Mit "Harry und Sally" und "Schlaflos in Seattle" definierte die Drehbuchautorin und Regisseurin die Standards der modernen romantischen Komödie. Ihr neuer Film "Verliebt in eine Hexe" stand jedoch ursprünglich gar nicht auf Nora Ephrons Wunschliste.
Wollten Sie schon immer eine Kinofassung von "Verliebt in eine Hexe" drehen?
NORA EPHRON: Nie. Bei einem solchen Auftrag wäre mir wahrscheinlich nichts eingefallen. Aber eines Tages bekam ich einen Anruf von Columbia: "Wir haben um elf Uhr ein Meeting mit Nicole Kidman. Sie will "Verliebt in eine Hexe" machen - und wir brauchen eine Idee für eine Story."
Da musste ich daran denken, dass Nicole eine ähnliche Nase wie Elizabeth Montgomery, die Hauptdarstellerin der Serie, hat. Und so kam ich auf die Idee, dass eine Frau in einem Remake besetzt wird, nur weil ihre Nase passt.
Als Hexe Isabel will Nicole Kidman nur eines: ein normales Leben führen (Foto: Sony Pictures)
Wollten Sie daraus von Anfang an eine Hollywood-Satire machen?
Das gehörte immer dazu. Aber ich muss Sie leider korrigieren: Was Ihnen als Satire erscheint, ist leider schreckliche Wahrheit. Viele männliche Stars in Hollywood tun so, als würden sie gern Filme mit substanziellen Frauenrollen machen. Aber das meinen sie nicht ernst. Tatsächlich wollen sie alle guten Dialoge und Szenen für sich haben.
Hat sich die Lage für Frauen in Hollywood nicht geändert?
Auf der Management-Seite schon. Aber es gibt immer noch nicht genügend Regisseurinnen oder Kamerafrauen. Die haben es weiterhin schwer.
"Verliebt in eine Hexe": Jack ahnt nichts vom wahren Ich seiner Angebeteten (Foto: Sony Pictures)
Woran liegt das?
Eine wesentliche Rolle spielt, dass die Studios Filme für männliche Teenager produzieren wollen - also Actionfilme. Schon allein deshalb werden Frauen von vielen Filmen ausgeschlossen. Ich selbst bin noch nie diskriminiert worden. Aber das liegt daran, dass ich keine Lust habe, einen Film zu drehen, wo Leute einander erschießen oder schnelle Autos fahren.
Trotzdem spielen Sie im Großbudget-Bereich mit - "Verliebt in eine Hexe" kostete über 70 Millionen Dollar. Wollten Sie mit Spezialeffekten zaubern?
Ich hasse Computereffekte. Sie führen bloß dazu, dass du wichtige Szenen unterbrechen musst, weil irgendein Greenscreen aufgestellt wird, um dort später die Bilder aus dem Rechner einzufügen. Ich versuchte, die Effekte so unscheinbar wie möglich zu halten - sie sollten auf keinen Fall von den Schauspielern ablenken. Die Tricks waren auch gar nicht so aufwändig: Sie kosteten bloß drei Millionen Dollar.
Langsam dämmert es Will Ferell, dass in dieser Familie so manches anders ist (Foto: Sony Pictures)
Was war dann so teuer?
Die Schauspieler. Das war unser größter Budgetposten.
Konnte Nicole Kidman als Komödiantin funktionieren?
Ich hatte sie in "To Die For" und den Aufführungen von "The Blue Room" gesehen. So wusste ich, dass sie auch ein komisches Talent hat. Sie hat nur dieses düstere Image, weil sie so häufig Frauen am Rande des Selbstmords spielt. Aber tatsächlich ist sie ähnlich hell und naiv wie ihre Figur in "Verliebt in eine Hexe".
Gelten seit "Schlaflos in Seattle" als Film-Traumpaar: Tom Hanks und Meg Ryan (Foto: Columbia Tristar)
Sie sagten einmal, Sie wurden Regisseurin, um Ihre Drehbücher zu schützen. Gilt das nach wie vor?
Ja. Aber es gibt mehrere Gründe, warum ich Regie führe. Ich möchte auch sicherstellen, dass meine Filme einen Regisseur haben. Eine Autorin, die Skripts über Beziehungsgeschichten schreibt, hat es nicht leicht, jemanden dafür zu finden. Lieber mache ich es selbst, als andere anzuflehen.
Dafür haben Sie eine kreative Partnerin. Mit Ihrer Schwester Delia haben Sie viele Ihrer Filme zusammen geschrieben - so auch "Verliebt in eine Hexe".
Wenn ich Regie führe, ist es sehr wichtig, jemanden dabei zu haben, der die wichtigen Aspekte des Drehbuchs kennt. Delia erinnert mich zum Beispiel daran, wenn bestimmte Dialogzeilen nicht rüberkommen. Abgesehen davon finde ich, dass sie als Autorin besser ist als ich.
Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau? Unmöglich - zumindest in "Harry und Sally" (Foto: Jugendfilm)
Mit Ihren Drehbüchern wie "Harry und Sally" haben Sie die moderne romantische Komödie geprägt. Was hat sich seither in dem Genre verändert?
Teilweise sind die Filme zotiger geworden - ein gutes Beispiel ist "Die Hochzeits-Crasher", den ich übrigens sehr komisch fand. Aber sonst stelle ich keine großen Veränderungen fest. Ich weiß noch genau, wie revolutionär ich den "Stadtneurotiker" fand. So etwas habe ich seither nicht mehr erlebt.