Mit "The Statement" kehrt Norman Jewison Themen wie Politik und Verrat zurück. Inspiriert von einer wahren Geschichte, prangert er Teile der katholischen Kirche und der französischen Regierung an, die einen Kriegsverbrecher deckten.
Norman Jewison ist Regisseur und Produzent, um die Kontrolle über seine Filme zu behalten (Foto: Universum (Central))
NORMAN JEWISON: Ich mag seine Bücher, vor allem den scharfen Zynismus, den dunklen Blick auf das Leben. Verrat interessiert mich immer. Eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Wir fühlen uns immer an irgendeinem Punkt unseres Lebens verraten.
Natürlich geht es auch um Schuld. Der Protagonist war 1944 an der Ermordung von sieben Juden beteiligt und glaubt wie viele Radikale und Fanatiker, Recht zu haben. Er kennt nur die katholische Form von Schuld. Man geht beichten und erhält die Absolution.
Michael Caine ist für Jewison die perfekte Besetzung für den Kriegsverbrecher Pierre Brossard (Foto: Universum (Central))
Wenn die Handlung in Europa spielt, finde ich es besser, englische statt amerikanische Schauspieler zu nehmen. Das hat Polanski in "Der Pianist" größtenteils auch getan. Und Michael Caine ist perfekt für die Hauptrolle. Auch das Drehbuch ist von einem Europäer, von Ronald Harwood. Die Sensibilität ist eine andere.
An der Mauer, wo die Opfer erschossen wurden, steht ein Monument. Aber seltsamerweise erinnerte sich niemand an die Tat, auch die alten Dorfbewohner nicht. Die reinste Verdrängung. Bei den Kirchenoberen war es ähnlich: Augen zu und durch. Aber einige gaben die Schuld und den Antisemitismus der Kirche zu und unterstützten uns beim Dreh. Man darf nicht alle in einen Topf werfen.
Eine reine Schutzfunktion. Ich will mich keinem Produzenten ausliefern. Meine Filme sehe ich wie ein Maler sein Gemälde; der lässt sich auch keine Farbe vorschreiben. William Wyler, Fred Zinnemann, Billy Wilder - sie alle gaben mir den Rat, selbst zu produzieren. Im Filmgeschäft geht es um Macht und Kontrolle. Wie kann ich Regisseur und Künstler sein, wenn ich mein Werk nicht kontrolliere?
Ich bin kein unverstandener Jammertyp, der herumbettelt und sich beschwert, sondern übernehme Verantwortung. Das habe ich auch Robert Lantos gesagt, der die Rechte am Buch hatte. Wir teilten uns die Produzentenarbeit auf. Er sorgte fürs Geld - eine aufreibende Sache. Kein Studio biss an. Dann hatten wir einen großen kanadischen Verleih im Boot, und der ließ uns zwei Monate vor Produktionsbeginn im Stich.
Bis zur endgültigen Finanzierung dieser im Endeffekt kanadisch-französisch-britischen Koproduktion brauchten wir noch einmal anderthalb Jahre. Dabei betrug das Budget nur etwa 16 Millionen Dollar. Wir haben ziemlich schnell gedreht, waren ständig auf Achse.
Ich arbeite für verschiedene Studios, mir ist egal, wo das Geld herkommt. Weil ich auf dem Final Cut beharre, bin ich natürlich nicht sonderlich beliebt. Es wird immer schwieriger, die Filme zu verwirklichen, die ich machen will. Ich mache Filme für Erwachsene, die Studios konzentrieren sich auf 14- bis 16-jährige Kids und eine Event-Kultur.
Ein Film, der nicht in den ersten zwei Wochen Kasse macht, fliegt gnadenlos aus dem Kino. Und es fehlt an frischen Ideen und Mut. "Dinner with Friends" kostete HBO neun Millionen Dollar; kein Studio konnte sich für die Adaption des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Stücks erwärmen, trotz Dennis Quaid und Andie MacDowell. Das Projekt sei zu "smart", hieß es.
Manchmal frage ich mich, was diesen dynamischen Studiobossen überhaupt durch den Kopf geht. Erfahrung gilt fast als Stigma. Die Kabelsender bieten inzwischen mehr Chancen für Qualitätsfilme, weil sie von der Werbung nicht so abhängig sind.
Der vom Gewissen geplagte Pierre Bossard (Michael Caine) hofft auf Absolution (Foto: Universum (Central))
Ich würde sagen, eine eigene Version nahe am Original, mit amerikanischem Touch. Die Hauptfigur geht nach New Orleans statt nach Venedig. Ich liebe die Story und habe Silvio Soldini kontaktiert. MGM finanziert die Entwicklung. Für das Skript konnte ich John Patrick Shanley gewinnen, den Autor von "Mondsüchtig". Ich habe Lust auf eine romantische Komödie.