airs in England, bei denen hunderttausende Menschen Oasis sahen. 1997 dann der Nachfolger "Be Here Now", eingeleitet von der Hit-Single "D'You Know What I Mean". An den Glanz vergangener Tage konnte das Album nicht anschließen, die Struktur der recht einfach gestrickten Songs war zu durchsichtig, Oasis' Vorliebe für die Kunst der Beatles zu vordergründig. "Stand By Me" und "All Around The World" belegten nur noch in England vordere Chart-Positionen, in Deutschland und dem übrigen Europa mußte sich sie Gruppe mit durchschnittlicher Chart-Präsenz zufrieden geben. In Amerika brachte die Formation nach der abgesagten Tournee keinen Fuß mehr auf den Boden. Die rüpelhafte Erscheinung der Gallaghers hat das Publikum dort der Gruppe anscheinend nicht verziehen. Nach Umbesetzungen - Paul McGuigan und Paul Arthur verließen die Band, Andy Bell (Ride) und Gem Archer (Heavy Stereo) traten an ihre Stelle - machte Oasis vorerst nur im Skandalbereich von sich reden. Liam Gallagher war ein Darling der Presse: Sein exzessiver Lebensstil, die Hochzeit mit Patsy Kensit, die Geburt des Sohnes Lennon Francis sowie die bald folgende Scheidung verdrängten die musikalischen Meldungen über die Band. Doch wie alle epochalen Bands zeichnete sich Oasis durch die Befähigung aus, selbst Jahre nach dem allgemeinen Niedergang des selbst verursachten Booms die Marktführung im Rockgeschäft zu behaupten und dabei in steter Regelmäßigkeit relevante Musik zu produzieren. Obwohl die Musikkritiker das folgende Album "Standing On The Shoulder Of Giants" (1999) nicht gerade in den Himmel hoben, landeten Oasis mit "Go Let It Out" wieder auf Platz 1 der UK-Charts. Im gleichen Jahr erschien auch das Livealbum "Familiar to Millions" mit den größten Hits der Band. Zwei Jahre Ebbe mußten die Fans erdulden, bevor 2002 "Heathen Chemistry" in den Läden stand. Erste Single-Auskopplung war "The Hindu Times", das in Deutschland immerhin Platz 30 belegte und sich 5 Wochen in den Charts hielt. Der von der Kritik wohlwollend besprochene Longplayer erreichte Rang 4 und blieb 14 Wochen in den deutschen Charts. Diesmal hatte Noel nicht alle Songs geschrieben: Drei stammten aus der Feder seines kleinen Bruders, je einer wurde von Gem und Andy beigesteuert. Angeblich sollte es nun auch zu einer vollständig zu Ende gespielten Tour kommen. Doch nach Exzessen im Münchner Nachtleben mußte auch diesmal die Tournee unterbrochen werden - Liam Gallagher hatte bei einer Schlägerei mehrere Zähne verloren. Bruder Noel war wohl sauer, doch gegenüber der Presse hörte er sich an wie immer: "Keiner braucht uns mehr zu sagen, was wir zu tun haben - wir wissen, was wir tun. Wir haben es immer getan. Wir waren die Kleinsten, wir waren die Größten, wir waren die Besten." Immerhin: Alle ausgefallenen Konzerte wurden im Frühjahr 2003 nachgeholt. Anfang 2004 musste Alan White die Band "auf Wunsch der anderen Bandmitglieder" verlassen, wie Oasis auf ihrer Website mitteilten. Ein Erstzmann wurde nicht gesucht und die Band machte als Quartett weiter. Anlässlich des zehnjährigen Bandjubiläums erschien Mitte 2004 die großzügig ausgestattete DVD "Definitely Maybe" mit reichlich rarem Material aus zehn Jahren Bandgeschichte. Im Mai 2005 folgte mit "Don't Believe The Truth" das nächste Studioalbum, das von der Single "Lyla" angeführt wurde. Wie bei "Heathen Chemistry" haben wieder alle Bandmitglieder Songs beigetragen.
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