Spezialistin für romantische Komödien, die sich durch Schlagfertigkeit, Wortwitz und pointierte Dialoge sowie leicht schräge Ausflüge ins Absurd-... - Foto: http://images.kino.de/flbilder/max99/bf99/bf06/b9906037/b150x150.jpg Nora Ephron

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Nora Ephron


  • Geburtstag
    19.05.1941

Spezialistin für romantische Komödien, die sich durch Schlagfertigkeit, Wortwitz und pointierte Dialoge sowie leicht schräge Ausflüge ins Absurd-Himmlische auszeichnen, wurde die Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron schlagartig mit ihrem Drehbuch zu dem zum Kultfilm gewordenen Geschlechterkampf "Harry und Sally" bekannt, der Meg Ryan und Billy Crystal zu Stars machte. Die Zusammenarbeit mit Ryan setzte sich über "Schlaflos in Seattle", Ephrons erfolgreichsten Film, und "E-Mail für Dich", in dem Ryan zum zweiten Mal an der Seite von Tom Hanks spielte, bis zu der von Diane Keaton inszenierten und von Ephron geschriebenen Drei-Schwestern-Komödie "Aufgelegt!" fort.

Dabei hatte die 1941 in New York City geborene Ephron durchaus nicht komisch, sondern politisch engagiert mit dem Drehbuch zu Mike Nichols' "Silkwood" (1983) begonnen, in dem Meryl Streep die authentische Anti-Atom-Aktivistin Silkwood, die unter rätselhaften Umständen ums Leben kam, verkörperte. Wie später für "Harry und Sally" und "Schlaflos in Seattle" wurde Ephron für ihr Drehbuch für den Oscar nominiert. Ephrons treffsichere Dialoge und die Überzeugungskraft ihrer Situationskomik beruhen zum großen Teil auf eigenen Erfahrungen. So brachte die ehemalige Reporterin für die New York Post und Autorin für Esquire und das New York Magazine ihre journalistischen Arbeiten in zwei Büchern ("Crazy Salad", "Scribble, Scribble") heraus, die Bestseller wurden, und verarbeitete ihre bitteren Ehejahre mit dem Watergate-Journalisten Carl Bernstein in "Sodbrennen", von Mike Nichols mit Meryl Streep und Jack Nicholson verfilmt. Journalistisches findet sich auch in "Michael" wieder: Die Journalisten Andie MacDowell und William Hurt suchen den gefallenen Erzengel Michael (John Travolta), der aller Leben nachhaltig verändert. Ephron scheute sich nicht, bereits erfolgreiche Komödien gekonnt zu modernisieren. So wurde aus der Cary Grant/Deborah Kerr-Romanze "Die große Liebe meines Lebens" die romantische Komödie "Schlaflos in Seattle", aus Ernst Lubitschs Klassiker "Rendezvous nach Ladenschluss" die Buchhändler-Romanze "E-Mail für Dich". In Ephrons erster Regiearbeit "Showtime - Hilfe, meine Mama ist ein Star" schlägt sich eine alleinerziehende Mutter (Julie Kavner) als Solo-Entertainerin durch. Das Motiv von Kindern ohne Familie oder in einer Familie in der Krise spielt in beinahe allen Filmen Ephrons eine wesentliche Rolle. Ein zweites durchgängiges Motiv sind Telefon oder Handy, die zu Störmitteln oder Lebensrettern werden: in "Lifesavers - Die Lebensretter" ist Steve Martin Telefonseelsorger an Heiligabend, in "Schlaflos in Seattle" initiiert Tom Hanks' Sohn die Telefon-Romanze mit Meg Ryan, in "Aufgelegt!" hält der sterbende Walter Matthau seine drei Töchter, die sowieso gern telefonieren, per Handy auf Trab. Die schwarzen Untertöne in den Drehbüchern Ephrons, die gelegentlich mit ihrer Schwester Delia an den Skripten arbeitete, finden ihren Widerhall in "My Blue Heaven", wo Steve Martin als Mafia-Mann eine Vorstadt aufmischt, und in "Lucky Numbers", wo John Travolta und Lisa Kudrow als Wetteransager und Lottogirl die Staatslotterie manipulieren.

Ephron ist in zweiter Ehe mit dem Journalisten Nicolas Pileggi verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat.

  • Geburtstag
    19.05.1941
  • Geburtsland
    Großbritannien

"Bei mir erschießen sich die Leute nicht"

Mit "Harry und Sally" und "Schlaflos in Seattle" definierte die Drehbuchautorin und Regisseurin die Standards der modernen romantischen Komödie. Ihr neuer Film "Verliebt in eine Hexe" stand jedoch ursprünglich gar nicht auf Nora Ephrons Wunschliste.

Großansicht Sie bringt Frauen auf der ganzen Welt zum Weinen: Nora Ephron (Foto: Sony Pictures)

Sie bringt Frauen auf der ganzen Welt zum Weinen: Nora Ephron (Foto: Sony Pictures)

Wollten Sie schon immer eine Kinofassung von "Verliebt in eine Hexe" drehen?

NORA EPHRON: Nie. Bei einem solchen Auftrag wäre mir wahrscheinlich nichts eingefallen. Aber eines Tages bekam ich einen Anruf von Columbia: "Wir haben um elf Uhr ein Meeting mit Nicole Kidman. Sie will "Verliebt in eine Hexe" machen - und wir brauchen eine Idee für eine Story."

