Neuseeland wird zur neuen Kinohochburg: Nach dem Hollywood-finanzierten "Herr der Ringe" erobert die heimische Produktion "Whale Rider" das internationale Publikum. Die Hauptdarstellerin erhielt jetzt sogar eine Oscar-Nominierung.
Alle Beteiligten ahnten, dass der Film so ein Potenzial hatte. Aber Voraussetzung war, dass wir unsere Aufgabe gut meisterten. Dafür war auch die Zusammenarbeit mit den Maori entscheidend. Denn "Whale Rider" erzählt ihre Geschichte. Die Leute in Whangara, wo wir den Film drehten, sind nach ihrem Glauben Abkömmlinge des Walreiters. Um der Sache Authentizität zu verleihen, haben wir - bis auf die Hauptakteure - jede Rolle mit Einheimischen besetzt.
Die Schauplätze des Films und die Maori-Kultur waren für uns alle sehr inspirierend. Wir haben die Geschichte mit Sorgfalt und Respekt behandelt. Auf diese Weise hat der Film etwas sehr Ehrliches. Das erklärt vielleicht seine Wirkung.
Sehr stark. Denn die Geschichte des Buchs ist nicht aus dem Blickwinkel des Mädchens Pai erzählt. Außerdem gibt es kaum Dialoge. Und das Finale mit den Walen ist viel länger. Das alles musste ich umarbeiten. Andererseits sind die stärksten Momente des Films exakt dem Buch entnommen.
Wegen der Wal-Szenen war es ein sehr aufwendiges Projekt. Letztlich kostete der Film rund 4,5 Mio. US-Dollar. Das ist ungefähr das Dreifache unserer normalen Budgets. Aber ich sagte zu den Produzenten: "Vielleicht hat es deshalb so lange gedauert, weil die Welt vorher nicht bereit war."
Das waren ganz einfache Modelle aus Latex und Fiberglas. Zwei davon konnten von je zwei Männern bewegt werden. Das war alles wenig anspruchsvoll. Aber weil die Schauspieler mit ganzer Seele dabei waren und weil wir es richtig filmten, hat es funktioniert.
Sie kamen an Bord, weil sie vom Drehbuch sehr angetan waren.
Normalerweise verlassen wir unsere Heimat nicht gern. Wir machten Schnitt und Ton in Köln. Eine Berliner Effektfirma hat ein paar kleine Computereffekte beigesteuert. Die Teams und das technologische Niveau waren fantastisch.
Unser Land ist richtig stolz auf seine filmischen Leistungen und sein Potenzial. Wenn eine Hollywoodproduktion wie "Last Samurai" in einer Kleinstadt gedreht wird, bringt das den Einwohnern vor Ort enorme Einnahmen. Aber die lokalen Filmemacher haben eher Nachteile davon. Es ist sehr schwer geworden, Crews zu finden. Denn Hollywoodproduktionen bezahlen nun einmal mehr. Wäre mein Team nicht so loyal, hätte ich bei "Whale Rider" Schwierigkeiten gehabt.
Leider nein. Man hat sich entschlossen, jeder Produktion mit einem Budget von mindestens 20 Mio. neuseeländischen Dollars Steuererleichterungen zu geben. Aber das ist nur ein Vorteil für Hollywoodfilme. Unsere Produktionen kosten eben weit weniger. Es gibt aber Unterstützung, wenn man bereits einen Film gemacht hat und Geld aus Übersee auftreibt. Dann bekommt man die gleiche Summe aus Fördertöpfen draufgelegt. So gesehen muss ich mir für meinen nächsten Film keine Sorgen machen.
Das trifft zwar zu, aber ich möchte lieber in meinem Land bleiben. Mein Ziel wäre es, das zu erreichen, was Peter Jackson geschafft hat: ein ambitioniertes Projekt in meiner Heimat zu stemmen.