Da musste ich daran denken, dass Nicole eine ähnliche Nase wie Elizabeth Montgomery, die Hauptdarstellerin der Serie, hat. Und so kam ich auf die Idee, dass eine Frau in einem Remake besetzt wird, nur weil ihre Nase passt.

Großansicht Als Hexe Isabel will Nicole Kidman nur eines: ein normales Leben führen (Foto: Sony Pictures)

Als Hexe Isabel will Nicole Kidman nur eines: ein normales Leben führen (Foto: Sony Pictures)

Wollten Sie daraus von Anfang an eine Hollywood-Satire machen?

Das gehörte immer dazu. Aber ich muss Sie leider korrigieren: Was Ihnen als Satire erscheint, ist leider schreckliche Wahrheit. Viele männliche Stars in Hollywood tun so, als würden sie gern Filme mit substanziellen Frauenrollen machen. Aber das meinen sie nicht ernst. Tatsächlich wollen sie alle guten Dialoge und Szenen für sich haben.

Hat sich die Lage für Frauen in Hollywood nicht geändert?

Auf der Management-Seite schon. Aber es gibt immer noch nicht genügend Regisseurinnen oder Kamerafrauen. Die haben es weiterhin schwer.

Großansicht "Verliebt in eine Hexe": Jack ahnt nichts vom wahren Ich seiner Angebeteten (Foto: Sony Pictures)

"Verliebt in eine Hexe": Jack ahnt nichts vom wahren Ich seiner Angebeteten (Foto: Sony Pictures)

Woran liegt das?

Eine wesentliche Rolle spielt, dass die Studios Filme für männliche Teenager produzieren wollen - also Actionfilme. Schon allein deshalb werden Frauen von vielen Filmen ausgeschlossen. Ich selbst bin noch nie diskriminiert worden. Aber das liegt daran, dass ich keine Lust habe, einen Film zu drehen, wo Leute einander erschießen oder schnelle Autos fahren.

Trotzdem spielen Sie im Großbudget-Bereich mit - "Verliebt in eine Hexe" kostete über 70 Millionen Dollar. Wollten Sie mit Spezialeffekten zaubern?

Ich hasse Computereffekte. Sie führen bloß dazu, dass du wichtige Szenen unterbrechen musst, weil irgendein Greenscreen aufgestellt wird, um dort später die Bilder aus dem Rechner einzufügen. Ich versuchte, die Effekte so unscheinbar wie möglich zu halten - sie sollten auf keinen Fall von den Schauspielern ablenken. Die Tricks waren auch gar nicht so aufwändig: Sie kosteten bloß drei Millionen Dollar.

Großansicht Langsam dämmert es Will Ferell, dass in dieser Familie so manches anders ist (Foto: Sony Pictures)

Langsam dämmert es Will Ferell, dass in dieser Familie so manches anders ist (Foto: Sony Pictures)

Was war dann so teuer?

Die Schauspieler. Das war unser größter Budgetposten.

Konnte Nicole Kidman als Komödiantin funktionieren?

Ich hatte sie in "To Die For" und den Aufführungen von "The Blue Room" gesehen. So wusste ich, dass sie auch ein komisches Talent hat. Sie hat nur dieses düstere Image, weil sie so häufig Frauen am Rande des Selbstmords spielt. Aber tatsächlich ist sie ähnlich hell und naiv wie ihre Figur in "Verliebt in eine Hexe".

Großansicht Gelten seit "Schlaflos in Seattle" als Film-Traumpaar: Tom Hanks und Meg Ryan (Foto: Columbia Tristar)

Gelten seit "Schlaflos in Seattle" als Film-Traumpaar: Tom Hanks und Meg Ryan (Foto: Columbia Tristar)

Sie sagten einmal, Sie wurden Regisseurin, um Ihre Drehbücher zu schützen. Gilt das nach wie vor?

Ja. Aber es gibt mehrere Gründe, warum ich Regie führe. Ich möchte auch sicherstellen, dass meine Filme einen Regisseur haben. Eine Autorin, die Skripts über Beziehungsgeschichten schreibt, hat es nicht leicht, jemanden dafür zu finden. Lieber mache ich es selbst, als andere anzuflehen.

Dafür haben Sie eine kreative Partnerin. Mit Ihrer Schwester Delia haben Sie viele Ihrer Filme zusammen geschrieben - so auch "Verliebt in eine Hexe".

Wenn ich Regie führe, ist es sehr wichtig, jemanden dabei zu haben, der die wichtigen Aspekte des Drehbuchs kennt. Delia erinnert mich zum Beispiel daran, wenn bestimmte Dialogzeilen nicht rüberkommen. Abgesehen davon finde ich, dass sie als Autorin besser ist als ich.

Großansicht Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau? Unmöglich - zumindest in "Harry und Sally" (Foto: Jugendfilm)

Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau? Unmöglich - zumindest in "Harry und Sally" (Foto: Jugendfilm)

Mit Ihren Drehbüchern wie "Harry und Sally" haben Sie die moderne romantische Komödie geprägt. Was hat sich seither in dem Genre verändert?

Teilweise sind die Filme zotiger geworden - ein gutes Beispiel ist "Die Hochzeits-Crasher", den ich übrigens sehr komisch fand. Aber sonst stelle ich keine großen Veränderungen fest. Ich weiß noch genau, wie revolutionär ich den "Stadtneurotiker" fand. So etwas habe ich seither nicht mehr erlebt.


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